Wir haben ja schon alles durch. Einen Kopfgrätscher hält nicht viel vom Kicken ab. Selbst, wenn normalerweise jemand fragt: „bei dem Wetter?“, sagt man erst recht „warum nicht?“. Nicht umsonst sagt man, dass nach einem Atomschlag nur Kakerlaken und Kopfgrätscher wieder aus ihren Löchern gekrabbelt kommen. Allerdings habe ich schon echt lange keine Kakerlake mehr gesehen. Die werden sich doch nicht dünne gemacht haben? Da kommt der Kopfgrätscher ins Grübeln. Ihn Samstag 10:30 einfach im Auto zu lassen, ist allerdings auch keine gute Option. Vielleicht lässt man ihn doch ein wenig über den Platz schleichen. Vielleicht entwickelt er sich aber auch zum Sandplatzexperten wie Rafael Nadal. Mit Schäufelchen und Eimer wird es nicht lange dauern, bis er eine Sand-Wismarena in den Strand gebuddelt hat. Der Wasserball ist rund und nach dem Essen ist vor dem Schwimmen, dazwischen dauert die Pause 90 Minuten. Damit kann man arbeiten. Nur die Volleyballer nerven mit ihrer Netzphobie. Aber wenn man sich mit Sonnencreme eine Nummer auf den Rücken malt, braucht man sich kein teures Bayern-Trikot kaufen. Vertretbare Betriebstemperaturen für Kopfgrätscher sind dann hoffentlich 18:00 wieder zu erwarten. Vielleicht sogar mit Unwetter. Aber dazu sagt der Kopfgrätscher eigentlich nur lakonisch: „warum nicht?“.
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Born here, but able to run somewhere else
Man muss nicht der geborene Kicker sein. Born to run reicht völlig. Egal ob man aus Badlands oder Promised Land kommt, Hauptsache man setzt den Fuß out in the Street. So wie der Boss vor 30 Jahren als er 160.000, die born in the GDR waren, in this Hard Land besuchte. Und wenn ihr euch heute in eurer brilliant Disguise auf die Thunder Road traut, hört ihr schon bald wie der Wrecking Ball durch die Gegend gebolzt wird. Mit Hungry Heart und Human Touch. Die Glory Days sind vielleicht schon etwas länger her und die Spare Parts werden knapp. Wir sind vielleicht nicht tougher than the Rest aber dafür on Fire und bis zum letzten Tor gilt: no Surrender. That’s why I’m goin’ down Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, obwohl ich weiß: my Best was never good enough.
À la baguette
Was macht man, wenn man im Land des kommenden Weltmeister urlaubt, aber nicht darauf verzichten möchte, das WM-Finale von Béla Réthy kommentiert zu bekommen? Dann führt kein Weg am Kiez vorbei. Das Bistro Allemand mit Biergarten am Canal Saint-Martin. La Deutsche Gemutlichkeit à Paris. Zwischen Kraft Bier und Käsespätzle, Fritz Cola und Weltmeisterplatte gibt es hier alles, um sich mit Wehmut daran zu erinnern, warum hier überhaupt eine Weltmeisterplatte auf der Karte steht. Und Fußball ist auch abseits von großen Turnieren stets ein zentrales Element dieser Erlebnisgastro. „Viens jouer sur le seul Baby foot allemand de Paris et suivre les matchs de la Bundesliga ou de la Manschaft!“ Baby foot allemand ist übrigens Tischkicker. Aber auch sonst kann man sich hier super auf den nächsten Vokabeltest vorbereiten.
avoir un bon placement – ein gutes Stellungsspiel haben
pénétrer dans la surface de réparation – in den Strafraum eindringen
brosser le ballon – den Ball anschneiden
amorti de la poitrine – gefühlvolle Ballannahme mit der Brust
rècupèrateur – zentraler defensiver Mittelfeldspieler oder Bergmann
correspond à la ligne des 6 mètres – 5-m-Linie
prendre en sandwich – in die Zange nehmen
grand pont – Trick, bei dem der Ball rechts bzw. links am Gegner vorbeigeht und dieser auf der anderen Seite umlaufen wird
Nur Kopfgrätsche Samstag 10:30 / Mittwoch 18:00 lässt sich schwer adäquat übersetzen. Und wer jetzt den Kopfgrätsche-Aufkleber sucht, sollte im Kiez unbedingt mal auf dem Klos vorbeischauen. Beim grünen Ampelmännchen.
In der Diaspora
Erinnert ihr euch noch an den letzten Sommer? An all das Konfetti in der Luft, das beim ConFed- und beim Confetti-Cup durch die Luft wirbelte? Ja okay, das Wetter war bescheiden. Für ein Sommermärchen fehlte der Sommer. Im letzten Sommer waren dennoch alle überzeugt, dass wir zwei bis drei Mannschaften haben, um erneut Weltmeister zu werden. Und nu? Die ganze Euphorie verpufft. Fußball doof. Jogi ein Blinder. Die Endzwanziger auf dem Feld lahme Greise. Lieber Volleyball oder Tischtennis. Nicht mal das DIA-Turnier kann diesem Sommer noch retten. Wahrscheinlich will niemand mit einem Sport belästigt werden, in dem England Titel gewinnen könnte. Und das nur, weil die so toll Elfmeter können. Jedenfalls ist es am einfachsten, Jogi auch noch Schuld dafür zu geben, dass das für dieses Wochenende geplante DIA-Turnier nicht stattfinden kann. Oder Oliver Bierhoff. Oder Mesut Özil. Einer von denen hat es auf dem Gewissen. Die aktuelle Studentengeneration ist quasi in ihrem persönlichen 2004 angekommen. Unter Tante Käthe schafften wir damals dank zweier Unentschieden und einer Niederlage den vorletzten Platz vor Lettland. Ballkünstler wie Thomas Brdaric, Jens Nowotny, Christian Wörns oder Fabian Ernst haben im Grunde das Sommermärchen von 2006 erst möglich gemacht. Vor allem, weil sie 2006 nicht mehr dabei waren. Von da an retteten dann Jogi, das DIA-Turnier und die Karstadt-Arena den Fußball. Wir sind bereit für Neues, Jogi. Und du?
PS: Streng genommen, soll das Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 auch Fußball sein. Hat aber nur im Entferntesten damit zu tun. Kommt also wie immer, denkt nicht drüber nach und freut euch an der schönsten Kopfgrätsche der WM. Danke.
This is Lucas Torreira using his head to make a tackle.
His head.
To tackle.
This kid is prepared to die for the cause. pic.twitter.com/QobDGn3nJl— Gilles (@GrimandiTweets) 30. Juni 2018
Putin‘ it up live
Hiermit verabschieden wir uns mit einem Blumenstrauß warmer Worte von den WM-Allesguckern. Macht es gut. Vergesst nicht zwischen den Spielen auch mal aufs Klo zu gehen oder ab und zu etwas frische Luft reinzulassen. Zwar gibt es noch ein paar fußballfreie Tageszeiten, aber Samstag 10:30 wird schon schwer, wenn man im Vorfeld alle Interviews und Vorberichte mitbekommen möchte. Das ist ja schließlich alles bezahlt. Und es ist natürlich auch beruhigend zu wissen, dass auch Ex-Nationalspieler mit einer Hand voll Länderspielen und einem Sprachfehler wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Allesgucker haben natürlich auch eine große Verantwortung. Wenn die Berichterstattung kurz nach Frühstück startet, müssen schließlich schon ein paar lustige Posts im Netz sein, die von den Fachkräften der Theater-AG Lerchenberg noch einmal in verteilten Rollen nachgespielt werden können. Mit dieser Bürde muss man erst einmal klar kommen. In ein paar Wochen werden die Allesgucker ja wieder auftauchen. Desillusioniert von diesen Tippspielen, die trotz des bedrohlich-schwankenden Stapels Sonderhefte von Leuten gewonnen werden, die im Halbfinale fragen, ob die Italiener noch dabei sind, und leicht matschig im Kopf aufgrund des immer gleichen Musiksnippets, das als WM-Jingle jeden Beitrag über Jogis Espresso-Doping abrundet.
Reiß dich #ZSMMN!
Plötzlich ist da dieses Turnier. Nach all den Kampagnen für die Besten, von denen niemals ein Rest bleibt, oder die Wiedervereinigung durch Fußball, müssen die Models tatsächlich noch in Spielfilmlänge echte Fußballer darstellen. In den kurzen Clips klappt das ja ganz gut. Da gelingt auch jeder Trick und niemand bekommt den Ball ins Gesicht. Oder die Schulter von Ramos. Auf neunzig Minuten gestreckt, hat diese Show dann doch einige Hänger. Das nennt man dann Vorrunde. Ein schmackhaftes Leckerli wie Portugal gegen Spanien wird da gern mal zu einer zähen Partie Mikado, wo niemand zuerst wackeln will. Dafür wird man bereuen, dass man vermeintlich Verzichtbares wie Saudi-Arabien gegen Ägypten oder Tunesien gegen Panama sausen lässt, weil man auch mal wieder Zeit mit der Familie verbringen will. Oft sind das dann die legendären Spiele, die zu modernen Klassikern werden. Das kann aber auch genau andersherum sein. Deshalb sind die Chancen beim Tippspiel und beim russisch Roulette auch ungefährt gleich. Die Rolle für den spektakulär strauchelnden Favoriten muss am Ende ebenso besetzt werden wie die für den sympathischen Underdog, der erst im Halbfinale durch eine eigenartige Schiedsrichterentscheidung ausscheidet. Am Ende muss man leider doch alles gesehen haben, um mitreden zu können. Wie bei dieser Serie, wo die ersten Staffeln so toll waren, dass man auch die 10. guckt, obwohl man die Darsteller nicht mehr kennt, den Drehort blöd findet und man sowieso das Gefühl nicht mehr los wird, alles schon einmal gesehen zu haben. Aber dann kommt dieser eine Moment irgendwo irgendwann in einem der 64 Spiele, wo man all das vergisst. Nach der WM werden Vuvuzela und Trinkhelm sorgfältig für das nächste Turnier verstaut. Das Gesetz der Serie gilt nicht nur Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, auch das DIA-Turnier hofft dieses Jahr wieder im Vorprogramm des WM-Achtelfinales auf den einen oder anderen Eventfan. Am 07.07. 14:00 startet das Bonusmaterial, das sich ausnahmslos aus den besten verpatzten Szenen aus 1000 Jahren Fußballgeschichte zusammensetzen wird. Da ist Loris Karius auf dem Plakat quasi nur ein Fliegenfängerschiss. 
ZZ Top
Bravo. Der Preis für die Kopfgrätsche in Gold geht an … Zinedine Zidane! Und das nicht nur weil er in technischer Vollendung vor 12 Jahren Marco Materazzi auf Brusthöhe mit dem Kopf weggegrätscht hat. Nein, Zizou hat diese Auszeichnung auch aus anderen Gründen verdient. Nach drei Champions-League-Titeln in Folge gibt er auch einmal anderen Sportlern die Chance diesen Titel zu gewinnen. Nachdem das Teamfoto (eindeutig eine Verbeugung vor Kopfgrätsche) offenbarte, dass er wieder die gleichen Spieler aufstellen musste, die tatsächlich die gleichen Posen wie bei seiner letzten Studie wiederholten, ist es an der Zeit, dass auch einmal andere jubeln. Zidane, der da Vinci unserer Zeit, hat sich selbst bis zur Perfektion kopiert. Navas mit dem Wimpel unterm Arm und der Hand auf Casimiros Schulter. Der wiederum mit beiden Händen auf den Knien. Marcelos Hände klammern sich die Oberschenkel seiner Nebenleute. Ganz hinten rechts steht Ronaldo wie sein eigenes Denkmal auf Zehenspitzen und stützt sich auf Benzema auf. Und Toni Kross lächelt wie die Mona Lisa. Aber nun müssen andere kommen und zeigen, dass sie mit diesem Tuschkasten Meisterwerke vollbringen können. Es geht wieder bei Nullnull los. Jeder kann malen. Everyone is an artist. Samstag 10:00 und Mittwoch 18:00 in der Volkshochschule Kopfgrätsche.
2017 und 2018. Sogar die Position der Hände exakt gleich. Verrückt. pic.twitter.com/ZDf4MSHNhH
— Oliver Wurm (@oliverwurm) 27. Mai 2018
Datenschutzschwalbe
Danke für das Annehmen unserer neuen Nutzungsbedingungen nach den neuen Regeln der DSGVO. Durch das Lesen dieser Zeilen hast du zugestimmt auch weiterhin regelmäßig großartige Neuigkeiten und zeitraubende Banalitäten aus dem Hause Kopfgrätsche zu erhalten. Dafür lassen wir deinen personenbezogenen Daten nur die beste Behandlung zukommen. Sie werden in Manndeckung mit Sonderbewachung genommen. Da kann nix passieren. Falls du das nicht liest und trotzdem Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00 zum Platz kommst, legen wir vor Ort noch Listen aus, die bitte gefälligst vor Ort unterschrieben werden. Danach könnt ihr das gern in geknüllter Form in den Strafraum werfen oder in einer Aktentasche im Park vergessen. So begann allerdings auch irgendwann der Abstieg des HSV. Also lieber als Spickzettel in die Stutzen schieben. Ansonsten ist uns egal welche Passquoten oder Packingwerte ihr erzeugt. Wir sind nicht clever genug, um daraus irgendwelche brauchbaren Schlüsse zu ziehen. Würde dir sonst immer wieder der gleiche Bauerntrick gelingen? Eben. Jeder Haken, der nicht in einer Checkbox gesetzt wird, trifft uns immer aufs Neue unvorbereitet. Die Kopfgrätsche-Intelligenz kurz KI befindet sich noch in der F-Jugend und ist stark versetzungsgefährdet.
It’s-a me, Mario!
Puh, das Spannendste der WM-Vorrunde ist schon einmal geschafft. Die Nominierung des deutschen WM-Kaders. Und das war doch gar nicht so überraschend. Gomez wechselte in der Winterpause nach Baden-Württemberg und ist dabei. Sandro Wagner verschwand zur gleichen Zeit aus Baden-Württemberg und damit auch aus dem Beobachtungsradius des Bundestrainers. Die beiden meistdiskutierten Namen Sandro Wagner und Mario Götze zeigen auch ein Muster. Es ist kein gutes Omen einen italienischen Vornamen zu haben. Die Italiener können das nur bestätigen. Und damit fehlt das Duo aus Mario und Bro Luigi (der sich den schwäbischen Decknamen André Schürrle verpasste, aber nie den Makel überwinden konnte, dass Ludwigshafen nicht Mannheim ist), das Deutschland vor vier Jahren zum Titel klempnerte. Inspiriert von Sandro Wagner (man muss auch verstehen, wie Italiener ticken) und Frank Lehmann trete auch ich offiziell hiermit aus der Nationalmannschaft zurück: „Sag du mir nicht, dass es aus ist. Du hast mir überhaupt nicht zu sagen, dass es aus ist. Das ist mein Text. Und ich sag dir mal was: Jogi. Es ist aus!“ In 4 Jahren in Katar ist es mir überhaupt zu sandig und außerdem hab ich da Weihnachten schon was vor. Und Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) sowieso.
Für eine Kiste Sprotten von Inter Mailand wech
Moin Moin, liebe Sportsfreunde. Herzlich Willkommen zu Kopfgrätsches Sportstudio direkt und live aus der Wismarena. Im heutigen Spitzenspiel der Bundesliga begegnen sich bei bestem Fußballwetter der SC Weiche Flensburg 08 und der Gastgeber Holzbein Kiel. Es herrscht eine Bombenstimmung. Ca. 63664 Zuschauer wollen sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Beide Mannschaften befinden sich Bestform. Heute rechnet sich wieder einmal, dass hier eine Arena für die ganzen Furzvereine im Norden steht. Nach dem längeren Exil in Shenzhen können sie somit endlich nah an der Heimat spielen. Es sind ja gerade einmal 120 Kilometer. Genauso weit müssen die Fans des Hamburger SV fahren, seitdem das Hamburg Dugeon die Arena übernommen hat und seine Gäste dort mit echten Dinosauriern erschreckt. Wo an welchem Punkt dieser Fresskette die Spezies des Kopfgrätschers ausgestorben ist, ist noch immer ein Rätsel. Friedlich rumpelte er Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 über den kargen Tartanplatz. Irgendwann fand er aber wohl kein Gras zum Fressen mehr und schulte auf den neuen Trendsport Tischtennis um. Dabei verkümmerten seine einzigartige Fähigkeit mit dem Kopf zu grätschen. Traurig, traurig. Ich guck noch mal in die Flasche wie spät das ist…
200 Jahre Nüschelgrätsche
Menno, ist das ungerecht. Immer noch ist das Talent auf dieser Erde ungleich verteilt. Nur ein paar Wenigen ist es vorbehalten, Champions-League-Trophäen zu gewinnen. Am Ende ist es irgendwie immer Toni Kroos. Und gerade einmal 32 Länder dürfen im Sommer um den Weltmeisterpokal spielen. Obwohl 23 Leute in jeden Kader delegiert werden, können nur 682 Panini-Aufkleber in diesem Subsistenzsystem zusammengetauscht werden. Pro Mannschaft werden aber nur 17 Spieler gezeigt, stattdessen wird mit billigen Glitzermotiven aufgefüllt. Das ist schwer zu erdulden, wenn das Turnier im Land der Oktoberrevolution stattfindet. Einer hätte sich das nicht gefallen lassen. Er ist diese Tage in aller Munde aufgrund seines 200. Geburtstages. Und er hat immerhin 255 Bundesligaspiele für Hertha, Bielefeld und Gladbach gemacht. Als Pferdelunge und Wasserträger im Mittelfeld. Für Zauberfüße wie Marco Reus oder Marcelinho hat er die Löcher zugelaufen. Ach nee, das ist ja der Wikipedia-Eintrag von Thorben Marx. Da steht aber interessanterweise auch, dass Thorben Marx 2015 für die Deutsche Kleinfeld-Nationalmannschaft auflaufen sollte. Was daraus wurde, verrät Wikipedia nicht. Im besten Fall pflügt er immer noch das Kleinfeld um und grätscht Futsal-Legenden wie Marcelo (oder Marxelo…?) bei der perfekten Ballannahme direkt mit ins Tor. Und sendet damit die Signale: Samstag 10:30, Mittwoch 18:00. Auf zum letzten Gefecht!
Arsène und Spitzenfußball
1996 war einiges anders. Das Internet war noch dünn besiedelt und man verbrachte viel Zeit mit Warten auf die nächste Bildzeile. Und damit meine ich Pixel und nicht die Pushnachrichten der größten deutschen Tageszeitung. Nein, dass Arsène Wenger Trainer des Arsenal FC werden sollte, erfuhr man eine halbe Woche später aus dem Kicker. Oder aus dem Videotext. Aber auch da kommentierte das niemand unter der Tafel. Hashtags wie #wengerout musste man also noch selber aufs Spielfeld pöbeln. Spieler hatten hinten manchmal ihren Namen auf dem Trikot, aber niemals ihren Instagram-Profilnamen. Und auf chinesisch auch nur bei Chinesen. Vorne auf dem Trikot stand noch nicht der Name von arabischen Fluglinien sondern JVC. Davon klebte man sich Aufkleber auf die Heckscheibe, wenn Kenwood zu lang war. Helmut Kohl war Kanzler. Der FC Bayern investierte groß (fast 20 Mio DM) und wurde immerhin Vizemeister nachdem sie im Vorjahr nur Fünfter geworden waren. Und sie gewannen mit Feuerwehrmann Franz den „Cup der Verlierer“. Mit dem will sich nun Arsène Wenger nach 22 Jahren bei Arsenal verabschieden. Als er kam, spielte man in der Premiere League schlimmes Kick and Rush, das nicht nur Nick Hornby leiden ließ. Inzwischen wurde die gesamte Liga zu attraktiver Spielkultur im Sinne Wengers bekehrt. Dafür musste er mehr Beef mit Sir Alex und The Special One austragen als ein durchschnittlicher Echo-Gewinner. Ach ja, die Echo-Gewinner 1996: u.a. Mark’Oh, Pur, die Kelly Family und Sabrina Setlur. D.h. deutscher Gangstarap kam aus Rödelheim. Macht damit was ihr wollt. Hauptsache ihr habt Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 Zeit für Kopfgrätsche. Arsène ist raus.
Zurück in die Flasche (leer)
Endlich. Ihr habt lange drauf gewartet, aber nach ein paar Zeitlupen, sind wir uns nun sicher: da war ein Handspiel im Strafraum. Ihr seid zwar alle schon zuhause, aber das macht nichts. Uns ist nämlich noch etwas anderes unscharf im Hintergrund aufgefallen. Die Aktion von Neuer gegen Higuain im WM-Finale 2014 war ein Foul. Und der Kopfball von Hummels im DFB-Pokalfinale 2014 war hinter der Linie. Der Ball von Geoff Hurst 1966 allerdings nicht. Das kürzt sich quasi weg. Nachträglich müssen wir leider noch zugeben, dass wir bis zu 20 rotwürdige Tätlichkeiten von Franck Ribéry übersehen haben. Da wird aber noch einmal mit einer kalibrierten Strichliste genau nachgezählt. Des Weiteren ist jetzt rausgekommen, dass Thierry Henry in der WM-Qualifikation 2010 gar nicht der offizielle Torwart der Franzosen war. Diego Maradonas Spitzname Mano de Dios deutet wohl auch auf ein verdecktes Handspiel hin, das noch fieberhaft gesucht wird. Aber nach Auswertung aller Bilder bleibt wohl nur das Zurücksetzen diverser Ligen und Vereine auf ihren Urzustand. Darauf sollte man sich in Lauter oder Markränstädt schon einmal einstellen. Aber es kann auch sein, dass wir Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) noch einmal Konrad Koch mit seinem Lederball einladen, damit er uns das mit dieser Fußlümmelei von der Insel noch einmal grundlegend erklärt. Und falls er uns uns ein freundliches „Hip Hip Hooray, Boys!“ zuruft, sollte ihr nicht trotzig antworten: „Wir gehen nicht raus.“
Scheiß Spiel, gut gedreht
Rostock, Samstagabend, kurz nach 8: Olli Schulz zeigt sich solidarisch mit Sabia Boulahrouz und erklärt, dass er als HSV-Fan, der unweit des Stadions aufgewachsen ist, kein Problem damit hätte, sich einen anderen coolen Verein zu suchen, wenn der Dino absteigt. Nur weil dieser grad in so ‘ner Phase ist, wo er viel im Tabellenkeller rumhängt, hat das letzte Königskind keinen Bock auf unten mit dem King und zeigt sich offen in jede Richtung. Weil die Zeit sich so beeilt, hat er keine Zeit zu bluten. Wenn es gut ist, wird es schön sein und ein Leben lang passieren, wenn es böse ist, dann beisst es und wird ständig verlieren. Irgendetwas fehlt im Moment oder vielleicht ist auch schon lange was defekt. Aber ich kenn’ da ein, der es Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) trotzdem immer wieder probiert. Zwischen „So muss es beginnen“ und Medizin hat die schrecklich schöne Welt „Passt schon!“ gepackt. Rostock, Samstagabend, kurz nach 8: Keiner hier bewegt sich. Dann kommt die Pushnachricht. Jetzt gerade ist der HSV gut. Im Rückspiegel erscheint der Effzeh. Der Dino schmeißt alles rein und gewinnt.
Zweite Reihe vs. dritter Frühling
Lange Hose, Schal, Mütze – ohne diese erfahrene und eingespielte Dreierkette wäre ich letztes Wochenende nicht losgelaufen. Das winning Team muss ich Samstag 10:30 wohl doch aufgrund äußerer Umstände leicht anpassen. Vielleicht bekommt die Sonnencreme einmal eine Chance. Sie bietet sich im Training seit Wochen an, aber bisher fehlte die Gelegenheit sie zu bringen. Auch das Schweißband hat sich lange ohne zu Murren auf die Ersatzbank gesetzt. Das muss man endlich mal honorieren. Ein Extremfall ist sicherlich das isotonische Erfrischungsgetränk auf Hopfenbasis. Das fand lange keine Berücksichtigung nach den dürftigen Leistungen in den letzten Monaten und versauerte auf der Tribüne. Jetzt kommt die große Chance der zweiten Reihe, die sie hoffentlich nutzen. Jetzt können sie zeigen, dass man nicht auf sie verzichten kann. Mal gucken wer als Überraschung für das große Turnier empfehlen kann. Mütze und Schal werden ihren Platz sicher nicht kampflos räumen. Wir erwarten einen heißen Kampf um die Plätze. Aber eigentlich wissen wir schon bescheid. Diejenigen die bereits Werbespots gedreht und für Klebebilder posiert haben, müssen schon im Badezimmer auf die Parfümflasche treten, um zu Hause zu bleiben.
0 zu 0 bei unter 0 von O bis O
Na, wo hat er sich versteckt? Die Bayern haben ihn nicht im Osterkörbchen gefunden. In Paris und London suchen sie noch. Bei irgendeinem Traditionsverein (oder Osterverein wie man aus religiösen Gründen wieder sagen sollte) wird der Tuchel doch wieder auftauchen. Die sozialen Netzwerke drehen durch und man fragt sich ruhelos welche kulinarische Spezialität der Thomas wo vom Speiseplan verbannt. Die Herausforderung wäre sicher in England am größten. Die kennen schließlich Gemüse nur vom Einlegen oder Hörensagen und frittieren sogar Schokolade. Deshalb war es sicher schlau von ihm, sich nicht vor Ostern festnageln zu lassen. Vielleicht wartet er auch nur darauf, welchen Meister die Bundesliga unter dem letzten Schnee versteckt hat. Mit der GoPro am Glühweinbecher bleiben die Hände schön warm. Das Anpacken der Meisterschale ist von O bis O nur mit Handschuhen zu empfehlen. Auch wir müssen Samstag 10:30 auf dem Platz ein wahres Osterfeuer abbrennen, damit wir nicht im Abseits wie seinerzeit Ailton festfrieren. Auch so ein Kandidat, der bei Tuchel weniger zu futtern gehabt hätte, als im Dschungelcamp. Aber da waren die wenigstens die Kakerlaken heiß frittiert.
Zlatan Shake auf Facebolt
Hmmm, mal überlegen, was könnte man Facebook noch Neues erzählen? Also das Meiste sollten die nun inzwischen wissen. Dass wir uns Samstag 10:30 zum kopfgrätschen treffen, ist ja inzwischen ein alter Hut. Das wird nicht mal großartig gespeichert. Und die Serverfarm spuckt keine brauchbaren Empfehlungen aus. Dafür müssten wir schon Usain Bolt zum Probetraining einladen. Der hat aber schon irgendetwas anderes vor. Wahrscheinlich muss er dabei weniger laufen. Aus dem selben Grund wechselt wohl auch das Kopfgrätsche-Krafttier Zlatan den Kontinent. A prospos Laufen: weil sich die Nationalmannschaft zum WM-Test extra Laufkundschaft eingeladen hat, produziert die Bundesliga dieses Wochenende nur Gossip. Nicht einmal der HSV wird dieses Wochenende verlieren. Sie müssten wohl mal wieder den Trainer rauswerfen, um in den Trends berücksichtigt zu werden. Auch ein Punkt, an dem sich wieder rächt, dass wir gänzlich auf Training verzichten. Vielleicht müssen wir uns wieder an irgendwelche aktuellen Trends hängen, um sichtbar zu sein. Ich plane extra so ein verrücktes Harlem Shake Video und habe mir schon die Schritte für den Gangnam Style ausgedruckt. Oder ich bringe noch einen Eimer Eiswasser mit. Dann sollten wir mindestens bei Facebook (wenn nicht sogar bei StudiVZ und MySpace) die Disketten zum Glühen bringen.
Minister Dahoam
Hallo, Aufgewacht! Der Schnee ist weg. Der Winterschlaf ist vorbei. Verträumt reibt ihr euch den Schlafsand aus den Augen und fragt euch: „Was hab ich verpasst?“ Zurecht, denn ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Also, es gibt tatsächlich eine neue Regierung und für uns ist jetzt Horst Seehofer zuständig. Als Innenminister hat er traditionell den Sport in seiner Verantwortung. In den nächsten Monaten wird er vor allem diverse Fanschals auftragen und sich in Russland bei der WM die Zehen abfrieren müssen. Angeblich unterstützt er den FC Ingolstadt. Das ist aber wohl nur eine versteckte Botschaft dafür, dass ihn Fußball null interessiert. Crazy Horst ist die Antwort, die Teile der Fußballfans also tatsächlich verunsichert sollte. Ich hätte mir lieber Per Mertesacker gewünscht, aber den bräuchten wir als Gesundheitsminister. Per hätte mehr als nur eine Eistonne beitragen können. Darum, dass ihr euch auch weiterhin die Kopfgrätsche-Mannschaftsfotos zeilenweise angucken könnt, kümmert sich auch weiterhin die CSU. Mit Parolen wie „Das Breitband gehört nicht zu Deutschland“ wird hier nachhaltig verhindert, dass wir noch mehr Kopfgrätscher an den eSport verlieren. Stattdessen treffen sich die Zocker wie zu Franz-Josef-Strauß-Zeiten Samstag 10:30 mit dem Lederball unterm Arm, um das legendäre Match Ober- gegen Untergiesing nachzuspielen. Danach legen wir uns wieder hin. So für ca. dreieinhalb Jahre.
True Snowball Media
Also Kopfgrätsche und Samstag in Neunzig Minuten? No Way! Kopfgrätsche ist so viel mehr, wir haben 1000mal weniger Bandbreite, wir haben 100mal mehr Entschleunigung und wir haben 10mal höhere Latenz. Das ist Kopfgrätsche und das stellen wir dar. Aber denk mal dran: die ganzen Kaffeekränzthemen, denk mal an das Thema Ultra Low Temperature Netzwerke, denk an das Thema Low Bespielbarkeit des Platzes, denk mal an das Thema Deep Inhouse Hocking, denk mal an das ganze Thema der Enteisung von Strafräumen. Die ganzen Use Cases, die wir haben, die wir anstellen, die wir vorstellen wollen. Das Beispiel des Pudelmützen- und Leibchenmanagements, das ganze Thema Final Goal Automation für intelligentes Torezählen, das ganze Thema, was wir brauchen, um entsprechend Spieler zum Platz zu hetzen. All das werden wir auf dem Eisgrätsche World Congress vorstellen. Und wir haben noch die ganzen praktischen Use Cases, die wir haben. Wir sind die Einzigen, die die Schlitterbahn für autonomes Grätschen schon ausgebaut haben. Wir haben Stadtteile von Wismar auf Spikes laufen und wir sind gerade dabei entsprechend den Wismarer Holzhafen zu benetzen mit heißem Birnensaft, um es dem Kunden auch richtig zu zeigen.
Von Schopenhauer über Eilenberger zu Schweinsteiger
Seitdem wir nicht mehr leben um zu arbeiten, hat sich die Perspektive doch endlich etwas verschoben. Der große Gesellschaftsphilosoph Julian Draxler hat unter der Bohème in den Pariser Cafés der Rive Gauche im Pfeifenrauch an einer revolutionären Theorie gearbeitet. Laut dieser kann man auch zu einer Weltmeisterschaft fahren, um dort Spielpraxis zu sammeln. Eine Utopie die immer mehr Anhänger findet. Die Existenzialisten um Manuel Neuer und Marco Reus unterstützen dieses Gedankenspiel und sogar der Grand Seigneur der Testspielabsagen und Erkenntnistheoretiker Bastian Schweinsteiger aus Chicago hat schon seine Glückwünsche in Form von alten Paninibildern telegrafiert. Im Doppelpass mit Eilenberger und Schopenhauer. Aber warum bei diesem Paradoxon stehen bleiben? Gibt das uns nicht die Chance, viele Dinge neu zu denken? „Ich denke also bin ich“ von Descartes entsprang doch einem ähnlichen Ansatz. Demnach könnte man an einem Samstag 10:30 einen Fußballplatz im Freien aufsuchen, um sich dort aufzuwärmen. Damit man anschließend die Beine bewegt, um kopf zu grätschen. Und dann das Tor zu treffen, eigentlich nur um sich zu treffen.


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