Arsène und Spitzenfußball

1996 war einiges anders. Das Internet war noch dünn besiedelt und man verbrachte viel Zeit mit Warten auf die nächste Bildzeile. Und damit meine ich Pixel und nicht die Pushnachrichten der größten deutschen Tageszeitung. Nein, dass Arsène Wenger Trainer des Arsenal FC werden sollte, erfuhr man eine halbe Woche später aus dem Kicker. Oder aus dem Videotext. Aber auch da kommentierte das niemand unter der Tafel. Hashtags wie #wengerout musste man also noch selber aufs Spielfeld pöbeln. Spieler hatten hinten manchmal ihren Namen auf dem Trikot, aber niemals ihren Instagram-Profilnamen. Und auf chinesisch auch nur bei Chinesen. Vorne auf dem Trikot stand noch nicht der Name von arabischen Fluglinien sondern JVC. Davon klebte man sich Aufkleber auf die Heckscheibe, wenn Kenwood zu lang war. Helmut Kohl war Kanzler. Der FC Bayern investierte groß (fast 20 Mio DM) und wurde immerhin Vizemeister nachdem sie im Vorjahr nur Fünfter geworden waren. Und sie gewannen mit Feuerwehrmann Franz den „Cup der Verlierer“. Mit dem will sich nun Arsène Wenger nach 22 Jahren bei Arsenal verabschieden. Als er kam, spielte man in der Premiere League schlimmes Kick and Rush, das nicht nur Nick Hornby leiden ließ. Inzwischen wurde die gesamte Liga zu attraktiver Spielkultur im Sinne Wengers bekehrt. Dafür musste er mehr Beef mit Sir Alex und The Special One austragen als ein durchschnittlicher Echo-Gewinner. Ach ja, die Echo-Gewinner 1996: u.a. Mark’Oh, Pur, die Kelly Family und Sabrina Setlur. D.h. deutscher Gangstarap kam aus Rödelheim. Macht damit was ihr wollt. Hauptsache ihr habt Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 Zeit für Kopfgrätsche. Arsène ist raus.