Wie oft spielt so eine Profimannschaft die Woche? Wenn nicht gerade Länderspielpause ist, maximal 1 mal. So wie wir Samstag 10:30. Wenn der Club etwas ambitionierter ist als wir: 2 mal. Aber was macht man dann als Fan an den anderen Abenden? Das haben sich auch findige Streaminganbieter gefragt und hatten eine dufte Idee. Wir machen aus dem ganzen Drumherum eine Dokumentation, bei der der Fan auch an den Abenden, wo die eigenen Spieler beim Friseur, im Tattoostudio oder beim Goldsteak-Wettessen sind, dennoch nicht auf den Fußballzirkus verzichten muss. Darum rennen Kameraleute den ganzen Tag hinter Mannschaft, Trainer, Manager her, spulen mehr Kilometer als jeder Sechser ab und warten darauf, dass etwas Entscheidendes passiert. Bisher musste man aufwändig alle Instastories der Spieler abonnieren, um das zu verfolgen. Jetzt gibt es Fachpersonal, dass wenigstens gute Technik hat und nicht immer nur die selbe einstudierte Selfiefresse einfängt. Söhnke Wortmann hat vor 13 Jahren mit seinem Sommermärchen die Kabinentür sehr weit aufgestoßen. Inzwischen gehört so ein Amazon Prime Team doch einfach mit dazu, wenn man als Verein etwas auf sich hält. Diese Woche lohnte sich das Einschalten der Kamera in London auf jeden Fall, als Tottenham seinen Trainer wechselte und mit José Mourinho ein Villain die Bühne betrat wie ihn jede gute Geschichte braucht. Nach dem Joker ist the Special One der zweite Bösewicht, der dieses Jahr gute Zuschauerzahlen garantiert. Viele haben sich um ihn bemüht, aber nur in London wird das zum Highlight in der neuen Amazon Spurs-Doku. Gotham, Tottenham – ich erkenne ein Muster. Noch eine Saison nur mit einem fachlich guten aber ansonsten eher spröden Trainer wollten sie nach Inside Borussia Dortmund und All or Nothing: Manchester City nicht begleiten. Bitte nicht spoilern, aber wir holen uns schon mal Popcorn…
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Arsène und Spitzenfußball
1996 war einiges anders. Das Internet war noch dünn besiedelt und man verbrachte viel Zeit mit Warten auf die nächste Bildzeile. Und damit meine ich Pixel und nicht die Pushnachrichten der größten deutschen Tageszeitung. Nein, dass Arsène Wenger Trainer des Arsenal FC werden sollte, erfuhr man eine halbe Woche später aus dem Kicker. Oder aus dem Videotext. Aber auch da kommentierte das niemand unter der Tafel. Hashtags wie #wengerout musste man also noch selber aufs Spielfeld pöbeln. Spieler hatten hinten manchmal ihren Namen auf dem Trikot, aber niemals ihren Instagram-Profilnamen. Und auf chinesisch auch nur bei Chinesen. Vorne auf dem Trikot stand noch nicht der Name von arabischen Fluglinien sondern JVC. Davon klebte man sich Aufkleber auf die Heckscheibe, wenn Kenwood zu lang war. Helmut Kohl war Kanzler. Der FC Bayern investierte groß (fast 20 Mio DM) und wurde immerhin Vizemeister nachdem sie im Vorjahr nur Fünfter geworden waren. Und sie gewannen mit Feuerwehrmann Franz den „Cup der Verlierer“. Mit dem will sich nun Arsène Wenger nach 22 Jahren bei Arsenal verabschieden. Als er kam, spielte man in der Premiere League schlimmes Kick and Rush, das nicht nur Nick Hornby leiden ließ. Inzwischen wurde die gesamte Liga zu attraktiver Spielkultur im Sinne Wengers bekehrt. Dafür musste er mehr Beef mit Sir Alex und The Special One austragen als ein durchschnittlicher Echo-Gewinner. Ach ja, die Echo-Gewinner 1996: u.a. Mark’Oh, Pur, die Kelly Family und Sabrina Setlur. D.h. deutscher Gangstarap kam aus Rödelheim. Macht damit was ihr wollt. Hauptsache ihr habt Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 Zeit für Kopfgrätsche. Arsène ist raus.