Von Kleinwüchsigen und Flachmännern

So kurz vor den Ferien kommt noch einmal Freizeitstress auf. Jede soziale Bubble, in der man sich bewegt, lädt zu Sommerfesten ein. Bevor also die Erholung losgehen kann, stresst man sich noch einmal richtig, um LKW-Ladungen voll Nudelsalat und Muffins zu produzieren. Weil wenn jeder was mitbringt, ist es eine ganz entspannte Party und nur die Gäste müssen ihren Mental Load noch einmal in den roten Bereich drehen. Wegen der Kinder gibt es dann offiziell nur Virgin Cocktails, aber komischerweise ist die größte Menschentraube in der Ecke, wo man die Drinks noch verschämt aus dem Flachmann verfeinert. Auf der 18. Geburtstagsparty von Lamine Yamal gab es angeblich auch keinen Alkohol. Und keine Handys. Aber dafür Kleinwüchsige. Vermutlich war das Motto auch hier: Kita-Sommerfest. Auf die Klub-WM-Party vom FC Chelsea brachte ein orangener Mann eine goldene Schale mit, aus der der Nudelsalat offensichtlich schon vertilgt war. Trotzdem wollte er bleiben, was zu einigen Irritationen geführt hat. Warum überhaupt Chelsea dort stand und feierte, wurde uns dann später klar, als herauskam, dass Pep Guardiola Karten für Oasis in Manchester hatte. Das war wohl die weitaus bessere Party. Sein Lookalike Enzo Maresca musste also auf die komische Feier in East Rutherford mit Rudelbildung, einem schubsenden Luis Enrique und einer absurden Siegerehrung. Von der Halftimeshow mit Coldplay sprechen wir erst besser gar nicht. Dann doch lieber Don’t look back in Anger im Heaton Park. Auf unsere Sommerfeste Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 bringe ich einen aufgepumpten Ball mit. Ich schick dann nachher noch den Link zur Liste rum, in die jeder reinschreiben kann, was er noch dazu mitbringt. Den Flachmann bitte nicht offiziell eintragen.  

… und sage Champs-Élysées

Die Hitze am Mittwoch war einfach höhere Gewalt, so dass die dritte Halbzeit quasi von der FIFA angeordnet vorgezogen werden musste. Kurz wurde noch diskutiert, ob es okay wäre, sich einfach das Trikot auf die Wampe zu malen. Das wäre am Ende vielleicht noch chicer geworden als die Kartoffeldruck-Jerseys, die bei der Klub-WM unseren Augen beleidigen. Aber es soll ja nicht unbedingt dem knauserigen Europäer gefallen. Der hat eh einen Igel in der Tasche. Dadurch wird man regelrecht gezwungen, den Geschmack anderer Märkte bedienen. Und kaum hat man vergessen, wann wo wer welchen Pokal zuletzt in die Konfettikanone gehalten, bzw. welche Silbermedaille man gerade schneller weggeworfen hat als der Ehrungsautomat Aleksander Čeferin sie aus der Hüfte schießen konnte, startet schon der nächste Wettbewerb. Bei einigen wird sogar der Ball weggelassen und der Sieger mit dem Fahrrad ausgespielt. Die Teilnehmer treten auch bei 30 Grad plus an und hoffen, dass sie sich aufgrund des Fahrtwinds nicht trotzdem erkälten. Die Trikots sehen zwar aus wie auf den knochigen buckeligen Leib gemalt, aber dafür mit noch mehr Logos als auf einem durchschnittlichen Leiberl in der österreichischen Liga. Na klar, Emirates, Bahrain und Red Bull sind natürlich auch wieder dabei. Die Teamtrikots muss man aber zum Glück nicht die ganze Zeit tragen. Man kann frühzeitig einen Trikottausch beantragen, wenn man besonders gut ist. Eigentlich wäre es sogar kontraproduktiv, wenn die Team-Shirts schöner wären als die in gelb, grün und weiß mit roten Punkten. Am wichtigsten ist aber, dass man zum Schluss wieder zum Feiern auf dem Champs-Elysees landet und gemeinsam im Überschwang ein paar Flagshipstores von Luxus-Marken plündert. Sonst lohnt sich die Omnipräsenz der Tissot-Uhren bei der Veranstaltung doch gar nicht. Bei Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 setzen wir schon einmal die ersten wichtigen Zeitmarken. Da wird es kalt genug für ein echtes Trikot in den Farben eurer Wahl.       

Danke für Nicks

Als wir vor ein paar Wochen etwas flapsig die Fußballtermine für die angeblich fußballfreie Zeit aufgelistet haben und relativiert haben, dass ja nicht alle Profis für alle Spiele benötigt werden, haben wir einen Mann fast vergessen. Natürlich ist Nick Woltemade in jedem zweiten Spiel dabei und diese Omnipräsenz ist erst der Anfang. Gefühlt fehlt er nur bei der U19- und bei der Frauen-EM. Aber auch die Klub-WM ist bisher Woltemade-frei und das Resultat sieht man ja auf den Tribünen. Kaum einer will das sehen. Und wenn dann mal J.D. Vance vorbeischaut, wird auch nur todeslangweilig Dienst nach Vorschrift geboten. Der Glamour eines Woltemade fehlt der Weltbühne komplett. Und da haben jetzt die Bayern ein Einsehen und sagen: „Mensch, da muss man doch was machen!“. Notfalls auch mit Geld. Mit Nick Woltemade kompensieren sie immerhin die Abgänge von Müller und Sané und haben gleich noch den richtigen Spielertypen, um Kane und Musiala demnächst gleichwertig zu ersetzen. Vielleicht sogar Manuel Neuer, falls er doch mal wieder Skiurlaub machen möchte. Und aufgrund seiner Größe kann er sogar mal bei den Basketballern aushelfen, wenn da Not am Mann ist. Wahrscheinlich wird er auch parallel einfach weiterhin für den VfB Stuttgart auflaufen, wenn es der Spielplan erlaubt. Nur an einer Herausforderung würde auch er scheitern: so ca. 2 bis 3 Teams für ein DIA-Turnier zusammentrommeln, das sehe ich noch nicht. Aber er hätte noch eine Woche Zeit, um uns zu überraschen. Er kann ja erst einmal klein anfangen und die nächsten Termine (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) auf seine Bucket List schreiben. 

One of those things

War das das schlechteste Ankündigungsvideo aller Zeiten? Ich denke schon. Gut, der Ort war nicht so schlecht gewählt. Das echte Oval Office mit dem ganzen Gold und vergoldetem Pappmaché ist schon eindrucksvoller als die Tapeziertische, an denen sonst gewöhnliche PKs stattfinden. Dann steht im Hintergrund meist noch diese Sponsorenwand, um zu kaschieren in welchem Verschlag die Journalisten ihre Fragen zu Transfergerüchten und Fitness rund um den Kader stellen dürfen. Am Tisch saß dann auch ein Typ im Anzug, der die handverlesenen Fragen der Presse versuchte humorvoller zu beantworten, als das Giovanni Trapattoni oder Klaus Augenthaler jemals gekonnt hätten. Die Spieler, die dahinter standen, wirken allerdings wie mit Waffengewalt zur Teilnahme gezwungen. Kein Anflug einer spontanen Bierdusche, die sicher interessante Effekte im Kontakt mit der Frisur des Präsidenten erzeugt hätte. Aber auch sonst, waren sie für angebliche Italiener erstaunlich gehemmt. Das wurde bestimmt nicht erwartet, als man sich den Klub-WM-Teilnehmer „Juventus of Italy“ ins Weiße Haus eingeladen hatte. Bei so wenig Lebensfreude hätte man ja gleich die Deutschen schicken können. Aber dort gehört irgendwie kein Team John Elkann. Zum Glück stand neben Elkann noch Grinsekatze Gianni Infantino, der sich auf ein ausverkauftes Stadion im Audi Field in Washington freute. Mit den 18.161 Zuschauern in  dem 20.000-Schmuckkästchen sah das bestimmt auch voll genug aus, auch wenn Donald nicht einmal Tickets an seine fußballverrückten Freunde geben konnte, die ihre Oma für eine Eintrittskarte verkauft hätten. Bei den Fußballfragen wurde es auch sonst eher weird. Zum Glück wurden noch ein paar Fragen zu Bomben gestellt, auch wenn die Juve-Spieler sich offensichtlich fragten, wann der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, sich aus dem Raum zu schleichen. Am Ende schreckten sie dann doch noch einmal auf, als von einem „total complete Victory“ gesprochen wurde. Das wird sie sicher zu den fünf Toren gegen das „Emirates-Team“ motiviert haben. Mich motiviert es immerhin zur Teilnahme Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Eine Bierdusche wäre trotzdem schön.

Experte für Balles

Da hat man zu Hause gerade erzählt, dass die Saison vorbei ist und dann muss man jeden Abend erklären, was da schon wieder für ein Spiel im TV läuft. Das ist nur noch das Finale der Euro League, bzw. die Relegation für die Bundesliga, bzw. die Relegation für die Zweite Liga, bzw. der Finaltag der Amateure mit allen Landespokalfinalbegegnungen in einer sechsstündigen Konferenz, bzw. das DFB-Pokalfinale, bzw. das Rückspiel zur Relegation für die Bundesliga, bzw. das Rückspiel zur Relegation für die Zweite Liga, bzw. das Finale der Conference League, bzw. das Finale der Champions League, bzw. die Final-Four-Spiele der Nations League, bzw. die Spiele der U21-EM, bzw. eins der 63 Spiele der Klub-WM…  dann müsste aber erst einmal eine kleine Fußballpause anbrechen. Aber bis Mitte Juli ist die Versorgung mit grünem Rasen im TV fast jeden Abend gesichert. Nicht alle Profis werden für alle Termine gebraucht, so dass sie zwischendrin bestimmt mal Zeit für einen Shoppingtrip nach Dubai mit kurzem Goldsteak-Imbiss finden. Oder für ein paar Tattoosessions, um sich den Landespokal Hessen großflächig auf den Rücken hacken zu lassen. Aber für die Experten wird es auch ohne großes Nationenturnier ein stressiger Sommer. Ob das die Teilzeitkräfte Mats Hummels und Thomas Müller berücksichtigt haben, als sie ihren Berufswunsch für nach der aktiven Karriere formuliert haben? Und im Sommer ist das ja noch ganz nett, selbst wenn einen die Mücken im Scheinwerferlicht ordentlich annagen. Im Februar mit diesen großen Steppjacken neben dem schimpfenden Matthias Sammer im zugigen Celtic Park stehend ist bestimmt kein Vergnügen. Dann doch besser noch etwas weiter kicken in einer sogenannten Operettenliga. Das sagen wir uns auch jeden Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, wenn wir den Ball in unsere Mitte werfen. Oder lieber einen Spiegel-Bestseller wie Christoph Kramer schreiben und damit über die Buchmessen tingeln? Wenn am Ende aber Matthias Sammer schimpfend im Literarischen Quartett deine Leistungen bei der Zeichensetzung kritisiert, weißt du, dass es sogar dafür eine Fortsetzung geben muss.

Die Gleitzeitigkeit der Dinge

So ein letzter Spieltag ist schon skurril. Da fangen tatsächlich alle zum selben Zeitpunkt an zu spielen und die meisten enden auch zur gleichen Zeit. Gut, manchmal passiert es auch, dass einige im Tal der Ahnungslosen schon feiern, obwohl auf dem anderen Platz noch ein Freistoß im Strafraum ausgeführt werden muss. Aber sowas passiert doch dank des zuverlässigen Nachfolger des Kofferradios (Internet) nicht mehr, oder? Trotzdem kann es natürlich passieren, dass gerade zum Saisonende sämtliche Pyro-Arsenale weggeballert werden müssen. Und dafür könnte eine 15-minütige Halbzeitpause nicht ausreichen. Aber wenn das alle Ultras in allen Stadien gleichermaßen betrifft, kann man sich ja darauf einstellen und gedanklich schon einmal die Nachspielzeit entspannt verlängern. Die Gleitzeit, mit der man quasi 33 Spieltage durch die Saison gegangen ist, gilt aber nicht und es liegen nicht irgendwelche Spieler auf der Couch und rutschen dabei auf Abstiegsplätze oder werden sogar dort Meister. Die Gleichzeitigkeit der Dinge erzeugt jetzt schon Burnout in den Verschlägen, wo alle armen Pushnachrichtenerzeuger zu diesem Zeitpunkt der Entscheidungen einkaserniert sind. Zum Glück kommen sie mit einem Wortschatz von ca. 20 Wörtern aus und der stammt zum Großteil aus dem Baumarkt (Hammer!). Danach ist aber für alle gleichzeitig Schluss und Profis und Amateure treten sich auf Malle und Ibiza gegenseitig auf die Füße. Nur die Frühbucher, die diese Woche schon ihre erreichten Saisonziele begossen haben, können antizyklisch agieren und tragen am letzten Spieltag lediglich das Trikot der neuen Saison zum Ausnüchtern über den Platz. Wir versuchen das mit dem gleichzeitigen Beginn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder. Vor dem Austeilen der Leibchen und nach dem Foto ist natürlich trotzdem wieder eine gewisse Gleitzeit zu erwarten. Und mittendrin wahrscheinlich auch. Ich schicke auf jeden Fall trotzdem schon mal meine Standard-Pushnachricht, dass ich dabei bin. Wann genau? Schon zur Übergabe der Dankeschöngrafiken? Während der Spielunterbrechung wegen schlechter Sicht? Oder erst zum Platzsturm? Naja, selbst wenn man erst beim Daydrinking in Halbzeit drei auftaucht, gilt es noch geradeso als Teilgenommen.   

Praise the Lords of Chaos

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – das erzählt jede Standesbeamtin jeden Tag circa 5 mal. Und weil es aber auch nervig ist zu lange auf den Anfang zu warten, kann man ihn auch vorziehen, indem man den Trainer nicht erst zum Saisonende rauswirft. Zwei Spieltage vor Schluss wirkt ein wenig, wie wenn man den lauffaulen Zehner noch vor der Halbzeitpause demonstrativ auswechselt. Aber niemand ist gezwungen bis zum Ende zu leiden, nur damit man sagen kann: wir werden uns nach der Saison zusammen setzen und alles knallhart analysieren. Da weiß man doch schon, was bei raus kommt. Also neuer Besen sofort und dann wird ein wenig Chaos aufgewirbelt. Hat man sich auch in Köln im Schatten des Doms gesagt und einen Mann reaktiviert, der ungelogen älter als der neue Papst ist. Das Pontifikat Funkel muss ja auch nicht ewig dauern, Hauptsache der Effzeh kommt in dieser Saison noch in den Himmel, also in die Bundesliga. Zwei Spieltage reichen bis zur Seligsprechung. Danach wird sich schon ein anderer Trainer finden, schließlich werden die Arbeitsagenturen gerade mit Übungsleitern geflutet. Da wird doch was dabei sein. Z.B. Markus Anfang, dem als gebürtigen Kölner der Karneval super wichtig ist und dem am Anfang seiner Beschäftigungsverhältnisse oft ein gewisser Zauber inne wohnt. Bis zum Ende der Saison hat dieser auch bei ihm in Kaiserslautern nicht angehalten, weshalb er vor zwei Spieltagen ersetzt wurde. Beim ersten Spiel von Torsten Lieberknecht als neuen FCK-Trainer vor zwei Wochen, sprach der damaligen Schalke-Trainer Kees van Wonderen in die Mikrofone, dass er es schade finde, dass so ein Trainerwechsel kurz vor Schluss tatsächlich mit einem Sieg für Kaiserslautern belohnt wurde. Eine Woche später dachten sich seine Vorgesetzten auf Schalke: ach komm, das versuchen wir auch. Man muss mal gucken wie stark die Chaoswirkung durch einen neuen Trainer tatsächlich ist, wenn es alle gleichzeitig versuchen. Ein bißchen so, wenn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 alle fünf Minuten neue Kopfgrätscher auftauchen und man innerhalb von Sekunden von 2, auf 3, auf 4 Teams mit 4+1 oder 5+1 oder doch mit Wechslern wechselt. Das Gute dabei: es wirkt jedesmal wie ein neuer Anfang von Zauberhand. 

Reich und weit bringt Sicherheit

Na, habt ihr noch eine Spielankündigung auf Halde liegen, die euch an die Spielzeiten auf Vorrat erinnert? Nachdem in dieser Woche Spanien, und Teile Portugals und Frankreichs einen Blackout erlebt haben, fragt der Deutsche natürlich zuerst was das für ihn bedeutet. Und während alle anderen den Engpass haben, haben wir die Angst davor. Die größte Angst der Deutschen ist schließlich immer noch die Reichweitenangst. Ob das E-Auto, der E-Roller, das E-Rad oder das Smartphone – dauern kommen wir ins Schwitzen, wenn wir Angst haben, dass wir mit dem halbvollen Akku es nicht mehr bis nach Hause schaffen. Als alles noch mit fossilen Brennstoffen lief, konnte man sich damit beruhigen, dass man mit einem Stückchen Schlauch und einem Pfefferminzbonbon sich jederzeit irgendwie einen Nachschlag holen kann. Deshalb gucken wir diese Woche noch einmal genauer nach, ob alle Vorräte bei 100% sind. Ist die Wasserflasche voll? Ist noch genug Sonnencreme in der Tube? Ist ausreichend Luft aufm Ball? Ist das Drittehalbzeit-Bargeld aufgefüllt? Jeder Engpass kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich der Spielbeginn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 verzögert. Und in der Folge werden eventuell Anschlusstermine verpasst. Da haben wir schließlich auch ein Trauma von der Deutschen Bahn. Die fährt immerhin elektrisch, hat aber eine dauerhafte Stromversorgung. Sonst würden wir ja da überhaupt nicht einsteigen. Aber bei einem Blackout würde sie auch einfach stehenbleiben. Die Spanier mit dem deutschen Trainer haben in dieser Blackout-Woche ziemlich eindrucksvoll im Classico den Copa del Rey gewonnen und dann hatten sie immer noch genug Graugans-Energie für ein 3:3 gegen Inter im Champions-League-Halbfinale. Das mit den Graugänsen vom Hansi haben seine Landsleute nicht gewürdigt und ihn vom Hof gejagt. Sie winkten ihm mit einem Stück Schlauch hinterher. Immerhin war ihr Atem frisch. 

Steamboat Vasa

Wie lange haben die jetzt an dem Bötchen rumgepuzzelt? Egal nu isses fertig und es kann an die Sonne. Da das Ausdocken natürlich parallel zum Kopfgrätschen Samstag 10:30 stattfinden muss, stellt Christoph seine Kamera diesmal nicht am Platz auf. Ein Zeitraffervideo bietet sich dennoch an, weil dann sieht das einfach viel schneller und dynamischer aus. Wir wissen wovon wir reden. Man kann nur hoffen, dass dem Schiff das Schicksal der Vasa vor 400 Jahren im Stockholmer Hafen erspart bleibt. Für das Video wäre es natürlich weitaus spektakulärer. Und so wie man beim Kopfgrätschen hofft, dass eine absolut unerwartete Situation mit einmal für die Nachwelt festgehalten wird, könnte auch die Disney Adventure mal etwas anbieten. Allerdings ist davon auszugehen, dass bei der Konstruktion etwas genauer nachgerechnet wurde als damals in Schweden. Zwei Kanonendecks mit 64 Kanonen waren dann doch etwas zu viel. Das war quasi die Achterbahn der Vasa. Den Stabilitätstest von damals – bei dem 30 Mann auf dem obersten Deck hin und her rennen mussten – könnten wir nach dem Kopfgrätschen noch unterstützen. Gebt uns einfach einen Ball und der Elchtest kann beginnen. Bei der Vasa brachte dieser Test das Schiff schon beinahe zum Kentern und wurde abgebrochen. Trotzdem wurde die Jungfernfahrt am 10. August 1628 gewagt. Die Kanonen feuerten Salutschüsse aus den rundum geöffneten Stückpforten. Langsam lief das größte Kriegsschiff der Welt aus dem Hafen aus. Plötzliche Fallwinde führten dazu, dass es sich auf die Seite legte und durch die geöffneten Stückpforten strömte Wasser in den Rumpf. Die Vasa sank. Falls es bei der Disney Adventure doch schief geht, lockt die Aussicht auf ein GlobalDream/Disney Adventure-Museum in 400 Jahren. Auf Djurgården ist das Vasa-Museum nicht mehr die alleinige Attraktion seitdem Djurgårdens IF gestern ins Halbfinale der Conference League eingezogen ist. Das sollte uns doch für die nächsten 400 Jahre Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 motivieren.       

The Trend is your End, my Friend

Wir nehmen ja sonst gerne jeden kleinen Trend mit, damit das Mannschaftsfoto nicht seit Jahrzehnten immer gleich aussieht. Nun, gleich kann es im Grunde eigentlich nicht aussehen, dagegen sprechen die Gesichter und die Anzahl der Teilnehmer. Wir bei den Profis gern gejammert: sie konnten in dieser Saison nicht zweimal mit der gleichen Mannschaft auflaufen, können wir das quasi als Regelfall einpreisen. Deshalb lohnt es sich auch immer mal wieder in den Fotos zu wühlen und überraschende Motive hervorzukramen. Guck mal, der hat mal mitgespielt. Oder: da war er noch jung und unverbraucht. Und das sind nur die Urteile über den Ball, der manchmal auch mit aufs Bild darf. Wenn es das zimmergleiche Motiv wäre, könnte man ein prima Daumenkino machen, um den Zahn der Zeit plakativ an uns nagen zu lassen. Aber die Diversität jeden Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) verhindert das. Trotzdem ist die Frage nach dem Spiel obligatorisch: Haben wir ein Motto? Manchmal liegt etwas Saisonales auf der Hand oder ein Internet-Trend drängt sich geradezu auf. Da diese Trends aber inzwischen nur noch die Halbwertzeit von einem Vormittag haben, sind wir natürlich chronisch zu spät, um wirklich ein Teil des Hypes zu sein. Den Harlem Shake oder die Ice Bucket Challenge konnte man noch zwei Wochen ignorieren bis man sie dann doch zum Bildthema gemacht hat. Inzwischen reicht es in der Postproduktion kurz die KI drüber laufen zu lassen. Trotzdem war der Ghibli-Studio-Trend schneller verglüht als die Zündschnur von Uli Hoeneß. Aber dieser Mist mit den Action Figuren, der zeitgleich entstanden ist, will irgendwie nicht aufhören. Noch zwei Wochen und ich werd weich. Als Zusatzutensil muss dann aber wenigstens die Ice Bucket in der Packung dabei sein.    

Happy Meal Feet

Der Tabellenrechner läuft langsam heiß. Das nahende Saisonende könnte man an zwei Händen abzählen, trotzdem ist es einfacher mit einer Kicker-Stecktabelle. Oder mit einer großen Tafel wie sie Donald Trump gerade überall hochhält. Aber die scheint wenig flexibel. Wenigstens mit Magneten hätte man da arbeiten können. Vor allem weil sich da doch täglich etwas ändern kann. Momentan sind wir beim POTUS auf Vizekusen-Kurs, aber das heißt ja nicht, dass wir uns nicht gegen Arminia Lesotho blamieren können. Oder diese Insel mit den Pinguinen. McDonald Island. Die offensichtlich nur dabei sind, weil die zu wenig von Onkel Donalds Lieblingsrestaurants eröffnet haben. Früher konnte man dort immerhin angehende Europameister treffen wie einst die Dänen 1992. Aber seitdem dort eigentlich nur noch Trump und Söder abwechselnd in die Burger spucken, sind die Golden Arches in der Nährwerttabelle auf den Relegationsrang abgerutscht. Als Überraschung im Happy Meal, das damals noch Junior Tüte hieß, hatten die Dänen neben dem EM-Titel auch noch Grönland gewonnen. Die Krone Europas ist im Vergleich zu dieser Insel sicher nicht mehr ganz so viel Wert. Die nächsten großen Titelträger als Club- und Nationen-Weltmeister werden schließlich schon bald in den USA produziert. Die Produktion von Kopfgrätschen wird trotzdem exklusiv Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 hier lokal durchgezogen. Selbst wenn wir damit wahrscheinlich die letzte echte Werkself sind, die neben Wolfgang Grupp und dem Trigema-Affen ausschließlich in Deutschland produziert. Das Weltniveau, auf dem Bauch mit dem Kopf voran Richtung Ball und Gegner zu rutschen, macht uns so leicht doch niemand nach. Das trauen wir maximal noch den verdammten McDonalds-Pinguinen zu.