04. Juni 2022 Der zweite geraffte Samstag

Vergangenen Samstag gab es schon mal einen #Kopfgrätsche-Zeitraffer-Film. Dieses Mal sollte der noch besser werden. Aber dann sorgte jeder Schuß auf den Zaun hinter dem Tor für eine neue Perspektive:

Auf Twitter gibt es das Video auch:

Und auch auf Instagram – allerdings funtkioniert die Einbettung hier nicht: https://www.instagram.com/tv/CeYjz4XKPvn70cHPoU3YH5MN33enjeZUrqJ1Is0/

To be super clear

Jeder bei Kopfgrätsche muss ein Minimum an 2 mal 90 Minuten pro Woche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) mit Kopfgrätschen verbringen. Zudem muss der Kopfgrätsche-Ort dort sein, wo die aktuellen Kopfgrätscher sind – nicht an einem Pseudo-Kopfgrätsche-Ort. Wenn du nicht auftauchst, müssen wir davon ausgehen, dass du nicht am Kopfgrätschen bist. 

Je Alt-Kopfgrätscher du bist, desto sichtbarer muss deine Kopfgrätsche-Präsenz sein. Deshalb habe ich an dem Kopfgrätsche-Ort so viel Lebenszeit verbracht – so dass alle an der Strafraumkante sehen konnten wie ich neben ihnen kopfgrätsche. Hätte ich das nicht getan, würde Kopfgrätsche schon nur noch im Kopf existieren.

Es gibt natürlich Teams, die das nicht brauchen, aber wann war das letzte mal, dass diese einen großartigen neuen Kopfgrätsche-Moment hervorgebracht haben? Das ist wohl schon ein Weilchen her. 

Kopfgrätsche hatte und wird die aufregensten und sinnvollsten Kopfgrätschen aller Kopfgrätschen weltweit kreieren und umsetzen. Das wird nicht fernmündlich passieren.

Thanks,
Elonglonglong

ApplePay, AliPay, Mbappé

Okay, es sind jetzt 25 Jahre seit „Ricken lupfen jetzt!“, aber damals war Kylian Mbappé noch nicht einmal geboren. Seit dem hat sich einiges getan. Lars Ricken musste erst seine Karriere beenden, in der er immerhin auch Vizeweltmeister und Champions-League-Sieger geworden ist, um in seinem Verein mitzubestimmen. Auch Mbappé bleibt nun doch dem Verein seiner Geburtsstadt treu, statt zu einem großen Namen ins Ausland zu wechseln. Jetzt könnte man darauf mit fußballromantischen Gefühlen glotzen, aber nein, alle sind nur am Meckern. Vielleicht liegt es daran, dass Lars mit 45 nur das Nachwuchsleistungszentrum leitet, während Kylian mit 23 gefühlt zum spielenden Aufsichtsratsvorsitzenden aufsteigt. Die Machtfülle als Goodie im Vertrag ist schon ungewöhnlich, aber wahrscheinlich die Zukunft. Man wird bei den wichtigen Entscheidungen demnächst öfter hören: Kylian begrüßt, zweifelt an, lehnt ab. Neymar-Verkauf zu Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00)? Ok. Neues Maskottchen? Vielleicht. Doppelter Nachtisch? Auf keinen Fall! Lars schimpfte vor 25 Jahren in einem Nike-Werbespot auf die Geschäftemacher in Nadelstreifen. An die in kurzen Hosen, wie das aktuelle Nike-Zugpferd Mbappé, dachte er damals wohl nicht.

One more „da ist das Ding“

Bei Kopfgrätsche denkt man ja, sie haben das DIA-Turnier gewonnen, dabei haben sie nur den Samstag überlebt. So ungefähr schaut Uli Hoeneß auf unser Tun Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Und irgendwo hat er ja auch recht. Aber wer weiß denn schon, ob man jemals wieder ein DIA-Turnier gewinnt? Man könnte natürlich all sein Eskalationspotenzial für diesen Moment aufheben, damit man tatsächlich noch Steigerungsoptionen hat, falls man in solch triumphale Situationen kommt. Hätte Uli Hoeneß vor neun Jahren jemand gesagt, dass die Bayern 10 mal in Folge Meister werden, hätte er seine Endorphine nicht alle schon nach der ersten oder zweiten verpulvert. Es beschleicht einen aber das ungute Gefühl, dass die Bayern aktuell noch mit angezogener Handbremse jubeln, damit sie adäquat eskalieren können, wenn Meisterschaft Nummer 20 erreicht ist. Oder welche Zahl auch immer es rechtfertigt, ein wenig Freude zuzulassen. Aber da spricht wahrscheinlich der alte Zocker aus ihm, der nicht einfach aussteigen kann, wenn irgendetwas gewonnen wurde. Aber wären wir anders? Nach jedem Tor denken wir doch, dass uns noch ein zweites gelingt. Und wer zwei hat, will auch drei. Und wenn man dann am Samstag alles verzockt hat, steht man Mittwoch wieder auf dem Platz, in der Hoffnung, dass die Aussicht auf das nächste Tor, den nächsten Sieg, den nächsten DIA-Turniergewinn, die Nationalmannschaftskarriere und den WM-Titel (Verteidigung optional) zum Greifen nah ist.  

Fackeln im Platzsturm

Wie kultig ist die Fanszene deines Clubs? Hattet ihr letzte Woche einen Platzsturm? Nein? Dann eindeutig nicht kultig genug. Da gab es also Anlass zum Jubel im eigenen Stadion und die Anhänger haben sich auf der Tribüne nur normal gefreut? Vielleicht ein paar Sprechchöre und Gesänge, maximal eine Fünfzigmann-Polonaise durch den Block. Dazu etwas Konfetti und Bierduschen. Aber das wars auch schon. Fast alle haben ihre Hosen anbehalten und bei der Humpa waren nur die Capos auf dem Zaun. Also bitte, dann kann man es ja gleich lassen. Womöglich war am Ende noch die Grasnarbe intakt. Das klingt nach schlimmsten Plastikclubsvibes in Kombination mit verachtenswertem Eventfantum im Langnese-Familienblock. Wer nicht mindestens ein bis zwei Lagerhallen an schweren Bengalos einsetzt, bei denen Toni Hofreiter feuchte Augen bekommt, hat das Spiel nie geliebt. Und dabei muss natürlich mindestens die Querlatte oder der Elfmeterpunkt abgestaubt werden. Fortgeschrittene nehmen natürlich sogar das rollbare Sponsorenboard mit in die Straßenbahn.

Auf jeden Fall ist es nur peinlich, wenn am Saisonende noch irgendein Halm im Stadion verbleibt. Insofern können wir uns nichts vorwerfen lassen. Unsere Platzstürme Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 haben ihre Spuren hinterlassen. Die Krater im Platz sind größer als bei Schalke, Frankfurt und Köln zusammen. Und während man bei den Herren Profis einen ganzen Sommer braucht um wieder Spielfähigkeit herzustellen, pöhlen wir einfach routiniert um die Löcher herum.     

Falsche Neun

So, was machen wir jetzt mit dem 9-Euro-Ticket? Es wurde uns quasi geschenkt (warum auch immer haben wir schon vergessen) und jetzt müssen wir das Budget auch großzügig sinnlos abfahren. Twitter hat sich natürlich schon zum kollektiven Wochenendausflug nach Sylt verabredet, um dort die Konjunktur in der Sansibar anzukurbeln. Hoffentlich haben die auch wirklich Aperol Spritz in Eimern und Scampies Rot-Weiß auf der Karte. Der Fußballadel freut sich schon darauf jeden Tag die orange-rosa Kotze aus dem Bayernlogo in der Auffahrt zu kärchern. Der ortsansässige Stammesfürst Kalle Rummenigge hat als Verteidiger der indigenen Bevölkerung das Grundgesetz hoffentlich nicht allzu weit weggelegt und kann die besten Sprüche noch einmal laut auf dem Hindenburgdamm zitieren, bevor versucht wird, den Eingeborenen das Helly-Hansen-Steppjackenfell über die Ohren zu ziehen. Von einem Recht auf 9-Euro-Trips steht nicht einmal was im BGB. Ich hab an den Wochenenden meist auch keine Zeit für solch einen Quatsch. Zwischen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 habe ich meistens schon was Besseres vor. Irgendwie denkt bei der ganzen Geschichte auch niemand an die einzigen Menschen, die wirklich normalerweise quer durch die Republik mit den Regionalbahnen an jedem Wochenende tuckern. Und nein, ich meine nicht die Bundeswehrsoldaten, sondern die Auswärtsfans, die ab Juni keinerlei Grund mehr für eine schöne Ochsentour von Rostock nach Sandhausen haben. Ihre Idole liegen schließlich dann schon längst in Mallorca am Strand und wundern sich warum es dort so leer ist. Es ist zwar etwas teurer (als 9 Euro), dafür ist man unter sich. Und ich weiß jeder Zweite ist genauso blöd wie ich. Ändlisch nohmale Leute.

Totgetweete tröten länger

»Aktueller Gesundheitszustand für diejenigen, die sich fragen: Nur terminlich verhindert zum zweiten mal in 4 Tagen. Sauer, Samstag 10:30 nicht dabei sein zu können. Aber das bringt mich nicht um. Scheine in der Lage zu sein, den Mittwoch 18:00 wiederbeleben zu können.«

So ungefähr übersetzt lautet der erfolgreichste Tweet von Mino Raiola. Ob er das auch noch einmal bei Mastodon getrötet hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber eventuell ist das der Premium-Content, für den man auf Twitter bleiben muss, unabhängig wem das Netzwerk gerade gehört. Aber auch nur dort sind nur diese Echokammern möglich, die ungeprüft Nachrufe zu Toptrends werden lassen. Kein Wunder, dass sich gestern jeder Sportjournalist in Grund und Boden schämte. Da wurde mindestens ein halber Nachmittag lang intensiv die eigenen Standards hinterfragt. Aber dann war auch schon wieder die nächste Eilmeldung auf Grundlage eines dünnen Gerüchts fällig. Die Follower wollen halt die exklusive und ungeprüfte Meldung so schnell wie möglich. Und so wird hier natürlich Freitags die nicht verifizierte Info rausgehauen, es wäre Samstag und Mittwoch mit Fußball zu rechnen. Ob das wirklich stimmt, muss man leider immer noch investigativ selbst am Platz rausfinden.

Nachspielzeitreise

Das Stöbern in 10 Jahre alten Beiträgen auf www.kopfgrätsche.de ist nicht ganz einfach. Technisch ist noch einiges zu reparieren nach dem letzten Umzug und dann atmet dort vieles den Geist der damaligen Zeit, was einen sofort in ein Kaninchenbau hineinzieht, der ähnlich groß ist wie der Krater auf dem Gummiplatz. Was war das damals für eine komische Zeit? Nun, der Flashplayer war auf jeden Fall noch am Start. Inzwischen läuft dieser auch nicht mal mehr auf den Seiten, die unter den ersten Beiträge verlinkt wurden. Die Kommentarfunktion musste alsbald deaktiviert werden, da die damit verbundenen verlockenden Angebote selten was zum eigentlichen Thema beitrugen. Aber auch fußballerisch war 2012 ein denkwürdiges Jahr. Kloppo hatte gerade mit dem BVB eindrucksvoll das Double klar gemacht, bei dem ein unstoppbarer Lewandowski den Bayern in Berlin 3 Buden einschenkte. Die geprügelten Bayern mussten kurz darauf das Trauma vom verlorenen Finale Dahoam erleben, das wir wiederum gemeinsam im Filmbüro erlebten.

http://dreckbus.de/kopf/?p=306

Der gleiche Schweinsteiger von letzter Woche, der so froh über seine wiedergefundenen Eier beim Elfmeterschießen im Halbfinale war, wurde im Endspiel zur tragischen Figur. Auch die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, die nur wenige Wochen danach auch in der Karstadt-Arena startete, eignete sich nicht für Schweini für einen entspannten Sommer.

http://dreckbus.de/kopf/?p=683

Nach der Vorrunde in Charkiw und Lwiw konnte man zwar als Erster der Gruppe B ins Viertelfinale einziehen, aber vor dem Finale stoppten sie Mario Balotellis Sixpack und Daniele de Rossis Assoziationen-weckendes Grätschen-Warnzeichen auf der Wade.

http://dreckbus.de/kopf/?p=652

In diesem denkwürdigen Fußballjahr kann die Kopfgrätsche-Geburt natürlich fast nur eine Rumpelfußnote sein. Ich gucke dennoch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder aus dem Kaninchenbau-Krater auf dem Gummiplatz, um so zu tun als wäre es noch 2012.   

10 Jahre Verlorene Eier

Als vor 10 Jahren Kopfgrätsche aus unseren Hirnen auf die Füße plumpste, wurden die Spielankündigungen, die vorher nur als Mail zu den Spielen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 aufriefen, zu Blogbeiträgen. Einer der ersten Texte drehte sich saisonal passend um ovale Dinge. Und ohne den Kontext der damaligen Zeit kann man nur erahnen, was einem der Autor damit sagen wollte. Es werden offensichtlich schon die Vorteile der archivierten Teamfotos und Beiträge unter www.kopfgrätsche.de gepriesen, die man nach 10 Jahren auch mal wieder lesen kann. Aber was war mit Schweini? Stand eine Länderspielpause an, bei denen der inzwischen als Schleichwerbegesicht von Toom bis Garmin und Expertensprechpuppe bekannte Weltmeister (damals noch zwei Jahre davon entfernt) sich regelmäßig krank meldete, wenn es nicht direkt um Pokale ging? Nein, Anlass war wohl das Elfmeterschießen im Halbfinale der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern, bei dem Schweinsteiger bekannte, kurz seine Einer verloren zu haben, sie aber rechtzeitig wiederfand. Also ganz im österlichen Geiste. Obwohl die Kopfgrätsche natürlich immer wenn es geht, das wichtigste Körperteil auf dem Hals preist, ging es am Anfang erst einmal untenrum zur Sache. Aber dieser verbale Elfmeter musste natürlich eiskalt verwandelt werden.  

http://dreckbus.de/kopf/?p=1

Married… with old Lady

Die Macher von „Arm aber Sexy“ und „Länderfinanzausgleich in der Nachspielzeit“ bescheren uns einen neuen Kassenschlager im Sitcom-Format. Dass von Lars Windhorst nur heiße Luft kommt, hätte natürlich niemand ahnen können. Er hatte immerhin die Start-Up-Gang von Carsten Maschmeyer gelesen und hätte sein Geld auch easy bei der Höhle der Löwen in achtsame Gewürzmischungen und smarte Schuhlöffel investieren können. Aber nein, er wollte ja unbedingt sein sauer zusammenspekuliertes Geld mit jungen Menschen in kurzen Hosen vermehren. Viele hielten es für einen Enkeltrick mit einer alten Dame, aber wer auf Klinsi und Jens Lehmann als Berater vertraut, will das Geld doch auch nicht wirklich wiederhaben, oder? Als logische Fortsetzung dieser Expertenreihe kam man dann natürlich auf Felix Magath, der schon Fulham-Sugardaddy Mohamed Al-Fayed erfolgreich die Scheine aus der Buxe gezogen hat. Aber wer ist hier Täter und wer Opfer? Lars Windhorst fühlt sich wie ein armer Schuhverkäufer, der missmutig auf der Couch sitzt während ihm die nimmersatte Familie die Kohle aus den Griffeln reißt, um damit unnützes Zeug zu kaufen. Ist es da nicht verständlich, dass er seine Anteile irgendwo verpfänden muss? Ist natürlich blöd, dass die dann im schlimmsten Fall auch zwangsversteigert werden können und neben John Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 noch mehr Zocker in kurzen Hosen, Hertha-Trikots und hoffentlich auch in Schuhen auf dem Bolzplatz landen. Aber die Gefahr scheint gebannt. Lars hat den Schmuck der alten Dame schon längst wieder ausgelöst. Dann wird bestimmt doch noch alles gut, wenn er nicht mit seinen Kumpels in der Nacktbar landet. 

02. April 2022 – Schuhe machen Leute

Der Schuh-Spende-Aufruf hat funktioniert! Danke an die Spender. Zwei der nigerianischen Studenten, die aus der Ukraine flüchten mussten, haben sich passende Schuhe ausgesucht. Und natürlich haben sie dann noch besser gespielt, als in ihren Badepuschen.

Jetzt müssen wir mal gucken, wie es weitergeht mit den übrigen Schuhen. Sie kommen auf jeden Fall noch an Füße von Leuten, die sie dringend brauchen.