
Schlagwort-Archive: Mittwoch
Hinterkopfjuwel
Nun hat der HSV tatsächlich niemanden mehr, der sich vernünftig um ihn Sorgen macht. Und alles was man an Herzlichkeiten über den verstorbenen Ehrenspielführer und die legendärste HSV-Legende sagen kann, wird gerade zurecht als Trostpflaster auf alle Startseiten geklebt. Mit Uwe geht bei den Menschen halt auch eine ganz tiefe Sehnsucht noch dem Fußball von früher; und damit ist gar nicht das eigentliche Spiel gemeint, das technisch und athletisch natürlich wie andere Sportart aussieht. Fast ein wenig wie Kopfgrätschen am Samstag (10:30) oder Mittwoch (18:00). Aber wer seinen Kopf so kreativ einsetzt, dass sogar der hintere Teil des Nüschels eine torgefährliche Waffe darstellt, der geniest bei uns Fans der ungewöhnlichen Kopftechniken natürlich die höchste Anerkennung. Und in Sachen Fairplay und Sportsmanship war Uwe natürlich die Blaupause, nach der man sich nicht nur seine Mitspieler sondern auch seine Gegenspieler wünscht. Von so einem lässt man sich gerne mal die Tore einschenken, wenn man weiß, dass der gegenseitige Respekt vor der sportlichen Leistung stets die Grundlage der gemeinsamen Zeit auf dem Platz ist. Solch ein Wesen macht die Leute zurecht wehmütig. Gerade mit Blick auf den modernen Fußball. Einen hippen Signature-Fortnite-Jubel, der den Gegner so richtig auf seinen Loser-Status verweist und der den FIFA-Avatar erst so richtig wertvoll macht, hat ein echter Sportsmann wie er nie nötig gehabt. Aber zum Ausgleich bekommt man als Denkmal einen riesigen Fuß vor das eigene Stadion gestellt. Jetzt wäre es an der Zeit, dass Hamburg auch die restlichen verehrungswürdigen Körperteile von Uwe ins Stadtbild integriert. Wir freuen uns besonders auf seinen Hinterkopf.
Ballfahrtsorte statt Taten
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ So oder so ähnlich ist es im Evangelium nach Loddar Matthäus Kapitel 18 Vers 20 geschrieben und man kann sich denken, dass das genauso für den Fußball funktioniert. Ab drei Leuten kann man schon ein Spielchen beginnen und ab drei Mannschaften hat man quasi ein Turnier. Und das hat auch dieses Jahr beim DIA-Turnier funktioniert, ohne dass die lahmen Kopfgrätscher durch ein himmlisches Wunder noch zum Grätschen gebracht werden mussten. Auch Berti Vogts dachte damals es wäre unbedingt nötig, dass er Matthäus in seinem biblischen Alter von 37 noch mit auf die Wallfahrt zur WM1998 in Frankreich nehmen muss. Das gute Wasser von Lourdes sorgte tatsächlich dafür, dass Deutschland es in der zweiten Hälfte gegen Jugoslawien ohne Kroatien Lazarus gleich tat und wieder von den Toten auferstand. Nur um dann im Viertelfinale von Kroatien ohne Jugoslawien mit 0:3 in die ewigen Jagdgründe geprügelt zu werden. Das Ganze auch noch in Lyon zu Füßen der Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourvière, die im Volksmund aufgrund seiner 4 oktogonalen Ecktürme „der auf dem Rücken liegende Elefant“ genannt wird. Und ebenso lagen 1998 die deutsche Nationalmannschaft und Loddar darnieder und streckten alle four Viere von sich. Zwei Jahre später spielte ich mein erstes Turnier im Rahmen der amateurhaften studentischen Fußlümmelei und Lothar musste seinen greisen Körper durch eine EM-Vorrunde schleppen, die Deutschland als Gruppenletzter abschloss. Auch 22 Jahre danach braucht es keine grauen Leitwölfe. Es reicht ein Ball, um jederzeit problemlos zwei bis drei Mannschaften zu einem Spaßturnier zu versammeln. Was heißt das nun für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, liebe Gemeinde? Nun, es schadet jedenfalls nicht einen Ball mitzubringen.
13. Juli 2022 – Mach Platz!
06. Juli 2022 – Schweben, fliegen, fallen
Bändchen on the run
Wie viele 3-Tage-Events kann man noch mitnehmen bis der Sommer vorbei ist? Eine echte Challenge, denn es gilt eine Menge aufzuholen. Jedes Festival, dass endlich wieder stattfinden kann, bietet mindestens 3 Tage Musik. Wenn man die mit dem Ticket bereisen möchte, das einem den ganzen Sommer das Gefühl gibt, dass das gesamte Festivalpublikum in einem Bahn-Abteil zusammenkommt, sollte man noch einmal 3 Tage für jeweils An- und Abreise einrechnen. Die Tage dazwischen kann man mit den nachgeholten Konzerten im Club oder auf der Freilichtbühne auffüllen. Wenn draußen noch irgendwo ein Platz zwischen Kunsthandwerkermärkten, Straßentheatern oder Kino-Openairs zu finden ist. Langsam wird es schwierig das richtige Bändchen an den dicken Handgelenken zu finden, die einem Einlass gewähren. Alleine an diesem Wochenende warten wieder mehrtägige Veranstaltungen, die absolut in dieses Muster passen. Wem 3 Tage Sylthochzeit mit Christian und Franca zu gehyped sind, geht lieber auf das kleine Indie-Festival DIA 2022. Wer lieber mal drei Tage Ruhe haben möchte, bucht das Kombi-Ticket aus Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Natürlich mit der Option diese Ruhe um zwei Tage zu verkürzen, wenn man noch bei DIA-Turnier Sonntag 10:00 aufläuft. Die Plätze wurden aufwändig freigekämpft. Vielleicht muss in Trink- und Umbaupausen noch ein Straßenkünstler auftreten oder ein DJ sein Set für die nächste Promihochzeit proben. Aber der Platz sollte dennoch großzügiger sein als aktuell am Flughafen oder Bahnhof.
Einfach mal Streichen
Joachim-Streich-Sportforum klingt doch eigentlich nicht schlecht, oder? Das klingt nach gepflegter Anlage mit modernen und robusten Sportgeräten und irgendwo zentral ein Hinweis auf den Namensgeber, der den jungen Sportsfreunden ein Beispiel sein könnte, weil er irgendwo hier in der Nähe selbst als Kind mit dem Ball begonnen hat. Momentan passt das allerdings noch wenig mit der Wirklichkeit zusammen. Der Ort, an dem zukünftig dem erfolgreichsten DDR-Fußballer gedacht wird, sieht aktuell selbst noch nach 40 Jahren Mangelwirtschaft aus. Besonders dort wo der gemeine Freizeit-Kopfgrätscher Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 zum Spielen hin darf. Wenn man die Krater auf dem Platz schwarzweiß ablichtet, sieht es vermutlich ziemlich nach einer Zeitreise in die Sechziger aus, als Streich Wismar noch groß genug war. Schon mit 16 verließ er allerdings seine Heimatstadt und ging aus eigenem Antrieb nach Rostock, weil dort die bessere Infrastruktur und die größere Karriere lockte. Das muss mit den zukünftigen Talenten ja nicht unbedingt passieren. Wenn sie gut sind, wird Wismar natürlich trotzdem nicht ihre Endstation bleiben. Aber man kann sich gerade nicht vorstellen, dass von diesem Kraterfeld aus irgendein Talent es über Hansa und Bayern mal zu Real Madrid schafft und dort noch vier- bis fünfmal die Champions League gewinnt. Oder wenigstens bei Bremen, Union und Braunschweig die Relevanz für einen Podcast mit einem fünffachen Champions-League-Gewinner erspielt. Joachim Streich hatte keinen Podcast, aber hat immerhin noch oft genug als Experte bei Sport im Osten das Mikrofon in der Hand gehalten. Auch wenn er kein Lautsprecher war, er hätte bestimmt dennoch dieses Forum genutzt und gefordert, dass das Joachim-Streich-Sportforum dem Namen seines Paten gerecht werden wird.
08. Juni 2022 – 8 aus 16
To be super clear
Jeder bei Kopfgrätsche muss ein Minimum an 2 mal 90 Minuten pro Woche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) mit Kopfgrätschen verbringen. Zudem muss der Kopfgrätsche-Ort dort sein, wo die aktuellen Kopfgrätscher sind – nicht an einem Pseudo-Kopfgrätsche-Ort. Wenn du nicht auftauchst, müssen wir davon ausgehen, dass du nicht am Kopfgrätschen bist.
Je Alt-Kopfgrätscher du bist, desto sichtbarer muss deine Kopfgrätsche-Präsenz sein. Deshalb habe ich an dem Kopfgrätsche-Ort so viel Lebenszeit verbracht – so dass alle an der Strafraumkante sehen konnten wie ich neben ihnen kopfgrätsche. Hätte ich das nicht getan, würde Kopfgrätsche schon nur noch im Kopf existieren.
Es gibt natürlich Teams, die das nicht brauchen, aber wann war das letzte mal, dass diese einen großartigen neuen Kopfgrätsche-Moment hervorgebracht haben? Das ist wohl schon ein Weilchen her.
Kopfgrätsche hatte und wird die aufregensten und sinnvollsten Kopfgrätschen aller Kopfgrätschen weltweit kreieren und umsetzen. Das wird nicht fernmündlich passieren.
Thanks,
Elonglonglong
01. Juni 2022 – Abends halb zehn in Deutschland
ApplePay, AliPay, Mbappé
Okay, es sind jetzt 25 Jahre seit „Ricken lupfen jetzt!“, aber damals war Kylian Mbappé noch nicht einmal geboren. Seit dem hat sich einiges getan. Lars Ricken musste erst seine Karriere beenden, in der er immerhin auch Vizeweltmeister und Champions-League-Sieger geworden ist, um in seinem Verein mitzubestimmen. Auch Mbappé bleibt nun doch dem Verein seiner Geburtsstadt treu, statt zu einem großen Namen ins Ausland zu wechseln. Jetzt könnte man darauf mit fußballromantischen Gefühlen glotzen, aber nein, alle sind nur am Meckern. Vielleicht liegt es daran, dass Lars mit 45 nur das Nachwuchsleistungszentrum leitet, während Kylian mit 23 gefühlt zum spielenden Aufsichtsratsvorsitzenden aufsteigt. Die Machtfülle als Goodie im Vertrag ist schon ungewöhnlich, aber wahrscheinlich die Zukunft. Man wird bei den wichtigen Entscheidungen demnächst öfter hören: Kylian begrüßt, zweifelt an, lehnt ab. Neymar-Verkauf zu Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00)? Ok. Neues Maskottchen? Vielleicht. Doppelter Nachtisch? Auf keinen Fall! Lars schimpfte vor 25 Jahren in einem Nike-Werbespot auf die Geschäftemacher in Nadelstreifen. An die in kurzen Hosen, wie das aktuelle Nike-Zugpferd Mbappé, dachte er damals wohl nicht.
25. Mai 2022 – Jive Ballyhoo
One more „da ist das Ding“
Bei Kopfgrätsche denkt man ja, sie haben das DIA-Turnier gewonnen, dabei haben sie nur den Samstag überlebt. So ungefähr schaut Uli Hoeneß auf unser Tun Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Und irgendwo hat er ja auch recht. Aber wer weiß denn schon, ob man jemals wieder ein DIA-Turnier gewinnt? Man könnte natürlich all sein Eskalationspotenzial für diesen Moment aufheben, damit man tatsächlich noch Steigerungsoptionen hat, falls man in solch triumphale Situationen kommt. Hätte Uli Hoeneß vor neun Jahren jemand gesagt, dass die Bayern 10 mal in Folge Meister werden, hätte er seine Endorphine nicht alle schon nach der ersten oder zweiten verpulvert. Es beschleicht einen aber das ungute Gefühl, dass die Bayern aktuell noch mit angezogener Handbremse jubeln, damit sie adäquat eskalieren können, wenn Meisterschaft Nummer 20 erreicht ist. Oder welche Zahl auch immer es rechtfertigt, ein wenig Freude zuzulassen. Aber da spricht wahrscheinlich der alte Zocker aus ihm, der nicht einfach aussteigen kann, wenn irgendetwas gewonnen wurde. Aber wären wir anders? Nach jedem Tor denken wir doch, dass uns noch ein zweites gelingt. Und wer zwei hat, will auch drei. Und wenn man dann am Samstag alles verzockt hat, steht man Mittwoch wieder auf dem Platz, in der Hoffnung, dass die Aussicht auf das nächste Tor, den nächsten Sieg, den nächsten DIA-Turniergewinn, die Nationalmannschaftskarriere und den WM-Titel (Verteidigung optional) zum Greifen nah ist.
Fackeln im Platzsturm
Wie kultig ist die Fanszene deines Clubs? Hattet ihr letzte Woche einen Platzsturm? Nein? Dann eindeutig nicht kultig genug. Da gab es also Anlass zum Jubel im eigenen Stadion und die Anhänger haben sich auf der Tribüne nur normal gefreut? Vielleicht ein paar Sprechchöre und Gesänge, maximal eine Fünfzigmann-Polonaise durch den Block. Dazu etwas Konfetti und Bierduschen. Aber das wars auch schon. Fast alle haben ihre Hosen anbehalten und bei der Humpa waren nur die Capos auf dem Zaun. Also bitte, dann kann man es ja gleich lassen. Womöglich war am Ende noch die Grasnarbe intakt. Das klingt nach schlimmsten Plastikclubsvibes in Kombination mit verachtenswertem Eventfantum im Langnese-Familienblock. Wer nicht mindestens ein bis zwei Lagerhallen an schweren Bengalos einsetzt, bei denen Toni Hofreiter feuchte Augen bekommt, hat das Spiel nie geliebt. Und dabei muss natürlich mindestens die Querlatte oder der Elfmeterpunkt abgestaubt werden. Fortgeschrittene nehmen natürlich sogar das rollbare Sponsorenboard mit in die Straßenbahn.
Auf jeden Fall ist es nur peinlich, wenn am Saisonende noch irgendein Halm im Stadion verbleibt. Insofern können wir uns nichts vorwerfen lassen. Unsere Platzstürme Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 haben ihre Spuren hinterlassen. Die Krater im Platz sind größer als bei Schalke, Frankfurt und Köln zusammen. Und während man bei den Herren Profis einen ganzen Sommer braucht um wieder Spielfähigkeit herzustellen, pöhlen wir einfach routiniert um die Löcher herum.
Falsche Neun
So, was machen wir jetzt mit dem 9-Euro-Ticket? Es wurde uns quasi geschenkt (warum auch immer haben wir schon vergessen) und jetzt müssen wir das Budget auch großzügig sinnlos abfahren. Twitter hat sich natürlich schon zum kollektiven Wochenendausflug nach Sylt verabredet, um dort die Konjunktur in der Sansibar anzukurbeln. Hoffentlich haben die auch wirklich Aperol Spritz in Eimern und Scampies Rot-Weiß auf der Karte. Der Fußballadel freut sich schon darauf jeden Tag die orange-rosa Kotze aus dem Bayernlogo in der Auffahrt zu kärchern. Der ortsansässige Stammesfürst Kalle Rummenigge hat als Verteidiger der indigenen Bevölkerung das Grundgesetz hoffentlich nicht allzu weit weggelegt und kann die besten Sprüche noch einmal laut auf dem Hindenburgdamm zitieren, bevor versucht wird, den Eingeborenen das Helly-Hansen-Steppjackenfell über die Ohren zu ziehen. Von einem Recht auf 9-Euro-Trips steht nicht einmal was im BGB. Ich hab an den Wochenenden meist auch keine Zeit für solch einen Quatsch. Zwischen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 habe ich meistens schon was Besseres vor. Irgendwie denkt bei der ganzen Geschichte auch niemand an die einzigen Menschen, die wirklich normalerweise quer durch die Republik mit den Regionalbahnen an jedem Wochenende tuckern. Und nein, ich meine nicht die Bundeswehrsoldaten, sondern die Auswärtsfans, die ab Juni keinerlei Grund mehr für eine schöne Ochsentour von Rostock nach Sandhausen haben. Ihre Idole liegen schließlich dann schon längst in Mallorca am Strand und wundern sich warum es dort so leer ist. Es ist zwar etwas teurer (als 9 Euro), dafür ist man unter sich. Und ich weiß jeder Zweite ist genauso blöd wie ich. Ändlisch nohmale Leute.
04. Mai 2022 – Will er Real?
Totgetweete tröten länger
»Aktueller Gesundheitszustand für diejenigen, die sich fragen: Nur terminlich verhindert zum zweiten mal in 4 Tagen. Sauer, Samstag 10:30 nicht dabei sein zu können. Aber das bringt mich nicht um. Scheine in der Lage zu sein, den Mittwoch 18:00 wiederbeleben zu können.«
So ungefähr übersetzt lautet der erfolgreichste Tweet von Mino Raiola. Ob er das auch noch einmal bei Mastodon getrötet hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber eventuell ist das der Premium-Content, für den man auf Twitter bleiben muss, unabhängig wem das Netzwerk gerade gehört. Aber auch nur dort sind nur diese Echokammern möglich, die ungeprüft Nachrufe zu Toptrends werden lassen. Kein Wunder, dass sich gestern jeder Sportjournalist in Grund und Boden schämte. Da wurde mindestens ein halber Nachmittag lang intensiv die eigenen Standards hinterfragt. Aber dann war auch schon wieder die nächste Eilmeldung auf Grundlage eines dünnen Gerüchts fällig. Die Follower wollen halt die exklusive und ungeprüfte Meldung so schnell wie möglich. Und so wird hier natürlich Freitags die nicht verifizierte Info rausgehauen, es wäre Samstag und Mittwoch mit Fußball zu rechnen. Ob das wirklich stimmt, muss man leider immer noch investigativ selbst am Platz rausfinden.
Nachspielzeitreise
Das Stöbern in 10 Jahre alten Beiträgen auf www.kopfgrätsche.de ist nicht ganz einfach. Technisch ist noch einiges zu reparieren nach dem letzten Umzug und dann atmet dort vieles den Geist der damaligen Zeit, was einen sofort in ein Kaninchenbau hineinzieht, der ähnlich groß ist wie der Krater auf dem Gummiplatz. Was war das damals für eine komische Zeit? Nun, der Flashplayer war auf jeden Fall noch am Start. Inzwischen läuft dieser auch nicht mal mehr auf den Seiten, die unter den ersten Beiträge verlinkt wurden. Die Kommentarfunktion musste alsbald deaktiviert werden, da die damit verbundenen verlockenden Angebote selten was zum eigentlichen Thema beitrugen. Aber auch fußballerisch war 2012 ein denkwürdiges Jahr. Kloppo hatte gerade mit dem BVB eindrucksvoll das Double klar gemacht, bei dem ein unstoppbarer Lewandowski den Bayern in Berlin 3 Buden einschenkte. Die geprügelten Bayern mussten kurz darauf das Trauma vom verlorenen Finale Dahoam erleben, das wir wiederum gemeinsam im Filmbüro erlebten.
Der gleiche Schweinsteiger von letzter Woche, der so froh über seine wiedergefundenen Eier beim Elfmeterschießen im Halbfinale war, wurde im Endspiel zur tragischen Figur. Auch die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, die nur wenige Wochen danach auch in der Karstadt-Arena startete, eignete sich nicht für Schweini für einen entspannten Sommer.
Nach der Vorrunde in Charkiw und Lwiw konnte man zwar als Erster der Gruppe B ins Viertelfinale einziehen, aber vor dem Finale stoppten sie Mario Balotellis Sixpack und Daniele de Rossis Assoziationen-weckendes Grätschen-Warnzeichen auf der Wade.
In diesem denkwürdigen Fußballjahr kann die Kopfgrätsche-Geburt natürlich fast nur eine Rumpelfußnote sein. Ich gucke dennoch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder aus dem Kaninchenbau-Krater auf dem Gummiplatz, um so zu tun als wäre es noch 2012.
20. April 2022 – La Décima
10 Jahre Verlorene Eier
Als vor 10 Jahren Kopfgrätsche aus unseren Hirnen auf die Füße plumpste, wurden die Spielankündigungen, die vorher nur als Mail zu den Spielen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 aufriefen, zu Blogbeiträgen. Einer der ersten Texte drehte sich saisonal passend um ovale Dinge. Und ohne den Kontext der damaligen Zeit kann man nur erahnen, was einem der Autor damit sagen wollte. Es werden offensichtlich schon die Vorteile der archivierten Teamfotos und Beiträge unter www.kopfgrätsche.de gepriesen, die man nach 10 Jahren auch mal wieder lesen kann. Aber was war mit Schweini? Stand eine Länderspielpause an, bei denen der inzwischen als Schleichwerbegesicht von Toom bis Garmin und Expertensprechpuppe bekannte Weltmeister (damals noch zwei Jahre davon entfernt) sich regelmäßig krank meldete, wenn es nicht direkt um Pokale ging? Nein, Anlass war wohl das Elfmeterschießen im Halbfinale der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern, bei dem Schweinsteiger bekannte, kurz seine Einer verloren zu haben, sie aber rechtzeitig wiederfand. Also ganz im österlichen Geiste. Obwohl die Kopfgrätsche natürlich immer wenn es geht, das wichtigste Körperteil auf dem Hals preist, ging es am Anfang erst einmal untenrum zur Sache. Aber dieser verbale Elfmeter musste natürlich eiskalt verwandelt werden.







Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.