17. Februar 2024 – Aus der Zeit der Tennisbälle in der Bundesliga

Irgendwann flog auf einmal ein Tennisball, der unterm Leibchen mit ins Spiel geschmuggelt wurde – als kleiner, vorbereiteter Gag. Es wurde sogar ein bisschen drüber geschmunzelt. Fürs Foto musste dann aber doch noch Photoshop ran. Wer hat schon so viele Tennisbälle rumliegen? Sollte dieses #Kopfgrätsche-Posting, genauso wie dieses, nach 100 Jahren ausgegraben werden, soll es die Zeit symbolisieren, in der kaum ein Bundesliga-Spiel ohne Unterbrechungen durchgeführt werden kann, weil mit aus dem Publikum aufs Spielfeld geworfenden Tennisbällen oder Schoko-Talern Unterbrechungen erzwungen werden. Auch ferngesteuerte Spielzeug-Autos und sogar Modelflugzeuge sind dafür schon zum Einsatz gekommen. Nur bei Kopfgrätsche gibt es das nicht. Wir sind für Investoren uninteressant.

Medizinball auf Bistrotisch

Bis zur Stunde ist noch nicht klar, ob er nicht doch wieder auftaucht (wie wir jeden Samstag 10:30 auf dem roten Platzt). Beim HSV wird auf jeden Fall heftig diskutiert, ob man der Forderung von Investor Kühne nachgeben muss und einfach mal seine Festnetznummer wählen soll. Die Medizinbälle sollten doch noch irgendwo hinten in der Turnhalle liegen. Und beim letzten mal vor zwei Jahren, als ihn die alte Dame wach küsste, hat er es nicht schlecht gemacht. Immerhin war auch der HSV in der Relegation und wäre bestimmt sogar aufgestiegen, wenn nicht Felix Magath bei den Herthanern Angst und Schrecken verbreitet hätte. Es ist also nur legitim zu überlegen, ob nicht diesmal Quälix der Retter des HSV sein muss. Jedenfalls, wenn man ein Multimilliardär von 86 Jahren ist. Da vertraut man doch lieber einem frischen 70-Jährigen als einem Greenhorn, das nicht einmal halb so alt ist. Und der FCK hat einem schließlich gerade den vorletzten Nicht-Laptop-Trainer weggeschnappt. Beim Namen Felix Magath denkt man in Hamburg natürlich an eine gewisse glorreiche Nacht 1983 in Athen. Vierzig Jahre danach taumelt der Verein in jedem Frühjahr regelmäßig aus den Aufstiegsrängen zur ersten Liga. Als Magath in den Neunzigern Trainer an der Müllverbrennungsanlage war, war der HSV zwar auch in Abstiegsgefahr, aber er hat sich immer irgendwie retten können. Und damals gab es nicht einmal eine Relegation. Laptops waren noch exotisch und passten auf keinen Bistrotisch in Straßencafés. Jetzt sollten Kühne und der HSV aber schnell handeln und einen berittenen Boten den Hügel der Leiden hochscheuchen. Sonst sind die Südkoreaner zuerst da. Die haben schließlich grad Laptop-Klinsi vor die Tür gesetzt und brauchen dringend etwas Abwechslung. 

10. Februar 2024 – Blaue Karte im schönen Bewegungsablauf

Wenn man in 100 Jahren dieses Kopfgrätsche-Posting wieder ausgräbt, wird es das Posting sein, welches zu der Zeit entstand, als erstmals vom International Football Association Board (IFAB) über die testweise Einführung einer Blauen Karte auf niedrigem Liga-Niveau gesprochen wurde. Noch niedriger als Kopfgrätsche geht Fußball fast gar nicht, darum haben wir die Blaue Karte schon Mal in die Hand genommen. Kürz zur Erklärung an die, die dieses Posting ausgegraben haben werden: Mit einer Blauen Karte soll gegen Spieler eine zehnminütige Zeitstrafe verhängt werden, wenn sie zum Beispiel durch ein minder schweres Foul eine klare Torchance verhindert haben oder Offizielle verbal attackieren. Zwei Blaue Karten sollen ebenso zu einer Roten führen wie eine Blaue und eine Gelbe. So der Stand im Februar 2024. Keine Ahnung, wie viele farbige Karten man im Februar 2124 im Fußball benutzen wird.

Schnauze Volley!

Der Ball ist rund haben sie gesagt und das Spiel dauert 90 Minuten. Nun, ein Tennisball ist auch rund und viele Tennisbälle sorgen dafür, dass ein Spiel sehr viel länger als 90 Minuten dauert. Der Protest der Fans in den deutschen Stadien gegen den Investoreneinstieg wirkt. Und endlich wird die Forderung der Fans der Deutschen Nationalmannschaft von 2019 in die Tat umgesetzt. Das kryptische „Volley!“ auf der Tribüne in Hamburg und die Tennisbälle – endlich passt alles zusammen. Die Verzögerung in den Stadien lässt die Zuschauer länger frieren und auch die Spieler kommen aus dem Rhythmus. Aber die Fans vor dem Fernseher sind die eigentlichen Opfer. Was soll man mit der zusätzlichen Zeit nur anfangen. Noch mehr Werbung angucken oder Expertengelaber anhören? Dann doch lieber eine saubere Spielabsage wie in Saarbrücken und bei der Wiederholung eines alten Krimis einschlafen. Gemordet wird immer und überall. Eine Region kann ohne Bundesligisten überleben, aber wenn es keinen Regionalkrimi gibt, ist man wirklich abgehängt. Selbst wenn es vor der eigenen Tür so trostlos und gruselig wie bei True Detective aussieht, kann man mit den heimischen Lost Places noch ganz gut Quote machen. Auch hier sollte man die Investoren so lange wie möglich raushalten, sonst wird man aufgrund der sanierten Infrastruktur für Filmteams uninteressant. Zu aufregend darf es für den Zuschauer natürlich letztlich nicht sein, sonst wachen die wieder auf und schalten irgendwohin, wo tatsächlich Fußball gezeigt wird. Und beim Asien und Afrika Cup muss man wenigstens keine frierenden Fans auf der Tribüne sehen. Gegen das Frieren Samstag 10:30 hilft nur mindesten 90 Minuten durchgehende Bewegung. Ob beim Fußball oder Fußballtennis ist egal. Ein Lost Place ist unser Platz jedenfalls nur, wenn der Ball unauffindbar ins Gebüsch fliegt.   

Kloppo Redentor

Allzu oft passiert es nicht, dass sich Jürgen Klopp beruflich verändert. Bisher stehen in seiner Vita nur drei Vereine und bei Liverpool ist er nun auch schon seit fast neun Jahren an der Seitenlinie. Aber wenn er denkt, dass er sich verändern muss, dann sendet er als limitierter Fußballer, der er war, ein Signal an andere Stolperer auf einer vorher nicht angesagten Frequenz. Vielleicht hat er aber lediglich ein gutes Gespür für Timing, was immerhin dazu geführt hat, dass er noch nie entlassen wurde. Gut, beim HSV haben sie ihn einfach schon vorher weggeschickt, aber wahrscheinlich nur, um ihn zu schützen. Als HSV-Trainer wäre er schließlich spätestens nach zwei engen Relegationen zum Teufel gejagt worden und er hätte sich danach nur noch durch 6-10-Monatsengagements bei Kaiserslautern, Schalke, Hannover und Arminia Bielefeld gehangelt. Campino hätte er natürlich trotzdem kennengelernt, während eines Intermezzos bei Fortuna Düsseldorf. Zum Glück ist alles anders gekommen und jetzt könnte er es sich aussuchen, wo er beruflich landet. Noch haben die semierfolgreichen Amtsinhaber attraktiver Posten Ruhe und können in den nächsten Wochen beruhigt in die Skiferien fahren. Die Zeugnisse sind zwar durchschnittlich und es gibt keinen Schnee, aber Kloppo möchte sich auch erst einmal eine Pause gönnen und sich die Welt ansehen. Die Pyramiden von Mo Salah, Christo Redentor von Bobby Firminho, die Shibuya-Kreuzung von Wataru Endo. Und natürlich den Roten Platz Samstag 10:30. Falls also Touris mit Pöhler-Kappe um den Platz schleichen, immer schön grüßen. Wir Stolperer erkennen uns überall. 

Der Bewegtbild- und Wortmann

Kann sich noch jemand an 2008 erinnern? Na gut, an 2006 können sich die meisten einigermaßen erinnern, weil Sönke Wortmann das auf Video aufgenommen hat, bevor er anfing nur noch Remakes von französischen Erfolgskomödien mit Christoph Maria Herbst und Florian David Fitz nachzudrehen. 2008 war wohl angeblich ein Jahr, in dem Werder Bremen das letzte mal vor dem letzten Sonntag gegen die Bayern gewann. Mein Gott, da gab es noch nicht einmal 4K und die Bilder waren 4:3, oder Sönke? Die meisten aus dem aktuellen Werder-Kader wuchsen gerade aus ihren ersten Fußballschuhen raus, die sie Weihnachten 2007 von Oma geschenkt bekommen hatten. Aus der Zeit findet man nur ganz schwer Kopfgrätsche-Aufnahmen. Christoph (quasi unser Sönke Wortmann) hat garantiert welche gemacht, aber man muss schon ganz schön weit scrollen dafür. Und vermutlich müssen die ganz alten Dinger erst einmal restauriert werden, da die Fotos seit dem letzten Website-Umzug ganz unten in der Fototasche liegen. Im schlimmsten Fall müssen wir noch einmal neue Abzüge von den Negativen machen. Kreuzt mal auf der Tasche an, was ihr in welchem Format entwickelt haben wollt. Und nicht vergessen, ob glänzend oder matt. 2008 gab es nicht einmal ein DIA-Turnier. Zwischen Reich und Schön 2007 und CMYK 2009 liegt ein Jahr, in dem maximal die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz und die Seebühne in Bregenz mit Johannes B. Kerner, Urs Meier und Jürgen Klopp am Kloppomaten in Erinnerung bleiben. Nach dem Turnier heuerte Klopp beim Tabellendreizehnten Borussia Dortmund an und Sönke Wortmann drehte Die Päpstin. Wir machen Samstag 10:30 ein Spiel, an dessen Ende wir hoffentlich noch ein Zeitdokument für die Menschen im Jahr 2040 erstellen. Wir möchten uns schon jetzt dafür entschuldigen, dass es nicht 32K ist. 

You can call me AL-…

Jetzt ist gerade mal die halbe Saison rum und überall gibt es Ärger. Karim Benzema steht bei Al-Ittihad in der Kritik und sein Club dümpelt nur auf Platz 7 rum. Neymar wurde bei Al-Hilal aus dem Kader gestrichen, nur weil er verletzt ist und obwohl er wahrscheinlich auch ohne Kreuzband torgefährlicher wäre als die anderen Kaderauffüller beim Tabellenersten. Und Al-Ettifaq verliert nach nur einem halben Jahr Routinier Jordan Henderson ablösefrei in Richtung Amsterdam. Die Saudi Pro League hat also erkannt, dass es nicht ausreicht, sportliche Schlagzeilen zu produzieren. Die Soap braucht neues Futter und wenn im Winter jetzt nicht spektakulär eingekauft wird, dann liefert man etwas von diesem Gossip, den Union Berlin auch mit Bonucci generiert hat. So kann Union sogar verkraften, dass nun schon das zweite Spiel schneebedingt abgesagt wird und sportlich keine Top-Meldungen produziert werden können. Sportlich möchte unser Experte Z. Ibrahimovic die saudische Liga wie folgt einordnen: „Scoring 10 goals in the Arab League is scoring 1 goal in Ligue 1 … in England it’s equal to an unframed shot, in Spain it’s just a corner.“ Möglicherweise etwas frech gegen den Führenden der Torschützenliste von Al-Nassr, einen gewissen C. Ronaldo. Aber der Experte hat zufällig selbst in all diesen Ligen gespielt, nur nicht in Saudi Arabien, wohin er im Sommer mit seinen frischen 42 noch hätte wechseln können. Die vier Jahre PSG lassen wir aber als Schnupperpraktikum bei den Kataris gelten. Sogar Kopfgrätsche (Samstag 10:30) könnte er mit seiner Erfahrung auf den verschneiten Bolzplätzen in Malmö Rosengård bestimmt ganz gut bewerten. Ich bin gespannt wo er uns im Vergleich einordnet. Schnee hält unsere unframed Shots immerhin nicht auf. 

Studio 54, 74, 90, 2006

„Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.“ Und wenn das Kind dann noch Fußball spielt (z.B. Samstag 10:30) freut sich der liebe Gott noch viel mehr. Weil er ja manchmal sogar ein Fußballgott ist. Am Ende darf nur dieser Kaiser abberufen, auch aus Ländern, in denen die Monarchie schon lange abgeschafft scheint. Die Huldigungen für den letzten Kaiser hatten dort ausnahmsweise nicht einmal etwas mit Reichsbürgertum zu tun. Und das ist doch immerhin schon etwas in diesen Zeiten. Es war eher fast unschuldig eine Marke, die Franz Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan sehr bereitwillig zur Positionierung der Personal Brand Kaiser Beckenbauer eingesetzt haben. Damals war der Franz damit im Studio 54, heute wäre er damit auf LinkedIn unterwegs, so wie Philipp Lahm oder Olli Bierhoff. Aber damals war das frisches Marketing, das eher untypisch für den Fußball seiner Zeit war. Es gab ja nicht einmal konsequent WM- und EM-Maskottchen für jedes Turnier, das von Einkaufswagenchips und Schulranzen grüßte. Und im Rückblick auf die WM 2006 wollen wir uns doch trotz der unschönen Geschichte mit den Millionen (Joa mei…) lieber an den Kaiser als WM-Maskottchen erinnern, als an diesen peinlichen Wookie ohne (Spendier)Hose. Das Maskottchen in diesem Jahr hat eine Hose, die ihn im aktuellen Marketingangebot aus dem Hause Fußball aber auch nicht mehr großartig herausheben wird. Bei der Namenswahl wollten die Kunden nicht einmal für „Herzi von Bär“ als Vorschlag stimmen. Wir müssen es wohl als Indiz dafür sehen, dass die Zeit des Fußball-Adels hierzulande endgültig vorbei ist. Sein „Geht’s raus und spielt’s Fußball.“ ist als Dekret des Kaisers vielleicht totzitiert, aber dennoch immer noch wahr. Samstag 10:30 mehr denn je. Es gibt Kaiserwetter.     

Here we go (again)

Wie lange man sich eine Frohes Neues Jahr wünschen darf, entnehmt ihr bitte dem Nachrichtenportal eurer Wahl. Irgendwo wird diese Info garantiert zu finden sein. Eventuell steht sogar dort, wie lange man seine Mitmenschen nach den guten Vorsätzen fürs neue Jahr fragen darf. Peinlich wird es natürlich, wenn diese zum Zeitpunkt der Frage bereits wieder aufgegeben wurden. Der Klassiker „mehr Sport“ ließe sich ja mit einem Ausflug zum Fußballplatz bis Samstag 10:30 schon einmal auf einen guten Weg bringen. Aber sonst, ist man ja doch meist recht unkreativ bei der Formulierung von erreichbaren Zielen. Da ist es nur ganz natürlich, dass man auf Altbewährtes setzt, dass irgendwann schon einmal in der Vergangenheit funktioniert hat. Der BVB hat sich zum Beispiel vorgenommen soviel altes Personal wie möglich im Winter zum Verein zurückzuholen. Die waren schließlich schon einmal vor Ort erfolgreich, als die eigene Form noch nicht so besorgniserregend war. Man guckt sich also selbst auf den alten Fotos an und seufzt verträumt „Ach ja, guck mal wie jung wir damals waren…“. Für die Zurückgeholten hat sich die Zeit inzwischen allerdings ebenso weitergedreht. Ein Jadon Sancho ist z.B. mit 23 schon in dem Alter, in dem auch Mario Götze in die Frührente beim BVB startete. Wenn Mario heute 10 Jahre zurückdenkt, blickt er aber immerhin auf einen Siegtreffer in einem WM-Finale, worauf er garantiert tagtäglich angesprochen wird. Das 10 Jahre lang zu ertragen ist, ist wohl kaum damit zu vergleichen, wenn man zwei, drei Wochen nach den guten Vorsätzen gefragt wird. Es sei denn, man nimmt sich vor, das EM-Final-Siegtor in diesem Jahr zu schießen. Dann vielleicht doch lieber nur ein frohes letztes Tor am Samstag?          

Bälle aus Polen*

Meine Mutter hat Bälle aus Polen dabei
Die passen wir gleich los hinterm Haus
Das ist doch das Schöne an der Weihnachtszeit
Die Kopfgrätscher rück’n ein Stück näher zusammen
Hinter unserm Platz ist die Ballflugschneise
Davor und daneben rollt Prime-Güterverkehr
Man versteht sein eigenes Wort hier kaum
Doch wir fanden’s hier schön und hab’n uns raus getraut

Von allen Orten die es gibt auf der Welt
Jag ich ausgerechnet hier nach Tor’n
Und du, du hast das alles gesehen
Und du wolltest trotzdem bleiben

In jedem Leibchen riecht’s nach Schwitze, es ist kaum zu ertragen
Nur wenn ich fluche spüre ich meinen Atem
Auf den Fotos auf kopfgrätsche.de seh’n wir alle so aus
Als wär’n wir hinten auf dem Tausend Markschein drauf
In unser’n Büschen liegen immer noch die Bälle vom Vorjahr
Niemand fasst hier etwas an, dieser Platz ist wie ein Tatort
In der Mitte liegt mein Talent unter all dem begraben
Hier findet es niemand bis ans Ende der Tage

Von allen Orten die es gibt auf der Welt
Jag ich ausgerechnet hier nach Tor’n
Und du, du hast das alles gesehen
Und du wolltest trotzdem bleiben

Und vielleicht grätschen wir irgendwann
Eines Samstags (10:30) hier zusammen

* Text inspiriert von »Böller aus Polen« (Betterov)

Ätschi Grätschi

Das war ja eine ganz okaye Grätsche, Niklas. Im Standbild sieht das fast nach Erobique aus. Perfekte Haltung bei Beinen und Armen. Er ist nicht einmal so gerutscht, dass das Trikot unvorteilhafte Körperregionen entblößt hat. Da passt alles. Nur eben nicht der Ball ins Tor. Und das gehört natürlich auch zur perfekten Grätsche. Mbappé selbst zählt solche Aktionen eher nicht zu seinem Skillset. Aber auch als Verteidiger möchte man trotz der ausgeglichenen Bilanz Tore zu Eigentore in Erinnerung bleiben. So wie Jürgen Kohler in Old Trafford 1997 oder Sven Bender in München 2017. Mbappés Teamkollege Ousmane Dembélé war in dem betreffenden DFB-Pokalhalbfinale 2017 auch dabei und schoss das 3:2 zum Finaleinzug des BVB. Es wurde das Tor des Monats. Die Torverhinderung von Sven Bender zum fast sicheren 1:3 hat dieses Tor aber in der Erinnerung fast überdauert. Dembélé war am Mittwoch in der Champions League aufgrund einer Sperre nach drei gelben Karten nicht dabei. Er traf und trickste für den BVB leider nur eine Saison, bevor er als DFB-Pokalsieger und Neymar-Ersatz zu Barcelona weiterzog. Gelbe Karten sammelte er in seinem Jahr in Dortmund auch einige. Vor allem aber weil er lautstark Schiedsrichterentscheidungen beschimpfte, nur selten für Grätschen. Bei all dem Abgekulte dieser körperlichen Höchstleistungen müssen wir doch etwas Wasser in den Glühwein tropfen. Wann wird denn mal spektakulär ein Tor mit dem Kopf auf Rasenhöhe verhindert? Das würden wir ganz besonders feiern. Für einige Serviervorschläge würden wir Samstag 10:30 selbst sorgen.    

Wer kalibriert, der stets verliert

In den Zeiten apokalyptischer Klimaszenarien wirkt es doch sehr beruhigend, wenn die ersten Spielabsagen in den Profiligen auf den Sperrbildschirm flattern. Früher warf der Schiedsrichter an jedem Wochenende im Winter einen orangen Ball auf die Schneedecke und wenn dieser nicht versank, wurde natürlich gespielt. Allerdings gab es da auch keine kalibrierten Linien sondern nur freigekratzte, die aus dem Anstoßkreis schon mal ein Anstoß-Quadrat machten. Im Kölner Keller ist man selbstverständlich darauf angewiesen, dass für die unbestechliche Genauigkeit regelmäßig jemand die Linse freihaucht. Die meisten Spielabsagen heute passieren aber nicht wegen eines verschneiten Platzes. Mit Rasenheizung oder Dach-zu bleibt der Rasen quasi immergrün. Nein, die Absagen heute haben als Grund, dass das Erreichen der Stadien durch Schnee und Eis nicht für alle möglich ist. Vor allem weil man irgendwann entschieden hat, Stadien als seelenlose Multifunktionshallen an Autobahnausfahrten in den angrenzenden Landkreis zu bauen. Dorthin wo der ÖPNV nur an Sonn- und Feiertagen fährt und man für die Anreise mit dem Fahrrad aus der Stadt durch sämtliche Ausbau-Bezirke fahren muss, in denen die Straßen tiefe Gräben sind, da dorthin irgendwann fließend Wasser und Glasfaser verlegt werden sollen. Aber auch Fans aus dem Umland sind betroffen, die den Stadionbesuch als festen Programmpunkt auf der Tour mit Christkindlesmarkt und Neuschwanenstein gebucht haben. Flughafen gesperrt, Oberleitung vereist, Radweg endet in Schneewehe – das sind die eigentlichen Spielabsagegründe. Deshalb kann man nur empfehlen, Samstag 10:30 trotz maximaler Stadtnähe rechtzeitig den Weg zum Platz anzutreten. Der ist selbst natürlich komplett unberäumt. Hoffen wir jedenfalls. Im Idealfall versinken wir und der Ball im Schnee. Es kommen schließlich wieder andere Zeiten mit 10 Grad Plus an Weihnachten, wenn die Verwandtschaft anreisen will. Und pünktlich zur Winterpause.     

Ole im Schnee

Da hammse sich nun so viel Zeit gelassen mit dem neuen Platz. Jede Markierung fein säuberlich gezogen mit rechten Winkeln und perfekten Kreisbögen. Die besten Tore nachhaltig aus Kronkorken geschmiedet, die mit einem unvergleichlichen akustischen Scheppern jeden Treffer aussingen. Aber dann kommt einfach Schnee, legt sich über die Spielstätte und macht alternative Freizeitangebote. Aber für Super-G oder Riesenslalom fehlt dann doch die Infrastruktur, so dass wir wie immer in solchen Fällen auf den Kopfgrätsche-Biathlon wechseln. Laufen, Hinlegen und Schießen funktionieren weiterhin ganz gut. So können wir auch bei dieser Witterung unserem erfolgreichen norwegischen Vorbild mit der unerreichten Trefferquote nacheifern. Richtig, ihr denkt natürlich auch an Ole Einar Bjørndalen. Seine Videos mit den Skills und Goals hat wohl immer noch keiner zusammengeschnitten, oder? Ist ja auch eine klassische Winterbeschäftigung für den Hutzenabend. Aber beim traditionellen Hutzen im Erzgebirge ist man aber wahrscheinlich noch mit der Verehrung von Denise Herrmann-Wick aus Aue-Bad Schlema beschäftigt. Oder mit dem Schneeschieben im Erzgebirgsstadion. Wir sind Samstag 10:30 auch ohne Schneeschieber und Rasenheizung spielfähig. Die genau gezirkelten Linien werden durch grob in den Schnee getrampelte Markierungen ersetzt und mit Leibchen markieren wir die Tore für unsere Schussfahrt über den Platz. Auch ohne Grillhütte daneben ist die Versorgung mit Eisbeinen garantiert. Mit eurem rechtzeitigen Erscheinen sichert ihr euch zudem einen unberührten Teil auf der frisch ausgerollten Schneedecke für euer persönliches Schneeengel-Plätzchen. Das könnte für die B-Note und am Ende für den Sieg entscheidend sein und kann nur noch getoppt werden, wenn man seine Signatur daneben pinkeln kann. Hat das Ole Einar Bjørndalen jemals komplett geschafft?