Du kannst mich an der Ecke rauslassen

Wohin am Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00? Fragt euch der Typ, der nie übt. Mittwoch? Oh ja, die weite Landschaft erstrahlt jetzt auch Abends in einem hellen Putzlicht und man sieht mehr als bei einer Einwegfeuerzeugstichflamme. Morgen ist egal, da erkennt man schließlich mehr als ein Blinken am Horizont. Also, wann kommst du vorbei? Wenn ich keine Schlangenlinien fahren oder eine ungünstige Abbiegung nehmen muss, können wir auch über Abgeholt mitgenommen reden. Ich kann dich an der Ecke rauslassen. Alles muss raus für die gemeinsame Sache. Klar, eines flüchtigen Tages Treffen auf der Straße geht auch, aber fest verabredet auf dem Platz ist mir lieber. Das mit dem Glücklichsein ist relativ, aber vielleicht können ein paar Tore für diesen Moment helfen. Dabei hilft es, wenn man cool wie eine Tiefkühltruhe bleibt. Sonst semmelt man mit dem Ball schnell ein Loch in die Atmosphäre und dieser wird sich fühlen als könnte man die Sterne berühren. Da hilft nur eine hohe Frustrationstoleranz, Herr Frevert. Wenn du sagst „letztes Tor“ oder „genug ist genug, Gnu“, weiß ich du hattest ausreichend Wind in deinem Haar und du musst Zuhause sein. Ich versende trotzdem auch nächste Woche wieder Pseudopoesie, nie mehr wie vorher aber bis jemand mich hört.

Trennkost in der Gerüchteküche

Für tumultartigen Diskussionen in der Kabine kann es aktuell mehrere Gründe geben. Also vielleicht weil wir Zava holen, auch wenn man sich das erst vor 30 Sekunden gewünscht hat. Weil Trent Crimm ein Buch über uns schreibt. Oder weil womöglich Trent Crimm ein Buch darüber schreibt, wie Zava zu uns kommt? Oder weil Zava ein Buch über uns schreibt? Oder weil Zava ein Buch über Trent Crimm schreibt. Vielleicht liegt es aber gar nicht nicht daran, dass wir Zava holen, was vielleicht passiert oder auch nicht. Oder dass Trent Crimm ein Buch über uns schreibt, was definitiv passiert. Was könnte sonst die Kabine so auf die Palme bringen? Da an dieser Stelle natürlich kein fieser Ted-Lasso-Spoiler folgen soll, obwohl die entsprechenden Snippets natürlich längst in jeder Timeline gelandet sind, sagen wir einfach: es könnte eine Trennung sein, die gestern Abend alle ungläubig aufs Telefon hat starren lassen. Für Julian müsste jetzt Coach Beard loslaufen und Teds-Trennungsschmerz-Mix-CD holen. Ihn in einem überraschenden Manöver gegen den besten weltweit-verfügbaren Trainer auszutauschen, kann nicht jeder bringen. Dafür muss man schon das Topmodel der Liga sein. Der Neue passt mit seinem asketischen Ernährungsplan offensichtlich viel besser dazu. Und zu Beginn des Ramadan kann man mit dieser Verpflichtung sogar den katarischen Partnern eine kleine Freude machen. Von Thomas Tuchel können wir allerdings erwarten, dass er nicht eher das Fasten bricht, bis er das Triple gewonnen hat. Spätestens jetzt weiß Niklas Süle, dass sein Abschied von den Bayern richtig war, selbst wenn er nur Zweiter werden sollte. Auch für eine dritte Halbzeit nach dem eigenen Kick Samstag 10:30 hätte Coach Tuchel wenig Verständnis. Der größte Depp bei der ganzen Schmonzette ist wohl aber der FC Chelsea, oder? Vertreiben den talentiertesten Trainer zu einem direkten Konkurrenten um den Champions-League-Titel und dann bekommen sie nicht mal Zava. Oh, sorry für den Spoiler…   

18. März 2023 – #Kopfkamera bei #Kopfgrätsche – Fünf Spiele mit GoPro

Zu #Kopfgrätsche gehören seit immer schon die Fotos danach dazu. So auch diese Mal. Aber Video gibt es ausnahmsweise auch. Einer hat sich zum Trottel mit einer GoPro auf dem Kopf gemacht. Hier vorab ein paar Szenen aus insgesamt fünf aufgezeichneten Spielen:

Genügend Spieler für drei Mannschaften waren da. Also hatte die GoPro immer ein Spiel Pause und dann zwei Spiele hintereinander. Hier das erste:

Jetzt hatten sich alle daran gewöhnt, dass da eine Kamera mit im Spiel war. Jetzt sollte es losgehen. Ziemlich behäbig vom Kameramann übrigens, weil er mehr auf das Bild als auf das Spiel konzentriert war.

Übrigens: Nebenan auf dem Kunstrasenplatz liefen die Vorbereitungen auf das Spiel FC Anker Wismar gegen den 1. FC Neubrandenburg. Das konnte wegen des aufgeweichten Rasens nicht im Stadion stattfinden.

Seltsam ist übrigens die Optik. In diesen Videos sieht es krass nach Standfußball aus. Ist es sicherlich auch – aber in echt ist alles viel enger und schneller. Die Videos entlarven, wie alt wir doch alle sind.

Dieses vierte Spiel ist das Karma-Spiel. Erst fieser Trashtalk und dann die Wende. Es ist ein Lehrvideo für: Einfach mal die Fresse halten und konzentriert weiterzocken.

Beim letzen Video hat Youtube übrigens angeboten die Musik rauszuschneiden. Musik?! Ah!: Vom Nebenplatz. Bei Anker dröhnten kurz vor Spielbeginn die Bässe. Also hier Deine Chance bisschen „The Business (Dance) (Extended Mix)“ von MELON, Big Z, Dance Fruits Music zu lauschen. Hin- und wieder brüllt nur mal jemand dazwischen.

777 Nation Army

Der Name Big City Club ist jetzt also offiziell wieder frei. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob wir ihn Samstag 10:30 gebrauchen können. Er klingt zwar nicht schlecht und die Leute konnten ihn sich auch ganz gut merken, aber fast keiner hat es geschafft ihn ernst auszusprechen. Er war dann doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass Selbst- und Fremdbild relativ weit auseinander lagen. Aber das möchte man in Berlin nun besser machen. Während die Hauptstadt nun auch politisch etwas Neues ausprobieren möchte und eine großen Koalition bastelt, die weniger den Fokus auf verkehrsberuhigte aber dafür auf nach Altkanzlern der Einheit benannte Straßen legt, wagt auch Hertha den Neustart. Und der soll viel bescheidener daherkommen als unter Lars Windhorst. Der darf sich als alter Kohlspezi vielleicht noch über den hochmodernen Dr.-Helmut-Kohl-Speedway freuen, aber ansonsten braucht ihn an der Spree niemand mehr. Also eigentlich brauchte man auch nur sein Geld und das könnte man weiterhin natürlich gut gebrauchen. Aber die Hertha hat innovative Ideen, wie sie sich die neue Eckkneipen-Bescheidenheit leisten kann. 777 Partners ist der frische Anteilseigner und die haben wenigsten etwas Ahnung von Fußball. Schließlich ist Hertha nicht der einzige Klub, in den 777 Partners investiert. Genua, Rio de Janeiro, Paris, Lüttich, Sevilla und Melbourne begrüßen Berlin in ihrem neuen Big City Club. Und das ohne eine eklig schmeckende Brause zu vermarkten. Bei Red Bull reagiert man seit dieser Woche auf die Zahl 7 allerdings auch leicht allergisch. Für die 64,7% begnügt sich 777 mit je 2 Sitzen im Aufsichts- und Gesellschaftsbeirat. Was soll schon schiefgehen? Wenn man es schafft, windige Gesellen wie Jens Lehmann vom Berliner Westend fern zu halten, wird diesmal bestimmt alles gut. Vielleicht hilft es, um das Olympiastadion herum ein paar verkehrsberuhigte Zonen einzuführen.   

Strunz Upon a Time… in Hollywood

Bei der Spielankündigung vor 25 Jahren wären wir nicht drumherum gekommen, die Pressekonferenz der Pressekonferenzen im Fußball zu zitieren. Was haben wir uns damals wochenlang beömmelt über die Versuche vom Mister auf Deutsch zu eskalieren. Gefühlt mindestens ein halbes Jahr mussten wir jedes mal, wenn jemand eine Flasche leerte, reflexartig in diesen italodeutschen Rant verfallen. Harald Schmidt bestritt unzählige Ausgaben der Harald-Schmidt-Show, indem er einfach mehrfach „Struuunz“ ins Publikum bellte. Humortechnisch eine absolut sichere Bank. That’s the gag. Mehr musste man nicht tun. Und wenn sich das Publikum gerade so einigermaßen wieder gefangen hatte, schickte man einfach ein weiteres FC-Hollywood-PK-Zitat hinterher und die Show war quasi schon halb rum. Und natürlich gab es unzählige Zitate, die ganze Textilbetriebe retteten, weil es endlich wieder Gold-Material für Sprüche-T-Shirts gab. Auf wessen Abi-Shirt damals nicht „Ich habe fertig!“ stand, der werfe den ersten Stein. Aber wir waren eben relativ einfach zu erheitern damals. Harald musste damals in seiner Sendung nur seine schwarz-weiß-gefleckte Schleife tragen und herzhaft dazu muhen, um unsere von BSE oder BSE-Angst zersetzten Gehirne zum Kichern zu reizen. Eigentlich endete das wirklich erst sechs Jahre später als Bruno Ganz versuchte in „Der Untergang“ den Trapattoni-Monolog zu toppen. Allerdings waren die folgenden Motivationserfolge doch sehr unterschiedlich. Traps abgesaute Profis konnten tatsächlich danach „alleine die Spiel gewinnen“. Da wir Samstag 10:30 allerdings nicht alleine spielen und gewinnen möchten, bleibt der Ton in dieser Spielankündigung freundlich und ermutigend. Drum geht’s raus und spielt’s Fußball. Es bleiben lediglich im Raum: Keitel, Jodl, Krebs, Burgdorf und Struuunz!

Estadio Mâs Monumental und Museo River, Buenos Aires


Am Vorabend unseres Besuches, am 12. Februar 2023, kamen zum Ligaspiel zwischen River Plate und Argentinos Juniors (2:1) über 83.000 Besucher, das Estadio Mâs Monumental ist damit das grösste Stadion in Südamerika, noch vor dem Estadio Monumental „U“ in Lima (80.093) und dem Maracanã in Rio de Janeiro (78.838).


Das River-Plate-Museum zeigt eine eindrucksvolle Club-Geschichte auf, optisch auffallend ist der Toyota-Cup-Pokal von 1986. Dieser Wettbewerb war der interkontinentale Weltpokal, der von 1980 bis 2004 in Japan ausgetragen wurde. In dem duellierten sich die Gewinner des europäischen Champions Cups (bis 1991, danach Champions Leaque) und des südamerikanischen Copa-Libertadores-Club-Wettbewerb, ein illustrer Kreis von Finalisten: Real Madrid, Juventus Turin, Boca Juniors, River Plate, Hamburger SV [sic!].
Auch die Spieler- und Trainer-Liste von River Plate ist faszinierend: Goycochea, Caniggia, Higuain, Demichelis und natürlich Mario Kempes. Allerdings nur eine Saison (1981/82) ausgeliehen. Auch Trainer Diego Simeone war nur kurze Zeit bei River Plate tätig, 10 Monate, reichte aber für den Titel des Torneo Clausura 2008 und einem unrühmlichen Abgang nach 11 verlorenen Spielen in Serie.
Alles in allem eine faszinierende Fussballstätte, die sogar noch weiter ausgebaut wird, um dann bald 84.000 Zuschauer Platz bieten zu können. Bisschen negativ fällt auf, dass es kein Cafe, Restaurant oder Fanshop gibt. Geld ausgeben ist total schwierig!

04. März 2023 – Spiel auf 1 Tor

… war zum Glück nicht nötig, auch wenn wir uns erst einmal verwundert die Augen rieben als wir die Stelle mit einem herzhaften Schuss anpeilten, wo normalerweise ein Tor hingehört. Hatten etwa dreiste Aludiebe das Ziel unzähliger Traumtore einfach so weggeflext? Zum Glück war an diesem Samstag kein Basketball, so dass wir auch den Backup-Platz ausweichen konnten. Dennoch hoffen wir auf eine baldige Rückkehr des fehlenden Tores, damit die nächste Kopfgrätsche-Partie nicht allzu einseitig ausfällt. Ein Tor würde dem Spiel gut tun…

Notte Macchiato

Nachdem wir schon für die eine Stürmerlegende der Weltmeister von 1990 erfolgreich eine Anschlussverwendung gefunden haben, ist nun seit dieser Woche klar, dass auch sein Partner im Strafraum endlich wieder einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann. Rudi Völler hat mit dem Sportdirektorposten beim DFB bewiesen, dass es mehr als einen von seiner Art geben muss, nachdem er als Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen ja eigentlich in Rente gegangen war. Er war auch 1990 einer der Italienlegionäre, der in seiner Stadt Rom den WM-Pokal in den Himmel einer dieser Notti magiche recken konnte. Als ewiger Römer hat er natürlich eine Italienerin als Lebenspartnerin und Latte Macchiato als Kindergetränk kennengelernt. Sein Sturmpartner im Trikot der Nationalmannschaft spielte zur gleichen Zeit für Inter Mailand und seit dieser Woche ist der polyglotte Klinsmann endlich weg von Facebook Live. Wir dürfen gespannt sein auf welchen Social-Media-Kanälen er nun die südkoreanischen Fans mit Insights versorgt. Sein Aus bei der Hertha ist tatsächlich auch schon wieder 3 Jahre her. Aber alle erinnern sich selbstverständlich noch an seine spektakulären Anfänge in Berlin oder München. Das Abfilmen der Fankurve, die Buddhas auf dem Dach oder Söhnke Wortmann mit der Kamera in der Kabine – Klinsi wusste stets wie man einen Einstand inszeniert. Auf den darf man sich bei seinem Engagement in Südkorea also bestimmt freuen. Und wahrscheinlich wird auch das Ende wieder denkwürdig. Ein Jahr nach dem WM-Titel in Rom trafen Rudi und Klinsi übrigens als Gegner im UEFA-Cup-Finale 1991 aufeinander, den die Mailänder nach Hin- und Rückspiel 2:1 gegen die Roma  gewannen. Neben den beiden DFB-Stürmern standen in den Finalspielen auch die Weltmeister Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Thomas Berthold auf dem Platz. Kurz danach endete die große Italien-Amore für viele der deutschen Legionäre. Rudi und Klinsi zogen 1992 nach Südfrankreich zu Marseille und Monaco weiter. Mit den warmen Gedanken an Südfrankreich und Italien ignorieren wir Samstag 10:30 die Temperaturen am Nullpunkt auf der Piazza und träumen von Notti magiche im Estate.