Bei den Meldungen von Nachrichtenwert spielen wird doch hier meistens in der dritten Liga. Wenn wir wissen wollen was hier so los ist, müssen wir es schon den Ländermagazinen entnehmen. Der Spot auf den Spott im Osten ist oft maximal eine Funzel. Andere Orte und Regionen qualifizieren sich bei den News regelmäßig für die Champions League. Dort braucht man nur vom E-Scooter pöbeln und schon hat man die Chance, dass man in diversen Livestreams als Cameo auftaucht und als Teilzeitfreak ganz oben mitspielen darf. Man muss sich in den strukturschwachen Regionen schon strecken, um es in den internationalen Pressespiegel zu schaffen. Damit auch endlich mal Menschen außerhalb des eigenen Bundeslandes nachfragen: was war denn da los? Unerwartet und ungeübt wird man plötzlich zum Zentrum einer Party, nur weil man nah an dieser Unglaublichkeit wohnt und vielleicht ja am Gartenzaun mitbekommen hat wie beim Nachbarn Steuererklärungen von Interesse beim Energiesparen im Kamin gelandet sind. Dafür zerren sie einen aus der dunklen Ecke der Drittklassigkeit und stellen dich ins Scheinwerferlicht. An dem Punkt darf man nicht den schlimmen Fehler machen zuzugeben, dass man eigentlich gerade erst davon gehört hat und im Grunde auch nicht viel mehr weiß als das, was die BILD schon in der Überschrift in einem lustiges Kompositum verwurstet hat. Jetzt gilt es das kurzzeitige Interesse zu nutzen und in mysteriösen Andeutungen zu lancieren, dass da wohl noch viel mehr Ungeheuerliches unter der Oberfläche lauert. Nur so lässt sich das Überleben in der Aufmerksamkeits-Champions-League etwas über die Vorrunde hinaus strecken. Der Tourismusverband zählt dabei auf jeden einzelnen Einwohner. Es können nicht nur immer die Hansafans sein, die mit ihren mediterranen Leuchtfeuern so tun als wäre hier mindestens ein Serie-A-Spielort. Darum seid auch ihr aufgerufen bei jeder Gelegenheit von unglaublichen Kopfgrätschen am Samstag (10:30) zu berichten, die an Spektakel locker die von gehypten Barça-Spielern toppen. Es könnte auch hier passieren. Uns ist alles zuzutrauen…
Archiv für den Monat: Februar 2023
18. Februar – Von Thor zu Thor
Haste Murmeltierscheiße am Lackschuh
Bevor noch irgendjemand auf die Idee kommt, weitere dumme Fragen zur nachgeholten Abgeordnetenhauswahl in Berlin zu stellen, macht die Hauptstadt einfach weiter mit dem Everyday Life und eröffnet die 73. Berlinale. Alle spotten, aber wie einst Harald Juhnke kommt die schwankende Diva einfach selbstbewusst die Showtreppe heruntergetänzelt. In Berlin immerhin ein Weltstar. Ansonsten ist ja nun alles Menschenmögliche an Gehässigkeiten über der Metropole ausgekübelt worden. Nur Hannover steht immer ein bisschen neidisch daneben und versucht mit absurden Hundekot-News aus dem Ballett Aufmerksamkeit zu erheischen. Berlin gähnt nur müde, weiß es doch, dass Tierfäkalien an jeder Ecke zur Interaktion einladen. Aber jetzt wird erst einmal der rote Teppich darüber gerollt und obwohl natürlich auch hier gewählt wird, steht ein Gewinner schon fest. Steven Spielberg wird mit einem goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk geehrt. Neben seinem neuen Film The Fabelmans werden auch seine Klassiker wie E.T., Indiana Jones oder der Weiße Hai gezeigt. Spielberg hat mit seinen Filmen bisher 19 Oscars abgeräumt. Aber als Messi der Filmwelt fehlt ihm noch die größte Auszeichnung, die nur Berlin vergeben kann. Alle gönnen ihm den Pokal und fiebern schon daraufhin, dass Julia Fidel ihm bei der Ehrung einen Bischt überwirft. Oder was in Berlin kulturell und modisch grad so angesagt ist. Mal Lars Eidinger fragen. Ein Fußballtrikot wird es wahrscheinlich nicht sein. In der Frage wäre die Stadt ähnlich gespalten wie bei den Wahlergebnissen. Aufgrund unseres samstäglichen Murmeltiers namens Kopfgrätsche werden wir leider nicht beim Festival sein und im Cubix 2 Groundhog Day verpassen, der in der Retrospektive für Coming-of-Age-Filme läuft. Anders als Harald Juhnke haben wir 10:30 einen Termin auf unserem roten Tartan-Teppich und der funktioniert nicht im Sitzen.
11. Februar 2023 – Unscharf

Liebes Kopfgrätsche-Tagebuch,
was war denn das? Hatte ich nicht zwei Wochen zuvor ganze acht Tore geschossen (inklusive viere davon am Stück) und jetzt das? Es war ein schönes 5 gegen 5. Ein paar Nachzügler kamen dazu und ich ließ mich auswechseln. Mein Team führte deutlich. Als ich wieder ins Spiel zurückkam, habe ich sieben Gegentreffer innerhalb kürzester Zeit mit- oder auch komplett eigenständig verschuldet. Mein Team führte nicht mehr. Es war dann wohl ganz gut, dass ich früher los musste. Schnell haben wir noch ein unscharfes Foto gemacht. Wie die anderen Kopfgrätscher weitergespielt haben, weiß ich nicht.
Dein Christoph
Ballon d’Orbit
Woran denkt ihr, wenn ihr einen Ball auf euch zufliegen seht? Natürlich hofft man, dass seine Flugkurve in naher Zukunft an einem der eigenen Füße endet und sich im Idealfall dort sanft andockt und nicht wie ein Flummi bockig wegspringt. Wenn der erste Kontakt erfolgreich gelungen ist, kann schließlich der nächste Schritt für den Einzelnen, aber vielleicht ein großer Schritt für die Mannschaft, passieren. Die sanfte Landung entscheidet darüber, ob der Ball in eine neue Umlaufbahn eintritt, die ihn in die unendlichen Weiten des Strafraums führt, wo er sich nah am Ziel seiner Mission bewegt. Passiert er die Begrenzung unseres Raums und tut er das mit idealer Rotationsgeschwindigkeit landet er im Bereich der Antimaterie, was sich direkt in Jubelenergie transformiert und nebenbei auch einen Effekt auf den Spielstand hat. Allerdings wird nach Erreichen dieses Missionsziels sofort der nächste Versuch gestartet, den Ball aus dem Sektor jenseits der Grenzen des Raumes zu holen und ihn auf einen neuen Kurs zu schicken. Falls er nicht durch ein schwarzes Loch im Zaun rutscht und ungebremst Richtung Milch- oder Bürgermeister-Haupt-Straße schießt. Andere fühlen sich allerdings bedroht, wenn sie einen Ball über ihren Köpfen schweben sehen. Sie nehmen ihn nicht an oder schicken ihn zurück. Sie zerstören ihn und beenden das Spiel. Dass die USA als Ausrichter der nächsten WM überfordert sind, wenn ein chinesischer Ball in ihre Nähe kommt, zeigt, dass es dort noch einiges an Konfrontationstherapie bis 2026 bedarf. Wir versuchen Samstag 10:30 den einen oder anderen Ball in den Orbit zu befördern. Wahrscheinlich reicht es nur bis nach Schwerin, aber vielleicht sind die Schweriner eher bereit, den Ball zurückzuspielen.
10. Februar 2023 – Ist das eine Kopfgrätsche?
Auf Bild.de wird Gavis Zweikampfsituation sogar eine Flug-Kopfgrätsche (auf Bild.de) genannt. Was sagt ihr? Kommentiert diesen Beitrag auf Twitter oder Facebook.
Hilti Army
Wenn wir uns mit England vergleichen, gucken wir definitiv neidisch auf die Premier League. Natürlich kann es immer mal passieren, dass Pep potentielle Weltstars in die Bundesliga vergrault, aber die spielen nicht für Nüsse, weshalb bei einem Bundesliga-Wechsel bestimmt ein sorgenvoller Bankberater für eine zweistellige Anzahl an Anrufen in Abwesenheit bei den betreffenden Spielern sorgen könnte. Sonst kann man aber auch versuchen die Hauptstadtklubs miteinander vergleichen, um die Bilanz des Wintertransferfensters einzuordnen. In Berlin bieten Union und Hertha immerhin Hashtagmaterial um #Isco und #Bobic und die Frage: wer blamiert sich hier am besten? Willkommene Themen, um mal kurzzeitig von Nachwahl und Co. abzulenken. Von Fredi Bobic wird wenigstens der Satz bleiben, den sich jeder Berliner auf ein T-Shirt drucken sollte, wenn er oder sie außerhalb der Stadt gefragt wird, warum Berlin soviel nicht auf die Kette bekommt: „Wenn du nochmal so frägst, kriegst du eine gescheuert!“ Dann weiß der Söder gleich bescheid. In London derweil finden wir aktuell 7 Erstligisten und die Transferausgaben sprengen natürlich wieder alle Rekorde. Das Financial Fairplay hat dabei den Charakter eines Serviervorschlags, wenn Chelsea sich ein Saldo von -330 Mio. allein in diesem Winter gönnen kann. Soviel Geld konnte Hertha gerade so in der ganzen Zeit mit Lars Windhorst durchbringen. Mit dem Ergebnis, dass man wieder einmal den Schwaben Bobic nach Berlin holen musste, um kleinere Weckle zu backen. Nun ist er schon wieder weg und Hertha ergibt sich komplett seiner Berliner DNA. Auch wenn das bedeutet, dass bestimmt bald Pal Dardai wieder zurück ist und den nächste Stadionumbau wahrscheinlich die Fans machen müssen. Aber das hat immerhin bereits Köpenick an die Tabellenspitze getragen. Das sollte auch uns Hoffnung machen. Schließlich kann unser Platz neben einer fußballerischen (Samstag 10:30) durchaus mal eine handwerkliche Überholung vertragen. Und manch einer arbeitet vielleicht mit der Hilti feiner als mit dem Ball? Ich fräge ja nur.

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