Immer wenn die Bundesliga wieder losgeht, beginnt die Kontaktphase mit guten alten Werbespots, mit denen die Übertragung von z.B. Mainz gegen Bochum finanziert wird. Eigentlich nur die Spielzusammenfassung davon, flankiert von Vorschlägen zum Tor des Monats und der grafischen Einbettung der Klubwappen in zeitgeistige Objekte wie Kürbisse, Lebkuchenherzen oder Meisenknödel. Aber schon beim Tor des Monats braust bereits das erste Caravan am Meer durchs Bild, was traditionell den Werbeblock einläutet, in dem man zielgruppengerecht über praktische Produkte und Dienstleistungen informiert wird. Dabei blickt man immer wieder in die gleichen lachenden Gesichter. Gut, an Bastian Schweinsteiger im Baumarkt statt auf dem Rasen haben wir uns gewöhnt. Auch wenn man ihm den Heimwerker nicht abnimmt und man sich kaum vorstellen kann, dass er einen Tartanplatz (Samstag 10:30) oder einen Whirlpool für seine Cousine baut. Während sich der gemeine Fußballfan noch fragt wie er sich den Sack Schrauben leisten soll, kommt der Wiefürmichgemachtkredit ins Bild. Praktisch, damit hat bestimmt bereits RB Leipzig schon Timo Werner finanziert. Falls die eigene Kreditwürdigkeit nicht ganz so hoch ist, muss man sich vielleicht doch vorher mit der Stepstone-Oma oder Ingrid einen besseren Job suchen. Kann man auch mal dem Schweini empfehlen. Bei Toom scheint eine Karrieresackgasse im Gartenbaucenter zu sein. Da sollte er schleunigst seinen Lebenslauf aufmöbeln. Falls Lohnarbeit nicht mehr sein Modell ist, muss er sich eher die Tipico-Hools zum Vorbild nehmen. Olli Kahn hat es schließlich auch aus der Wettstube auf den Vorstandsposten geschafft. Und während sich subtil unter einem Oldtimer eine Ölpfütze bildet, fällt mir und meiner Blase wieder ein, wofür die Werbepause eigentlich da ist. Verdammtes Krombacher!
Archiv für den Monat: Januar 2023
Hrvatski beim Après-Ski
Wochenlang haben wir uns über diese WM im Winter aufgeregt. Und dann schafft es ein einzelner Nationalspieler durch seinen Skiurlaub, dass wir im Januar alle über Sommer reden. Und dabei geht es ausnahmsweise gar nicht um den Klimawandel. Auch wenn auf unserem Platz Samstag 10:30 mehr weiß zu erwarten ist, als auf so mancher Skipiste in den Bergen. Aber Skifahren ist nicht nur für die Kaderplanung der Bayern gefährlich. Man muss nur drei Jahre zurückdenken, um diese Freizeitbeschäftigung rundweg abzulehnen. Die dazugehörige Hüttengaudi hat schließlich unter anderem dafür gesorgt, dass nur wenige Wochen später Spiele abgesagt wurden und sogar Amateursportstätten geschlossen wurden, die mit Abfahrt und Après-Ski gar nix zu tun hatten. Insofern ist es natürlich doppelt unverständlich, wenn man als Fußballer sich jemals wieder Skier unter die teuer versicherten Haxn schnallt. Zwar lauert beim Skiurlaub nicht die Gefahr, dass man später zum Absingen kroatischer Volkslieder eingeladen wird. Aber ansonsten lebt diese Art von Sport eher davon, dass man Toren ausweicht. Wenn man allerdings noch eine Knifte mitführt, kann man wenigstens dem alltäglichen Wunsch nach Schießen und Treffen gerecht werden. Nicht umsonst werden große Biathlon-Events schon länger in der Arena auf Schalke ausgerichtet. So haben auch Zuschauer in Gelsenkirchen die Chance ab und zu mal einen Treffer zu bejubeln. Jetzt wird das Stadion aber erst einmal wieder für Bundesligafußball benötigt. Aber nach der Saison kehrt der bis dahin vom Beinbruch genesene Sohn der Stadt Manuel Neuer bestimmt gerne zurück, wenn man ihm die Leupe ausrollt.
14. Januar 2023 – Knut
Völlerverbot
Im Nachhinein werden wir Jogi Löw doch noch irgendwie dankbar sein. Okay, er ist ungefähr sechs Jahre zu spät zurückgetreten und seine Fummeleien an der Seitenlinie sind immer noch sehr verstörend. Aber langfristig hat er uns wahrscheinlich vor großem Leid bewahrt. Man muss nur gucken, wer beim DFB und den entscheidenden Posten der Fußballmacht immer wieder ans Ruder gelassen wird, um zu erkennen: wir haben ein Sturmproblem. Aber mit ehemaligen Stürmern. Golden Oldboy Bierhoff hat nach Jahrzehnten des Verharrens in seinem Büro gerade erst seinen Schreibtisch geräumt, da werden schon die nächsten ehemaligen Nationalstürmer in die erste Reihe geschoben. Rudi Völler und Fredi Bobic wird tatsächlich zugetraut, den DFB zu modernisieren. Vermutlich weil Rudi vor 20 Jahren bei einer WM Vize geworden ist, als man eigentlich in der Vorrunde hätte ausscheiden müssen. Schon damals war Rudi Völler eine Verzweiflungsidee für den Teamchef, weil es keine bessere gab und Christoph Daum doch kein ganz so reines Gewissen hatte. Der Rumpelfußball mit Oli Bierhoff im Sturm war allerdings schwer zu ertragen. Nach dem Turnier beendete Bierhoff seine Stürmerkarriere beim DFB, um kurze Zeit später als Funktionär wieder aufzutauchen. Seinen Platz im Sturm nahm Fredi Bobic ein und musste mit Rudi noch schlimmeren Rumpelfußball zur EM 2004 abliefern, bevor mit Klinsi der nächste ehemalige Nationalknipser das Chef-Ruder übernahm. Was Klinsi wirklich außerhalb des Strafraums qualifizierte, konnte er bei Bayern, Hertha und Facebook Live allerdings nicht nachhaltig nachweisen. Sein DFB-Nachfolger Jogi Löw war natürlich auch ein Stürmer, aber nachdem Miro Klose in Rente ging, spielte er immer seltener mit einem klassischen Stürmer. Und damit endet hoffentlich irgendwann die Linie an Strafraumkanten, die noch Jahrzehnte nach ihrer aktiven Karriere niemals an den besser postierten Mitspieler abspielen und damit reihenweise beste Chancen vergeben. Bis dahin wird es allerdings noch etwas dauern. Wir machen uns besser schon mal sehr viel Popcorn. Direkt nach dem Kopfgrätschen Samstag 10:30 mache ich die Pfanne heiß.
An der Plumpelé
Das adaptierte Sgt.-Pepper-Motiv mit den verstorbenen Persönlichkeiten des letzten Jahres wurde auf den letzten Metern doch noch täglich angepasst. Obwohl es schon ziemlich voll und maximal prominent besetzt war. In der letzten Reihe breiten nun Papst Benedikt und Maxi Jazz ihre Arme aus. Irgendwie beide Gott-Experten: Wir sind Papst aber God is a DJ. In der ersten Reihe wurde etwas für die Godmother of Punk Vivienne Westwood gerückt. Und dann musste natürlich im Zentrum noch ein Platz für die brasilianische Fußballikone Pelé gefunden werden. Michael Gorbatschow wird es schon verstehen. Er darf immerhin neben einer Legende stehen und muss sich dafür nicht auf infantile Infantino-Art blamieren. Wahrscheinlich versuchte dieser mit dem aberwitzigen Vorschlag: in jedem Land sollte ein Fußballstadion nach Pelé benannt werden, nur von den unangemessenen Unsis auf der Trauerfeier ablenken. Im ersten Moment denkt man natürlich: was soll das? Das haben wir doch noch nie so gemacht und sollten Stadien nicht nach regionalen Fußballgrößen wie Bruno Plache, Alfred Kunze oder Ernst Abbe benannt werden? Eigentlich schon, aber einer von den drei genannten ist leider „nur“ Optiker. Für Schiedsrichter also durchaus relevant. Bei anderen Stadien kommt man allerdings kaum noch hinterher. Oder weiß spontan jeder ob das Stadion in Hamburg aktuell von AOL, Imtech, HSH oder Barclaycard benannt ist? Angeblich soll es sogar aktuell wieder Volksparkstadion heißen und demnächst wird es wohl nach einer weiteren 2022 verstorbenen Fußballpersönlichkeit benannt werden, die ich bisher auf dem Stg.-Pepper-Wimmelbild vergeblich gesucht habe. Also gut, dann sagt Gianni meinetwegen Bescheid, dass das mit der Pelé-Kampfbahn für uns klar geht. Wir kopfgrätschen bereitwillig Samstag 10:30 darin, wenn er sie uns irgendwo hinbaut. Wir passen vielleicht sogar die Domain www.wismarena.de an.

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