Der Henkeltrick

Falls irgendjemand am Mittwoch noch versucht hat im Restlicht des Tages einen Ball zu erkennen, war er dennoch rechtzeitig zu Hause um zwei weitere Erling-Haaland-Buden zu bestaunen. Man muss allerdings festhalten, dass es nur 2 waren, was natürlich daran gelegen haben kann, dass auch er am Mittwoch früher Feierabend gemacht hat. Jedenfalls war man sich bei ManCity in der Halbzeit sicher: eine Halbzeitführung von 3:0 mit zwei Treffern von Haaland werden knapp ausreichen, um das Spiel gegen Kopenhagen nach Hause zu schaukeln. Hat mit den 5:0 auch einigermaßen geklappt. Der Norweger wird dennoch wehmütig auf seine Statistik geguckt haben und wahrscheinlich hat er sich für das Rückspiel nächste Woche vorgenommen, bis zur Pause 4 Tore zu schießen, um Pep eins auszuwischen. Bei der unwirklichen Torstatistik hat es auch tatsächlich nur drei Monate gedauert bis die ersten Wechselgerüchte um das Wunderkind auftauchen. Also der Erling-Standard, den man aus den letzten zweieinhalb Jahren Dortmund als Normalzustand nur zu gut kennt. Manchester City hat nur Glück, dass es eigentlich nicht mehr allzu weit nach oben geht, wenn der Stürmer die Premier-League zu Klump geschossen hat. Natürlich ist die Premier-League nur Beifang und auch die Champions-League-Gruppenphase ist nur zum Aufwärmen da. Das Ziel muss natürlich der Henkelpott sein und dafür soll Erling die Dinger im April und Mai reinbüffeln. In der City-Vitrine mit den Champions-League-Pokalen ist offensichtlich noch eine Menge Platz. Und Erling weiß immerhin wie man den DFB- oder auch den ÖFB-Pokal gewinnt. Falls es nichts wird mit der fest eingepreisten Silberware, werden die Wechselgerüchte wieder Fahrt aufnehmen. Der nächste logische Schritt kann eigentlich nur Elon Musks Mars-Team in der ersten interstellaren Twitterliga sein. Pep wird das nur verzögern können, wenn er ihn nächste Woche auf die Bank setzt und Erling wie wir in der Woche spielfrei hat. Seinen Wochenschnitt von 5 Hütten muss er also am Wochenende erfüllen. Aber warum soll es ihm anders gehen als uns Samstag 10:30? Im April 2023 steigen wir und Erling unter der Woche ja wieder ein. 

Dark Actually

Man muss wirklich aufpassen, was man hier äußert. Nicht, weil man angeblich nichts mehr sagen darf, sondern weil offensichtlich irgendjemand tatsächlich diese Spielankündigungen liest. Mindestens David Beckham ist dabei. Leider nur unter den mitlesenden Ehemaligen, die dann doch nicht mehr zum Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 erscheinen. Ich habe ihn dort diese Woche jedenfalls nicht gesehen. Allerdings war es Mittwoch schon sehr früh dämmerig. Da würde ich jetzt nicht Stein und Bein schwören, dass er nicht doch dabei war. Aber in der Schlange am Queen-Sarg war er zu sehen. Und er hat wohl auch verzichtet, sich in der VIP-Fastlane anzustellen. Er wollte das gesamte Erlebnis über die volle Wartezeit. Für jemanden, der früher häufig mal in der 75. Minute ausgewechselt wurde, ein ganz ungewöhnliches Gefühl. Kritiker werden sagen, dass er die Fastlane auch schon auf dem Platz eher gemieden hat. Die Leute vor und hinter ihm hatten bestimmt eine gute Zeit und haben wahrscheinlich auf den Selfies geguckt wie jemand, den Tom Hardy gerade in einem Mixed-Martial-Arts-Turnier besiegt hat. In England scheint es also ab und zu doch sehr familiär zuzugehen. Das englische Kino arbeitet jedenfalls sehr gern mit solchen unerwarteten Klassenbrüchen. In Notting Hill verliebt sich ein Filmstar in einen vertrottelten Buchhändler gespielt von Hugh Grant, der sich wiederum in Love Actually als Premierminister in seine Praktikantin verliebt. Und dann war da noch Elisabeths erster Premierminister Winston Churchill, der in The Darkest Hour tatsächlich eine ganze Station U-Bahn fährt, um sich vom Pöbel die Volksmeinung zum Krieg abzuholen. Apropos The Darkest Hour: David, denke daran Mittwoch pünktlich zu kommen, sonst können wir dich nicht mehr sehen.

Polonaise Blanqueuenese

Oho, jetzt kommt also nächste Woche schon der letzte Länderspielstopp vor ihr wisst schon was. Kann man aber noch unbedenklich gucken, oder? Es ist immerhin das traditionsreiche Turnier Nations League mit coolen Duellen auf Augenhöhe. Dabei führt die Reise von Hansi und Olli uns auch nach England, wenn nicht noch mehr Fußballspiele abgesagt werden, weil die Engländer Public Viewing anders übersetzen. Wenn man den Insulaner dieser Tage zu einer solchen Veranstaltung einlädt, stellt er sich sofort in die Kondolenz-Schlange am Queen-Sarg. Dabei beweist er beachtliches Stehvermögen. Die Heatmap zeigt eine violette Linie von der London Bridge flussaufwärts bis nach Lambeth und über die gleichnamige Brücke bis hin zur Westminster Hall. Das sind beinahe 4 Kilometer. Gestern Nachmittag waren es sogar mehr als sechs Kilometer. Auf Youtube kann man live das aktuelle Ende der Schlange verfolgen. Das sollte Hansi unbedingt in seine Videoanalyse vor dem Spiel in London mit einbeziehen. Rein statistisch müssten auch einige Nationalspieler in der Schlange markiert werden können und wenn man nicht aufpasst, lassen die sich am Ende gegenseitig vor. Aber das ist nicht gewiss. Für Engländer ist das Stehen in Schlangen angeblich oft viel amüsanter als das eigentliche Ziel. Das haben sie sich immerhin über Jahrzehnte beim Fußball antrainiert. In dieser Wartezeit findet man neue Freunde und lädt sich gegenseitig zu heißem braunen Wasser ein. Dieses Konzept klingt eigentlich nicht schlecht und vielleicht sollte man auch in diesem Fall darauf setzen, dass die Engländer ein weiteres mal unser Vorbild für eine auf den ersten Blick eigenartige Freizeitbeschäftigung werden. Ich starte schon jetzt die Schlange für Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Nach dem frühen Sonnenuntergang am Mittwochabend kann man das auch noch problemlos ohne Tageslicht fortsetzen.  

No time for looosers?

Uns Uwe plauderte 2016 im Spiegel über das Endspiel 1966:
»Vorm Endspiel in Wembley wies mich Helmut Schön zudem nochmal extra darauf hin, dass auch die Queen im Stadion zugegen sein würde. Vor ihren Augen würde allzu großes Lamentieren und aggressives Auftreten erst recht keinen guten Eindruck machen. So vergingen vom umstrittenen Aufprall des Balls vor unserem Tor bis zu unserem Wiederanstoß im Mittelkreis gerade mal 50 Sekunden – jemand hat das nachträglich mal anhand der TV-Bilder genau nachgestoppt. Nicht mal eine Minute Diskussion über die wohl kontroverseste Szene der Fußballgeschichte! Schon verrückt, erst recht, wenn man bedenkt, dass wir jetzt, nach 50 Jahren, noch immer darüber sprechen.«
Mal davon abgesehen, dass Lamentieren beim Schiedsrichter eigentlich nie irgendwas bringt, offenbart der kürzlich verstorbene Ehrenspielführer hier, dass es sich für England 1966 schon gelohnt hat, dass es eine Königin hat, die es bei Bedarf bei wichtigen Spielen auf die Tribüne setzen kann. Ob sie dem Fußball wirklich etwas abgewinnen konnte, ist nicht ganz klar. Im Adel verfolgte man andere Sportarten sicher häufiger. Im Zweifelsfall etwas, wobei man auch mal die Pferde und Gewehre einsetzen kann. Die proletarische Fußlümmelei am Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) dürfte ihr daher eher fern gelegen haben. Dennoch hat man versucht zwischen der Einweihung einer Schraubenfabrik und der Ehrung von Royal-Airforce-Veteranen sie auch noch als Maskottchen für ein Fußballendspiel zu buchen. Das hat 1966 super geklappt. Vor dem VAR war sie quasi die Instanz, die dafür sorgte, dass die umstrittene Szene des Spiels ohne viel Palaver entschieden wurde. Am Ende durfte sie ihren Landsleuten den Pokal überreichen und Uwe Seeler blieb nur der höfliche Händedruck ihrer Majestät. Uwe beugte brav den Kopf anstatt ihr zu erklären „Du Lisbeth, das Ding war niemals drin!“. Die Queen war damals gerade 40 und man hätte eigentlich erwarten können, dass ihre Untertanen es hinbekommen bis zu ihrem Lebensende 56 Jahre später vielleicht doch noch einige Weltmeister- oder wenigstens Europameisterschaften zu gewinnen. Aber wie ihre Familie hat auch die Fußballfamilie es immer wieder geschafft, möglichst dramatisch zu scheitern. Erst die englischen Frauen schafften es kurz vor dem Ableben der Queen mit einem Sieg in Wembley gegen Deutschland in diesem Sommer wieder einen großen Titel zu holen. Die Herren-WM in Katar boykottiert sie jedenfalls in weiser Voraussicht. Immerhin wird trotzdem auch nach dem Finale dieses Turniers ihr größter Hit gespielt: We are the Champions!

Los stop schade (Kopfgrätsche Remix)

Auf dem Gummi aufgewacht
Das Trikot klamm, vom Tau ganz nass
Von der Tribüne da schaut mir jemand zu
Ein Stollenabdruck im Gesicht
Ich winde und bedanke mich
Auf der Tribüne, ich glaube da sitzt du und schaust mir zu
Jetzt stehst du auf, ich wink dir nach
Und im Flutlicht glänzt dein Haar
Und wieder mal: Los! Stop! Schade!

Alles versucht, zuviel riskiert
Den Solo-Doppelpass probiert
Für die Ersatzbank taug ich nun mal nicht
Der Schiri grinst sich tot
Seine Karte sie zeigt rot
Die dritte Halbzeit spiel ich ohne dich und ohne Ball
Krieg was ich will, hab ich gedacht
Dabei den Schlusspfiff wohl verpasst
Nichts weiter als: Los! Stop! Schade!

Wir sind der Pille auf der Spur
Wir versenken sie
Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00

23. August 2022 – Fußball im Audiospaziergang

Achtet mal drauf beim Audiowalk von Reclaim – Safe Harbour – einem zweistündigem Gang durch die Stadt: #KopfgrätscheFaheem ist darin zu hören. Und wenn man es weiß, hört man sogar, dass er von zwei Fußballterminen in der Woche spricht.

Weitere Termine findet ihr hier: SAFE HARBOUR – Ein Hörspaziergang über Migrationsgeschichte.

Ronaldo im Baggersee

„Ronaldo drängt auf BVB-Wechsel!“ Nur eine ganz normale Wahnsinnspushmitteilung in diesem Sommer. Und das schafft es kaum den Puls so weit hochzutreiben, wie es vielleicht die Meldungen „Rhein versiegt!“, „Kopfgrätsche-Samstag (10:30) und -Mittwoch (18:00) mit dreißig Mitspielern!“ oder „MV wird Frackinggebiet!“ hinbekommen würden. Nun soll also Dortmund Ronaldo-Gebiet werden, wenn sich nicht noch ein Club in Abu Dhabi findet, der dem Weltstar den sandigen Teppich ausrollt. In Dortmund waren sie jetzt gar nicht sooo überzeugt, sonst hätten sie ja nicht den Schiebermützendieb von den kölschen Peaky Blinders mit dem letzten Geld losgeeist. Aber Ronaldo hat sich entschieden und was soll man dann dagegen machen? Vielleicht wird man wenigstens im Tausch noch ein paar Ladenhüter wie Akanji, Meunier oder Nico Schulz nach Manchester los. Bei United ist man nach zwei Spieltagen und Niederlagen gegen Brighton und Brentford schließlich schon die Lachnummer der gesamten Fußballwelt. Sogar Elon Musk hat einen Kauf des Clubs in Aussicht gestellt. Und seit seinem Klingelstreich bei Twitter weiß man doch, was davon zu halten ist. Meme-Twitter kriegt sich natürlich gar nicht mehr ein und produziert inflationär Maguire-to-Mars-Content. Marschester United höhöhö. Am Ende wird Elon Musk etwas komplett anderes mit seinem Krypto-Geld machen, aber momentan klickt es halt gut, wenn man sich auch noch in die Prügelei gegen die Red Devils mit einreiht. Ronaldo wird aber nicht gern verhauen und sucht lieber die Echte Liebe. Er passt als Exot nach Dortmund natürlich wie Kaiman Sammy in den Baggersee. Aber erst wenn das Sommerloch vorüber ist, werden wahrscheinlich in Dortmund wieder Alltagsthemen diskutiert. Leider wird sich dann niemand mehr an den Sommerflirt mit dem Kurschatten Ronaldo erinnern, wenn Akanji, Meunier und Nico Schulz wie gewohnt den Ball verstolpern.

Telenovelaola

Fast hätte man verpasst, dass tatsächlich schon wieder professionell Fußball gespielt wird, oder? Die Sportnachrichten bestehen halt immer noch zu 80% aus Transfernews und bilden in der Gesamtheit eine so herrliche Seifenoper, dass man sich schon bewusst die Zeit nehmen muss, um auch mal ein Spiel anzugucken. Die Gerüchteküche ist natürlich unablässig am Brodeln und die Spielberichte rutschen dabei im Ranking schon mal auf die zweite Suchergebnisseite. Dabei muss man wissen, dass von den Gerüchten, die während eines Transferfensters Nachrichten generieren, unter 1 Prozent (großzügig aufgerundet) wirklich echte Transfers werden. Die Sinnlosigkeit, die sich offenbart, wenn man sich diesen Maßstab vor Augen führt, ist größer als der Schuldenberg des FC Barcelona, der die mit Abstand schmutzigste Telenovela des Sommers bietet. In der Zwischenzeit spielt der große Rivale Real Madrid einfach Fußball und gewinnt Titel. Boring. In die Trends schafft man es damit aber kaum. Real, die früher mal als die Galacticos die Erfinder von unanständigen Skandal-Transfers waren, sind kurz vor Status FC Heidenheim. Spieler bleiben lange und gern und sind dabei auch noch erfolgreich. Wie viele Transfergerüchte gab es um Toni Kross, Luka Modric, Casemiro und Karim Benzema in den letzten 5 Jahren? Sogar die Ausnahmespieler, die Mitte der 2010er Jahre die Bundesliga dominiert haben, und immer bekundet haben, dass sie irgendwann für Real spielen wollen, füllen jetzt lieber beim FC Barcelona die Schlagzeilen. Alle gucken gespannt auf sie, weil niemand genau weiß, ob sie gerade kommen oder gehen sollen. Die Spieler-Fluktuation wird womöglich am Ende auch nicht größer sein als zwischen einem normalen Kopfgrätsche-Samstag (10:30) und -Mittwoch (18:00). Aber man wird die Barca-Spiele natürlich sehen wollen, um die Telenovela-Kamera zu aktivieren, die ausschließlich die enttäuschten Spieler-Gesichter auf Bank und Tribüne filmt.     

Wie die Ölgötzen

Bevor das zu spät ist, müssten wir jetzt mal abklären, ob denn diese umstrittene WM in Katar nun geguckt wird oder nicht. Man könnte wie in den vergangenen 4 Jahren seit Watutinki natürlich sagen, dass es noch lange hin ist, aber eigentlich sind wir schon in der Story, die auf das Turnier hinführt. Die Hinrunde wird schon die entsprechenden Geschichten liefern, die dafür sorgen, dass man im Dezember gemeinsam unterm dem Heizpilz der Sportsbar sitzt und in die Vuvuzela trötet. Warum auch nicht? Es ist vermutlich einer der wenigen warmen Orte in diesem Winter. Das katarische Gas wird sicher nicht für ganz Europa und die katarischen Stadion reichen, die zeitgleich energieaufwändig auf 27 Grad heruntergekühlt werden müssen. Auch bei uns wird es jetzt einige Spieltage geben, wo man sich an diese Bedingungen schon einmal gewöhnen kann. Selbst fürs Kopfgrätschen ist manchmal zu warm. Samstag 10:30 bei 18 Grad und Mittwoch 18:00 bei 22 Grad sind aber ungefährdet. Der Ligaspielbetrieb wurde auch früher begonnen, um rechtzeitig zum Turnier mit der Hinrunde fertig zu sein und wir sind natürlich alle sehr gespannt wie Mario Götze, die hohen Temperaturen verträgt. Präsentiert er sich wohlmöglich in WM-Form, so dass er nach einer märchenhaften Hinserie natürlich mit auf den WM-Zug (der vermutlich trotzdem ein WM-Flieger sein wird) aufspringt? Da gucken wir doch alle sehr gespannt hin und am Ende blenden wir die finale Auflösung aus, ob er wie Phönix oder Jesus noch einmal mit dem WM-Pokal zurückkommt? Die Netflix-Serie ist doch bestimmt schon in der Mache und zur Gesamtstory gehört sicher alles was seit 2014 passiert ist. Es wird also dramaturgisch nahezu unmöglich sein Katar auszublenden. Also sichern wir uns besser schon einmal rechtzeitig den Stammtisch unterm Heizpilz. Außengastro wird doch bestimmt wieder ein gefragtes Ding. Wir müssen ja dort nicht wie Newcastle-Fans in Scheichkostümen rumsitzen. Es sei denn es gibt die aus Thermofleece.