There is no Planet DFB

Es wird schon wieder gewählt. Das wäre fast durchgerutscht und irgendwie hängt auch wenig Hoffnung an dieser Wahl. Früher konnte man die DFB-Präsidenten namentlich problemlos aufsagen. Z.B. Egidius Braun, der nette rheinische Opi in den Neunzigern. Gerhard Mayer-Vorfelder oder kurz MV (wie sympathisch), der baden-württembergische Pate mit dem großen Durst, der das Sommermärchen 2006 „erfand“. Oder Theo Zwanziger, der auch schon nicht mehr so seriös mit dem Geld umgegangen ist, aber immerhin Frauenfußballfan war. Und seit dem zerfasert es arg. Der Laden ist heillos zerstritten und unführbar. In Zeiten, wo Konzepte sehr fragwürdig erscheinen, wenn sie von nur einem starken Mann bestimmt werden, ist dieser Ansatz, dass man wegen fehlender Quittungen oder eines Nazivergleichs abgesägt werden kann, fast vorbildhaft. Seit Jahren rätselt vor allem der Vizepräsident, wer denn nun eigentlich Koch und Kell(n)er ist. Nun wird also eine neue arme Sau gesucht, die denkt DFB-Präsident wäre ein toller Titel auf seiner Visitenkarte. In Wirklichkeit schaut man jede Woche bedröppelt aus dem Bürofenster in der Otto-Fleck-Schneise, wenn mal wieder die Staatsanwaltschaft zur Razzia anrückt. In diesem gemeinnützigen Verein geht es auch nicht professioneller zu als in jedem Kleingartenverein. Irgendjemand verfeuert immer ohne Genehmigung Blätter und mäht den Rasen in den Ruhezeiten und die Wühlmäuse finden ihren Weg. Dennoch möchte man also im sich ankündigenden Frühling einen neuen Obergärtner gönnen. Wir gucken nur übern den Zaun auf das Unkraut und sind ganz froh, dass wir nicht eines der 1,7 Mio. Mitglieder im größten Sportverband der Welt sein müssen und stattdessen einfach nur Samstag 10:30 unseren Acker mit Kopfgrätschen zerfurchen dürfen. 

„Im Prinzip ja, aber …“

Ein Blick auf die Tabellenspitze offenbart: das Ding ist durch, oder? Beim Rennen um Platz 1 kann man geistig abpfeiffen. Da brennt nie im Leben noch etwas an. Zu groß ist der Abstand zum Rest und zu stabil siegt sich der Primus durch die Liga. Also kann man schon mal langsam den Sekt kaltstellen. Den Aufstieg in die dritte Liga wird sich der der 1. FC Magdeburg nicht mehr nehmen lassen. Aber das Ziel ist ja auch kein schlechter Anreiz. Darüber wartet schließlich eine Liga, die man wirklich nicht tippen kann, wie ich es Woche für Woche nachhaltig beweise. Trotzdem wird es natürlich wider besseren Wissens versucht. Zwischen dem 1. und dem 7. sind nur 6 Punkte Abstand und es sind ja doch noch ein paar Spiele übrig bis Mai. Gefühlt ist zwar schon Frühling, aber hier lauern noch über zwei Monate unerträglicher Spannung. Schon das zweitklassige Nordderby letzte Woche hat wohl die Meisten für einen gesamten Bundesligaspieltag entschädigt. Zwar regen sich viele über die omnipräsente Verfügbarkeit von Fußball auf, aber ist es nicht von Vorteil, dass man ganz einfach die Liga wechseln kann? Selbst der Boykott der Katar WM fällt leichter, wenn man stattdessen einen anderen Wettbewerb verfolgen kann. Die Frauenfußball-Bundesliga spielt bestimmt parallel. Mal gucken wer da gerade um die Meisterschaft spielt. Bayern, Wolfsburg, Hoffenheim… ja, nee… dann doch lieber Katar. Wer spielt morgen 10:30 parallel zu uns? Alashkert Erewan gegen FK Van Tscharenzavan beginnt um 11 in der armenischen Premier League. Das sollte also eine einfach Entscheidung sein. 

Twenty Years of Dirt

Vor zwanzig Jahren rumpelte ein Monster aus den Boxen. Ein Machwerk, dass man sich natürlich noch auf CD kaufen musste. Das Cover rot, der Sound dreckig und staubig. Die einzig wahren Erben des Desert Rock. Die Königinnen mit Dave Grohl an den Drums und Mark Lanegan neben Josh Homme am Mikrofon. Zehn Jahre nach Grunge. Songs for the Deaf, die dennoch genau die Ohren spitzten. Diese Woche starb mit Mark Lanegan die dunkle rollende Stimme der Queens of the Stone Age. Songs for the Dead. Zwanzig Jahre nach dem Meilenstein der Steinzeit. 2002 im Sommer von No one knows und Go with the Flow saßen wir in der Garage neben dem Haus 10 und trommelten wie Dave Grohl auf Mülleimern zum WM-Finale in Yokohama. Die Queens of the Steinzeit-Fußball um die einzigen Stars Michael Ballack und Oliver Kahn hatten es tatsächlich ins Finale geschafft. Gegen Paraguay, die USA und Südkorea. Ramelow, Linke, Jeremies. You think I ain’t worth a Dollar, but I feel like a Millionaire. Ohne den gesperrten Ballack waren die Brasilianer zwei Nummern zu groß. Im selben Jahr sicherte sich Gerhard Schröder seine Wiederwahl, weil er mit Gummistiefeln durch die Oderregion wanderte. Er setzte sich knapp gegen Edmund Stoiber durch, der vorher eine gewisse Angela Merkel vom Verzicht der Kanzlerkandidatur überzeugen musste. Ohne Gummistiefel waren seine Chancen versickert. Go with the Flow. Gone with the Flood. Die Oderregion war zu feucht für Desert Rock. Die staubige Stimme von Mark Lanegan rollt nicht mehr. God is in the Radio. Wir ziehen unseren Hut und die Gummistiefel aus. Betreten Samstag 10:30 einen Platz rot wie der Sand der Mojave-Wüste, rot wie das Cover von Songs for the Deaf.

Aus der Puste

Hab mal kurz auf die Taktiktafel von Jörg Kachelmann geschaut und wenn die Laufwege korrekt umgesetzt werden, wirbelt nach Ylenia als nächstes Zeynep über den Platz. Das sind in diesem Fall ausnahmsweise keine Kaukasus-Messis oder Appalachen-Ronaldos, die als Wette auf die Zukunft, was quasi gleichbedeutend mit dem überteuerten Verkauf nach Manchester oder Barcelona ist, vom FC Augsburg angepinkelt werden. Dennoch ist damit zu rechnen, dass wir für diese Stürme alle sprachlichen Vergleiche mit Stürmern unterbringen können: fegt über den Rasen wie Davie Selke, wirbelt die Abwehr durcheinander wie Fabian Klos oder weht durch den Strafraum wie Jonas Wind. Dankbare Tage für den Sportjournalismus und Twitter, was bekanntlich eine Tautologie ist. In Dortmund ist der größte Sturmschaden selbstverständlich der Ausfall von Erling Haaland. Ansonsten ist die Prognose für Samstag 10:30 gar nicht so schlecht. Da soll es kurz von dem roten auf den grünen Sturmsack wechseln und das sollte jetzt wirklich kein sprachliches Bild für Max Kruse sein. Wenn man also vorher etwas gefrühstückt hat, kommt man eigentlich gut klar. Angesagte Windrichtung ist Friedenshof. Da ist natürlich kurz vor dem Mittag vermehrt mit Böen von Braten- und Mischgemüse-Gerüchen zu rechnen. Sonst gilt wie immer: Vorsicht vor herabfallenden Bällen (Tomislav Piplica, I’m looking at you!) und ein gepflegtes Gut Wind in die Runde. 

23. Oktober 2021 – Message with a bottle

Hier ist bestimmt etwas philosophisch-tiefgründiges im #Kopfgrätsche-Foto zu finden. John mit dem Deckel auf dem Kopf. Der Ball, der Jürgen am trinken hindert. Jans Kleingeldsuch-Blick, Javids Fingerzeig… all das muss sich der Betrachter des Bildes selbst zu einer Bedeutung zusammenreimen.

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Let there be Kopfgrätsche

Hi Freaks,

Jungs, hier kommt der Masterplan bzw. Neues vom Trickser: ich öffne mich für ein Monster am Morgen. Sie wollen uns erzählen am Samstag ist Selbstmord. Aber ich tauche auf aus dem Keller, Samstag 10:30. Denn: ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein und ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren. Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Stattdessen treibt mich die Kapitulation doch unwiederbringlich auf den Bolzplatz. Die Unendlichkeit dieser Aufrufe zeigt: die Folter endet nie, aber pure Vernunft darf niemals siegen. Nur beim Kopfgrätschen gilt im Zweifel für den Zweifel und den Angreifer. Der Ball streicht mir über mein Gesicht, gegen die Welt gegen den Strich. Die Aussicht auf einen Jackpot in höchsten Höhen kann niemand versprechen. Am Ende bleibt lediglich die Hoffnung, dass wir nur leicht lädiert den Platz verlassen. Drum komm mit in meine freie Welt. Diese Welt kann mich nicht mehr verstehen. Aber sag trotzdem alles ab. Auch die Höllenfahrt am Nachmittag können wir abschaffen. Denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen. 

1-2-3, Werder ist seit 1899 im 1/4 dabei

Lage, Lage, Lage:
am Osterdeich, wo die Weser eine Bananenflanke schägt, hat Wohninvest eine 1A-Immo im Portfolio.
Im 1/4, Haltestelle St.-Jürgen-Straße gibt es einen kleinen dezenten Hinweis darauf, dass man hier aussteigen könnte, um Fußball zu schauen.
Von der Solarfassade des Weserstadions lassen sich Aufkleber zu leicht entfernen, weshalb wir lieber am grünen Mülleimer pappen.
Tor 1 oder dieses Verkehrsschild? Wir entscheiden uns wie immer für den Zonk.
Kopfgrätsche wünscht alles Gute zum 123. Geburtstag.
Hoffentlich müsst ihr nicht zusammen mit Hoffenheim feiern.

Subterranean Heimspiel Blues

Kurzes Sabbatical-WE in der Bundesliga und damit die willkommene Chance das Transferfenster auf Hochglanz zu bringen und im Kader durchzufeudeln. Wintertransfers sind zwar meistens ein Eingeständnis, dass man im Sommer daneben gelegen hat, aber manchmal kommt auch unangekündigt Mino Raiola vorbei und holt ein norwegisches Jahrhunderttalent aus der Manteltasche. Besser man hat dann noch nicht das ganze Weihnachtsgeld auf den Kopf gehauen. Vor zwei Jahren passierte schließlich der letzte spekatuläre Wintertransfer, der nur noch von dem zeitgleichen Wechsel von einem gewissen Sars Covid von Asien nach Europa getoppt wurde. Seit dem, muss man zugeben, treffen beide wie am Schnürchen und damit widerlegen sie das alte Vorurteil, dass man Winter nichts mehr entscheidend verändern kann. Okay, der BVB ist am Ende der Saison überraschend doch nicht Meister geworden, aber dafür müssen sie ihren Starspieler bis zum Deadlineday im Physiokeller fest auf die Massagebank schnallen. So ein bis zwei komplett irre Büdchen pro Spiel soll er natürlich noch bis zum Sommer in Schwarzgelb schießen. Durststrecken von zwei Spielen ohne eigenes Tor sind da natürlich nicht förderlich und können im schlimmsten Fall dazu führen, dass er erst wieder im nächsten Winter wechselt. Der Verkauf von Stürmern im Winter hat in Dortmund allerdings auch eine gewisse Tradition. Auch die Vorgänger Haalands wechselten nach der Hinrunde. Gut, Paco Alcacer floh vor Erling Haaland und Pierre-Emerick Aubameyang vor Peter Stöger. Paco wurde zuletzt auf der Bank von Villarriba gesehen und Auba wurde beim Afrika-Cup von Sars Covid aus dem Team verdrängt. Wenn man also nicht gerade ein norwegisches Jahrhunderttalent ist, bleibt man im Winter besser dort wo man ist – zur Not auch bei Kopfgrätsche (Samstag 10:30).

Woanders is auch scheiße

Das geht ja gut los mit den guten Vorsätzen. Alle sind beim Sport zu sehen. Nicht nur die Schlange vorm CleverFit reicht einmal um die Altstadt. Scheinbar möchte jeder mit 1 bis 2 Jahresbeiträgen Ablass etwas für diese ominöse Gesundheit aushandeln. Warum auch immer. Dabei kann man doch von der Couch aus sehr bequem nach der Darts-WM gleich noch den Afrika-Cup und die Handball-EM wegbingen. Die letzten ernstzunehmenden Turniere vor der Wüsten-WM. Obwohl man sich die Akzeptanz dafür auch dafür so langsam antrainiert. Der Clasico in Saudi-Arabien im Rahmen des spanischen Supercups zeigt doch wie anpassungsfähig der Homo sportivus ist. Die Saudis waren schließlich auch pragmatisch als sie sich für Newcastle entschieden, obwohl die Vereinsfarben komisch sind und niemand ohne finanziellen Anreiz dort hin will. Aber in Zeiten, in denen sogar das Dschungelcamp von Australien nach Südafrika ausweichen kann, muss man sich daran gewöhnen, dass man bei der Ortswahl flexibel sein sollte. Vielleicht sind ein paar Dinge auch besser als am Ursprungsort. Drum können wir doch einmal nachdenken, was in Katar z.B. viel toller sein wird. Die Stadien sind immerhin nigelnagelneu und damit sinkt auch eindeutig die Fußpilzgefahr im Nasszellenbereich. Es steht also einer wahren WM der Zauberfüße nichts im Wege. Das wären doch sehr erfreuliche Aussichten. Und wer weiß, vielleicht kann sogar ein löchriger Tartanplatz am Samstagmorgen (10:30) ein ganz okayer Ort sein, an dem man sich etwas mehr bewegen kann als in der Schlange vorm CleverFit.