Immer erste Ligatur

Volley! zum Gruß. Eigentlich bedarf es nicht vieler Worte vor einem Spiel die letzten paar Prozent aus allen Beteiligten herauszukitzeln. Da kann man von der BILD lernen. Wenig Text, aber die Buchstaben schön groß. Da müsste doch die Fehlerquote relativ gering sein. Nur leider führt die Pixelart von ein paar hundert Menschen immer mal wieder zu typographischen Perlen, die leider nicht ganz eindeutig sind. Und dabei funktioniert das menschliche Gehirn auf erstaunliche Art. Meist reichen Wortanfang und -ende, sowie die Länge um zu identifizieren was dort stehen soll. Selbst bei „Fick mas“ oder „Dazke“ kann man sich denken, was ursprünglich gemeint war. Es ist aber auch wirklich nicht zu einfach mit dem menschlichen Faktor zu arbeiten, wenn alle im selben Moment die richtige Pappe hochhalten müssen. Jeder nur ein Pixel. Und vom Spielfeld sieht man in dem Moment auch nichts. Da haben es die Leute, die in der Allianz-Arena in Block 125 das Telekom-T sitzen müssen, einfacher. Die sehen einfach nur lächerlich aus und dürfen 90 Minuten nicht aufs Klo. Aber denkt jemand an die Menschen, die das Fleisch des Buchstabens bilden? Falsch angezogen könnten die problemlos aus dem T ein F machen. Und ruckzuck bist du der Depp und „verzweifeifelt”. Deshalb gehen wir auch diese Woche auf Nummer Sicher und halten ein paar mehr Buchstaben hoch, die am Ende wie immer Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ergeben. Dazke. 

Ruud Boys next door

Um es mit Tony Vallelonga zu sagen: „Hartelijk Welkom!“ Auch wenn es etwas komisch ist, aber wir haben innerhalb kürzester Zeit schon wieder die Holländer zu Gast. Diesmal geht es glaube ich um eine EM-Qualifikation. Ganz genau kann man das nicht sagen. Man sieht sich in letzten Zeit gefühlt häufiger als Werder und der HSV im Jahr 2009. Aktuell spielen diese allerdings selten gegeneinander. Deshalb muss mal wohl froh sein, wenn der Nachbar regelmäßig mal vorbeischaut. Und es ist ja auch ein wenig wie mit den Ochmoneks oder Flanders von nebenan. Man leiht sich gerne mal was aus, aber möchte sonst, dass sie nicht zu genau durch die Gardine gucken. Nun wurde extra Hamburg als Spielort ausgewählt. Ein Ort, wo sich große Holländer wie Eric Meijer, Rafael van der Vaart Meis Boulahrouz oder Marco van Basten immer wohl gefühlt haben. Jürgen Kohler träumt heute noch schlecht, wenn er an Hamburg und Marco 1988 denkt. Viel faszinierender war für ein DDR-Kind Ende der 80er allerdings Ruud Gullit. Mit seinen üppigen Rastas war die „schwarze Tulpe“ in seinem orangenen Trikot wahrlich etwas besonderes. Vor allem im Vergleich zu den üblichen Vokuhila-Oliba-Kickern, die bei uns rumgrätschten. Seinen Weltfussballertitel 1987 widmete er Nelson Mandela und auch heute ist er noch ein einflussreicher Kämpfer gegen Rassismus und eine wichtige politische Stimme in Holland. Dreißig Jahre später leider immer noch bitter nötig, wenn man sieht was aktuell Jatta in Hamburg oder Lukaku in Mailand erfahren müssen, wo auch Ruud Gullit lange gezaubert hat. Bei dieser Gelegenheit: Danke für die Kopfgrätsche-Post aus Mailand. Wir ziehen wieder Mittwoch 18:00 die orangenen Leibchen über und schicken einen leckeren Gruß in die Nachbarschaft: Het leven is geen zoete krentenbol.

Looking for Eric

»As flies to wanton boys we are to the gods. They kill us for their sport.
Soon the science will not only be able to slow down the aging of the cells; soon the science will fix the cells to the state. And so it becomes eternal. Only accidents, crimes, wars will still kill. But unfortunately crimes and wars will multiply.
I love football.«

Ein Kung-Fu-Tritt von King Eric in das Gehirn von Fußballern in Anzügen, die sich wunderten was der bärtige Südfranzose, der gerade von seinem Fischerboot an Land zu kommen schien, damit wohl gestern Abend bei der Auslosung der Champions-League-Vorrunde meinte. Aber wer schon dem Teufel in der Hölle einen Ball in die Magenkuhle gezimmert hat, muss seine Philosophie nicht erklären. Was viel mehr erstaunt: dass Steffen Baumgart tatsächlich der deutsche Cantona zu sein scheint. Nicht nur, weil auch er früher seinen Trikotkragen aufgestellt hat – nein, auch in aktuellen Interviews meint man einen kleinen Bruder der Man-United-Legende vor sich zu haben. Wahrscheinlich wird Baumi nie die Chance haben, auf einer UEFA-Gala Shakespeare zu zitieren. Das aktuelle Sportstudio ist da wahrscheinlich das Äquivalent, so wie es Hansa zu United oder Rostock zu Marseille sind. Bevor wir jetzt noch Kopfgrätsche mit der Champions League vergleichen, nur weil die auch Mittwoch spielt, zitieren wir lieber noch einmal den echten Eric:

»You can change your wife, your politics, your religion, but never, never can you change your favorite football team.«

Ballo e impossibile

Wisst noch damals als sich Geheimrat Johann W. v. G. auf dem Weg über die Alpen machte? Ohne Elefanten aber mit einem Lied von Udo Jürgens auf den Lippen. Auf zum Fußball ins gelobte Land und auf den Spuren von Campino, Breiti, Kuddel und dem Rest der Ärzte. Da war der italienische Fußball noch das Non plus Ultras und gewann jedes Jahr die großen Pokale. Inzwischen hat das Land, das sich per Geoforming extra zu einem Stiefel mit Sizilien als Pille hat transformieren lassen, etwas den Anschluss an die glorreichen Zeiten verloren. Gigi Buffon ist zwar zurück in Turin, aber vielleicht auch nur weil es schon in Paris zu kalt ist für die alten Knochen. In der Zwischenzeit wurde sogar der Juve-Kader verjüngt und alte Recken wie del Piero, Baggio und Nedved sind anderweitig beschäftigt. Nedved ist inzwischen Vizepräsident der alten Dame und ist sogar dreizehn Jahr älter als der HSV-Präsident. Leider sind auch die beiden Dicken – Ronaldo in Mailand und Maradona in Napoli – nicht mehr am Ball. Damit die Serie A weiterhin eine tolle Telenovela bleibt, wurden ein paar waschechte Skandalnudeln oder Skandalgoldsteaks verpflichtet. Mit Kevin Prince und Franck wird sich die Mafia bestimmt nicht anlegen. In Mailand zittert man sowieso nur vor Wanda Nara. Und im Süden zeigt sich, dass Italien wirtschaftlich eigentlich nur ein um 90 Grad gedrehtes Deutschland ist, bei dem Rom Berlin und alles südlich davon der Osten ist. Aber sie stellen immerhin drei Clubs und mit Napoli vielleicht sogar ein Überraschungsei in der Meisterschaft. Nach dem unser Medizinalrat von dort zurückgekehrt ist, werden wir auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ein Kopfgrätschen al dente auf den Speiseplan setzen. Wenn es uns zu schwer ist, schneiden wir die Spaghetti in kurze Stücke.

Spielankündigung mit Lied

Heast spü eam, gib eam und renn a bisserl schnöller mitm Boi
Wo hostn du Kicken glernt, waun nedamoi der Boi pickn bleibt?
Heast pass, schau auf. Da Stürmer steht do frei wie a Vogerl
Uns zuaschaun is a Graus. Friah hods nu Leid gebn wie in Ogerl

Oba jetzt hobd ia gnuag. Oba jetzt hobd ia gnuag. Von dem Eierkick
Do gehd ia liaba ind Natur und schau den Blattln beim Wehen zua,
ois dass ia oich so an Kick gebd
Spielankündigung mit Lied

Heast moch, wos duast? Verdienst jo eh vü mehr ois wir do
Is dir ois vielleicht wuascht? Daun wechsel hoid aufn Midwochspieldag
Heast schiaß, probiers. Da Goalie is doch nur an Meter vierzg
Wehe es valierts. Friah hobts es nu Somsdag gspielt.

Oba jetzt hobd ia gnuag. Oba jetzt hobd ia gnuag. Von dem Eierkick
Do schau ia liaba Premier League, Liverpool gegen United.
Ois dass ia oich so an Kick gebd
Spielankündigung mit Lied

Heast spü eam und renn. Sads ned soiche Owizahra.
Kämpfts fia eichare Fans. Friah hods nu Leid gebn wie in Kurtl Jara
Heast redts jetzt ned vom Pech. Do hod mei Käfigkicker mehr Grandezza.
Ich geh aufi jedes Match und schrei damit es rennts und nix wird bessa

Oba jetzt hobd ia gnuag. Oba jetzt hobd ia gnuag. Von dem Eierkick
Do bleibd ia liaba zhaus und saufd. Und nehmd im Fernsehn a Quizshow auf.
Ois dass ia oich so an Kick gebd
Spielankündigung mit Lied

Meine Wahrheit in 324 Worten

Der Wecker hat geklingelt und das bedeutet: die Zeit ist um. Die Deadline ist abgelaufen. Niemand kann mehr zum Sehnsuchtsort Premier League wechseln und die Insel ist ein weiteres mal isoliert. Und wie jedes Jahr wurden gefühlt nur 5-10% der Transfers wirklich getätigt, die Twitter und Transfermarkt.de den Club-Managern als Hausaufgaben mitgegeben hatten. Und das liegt nicht an der Transfersperre des FC Chelsea. Nach den Gerüchten hätte die Premier League mindestens 10.000 statt der aktuell 552 (Quelle: Transfermarkt.de) Spieler unter Vertrag haben müssen. Davon dürfen an jedem Spieltag sogar bis zu 280 also quasi die Hälfte mitspielen. D.h. die Premier League ist voll wie der Platz am Kagenmarkt und es bleibt eine Menge übrig, die sich Mittwoch 18:00 bei uns fithalten darf. Das gute ist: uns ist es egal, ob jemand Flüssigkeit im Knie hat oder die Bänder schon etwas morsch sind. Wir warten auch nicht auf exklusive Dominosteine, obwohl die spätestens in 3 Wochen bei Aldi im Regal stehen. Wir schreiben uns auch keine langen Entschuldigungsbriefe mit Manchester City. Wer kennt sich außer Ich-habe-kein-Email-Uli schon beim aktuellen Porto aus? Nein, wir sind nicht wählerisch und schicken unsere Entschuldigungen und Kettenbriefe ans gesamte Adressbuch: „Behaltet, o alte Lande, euren sagenumwobenen Prunk. Gebt mir eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren.“ (Quelle: The New Collosus, Ellis Island, NY)

Oder in der etwas neueren Version von Thees Uhlmann:

Bring mir die Söhne von allen Huren und Nutten.
Bring mir die Fiebrigen und die Kaputten.
Bring mir die Dicken und bring mir die Sünder,
Die ohne Hoffnung sind, hungrige Münder.

Gib mir Funken und Flammen, um zu brennen.
Gib meinen Lungen Luft, um zu rennen.
Es sind harte Zeiten, um alleine zu stehen,
Doch harte Zeiten werden kommen & harte Zeiten werden gehen.

An allen Städten und Plätzen und Orten
Ist meine Wahrheit in 17 Worten:
Ich hab‘ ein Kind zu erziehen
Dir einen Brief zu schreiben
Und ein Fußball-Team zu supporten.

Wenn Sie wüssten, wann wir sicher kopfgrätschen

Der Samstag ist der neue Ruhetag? Mir hat die Aussage nicht gefallen. Da mache ich keinen Hehl draus. Wir haben mit Kopfgrätsche ein sehr gutes Verhältnis. Die Spieler, die bei anderen Freizeitaktivitäten gebunden sind, müssen wir so respektieren. Das ist im Übrigen auch eine FIFA-Vorgabe. Ich habe immer in den letzten Wochen gesagt, ich gebe keine Wasserstandsmeldung ab. Das werde ich heute auch nicht tun. Alle müssen Geduld haben. Weder optimistische noch pessimistische Aussagen helfen uns da. Wir müssen unseren Job am Mittwoch 18:00 Uhr machen. Wenn wir alle hier unseren Job machen, dann muss Micha nicht rufen: „Mach deinen Job!“ und wir werden in diesem Jahr auch eine erfolgreiche Saison haben. Wir sind natürlich alle gut beraten, nicht über andere Spieler zu sprechen, die auf anderen Plätzen stehen. Das ist ganz wichtig, dass wir das in Zukunft alle tun. Deswegen hat es der Vorstandsvorsitzende auch gesagt. Ich hoffe natürlich, dass wir das alle verinnerlichen. Es ist natürlich so, dass man sich einfach auch bei Kopfgrätsche entschuldigen muss, dass jetzt über die ganze Zeit über Spielzeiten gesprochen wurde. Jetzt sind wir alle gut beraten, nichts mehr zu der Sache zu sagen und nach außen und nach innen erst mal Ruhe zu bewahren. Ich glaube, dass es grundsätzlich auch wichtig ist, wie ich schon gesagt habe, dass keiner mehr über irgendwelche Spieler spricht, die nicht auf dem Platz stehen. Hab ich auch nicht gemacht, nur einmal. Normalerweise sprechen wir uns ab. Und es ist ja auch wichtig, dass wir das in der nächsten Zeit tun. Es sind jetzt natürlich ein paar Aussagen getätigt worden, die nicht gut waren, aber das werden wir in Zukunft besser machen müssen. Medienberichte vom heutigen Tage, mit dem Inhalt, dass sich Kopfgrätsche für einen Wechsel auf den Kagenmarktplatz entschieden hätte, entsprechen nicht der Wahrheit.

Spiel, Satz, Sigmund

Seit Jahren wird diese Spielankündigung dafür benutzt, um komische Themen, die entfernt mit Fußball zu tun haben, und launige Wortspiele in die Welt zu blasen. Hier haben popkulturelle Referenzen genauso einen Platz wie Wut auf den modernen Fußball und das eigene fehlende Talent dafür. An guten Tagen kommt der Inhalt prophetisch daher an schlechten war schon die Überschrift der Apothekenumschau zu abgelutscht. Nur die eigentliche Info über die Spielzeiten rückte immer mehr in den Hintergrund. Zuletzt saß sie sogar nur noch auf der Tribüne. Aber jetzt schlägt der Spielzeit tatsächlich wieder eine Stunde. Dazu passend hatte ich letzte Nacht einen komischen Traum, in dem wir uns zum Fußballspielen auf einem schattigen Schulhof getroffen haben. Währenddessen bin ich ins Gebäude zu einem Vortrag, dann wollte ich zurück zum Fußball. Mein Telefonakku war dann leer und ich bin durchs Gebäude geirrt und hatte am Ende ein halbes Fußballspiel und einen halben Vortrag. Was will mir das sagen, Dr. Freud? Wahrscheinlich habe ich Angst vor Wasser. Und davor, dass der Strand uns die Mitspieler abwirbt. Auf jeden Fall hat sich der Kopfgrätsche-Ältestenrat auf hitzefrei am Samstagmorgen verständigt. Wir hoffen auf etwas Abkühlung und ein angenehmes Spiel Mittwoch 18:00. Auch für die kommenden Sommer-Samstage werden wir gucken, ob das Wetter oder sonstige Verpflichtungen an Stränden oder Schulen ein Spiel wahrscheinlich machen. Die Spielankündigung wird es verraten.    

Find the chance and take it

Saisonvorbereitung ist, wenn man morgens komische Hashtags mit Vereinskürzeln in den Trends findet und merkt: ach, da hat ja ein Bundesligist nachts ein Testspiel absolviert. Unsere Exportschlager sind gerade in den US of A und machen Werbung für den Fußball bzw. für Fußballvermarktungsrechte. Was dann auch erklärt, weshalb der VfL Wolfsburg gerade in Österreich trainiert. Es ist also klar warum die Spieler dort gezwungen werden, andere Sportgeräte als Fußbälle in die Kamera zu halten. Diese Entwicklung ließe sich höchstens aufhalten, wenn man die Mannschaften zwingen würde, auf dem Hinflug „Far away in America“ in Endlosschleife zu hören. Übrigens der letzte Song, den die Fußballnationalmannschaft vor einem großen Turnier aufgenommen hat. Es wurde schon oft spekuliert, warum diese schöne Tradition des Weltmeisterschaftsschlagers aus der Mode gekommen ist. Einige Leute konnten sich immerhin nur mit Hilfe von „Mexico mi Amore“ und „Wir sind schon auf dem Brenner“ die WM-Jahre merken. 1994 machte sich aber lange vor Andreas Bourani oder den Sportfreunden Stiller jemand daran einen eigenen WM-Song aufzunehmen. Der Erfolg von Stefan Raabs „Bööörti Bööörti Vogts“ schlug dann auch den offiziellen DFB-Song vernichtend in den Charts (Platz 4 gegen Platz 44). Übrigens auch der Beginn einer langen Rivalität zwischen Raab und „Far away in America“-Produzent Ralph Siegel. Nach dieser Schmach war das Gesinge in diesem Rahmen Geschichte. Vielleicht trug auch dazu bei, dass man kläglich im Viertelfinale gegen Bulgarien und Jordan Letschkows Glatze ausschied. Ganz bestimmt wollte man aber verhindern, dass man noch einmal vor Thomas Gottschalk und Harald Schmidt in kurzen Hosen auftreten musste. Diese schlimmen Bilder wird niemand wieder los. Wir sehen uns lieber weiterhin zu Anstoßzeiten der mitteleuropäischen Sommerzeit (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00).