Livin’ Dar-Vida Loca

Der UEFA-Zirkus ist in der Stadt! Seit dieser Woche heißt es wieder „Eurobbabogaaal“ und unter der Woche werden die letzten fußballfreien Tage gefüllt. Aber Obacht es gibt ein paar neckische Neuerungen, an die man sich erst noch gewöhnen muss. Ab jetzt muss Papi schon 18:55 zum Fußball schalten. Pünktlich, wenn die Blagen gerade das Sandmännchen sehen wollen (im Land der Frühaufsteher kommt das eine Stunde früher). Da ist die Stimmung schon zum Anpfiff im Keller. Im Staatsfunk läuft allerdings um diese Zeit noch SOKO Wismar. Aber auch sonst kann Olli Kahn ab jetzt die Champions League maximal in einer Tipico-Filiale vor Publikum analysieren. Wildes hin- und herschalten zwischen DAZN und Sky, Sky Go und Sky Ticket (je nachdem was gerade nicht abgestürzt ist) bringt dann schnell Klarheit, wo denn nun der Ball rollt. Immerhin reicht beim 21-Uhr-Spiel die erste halbe Stunde und man kann arbeitnehmerfreundlich mit Ronaldo Feierabend machen. Diese Zeitumstellungen sind die ersten Maßnahmen nach der Abstimmung, wo ihr alle für die Abschaffung der Winterzeit gestimmt habt. Eigentlich wollten es alle früher hell und später dunkel haben, aber das wird wohl wieder nichts. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall noch die Winterzeit geben. Das merkt man zum Start der Mittwochskopfgrätsche 18 Uhr noch nicht, aber spätestens eine Stunde später dämmert es einem dann doch. Nur Samstag 10:30 bleibt stabil. Vielleicht wechseln wir irgendwann mal auf 10:25, dann haben wir noch etwas Zeit die Logos von Toblerone, Pneu Continental, Dar-Vida, Longines und Red Bull zu überkleben.

Best of Best

Die Beziehung von Fußball und Musik ist manchmal eine seltsame Angelegenheit. Das Gerücht, dass Toni Kross großer Pur-Fan sein soll, hält sich seit Jahren. Die Polonäse mit Helene Fischer 2014 vor dem Brandenburger Tor hat es erst möglich gemacht, dass sich viele Fans ein Vorrundenaus bei der WM in diesem Jahr heimlich herbeigesehnt haben. Bei Michael Ballacks Hochzeit vor 10 Jahren musste Sir Elton John die deutsche Nationalhymne spielen, was er sicher sogar besser gemeistert hat als Sarah „Brüh im Lichte“ Connor. Als Mehmet Scholl hingegen zu seinem Abschied die Hidden Cameras einlud, reichte das, um Olli Kahn von der Party zu vertreiben. Nein, von Seiten des Fußballs kann die Liaison mit der Musik nicht wirklich als vorbildlich bezeichnet werden. Da muss die Musik meist die Beziehung retten. Seit sich Marteria auf Musik statt auf Fußball konzentriert, kann tatsächlich mal wieder ein Rostocker das Ostseestadion füllen. Als die englische Band The Wedding Present 1987 ihr erstes Album veröffentlichte, wollte sie es nach dem legendären Belfast-Boy George Best benennen. Immerhin eine bessere Idee als es „Best of“ zu nennen. George Best gab sein Okay und war tatsächlich zu einem Fotoshootings für das Album bereit. Ob der fünfte Beatle wirklich etwas mit der Musik der Band aus Leeds anfangen konnte, ist bis heute unklar. Nun ist es aber Zeit mal wieder die ganz alte Platte aufzulegen:
A Seite: Samstag 10:30
B Seite: Mittwoch 18:00

theweddingpresent

09. September 2018 – Vertikale Kopfgrätsche

Handspiel dringend erforderlich! Ein #Kopfgrätsche-Auswärtsspiel mit ganz besonderen Regeln: Für einen Junggesellenabschied ging es überraschenderweise zum Bouldern bei den Felshelden in Warnemünde.

01_20181008_Junggesellenabschied-Felshelden_quer_01Plötzlich war das Kräfteverhältnis des Kopfgrätsche-Fußball-Platzes dahin: Alles Anfänger an der Wand. Aber warum steht da eine Leiter? Später mehr dazu.

02_20181008_Junggesellenabschied-Felshelden_quer_0308_20181008_Junggesellenabschied-Felshelden_hoch_05Nach einer kleinen Einführung durch Kopfgrätscher Jano wurden wir alle an die Wand geschickt. Nix mit Horizontal-Pass und Manndeckung. Vertikales Denken und ein überlegtes Stellungsspiel waren hier gefragt. Ähnlich grazil wie auf dem Tartan-Platz, hingen die alten Kopfgrätscher in der Wand.

03_20181008_Junggesellenabschied-Felshelden_quer_02Das lies auch mal ungeante Perspektiven zu, die wir sonst in unserem ständigen horizontalem Rumgekicke nie hatten. Aber auch nicht brauchten. Anders als sonst hatten wir dieses Mal aber auch einen extrem guten Fotografen dabei.

Für die, die vorher auch genauso wenig über das Bouldern wusste, wie wir: Das ist Klettern ohne Sicherung bis auf Höhen, von den man sicher auf weiche Matten abspringen kann. Anfänger glauben, es wäre ein Kraftsport, dabei ist Technik, Köpfchen und eine gute Grundfitness viel, viel wichtiger. Jede Farbe an der Wand steht für einen Schwierigkeitsgrad. Es gibt immer einen Anfang und Ende der Route. Hier zum Beispiel ist die Gelbe die Einfachste.

Man darf auf einer gewählten Route dann nur seine Farbe berühren. Nutzt man eine andere Farbe ist das Mogeln. Einen Schiedsrichter gibt es hier aber genauso wenig, wie bei Kopfgrätsche.

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05_20181008_Junggesellenabschied-Felshelden_hoch_0106_20181008_Junggesellenabschied-Felshelden_hoch_04Rosa ist in der Boulderhalle, die keine Autofahrstunde von Wismar entfernt liegt, die zweit Schwerste. So besteht die Route, die Jan hier gerade meistert, nur aus drei Griffen. Hat er gar nicht schlecht gemacht für einen Anfänger.

Dabei ist aber gut zu sehen, dass es nicht zwingend um Armkraft geht, sondern um die Kraft und Technik, die aus den Beinen kommt.

So verbringt man schon ein paar Stündchen in der Kletterhalle mit ausprobieren, überlegen und miteinander austauschen. Wie „Kopfgrätsche“ – mit Köpfchen und Beinarbeit.

Mit der Zeit schwand bei uns allen die Kraft. Da konnte man schon mal den ein- oder anderen Griff nicht mehr halten. Aber das war nie schlimm – man fiel weich. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber dem Tartan-Platz.

Ach ja: Die Leiter. Wenn Kraft und Technik für das obligatorische Kopfgrätsche-Foto nicht mehr reichen, muss geschummelt werden. Der Nummer 24 musste der Weg zum Logenplatz ermöglicht werden. Natürlich unter den Augen der Anfänger und Profis (rechts im Bild).
07_20181008_Junggesellenabschied-Felshelden_hoch_02Vielen, vielen Dank an Felshelden für diesen tollen Nachmittag. Und Danke auch an Lieblings-Fotograf Georg!

If you wanna be my baller

Frau Beckham hatte sich schon drauf gefreut. Endlich war der Alte wirklich zu alt, um sich noch über den Fußballplatz zu schleppen und hätte endlich mal Zeit gehabt, die Pfandflaschen zurückzubringen oder das Garagentor zu reparieren. Aber nein, auch im Ruhestand hatte er immer noch den Fußball im Kopf. Und anstatt irgendwo als Zeugwart oder Busfahrer einzusteigen, musste er ja unbedingt einen eigenen Club gründen. Immerhin im Rentnerparadies Florida. Von da an war klar, dass das Garagentor wieder zugunsten von Fußballtoren zurückstecken muss. Allerdings ist man erst einmal eine Weile lang Fantasymanager und muss ein wenig warten, wenn man nicht ein Brausefranchise eröffnen will. Seitdem frickelt der Alte jede Nacht am Logo rum. 2015 gab es schon ein Design. Linear, modern und frisch in petrol. Aber nach ein paar Folgen Miami Vice traute er sich und wechselte auf die Frage seines Lieblingspolohemdes. Und warum überhaupt musste das ganze nach Fußball aussehen? Das konnte doch wie ein cooler Nachtclub wirken. Und die Bezeichnung als Club International de Fútbol klang gleich lecker nach Cuba Libre und gefährlich nach Toni, das Narbengesicht. Ja, das war es jetzt. Endgültig bis in alle Ewigkeit. Bis zum Spielbetrieb 2020 war ja noch genug Zeit. Aber wer die Evolution des Kopfgrätsche-Wappens (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00) mitverfolgt hat, ist nicht überrascht, wenn ich sage: Becks, I feel you.

 

01. September 2018 – Ollis Abschluss

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In seinem letzten Spiel musste Olli natürlich das entscheidende Tor schießen wie es sich für ein echtes kölsches Drama gehört. Hollywood wäre das too much, aber die haben auch nur den Kopf geschüttelt, als Olli sich am Sonntag das 3:5 zwischen St. Pauli und dem Effzeh in Hamburg gegeben hat. Machet jot, Jong!

Auf der Strafraumkante (samstags um halb 11)

Hallo Komma Absatz, Wie gehts Punkt neue Zeile.
Punkt 9: der Wecker tickt und er flüstert in mein Ohr: raus aus diesem Chaos, wir hab’n noch so viel vor. Ich frag ich mich wie spät es ist, und warum? Dann fällt es mir wieder ein: die gute Aussicht auf alles was ich brauch am Samstagmorgen. Zwischen Never Surrender und License to ill. Kein Ponyhof, kein Wunschkonzert. Ich bin doch kein Idiot und das soll ich heute beweisen. Wenn irgendwas gut ist dann das hier. Denn du bist es auch und weil ich mich so selten irr mit Menschen, Mädchen sag ich dir: wir beide sind die Guten. Aber das seh ich erst, wenn ich’s glaube. Also ready steady Fremdkörper go! Wir schießen den Ball bis zum Mond, um vielleicht das Siegerlied statt der Hymne anstimmen zu können. Heute wird gewonnen, bitte. Am Ende wollen die Unkaputtbaren aber nur sagen: es sah zwar aus wie Eiskunstlauf ohne Ton mit Hoppe hoppe Easy Rider, wenn er fällt, dann kriecht er halt weiter. Aber alles war schön und nichts tat weh. Wir werden uns kümmern – mein Freund, das Wrack, ich und so. Nur für den Heimweg gilt: bring dich doch selbst nach Haus und komm Mittwoch wieder. Vorher gibt’s aber noch ein Souvenir aus dem Fotoautomat.

Die Verwandlung

Als ich heute morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich heraus, dass schon wieder eine Bundesliga-Saison startet. Das ist dieser Wettbewerb, wo seit Jahren beim Blick auf die Tabelle alle müde gähnen. Da konnte sich Bill Murray ja beim täglichen Aufwachen in Punxsutawney auf mehr Abwechslung freuen. Gut, um den ersten Platz gibt es angeblich einen offenen Wettbewerb bzw. hatten sich das die Gründerväter der Bundesliga einmal so überlegt. Und wenn sich der Branchenprimus um den 12. Spieltag rum zwei Unentschieden in Folge leistet, wird man sich dunkel daran erinnern. Im März haben wir das aber spätestens vergessen. Aber auch sonst ist die 1. Liga eine beruhigende Konstante in diesen wilden Zeiten. Alle professionellen Werbekampagnen und witzigen Social-Media-Trends werden nicht verhindern, dass sich der Anker in der Mitte der Liga aus der Erde bewegt. Die Berliner Hertha wird auch dieses Jahr ruhig beobachten wie ihre Tabellennachbarn verzweifelt um Europa-League und Klassenerhalt kämpfen. Schließlich hat sie mit dem Erreichen des DFB-Pokalfinales wieder einmal ein größeres Ziel. Mit dem traditionellen Scheitern irgendwann im Spätherbst wird die Rest-Saison von 20 Spieltagen unsexy zu Ende gespielt. Zur Konstanten am Tabellenende mausert sich seit einiger Zeit der VfL Wolfsburg. Mit einem Kader der nie absteigen kann, ist er verdammt Jahr für Jahr den Relegationplatz warm zu halten, bis der HSV endlich mal wieder Lust hat. Und um diese drei Ankerpunkte in der Tabelle strampeln noch ein paar Clubs wie Käfer auf dem Rücken, um die erste Liga oder die Champions-League-Quali zu erhalten. Und das alles nur, um die eigenen Fans auch in der nächsten Saison in diesem Wettbewerb zu enttäuschen. Da freu ich mich doch lieber auf dem Samstagmorgen. Wenn ich da aufwache und 10:30 Kopfgrätsche angesagt ist, warten jedesmal neue Überraschungen, die erst mit dem Sonnenuntergang am Mittwoch Abend enden.

11. August 2018 – Selfie mit Taunty, Josef und Co.

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Mit zunehmendem Alter wird es für Josef immer schwerer, sich die Namen auf dem Fußballplatz und dem #kopfgrätsche-Foto zu merken. Javid, weiß er natürlich. Abdel musste er auf dem Platz schnell nochmal fragen, wie er heißt. Und „Taunty“ steht auf dem Trikot-Rücken von Amit, weil es sein alter Nickname ist. Tim, André und Vadim waren auch da – aber nicht auf dem Foto. Und die anderen auf dem Bild: Weiß Josef nicht mehr. Hat er vergessen. Und das meint er nicht böse.

Boiler Man (I think it’s going to be a long, long time)

Die Engländer sind raus. Mal wieder. Ab heute können alle mal sehen wie es ist ohne das dicke Pfund auszukommen. Jedenfalls auf dem Transfermarkt. Das begehrte üppige englische Fernsehgeld bleibt da wo es ist. Quasi ein zweiter selbstgewählter Brexit, um nach dem Saisonstart keine Spieler mehr nachkaufen zu können. Traditionell ist deswegen am letzten Tag die bloody Hell los. Jedenfalls nehmen sich TV-Experten an diesem Tag besser nichts vor. Sondersendungen, die 12 Stunden lang wie an Silvester den Countdown bis Null Uhr runterzählen, müssen schließlich besetzt werden. Und jedes Premier-League-Stadion braucht einen embedded Journalist vor Ort, der bei Bedarf einen Autokorso oder einen wütenden Mob einfangen kann. Und dann entscheiden sie sich in Manchester und Tottenham für einen Buy-Nothing-Day. Really? Your full Ernst? Bis kurz vor Mitternacht waren sich alle sicher: equal goes it loose. Aber dann gab es vermutlich einen landesweiten Faxausfall. Mein Fax mit den Daten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ist hoffentlich noch angekommen. Nun ja, jetzt können sie sich in England endlich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Fußballwappen mit Bandartwort mixen z.B. oder lustige Maskottchen erfinden.