
… nur leider ohne Jürgen, dem Rekord-Kopfgrätscher quasi ohne Fehlzeiten. Dieses Samstag musste er allerdings einmal aussetzen.
Der polnische Abgang hieß im Englischen bisher french Exit. Aber das war ja auch bevor Ronaldo beim Spiel gegen Tottenham den frühzeitigen Heimweg antrat. Jetzt wandert diese Option der mehr oder weniger höflich-gelesenen Fahnenflucht auf die iberische Halbinsel. Dabei ist dieses Phänomen in der Fußballgeschichte nichts Neues. Wir erinnern uns noch an Jens Lehmann in der S-Bahn nach Essen als sein einziger Zettel ein Zweizonen-Ticket war. Er hatte in Leverkusen in der ersten Halbzeit 3 Tore kassiert und Jörg Berger traute ihm wohl nicht zu, dass er in der zweiten Hälfte vier Tore erzielt und probierte es mit einem erfahreneren Torwart. So war Jens nachdem er sich das Geld für die Fahrt geliehen hatte rechtzeitig zur Sportschau zuhause. So wie viele Fans die sich bei den übervollen Autobahnen im Ruhrgebiet fragen, wann sollte ich das Spiel spätestens verlassen, wenn ich Montag pünktlich auf der Arbeit erscheinen will? Deshalb wundert es nicht, dass ein anderer Schalker in Dortmund bei einem Länderspiel gegen Russland zum Inbegriff der treulosen Tomate wurde, weil er keine Lust hatte im Stadion des Erzrivalen eine weitere Halbzeit auf der Tribüne zu frieren. Bei Kevin Kuranyi war es allerdings schwierig die Art des Abgangs umzubenennen. Als Sohn eines Deutschen ungarischer Herkunft und einer Panamaerin wurde er in Rio de Janeiro geboren. Im Zweifelsfall ist Kuranyi natürlich Schwabe, der unter dem Badenser Jogi Löw aus der Nationalelf flog. Der Badenser wiederum verpasste unzählige Gelegenheiten für einen gut getimten Abgang und würde sich erstklassig als Pate für das Gegenteil des polnischen Abgangs anbieten. Bevor man allerdings gehen kann, muss man natürlich erst einmal erscheinen. Das werden wir Samstag 10:30 wieder versuchen. Wann wir unter welchen Umständen den Platz verlassen ist noch offen.
Hallo Pep, schön, dass du das letzte mal aufmerksam mitgelesen hast und das Tor-Monster am Mittwoch zum Ausruhen auf die Bank gesetzt hast. Warum es auch immer eine Pause brauchen könnte. Wahrscheinlich um Anlauf zu nehmen für einen nächsten irren Rekord. Aber egal, so konnte man sich in Kopenhagen über einen Punkt freuen, weil der 900.000€-in-der-Woche-Stürmer bezahlten Urlaub neben dem Platz machen durfte. Und wir konnten uns bei Heiko auf dem Hocker angucken, was passiert, wenn Haaland in zwei Mannschaften vermisst wird. Am Ende also nur zwei Tore in Gruppe G an diesem Spieltag. Aber immerhin das Bier und die Fachgespräche hatten viel Gehalt. Die Vorrunde ist in diesem irren Kalender nun auch schon fast rum. In Barcelona fragt man sich wie die Champions League für sie vorbei sein kann, wenn sie doch gerade erst gestern die Spieler dafür anmelden konnten, weil sie spät aber plötzlich noch Geld gefunden hatten. Dabei haben sie sich bestimmt einiges von Olaf Scholz seiner Doppel-Wumms-Kasse abgeguckt. Also wirtschaftlich gibt es doch Ähnlichkeiten. Man pumpt sich das nötige Kleingeld halt bei der Zukunft. Blöd ist nur, wenn man deshalb trotzdem nicht in der Gegenwart die Gruppenphase übersteht. Aber vielleicht sollte die UEFA mal darüber nachdenken noch mehr Spiele in diesem Wettbewerb zu veranstalten, damit man nicht als Dritter oder Vierter schon ausscheiden muss. Unser Turnier mit vier Teams am letzten Samstag 10:30 war doch auch sehr schön. Es bestand nur aus einer Gruppenphase und war vorbei als es anfing zu gewittern. Das Modell kann so gerne wiederholt werden und hat auf jeden Fall allen Spaß gemacht. Mehr Spaß als die Champions League aktuell, die sehnsüchtig darauf wartet, dass endlich der Cousin von Erling Haaland, der aber in Wirklichkeit sein Klon zu sein schein, in dem Wettbewerb aufläuft. Dann könnte man zukünftig auch immer mal einen Haaland schonen, weil dann der andere für den Wumms sorgt. Barcelona klingelt schon mal in Berlin durch für Tipps zu innovativen Finanzierungsmöglichkeiten.
Falls irgendjemand am Mittwoch noch versucht hat im Restlicht des Tages einen Ball zu erkennen, war er dennoch rechtzeitig zu Hause um zwei weitere Erling-Haaland-Buden zu bestaunen. Man muss allerdings festhalten, dass es nur 2 waren, was natürlich daran gelegen haben kann, dass auch er am Mittwoch früher Feierabend gemacht hat. Jedenfalls war man sich bei ManCity in der Halbzeit sicher: eine Halbzeitführung von 3:0 mit zwei Treffern von Haaland werden knapp ausreichen, um das Spiel gegen Kopenhagen nach Hause zu schaukeln. Hat mit den 5:0 auch einigermaßen geklappt. Der Norweger wird dennoch wehmütig auf seine Statistik geguckt haben und wahrscheinlich hat er sich für das Rückspiel nächste Woche vorgenommen, bis zur Pause 4 Tore zu schießen, um Pep eins auszuwischen. Bei der unwirklichen Torstatistik hat es auch tatsächlich nur drei Monate gedauert bis die ersten Wechselgerüchte um das Wunderkind auftauchen. Also der Erling-Standard, den man aus den letzten zweieinhalb Jahren Dortmund als Normalzustand nur zu gut kennt. Manchester City hat nur Glück, dass es eigentlich nicht mehr allzu weit nach oben geht, wenn der Stürmer die Premier-League zu Klump geschossen hat. Natürlich ist die Premier-League nur Beifang und auch die Champions-League-Gruppenphase ist nur zum Aufwärmen da. Das Ziel muss natürlich der Henkelpott sein und dafür soll Erling die Dinger im April und Mai reinbüffeln. In der City-Vitrine mit den Champions-League-Pokalen ist offensichtlich noch eine Menge Platz. Und Erling weiß immerhin wie man den DFB- oder auch den ÖFB-Pokal gewinnt. Falls es nichts wird mit der fest eingepreisten Silberware, werden die Wechselgerüchte wieder Fahrt aufnehmen. Der nächste logische Schritt kann eigentlich nur Elon Musks Mars-Team in der ersten interstellaren Twitterliga sein. Pep wird das nur verzögern können, wenn er ihn nächste Woche auf die Bank setzt und Erling wie wir in der Woche spielfrei hat. Seinen Wochenschnitt von 5 Hütten muss er also am Wochenende erfüllen. Aber warum soll es ihm anders gehen als uns Samstag 10:30? Im April 2023 steigen wir und Erling unter der Woche ja wieder ein.
Man muss wirklich aufpassen, was man hier äußert. Nicht, weil man angeblich nichts mehr sagen darf, sondern weil offensichtlich irgendjemand tatsächlich diese Spielankündigungen liest. Mindestens David Beckham ist dabei. Leider nur unter den mitlesenden Ehemaligen, die dann doch nicht mehr zum Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 erscheinen. Ich habe ihn dort diese Woche jedenfalls nicht gesehen. Allerdings war es Mittwoch schon sehr früh dämmerig. Da würde ich jetzt nicht Stein und Bein schwören, dass er nicht doch dabei war. Aber in der Schlange am Queen-Sarg war er zu sehen. Und er hat wohl auch verzichtet, sich in der VIP-Fastlane anzustellen. Er wollte das gesamte Erlebnis über die volle Wartezeit. Für jemanden, der früher häufig mal in der 75. Minute ausgewechselt wurde, ein ganz ungewöhnliches Gefühl. Kritiker werden sagen, dass er die Fastlane auch schon auf dem Platz eher gemieden hat. Die Leute vor und hinter ihm hatten bestimmt eine gute Zeit und haben wahrscheinlich auf den Selfies geguckt wie jemand, den Tom Hardy gerade in einem Mixed-Martial-Arts-Turnier besiegt hat. In England scheint es also ab und zu doch sehr familiär zuzugehen. Das englische Kino arbeitet jedenfalls sehr gern mit solchen unerwarteten Klassenbrüchen. In Notting Hill verliebt sich ein Filmstar in einen vertrottelten Buchhändler gespielt von Hugh Grant, der sich wiederum in Love Actually als Premierminister in seine Praktikantin verliebt. Und dann war da noch Elisabeths erster Premierminister Winston Churchill, der in The Darkest Hour tatsächlich eine ganze Station U-Bahn fährt, um sich vom Pöbel die Volksmeinung zum Krieg abzuholen. Apropos The Darkest Hour: David, denke daran Mittwoch pünktlich zu kommen, sonst können wir dich nicht mehr sehen.
Oho, jetzt kommt also nächste Woche schon der letzte Länderspielstopp vor ihr wisst schon was. Kann man aber noch unbedenklich gucken, oder? Es ist immerhin das traditionsreiche Turnier Nations League mit coolen Duellen auf Augenhöhe. Dabei führt die Reise von Hansi und Olli uns auch nach England, wenn nicht noch mehr Fußballspiele abgesagt werden, weil die Engländer Public Viewing anders übersetzen. Wenn man den Insulaner dieser Tage zu einer solchen Veranstaltung einlädt, stellt er sich sofort in die Kondolenz-Schlange am Queen-Sarg. Dabei beweist er beachtliches Stehvermögen. Die Heatmap zeigt eine violette Linie von der London Bridge flussaufwärts bis nach Lambeth und über die gleichnamige Brücke bis hin zur Westminster Hall. Das sind beinahe 4 Kilometer. Gestern Nachmittag waren es sogar mehr als sechs Kilometer. Auf Youtube kann man live das aktuelle Ende der Schlange verfolgen. Das sollte Hansi unbedingt in seine Videoanalyse vor dem Spiel in London mit einbeziehen. Rein statistisch müssten auch einige Nationalspieler in der Schlange markiert werden können und wenn man nicht aufpasst, lassen die sich am Ende gegenseitig vor. Aber das ist nicht gewiss. Für Engländer ist das Stehen in Schlangen angeblich oft viel amüsanter als das eigentliche Ziel. Das haben sie sich immerhin über Jahrzehnte beim Fußball antrainiert. In dieser Wartezeit findet man neue Freunde und lädt sich gegenseitig zu heißem braunen Wasser ein. Dieses Konzept klingt eigentlich nicht schlecht und vielleicht sollte man auch in diesem Fall darauf setzen, dass die Engländer ein weiteres mal unser Vorbild für eine auf den ersten Blick eigenartige Freizeitbeschäftigung werden. Ich starte schon jetzt die Schlange für Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Nach dem frühen Sonnenuntergang am Mittwochabend kann man das auch noch problemlos ohne Tageslicht fortsetzen.
Uns Uwe plauderte 2016 im Spiegel über das Endspiel 1966:
»Vorm Endspiel in Wembley wies mich Helmut Schön zudem nochmal extra darauf hin, dass auch die Queen im Stadion zugegen sein würde. Vor ihren Augen würde allzu großes Lamentieren und aggressives Auftreten erst recht keinen guten Eindruck machen. So vergingen vom umstrittenen Aufprall des Balls vor unserem Tor bis zu unserem Wiederanstoß im Mittelkreis gerade mal 50 Sekunden – jemand hat das nachträglich mal anhand der TV-Bilder genau nachgestoppt. Nicht mal eine Minute Diskussion über die wohl kontroverseste Szene der Fußballgeschichte! Schon verrückt, erst recht, wenn man bedenkt, dass wir jetzt, nach 50 Jahren, noch immer darüber sprechen.«
Mal davon abgesehen, dass Lamentieren beim Schiedsrichter eigentlich nie irgendwas bringt, offenbart der kürzlich verstorbene Ehrenspielführer hier, dass es sich für England 1966 schon gelohnt hat, dass es eine Königin hat, die es bei Bedarf bei wichtigen Spielen auf die Tribüne setzen kann. Ob sie dem Fußball wirklich etwas abgewinnen konnte, ist nicht ganz klar. Im Adel verfolgte man andere Sportarten sicher häufiger. Im Zweifelsfall etwas, wobei man auch mal die Pferde und Gewehre einsetzen kann. Die proletarische Fußlümmelei am Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) dürfte ihr daher eher fern gelegen haben. Dennoch hat man versucht zwischen der Einweihung einer Schraubenfabrik und der Ehrung von Royal-Airforce-Veteranen sie auch noch als Maskottchen für ein Fußballendspiel zu buchen. Das hat 1966 super geklappt. Vor dem VAR war sie quasi die Instanz, die dafür sorgte, dass die umstrittene Szene des Spiels ohne viel Palaver entschieden wurde. Am Ende durfte sie ihren Landsleuten den Pokal überreichen und Uwe Seeler blieb nur der höfliche Händedruck ihrer Majestät. Uwe beugte brav den Kopf anstatt ihr zu erklären „Du Lisbeth, das Ding war niemals drin!“. Die Queen war damals gerade 40 und man hätte eigentlich erwarten können, dass ihre Untertanen es hinbekommen bis zu ihrem Lebensende 56 Jahre später vielleicht doch noch einige Weltmeister- oder wenigstens Europameisterschaften zu gewinnen. Aber wie ihre Familie hat auch die Fußballfamilie es immer wieder geschafft, möglichst dramatisch zu scheitern. Erst die englischen Frauen schafften es kurz vor dem Ableben der Queen mit einem Sieg in Wembley gegen Deutschland in diesem Sommer wieder einen großen Titel zu holen. Die Herren-WM in Katar boykottiert sie jedenfalls in weiser Voraussicht. Immerhin wird trotzdem auch nach dem Finale dieses Turniers ihr größter Hit gespielt: We are the Champions!
Auf dem Gummi aufgewacht
Das Trikot klamm, vom Tau ganz nass
Von der Tribüne da schaut mir jemand zu
Ein Stollenabdruck im Gesicht
Ich winde und bedanke mich
Auf der Tribüne, ich glaube da sitzt du und schaust mir zu
Jetzt stehst du auf, ich wink dir nach
Und im Flutlicht glänzt dein Haar
Und wieder mal: Los! Stop! Schade!
Alles versucht, zuviel riskiert
Den Solo-Doppelpass probiert
Für die Ersatzbank taug ich nun mal nicht
Der Schiri grinst sich tot
Seine Karte sie zeigt rot
Die dritte Halbzeit spiel ich ohne dich und ohne Ball
Krieg was ich will, hab ich gedacht
Dabei den Schlusspfiff wohl verpasst
Nichts weiter als: Los! Stop! Schade!
Wir sind der Pille auf der Spur
Wir versenken sie
Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00
Achtet mal drauf beim Audiowalk von Reclaim – Safe Harbour – einem zweistündigem Gang durch die Stadt: #Kopfgrätsche–Faheem ist darin zu hören. Und wenn man es weiß, hört man sogar, dass er von zwei Fußballterminen in der Woche spricht.
Weitere Termine findet ihr hier: SAFE HARBOUR – Ein Hörspaziergang über Migrationsgeschichte.
„Ronaldo drängt auf BVB-Wechsel!“ Nur eine ganz normale Wahnsinnspushmitteilung in diesem Sommer. Und das schafft es kaum den Puls so weit hochzutreiben, wie es vielleicht die Meldungen „Rhein versiegt!“, „Kopfgrätsche-Samstag (10:30) und -Mittwoch (18:00) mit dreißig Mitspielern!“ oder „MV wird Frackinggebiet!“ hinbekommen würden. Nun soll also Dortmund Ronaldo-Gebiet werden, wenn sich nicht noch ein Club in Abu Dhabi findet, der dem Weltstar den sandigen Teppich ausrollt. In Dortmund waren sie jetzt gar nicht sooo überzeugt, sonst hätten sie ja nicht den Schiebermützendieb von den kölschen Peaky Blinders mit dem letzten Geld losgeeist. Aber Ronaldo hat sich entschieden und was soll man dann dagegen machen? Vielleicht wird man wenigstens im Tausch noch ein paar Ladenhüter wie Akanji, Meunier oder Nico Schulz nach Manchester los. Bei United ist man nach zwei Spieltagen und Niederlagen gegen Brighton und Brentford schließlich schon die Lachnummer der gesamten Fußballwelt. Sogar Elon Musk hat einen Kauf des Clubs in Aussicht gestellt. Und seit seinem Klingelstreich bei Twitter weiß man doch, was davon zu halten ist. Meme-Twitter kriegt sich natürlich gar nicht mehr ein und produziert inflationär Maguire-to-Mars-Content. Marschester United höhöhö. Am Ende wird Elon Musk etwas komplett anderes mit seinem Krypto-Geld machen, aber momentan klickt es halt gut, wenn man sich auch noch in die Prügelei gegen die Red Devils mit einreiht. Ronaldo wird aber nicht gern verhauen und sucht lieber die Echte Liebe. Er passt als Exot nach Dortmund natürlich wie Kaiman Sammy in den Baggersee. Aber erst wenn das Sommerloch vorüber ist, werden wahrscheinlich in Dortmund wieder Alltagsthemen diskutiert. Leider wird sich dann niemand mehr an den Sommerflirt mit dem Kurschatten Ronaldo erinnern, wenn Akanji, Meunier und Nico Schulz wie gewohnt den Ball verstolpern.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.