… and you will know us by the Trail of Dad

Das letzte Kapitel der WM ist nun also auch geschlossen: die Phase, in der die jungen Entdeckungen des Turniers zum Hypetarif zu einem Weltclub wechseln, während die Alten den Rücktritt aus den Nationalteams antreten. Nach hunderten von Länderspielen muss man schließlich auch mal kritisch nachrechnen, ob das vor der Rente mit 63 wirklich noch etwas mit dem WM-Titel wird. Falls nicht, kann man sich ja eventuell mal wieder bei der eigenen Familie ins Gedächtnis rufen. Dabei wird man oftmals überrascht, dass der Erstgeborene inzwischen selbstständig laufen kann und kurz davor ist den ersten Profivertrag zu unterschreiben. Was ganz praktisch ist, weil der dann beim nächsten WM-Zirkus versuchen kann, dem Familiennamen Ehre zu machen. Selten wird aus dem Gedankenspiel Realität, aber dennoch ist wichtig, dass man eine Extrakamera auf den Herrn Papa auf der Ehrentribüne richten kann, der versucht angemessene Gefühlsregungen zu den Feld-Aktionen des Filius zu liefern. Manchmal ist es aber schon herausfordernd genug als Vater einigermaßen nüchtern zu wirken. Frag nach bei Alf-Inge Haaland. Auch Père Thuram, Padre Simeone oder Baba Zidane kennen die Argusaugen auf sich, schließlich denkt jeder ganz romantisch, dass sie in ihrem Garten dem Nachwuchs alle Tricks beigebracht haben. Nach dem Rücktritt von Lionel Messi lohnt es sich natürlich schon mal zu gucken, ob die drei Söhne nicht ein wenig nach dem Vater schlagen. Thiago Messi spielt mit seinen 13 Jahren immerhin schon in der Jugend von Inter Miami und in vier Jahren muss der aktuelle argentinische Nationaltrainer ihn bestimmt in den WM-Kader berufen, wenn er in Ruhe arbeiten möchte. Hier habt ihr es zuerst gehört. Wenn ihr Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00 eure Soccer-Dads mitbringen wollt, könnt ihr das natürlich gerne tun. Sie sollten nur keine allzu großen Erwartungen an die Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Kinder haben. Die nächste WM werden wir sehr wahrscheinlich doch wieder nur als Zuschauer erleben.      

Zweimal 2. Wahl

Die Bundesliga ist zurück und es fällt schwer zu sagen, welche Saison das eigentlich ist. Natürlich weil das Kicker-Sonderheft seit Jahrzehnten sein Cover eigentlich nicht verändert hat. Und die Bundesliga selbst auch bei Platz eins einfallslos Copy und Paste kultiviert hat. Aber auch sonst gibt einige Spieler-Verein-Kombinationen, die irgendwie nach 2023 klingen. Nkunku bei Leipzig, Diaby in Leverkusen, Füllkrug und Dinkci in Bremen, Skhiri in Köln oder Itakura bei Gladbach – wer oft einst auszog, um in der großen weiten Fußballwelt den nächsten Schritt zu machen, macht inzwischen wieder zwei Schritte zurück und versucht es noch einmal mit der Jugendliebe. Der große Glamour wartet dort nicht, aber immerhin eine warme Mahlzeit am Tag und ein trockener Platz zum Schlafen. Die Ansprüche haben sich rechtzeitig runtergepegelt und auch die aufnehmenden Vereine sind froh eine paar alte Merch-Artikel recyclen zu können. Das kann man auch super als Achievement im Nachhaltigkeitsbericht vermerken. Nur in Dortmund ziert man sich noch den einstigen Rekordtransferspieler Jadon Sancho zum Nulltarif einfach wieder einen Praktikanten-Job als Pförtner oder Hausmeister anzubieten, um ihn dann ausschließlich in nostalgischen Gefühlen zu bezahlen. Es ist auch nicht einfach sich einzugestehen, dass man wie Bernd Begemann schon sang „Zweimal 2. Wahl“ ist. Hier wäre noch Platz für ein unnötiges Wortspiel über einen unnötigen Wal auf den Schwedenlauf-Trikots. „Kein Oscar für die beste Nebenrolle, wir sind nicht einmal nominiert. Ich bin nicht das was du dir aussuchst, ich bin das was dir passiert. Keine rauschenden Feste für uns, keine Tabletts voller Kokain. Das ist nicht so unsere Welt, das ist mehr so die Welt von ihr und ihm. Oh ja, die beiden feiern in diesem Augenblick, sie singen und tanzen am anderen Ende der Stadt. Währenddessen sitze ich hier mit dir unter dieser Stehlampe und man lernt zu schätzen was man an einander hat.“ Auch wir haben diese Woche wieder ein Angebot für zweimal 2. Wahl am Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Lass uns gemeinsame Hobbys entwickeln, man kann so wundervoll Sportschau gucken mit dir.     

The Dorfanger Games

Erste Runde DFB-Pokal ist irgendwie wie eine Landtagswahl im Osten, oder? Journalisten aus durchgentrifizierten Städten schlagen den Diercke-Weltatlas auf und suchen mit dem Finger nach eigenartig klingenden Orten ohne Wikipedia-Eintrag. Die Anreise dahin muss dem angeschlossenen Funkhaus auf jeden Fall als Roadtrip verkauft werden. Vor allem weil man dorthin nicht mit dem Deutschlandticket reisen kann. Sogar der Range Rover könnte auf den asphaltierten Feldwegen seine liebe Mühe haben. Aber mit der Jack-Wolfskin-Jacke und einer Cargo-Hose sollte man das Abendteuer wagen können. Ob das Navi einen wirklich zum richtigen Krieschow, St. Tönis oder Rhynern leitet, ist schon die erste Ungewissheit. In der letzten Saison gab es kurz die Hoffnung, dass auch Wismar vielleicht einmal wieder nach Jahrzehnten der Abgeschiedenheit angesteuert wird. Aber vielleicht sollten wir ganz froh sein, dass hier nicht am Schwedenfestwochenende neben Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) auch noch DFB-Pokal gespielt werden muss. Das wäre wie Bundestagswahl mit zeitgleichem Marathon. Und der Schwedenlauf an den ganzen Wahlplakaten vorbei, kann uns schon das ultimative Berlin-Gefühl bescheren. Vielleicht ist es auch ganz gut so, dass die rasenden Reporter nicht bei der Jagd nach originellen Äußerungen sich fragen müssen: ist das das nur sehr undeutliches mecklenburgisch oder schon schwedisch? Wenn man das grüne Ortsschild einmal abgefilmt hat, muss man meistens sowieso das nächstgrößere Stadion in Baumarktoptik beim nahegelegenen Gewerbegebiet suchen. Auf jedem Dorfanger wird dann doch nicht gepöhlt. Schließlich muss man sich den Once-in-a-Lifetime-Moment mit zweistelliger Niederlage irgendwie versilbern lassen. Nur den Sportpark Krieschow muss man wirklich besuchen. Aber der liegt an der A15 und ist sogar bequem mit der Regionalbahn von Berlin gut erreichbar. Nur die Schweden scheuen diese Weltreise und fahren früher ab.  

In Spielzeiten des abnehmenden Lichts

Wann die letzte spektakuläre Sonnenfinsternis in unseren Breiten war, war in unserer Erinnerung nicht so einfach herauszufinden. Aber dass wir just in dem Moment einer SoFi Kopfgrätschten, dürfte eine Premiere gewesen sein. Eine hundertprozentige Sonnenfinsternis ist natürlich nicht so häufig zu beobachten und das letzte mal in Mitteleuropa gab es die im Jahr 1999. Die Frühergeborenen erinnern sich vielleicht noch wie sie an einem 11. August damals durch eine Spezialbrille und mit Furcht vor dem Millennium-Bug in der absoluten Finsternis standen. Unser Bundestrainer war Sir Erich Ribbeck und ich musste das erste mal nach Wismar, um mich für ein Studium einzuschreiben. Partielle SoFis gab es seit dem aber noch einige. Z.B. am 31.05.2003, was tatsächlich ein Samstag war. Allerdings konnte man die am besten in Schottland und Island beobachten und wahrscheinlich schauten wir vom Kopfgrätschen am Samstag nicht einmal zum Himmel. Unser Bundestrainer war Rudi Völler und der hatte mit Island nicht so gute Erfahrungen gemacht. An die partielle Sonnenfinsternis am 04.01.2011 kann man sich aufgrund des Jahresanfangs eventuell noch erinnern. Der Dienstag war aber garantiert kein Kopfgrätsche-Tag und wer damals Bundestrainer war, habe ich leider vergessen. Wahrscheinlich der Gleiche wie am 20.03.2015. Einem Sonntagmorgen. Sie wird zwar als Totale SoFi mit 83% gewertet, aber sie war kaum auf Land zu beobachten. Und Land ist beim Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) nun einmal eine essenzielle Zutat. Und Licht eigentlich auch. Deshalb sind wir froh, dass das Risiko weiterer einschränkender SoFis auf absehbare Zeit gering ist. Denkt deshalb auch weiterhin an Sonnencreme. Bundestrainer Jürgen Klopp empfiehlt dieses Produkt zum erfolgreichen Spachteln: https://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/-Brand-Active-holt-Juergen-Klopp-fuer-Metylan-vor-die-Kamera-97144. Dass diese Nachricht von dem Tag einer partiellen Sonnenfinsternis stammt, kann kein Zufall sein…  

Drei Meckerecken ein Elfer

„An jeden, der unser schönes Spiel (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00), die Emotionen, die Feierlichkeiten, das Lachen, das Weinen, den Betrug und die Freude verpasst hat. An alle von euch, die verpasst haben zu sehen wie Kinder, Babys, Großeltern zusammenkamen für das schöne Spiel: Ich sage Entschuldigung, dass diese Spiele nun vorbei sind und schade, dass ihr all die Freude und das Miteinander verpasst habt. Schade, dass ihr so verbraucht seid von Hass und Kritik, dass ihr all das verpasst habt.“ Das könnt ihr euch gerne mit Italoschweizer-Akzent laut vorlesen und euch fragen, ob es wirklich nachvollziehbare Gründe gibt, auf Emotionen, Feierlichkeiten, Lachen, Weinen, Betrug und Freude Samstag und Mittwoch zu verzichten? Seid ihr am Ende keine willfährigen Claqueure, die Kindern, Babys und Großeltern ihre naive Freude missgönnen? Stellt ihr unbequeme Fragen zur Organisation, zu den Anstoß- und Pausenzeiten, zur Leibchenpolitik oder sogar zu den brandneuen Regeln wie Kniehöhe und Handspiel? Es passiert doch nur zu eurem Spaß und Miteinander. Da kann man doch wirklich nur etwas dagegen haben, wenn man ein notorischer Dauernörgler ist, der auf den ewig spaßbefreiten Berti Vogts hört und Hass nicht auf den Fußballplatz trägt. Wenn man erst einmal so weit wie Gianni ist, bekommt man wahrscheinlich nicht einmal mit, dass sogar Kritiker im Stadion sitzen, die pfeifen und buhen, wenn man im Bild zu sehen ist. Vielleicht haben die Kritiker auch gar keine WM-Spiele verpasst, weil sie so verbraucht waren vom Hass. Vielleicht lag es nur an den langen Warteschlangen am Hotdogstand während der Hydrationbreak. Während die Kinder, Babys und Großeltern brav auf ihrem Platz gewartet haben. Und weil wir weder einen Getränkewagen noch einen Hotdogstand haben, kann uns das nicht passieren. Die Pause dauert eine Zigarettenlänge und wenn man nicht zu früh geht, bekommt man den ganzen Betrug mit und am Ende sogar ein Foto davon.     

Wolle WM kaufe?

Man guckt besser nicht zu genau hin, in welche Fondsanteile man da so reininvestiert hat. Das Tolle an Investoren ist: die investieren in alles Mögliche und da könnte auch mal was Nettes dabei sein. Für den erfolgreichen Mix muss man sein Geld natürlich trotzdem ein paar Rüstungskonzernen, Erdölstaaten und Schlachtbetrieben geben. Sonst kommt ja nix bei rum. Aber stellt euch vor: man findet heraus, dass man indirekt über drei Cent an der FIFA-Fußballweltmeisterschaft hängt. Kann man da morgens noch guten Gewissens in den Spiegel schauen? Da überkommt einen doch während der Hydration Break, in der man gerade auf MagentaTV alle Werbespots mit Jürgen Klopp guckt, der pure Selbsthass, oder? Und am Ende der Commercial Break ist Giannis Gebiss noch breiter als das vom Bundestrainer. Es sei denn: im Finale gewinnt doch die falsche Mannschaft aus einem Kontinentalverband, bei dem man als bestechlicher Funktionär sogar manchmal von Gerichten geärgert wird. Michel Platini wollte als UEFA-Präsident 2015 sogar als FIFA-Präsident kandidieren. Aber er schien offensichtlich nicht geeignet, weil ihn zuerst die FIFA-Ethikkommission und später sogar der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufhalten konnten. Stattdessen wurde Gianni Infantino als Ersatzkandidat vor 10 Jahren FIFA-Präsident. Er hätte noch zurückgezogen, wenn Platini zur Wahl zugelassen worden wäre. Aber am Ende war der Franzose wohl doch zu knauserig, um sich anständig aus der Sperre herauszukaufen. Er würde wahrscheinlich auch keine Einmalzahlung 20 Mio US-Dollar für jeden Verband ausloben, um die WM endlich aus der Liebhaberei zu einer profitablen Geschichte zu machen. Und seien wir mal ehrlich: das mit der Liebhaberei ist was für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Zur Primetime muss man schon das ganze Haifischgebiss zeigen.

Noch eins für Oma

Ihr kennt es von euren Urlaubsfotos. Immer guckt einer blöd oder da ist doch tatsächlich im Budget Hotel eine dicke Kakerlake mit aufs Bild gerutscht. Oder weil im Pool natürlich nicht wirklich viel Platz ist, ist ein Bildausschnitt ohne rotnackige Phänotypen kaum möglich. Früher war einfach die Bildauflösung schlecht und auch das reduzierte Farbspektrum löste manches Problem. Bei besonders wichtigen Erinnerungsbildern, die man auch mal an Oma schicken möchte, kann man aber torkelnde Photobomber nun wirklich nicht gebrauchen. Was also tun, wenn die sich dennoch renitent mit vor die Linse drängeln? Genau, dafür gibt es inzwischen diverse KI-Funktionen. Ein simpler Prompt und der creepy Onkel ist aus der Geschichte getilgt. Ob Donald Trump daran gedacht hat als er sich bei den spanischen Weltmeistern mit aufs Bild schummeln wollte. Oder ob er wenigstens daran gedacht hat, als er Techkonzerne mit KI-gestützten Bildbearbeitungstools im Portfolio gefördert hat? Es ist doch nun wirklich keine größere Aufgabe mehr. Da war es schwieriger damals Leo Trotzki aus dem Bild zu stempeln. Oder die Mannschaftsbilder der Bundesligisten im Kicker-Sonderheft von allen im Unfrieden gegangenen späten Abgängen zu befreien bzw. für den neuen Starspieler den dicken Zeugwart als Körperdouble einzusetzen. Dann musste man noch aufwändig ein viel zu dunkel aufgenommenes Passbild mit Licht von der falschen Seite drüber basteln. Nicht einmal Torsten Legats zu hoch gezogene Buxe konnte man nachträglich im Abzug vom Rossmann korrigieren. Diese Geldstrafe dafür müsste Legat nun nicht mehr zahlen. Wieder einfach verdientes Geld mit dem Schalke nicht mehr planen könnte. Spanien hat dagegen alle Möglichkeiten. Donald Trump einfach in Sekunden entfernen oder aus ihm wahlweise den spanischen König oder Lamine Yamals Bruder machen. Auch wir machen Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) nach Spielende wieder ein Bild für Oma. Obwohl ihr trotz eventuellem Urlaub nachträglich der Krankenkasse beweisen könntet, dass ihr beim Sport gewesen seid, schickt bitte wenigsten den dicken Zeugwart als Körperdouble.