Erste Runde DFB-Pokal ist irgendwie wie eine Landtagswahl im Osten, oder? Journalisten aus durchgentrifizierten Städten schlagen den Diercke-Weltatlas auf und suchen mit dem Finger nach eigenartig klingenden Orten ohne Wikipedia-Eintrag. Die Anreise dahin muss dem angeschlossenen Funkhaus auf jeden Fall als Roadtrip verkauft werden. Vor allem weil man dorthin nicht mit dem Deutschlandticket reisen kann. Sogar der Range Rover könnte auf den asphaltierten Feldwegen seine liebe Mühe haben. Aber mit der Jack-Wolfskin-Jacke und einer Cargo-Hose sollte man das Abendteuer wagen können. Ob das Navi einen wirklich zum richtigen Krieschow, St. Tönis oder Rhynern leitet, ist schon die erste Ungewissheit. In der letzten Saison gab es kurz die Hoffnung, dass auch Wismar vielleicht einmal wieder nach Jahrzehnten der Abgeschiedenheit angesteuert wird. Aber vielleicht sollten wir ganz froh sein, dass hier nicht am Schwedenfestwochenende neben Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) auch noch DFB-Pokal gespielt werden muss. Das wäre wie Bundestagswahl mit zeitgleichem Marathon. Und der Schwedenlauf an den ganzen Wahlplakaten vorbei, kann uns schon das ultimative Berlin-Gefühl bescheren. Vielleicht ist es auch ganz gut so, dass die rasenden Reporter nicht bei der Jagd nach originellen Äußerungen sich fragen müssen: ist das das nur sehr undeutliches mecklenburgisch oder schon schwedisch? Wenn man das grüne Ortsschild einmal abgefilmt hat, muss man meistens sowieso das nächstgrößere Stadion in Baumarktoptik beim nahegelegenen Gewerbegebiet suchen. Auf jedem Dorfanger wird dann doch nicht gepöhlt. Schließlich muss man sich den Once-in-a-Lifetime-Moment mit zweistelliger Niederlage irgendwie versilbern lassen. Nur den Sportpark Krieschow muss man wirklich besuchen. Aber der liegt an der A15 und ist sogar bequem mit der Regionalbahn von Berlin gut erreichbar. Nur die Schweden scheuen diese Weltreise und fahren früher ab.