Das Nerdderby: Wer bin ich? (Folge 5)

Gute Nachrichten für die Birne: der Mystery-Kandidat der letzten Woche wurde tatsächlich erraten. Die geistige Fitness ist also immerhin noch bei 100%. Gesucht war Andrea Pirlo, der Fixstern des italienischen Mittelfelds über sehr viele Jahre. Zwischen Mailand und Brescia geboren, machte er seine ersten kurzen Schritte in Brescia an der Seite von Manni dem Libero Binz. Als Interfan wurde er bei den Nerazzurri den großen Erwartungen nicht gerecht. Milan und später natürlich Juve haben mit ihm dann Titel in Serie gefeiert. Sechs italienische Meisterschaften, 2 Champions-League-Titel und der WM-Pokal sprechen für sich. Noch heute wacht Jogi Löw schweißgebadet auf, wenn er an die Duelle mit Italien bei der WM 2006 oder der EM 2012 denkt. Den kleine Regisseur hatten sie irgendwie immer übersehen. Auch als er 2011 mit 32 von Milan zu Juve wechselte, dachte man, dass er vielleicht noch zum Abschluss seiner Karriere ein paar Spiele machen wird. Vier Jahre und vier Meistertitel später ging er zum wirklichen Abschluss seiner Karriere für ein halbes Jahr nach New York. Der Uber-Eats-Spot für die WM2018 passt gut in die Zeit. Pirlo guckt Fußball auf der Couch und lässt sich Essen liefern – es könnte nicht aktueller für uns sein.

Aber nun die Staffelstabübergabe an den Prominenten im Sack von dieser Woche. Ich spielte in meiner Karriere zusammen mit:

Karim Benzema
Fernando Morientes
Éric Abidal
Sylvain Wiltord
Nwankwo Kanu
James Milner   
David James
Sol Campbell
Olof Mellberg
Fabio Grosso
Patrik Berger
Zvjezdan Misimovic
Markus Babbel
Ugur Inceman
Gábor Király

Auch ich hatte eine lange Karriere. Wahrscheinlich haben viele schon gedacht, dass ich schon längst in Rente bin. Das hat mich aber nicht davon abgehalten noch lange nach meinen Karrierehöhepunkten weiter zu spielen. Besonders das eine Turnier war ärgerlich, wo ich Mitglied einer der besten Mannschaften meines Landes war. Aber wir flogen aus dem Turnier, weil wir 105 Minuten gegen die Maurermeister spielten und die zweite Hälfte der Verlängerung nach dem unglücklichen Gegentor in der Nachspielzeit der 1. Hälfte der Verlängerung nicht mehr angepfiffen wurde. Es war das erste und einzige Tor dieser Art. 

Das Nerdderby: Wer bin ich? (Folge 4)

Eine Woche nach dem kleinen Nordderby kommt hier wieder das große Nerdderby. Auch wenn für viele das Rätsel warum wir nicht nach draußen zum Kopfgrätschen dürfen groß genug ist, wartet hier auch eine harte Nuss. In meiner langen Karriere habe ich mit einigen namhaften Spieler zusammengespielt:

Roberto Baggio
David Beckham
Jaap Stam
Patrice Evra
Robbie Keane
Frank Lampard
Nicklas Bendtner
Paulo Sousa
Kevin-Prince Boateng
Marcio Amoroso
Ronaldo
Ronaldinho
Rivaldo
David Villa
Kingsley Coman
Manfred Binz

Da kann man sich denken, dass der Trophäenschrank fast nichts zu wünschen übrig lässt. Leider bin ich bei meinem Lieblingsverein gescheitert, um dann beim Erzrivalen den Durchbruch zu schaffen. Bei der letzten WM war ich tatsächlich auch noch dabei. Zwar hatte sich mein Land nicht qualifiziert, aber in den Werbepausen konnte man dennoch mein schauspielerisches Talent genießen. Das soll nun aber an Worten zu mir reichen.

Wachen, lesen, lange Spielankündigungen schreiben

Für die Profis war schon vor der Saison klar: wir machen es diesmal auf die feine englische Art. Na gut, nicht ganz. Das würde ja bedeuten, dass man den Boxing Day zwischen Frühstück und Gänsebraten im Stadion verbringen kann. Aber sonst wird natürlich schon fleißig versucht, den Terminstau mit englischen Wochen und ohne Winterpause aufzuholen. Da ist es natürlich kontraproduktiv, wenn die Amateure auch noch selbst spielen. Sonst geht einem wichtiges Fernsehpublikum verloren. Deshalb bleiben wir im November in Reichweite des TVs oder Livestream, um bloß nichts von den professionellen Ballkünsten zu verpassen. Dazu passt am besten eine Tasse heißes warmes Wasser und Biscuits. Streng nach der Ted-Lasso-Methode, dessen sonniges Gemüt einem die raren Pausen zwischen den Profi-Matches im November Rain aufhellen kann. Aber nur falls ihr tatsächlich einen Überblick habt, ob nach DAZN, Sky, Magenta TV, Netflix, Hulu und Disney+ Geld für noch mehr Streaming übrig ist. Am Samstag 10:30 gilt es aber sich noch einmal eine große Portion frische Luft abzuholen. Bis sich irgendwann das letzte Tor hinter uns schließt. Nächste Woche bleibt dann nur noch den Ball aus der Tasche zu holen und ihm diese Zeilen zur Beruhigung vorzusingen:

Sometimes I need some time on my own
Sometimes I need some time all alone
Everybody needs some time on their own
Don’t you know you need some time all alone

And when your fears subside and shadows still remain
I know that you can love me when there’s no one left to blame
So never mind the darkness, we still can find a way
‚Cause nothin‘ lasts forever, even cold November rain.

Die Kampfbahn der gewöhnlichen Fußlümmel

Die Gentlemen Spieler treffen sich im Park Samstagvormittag (10:30) und Mittwochnachmittag (17:00). Und bald überall trat man gegen den Ball – am Samstagvormittag. Das ist nur eine Mode und schnell vorbei, das dachten die Bürger um 1903. Doch Arbeiter und Schüler und die Gentlemen Spieler sie liebten die Fußlümmelei. Nimm mich mit, nimm mich mit zum Spiel. Denn die Menschen, der Lärm, die halbleeren Ränge, der Rasen, das Licht, die obszönen Gesänge geben mir ein gutes Gefühl – Oh, nimm mich mit zum Spiel. Programmhefte voll mit Zahlen, vergebene Elfer und Höllenqualen, im Gästeblock ein bengalisches Feuer, Chancentod und Kopfballungeheuer. In der Pause läuft wieder „Eye of the Tiger“, die Typen spielen wie die Absteiger. „Wie lange noch nach deiner Uhr?“ Der Torwart hat eine bizarre Frisur. Die Kampfbahn im Sonnenschein wartet auf den letzten großen Bohemian außerhalb von Prag. Alle Ampeln stehen auf Gelb und versprechen Frustration und Herbstferien für immer. Aber wärst du nicht hier wo wärst du dann? Die Welt braucht mehr Leute so wie dich. Als fünfter Four Top läufst du links, rechts, geradeaus. Du denkst: so primitiv, hässlich und faul, Musik und der HSV. Aber ich sage dir: you are great but people are shit. Denn meine Kicks krieg ich von dir. Und das Beste: ich bin gut genug für dich. Es kann schon sein, dass mir Talent fehlt. Ein Umstand der mich nicht sehr quält. Tausch und Gebrauchswert sind mir einerlei denn: Mein Metier ist die Liebhaberei. In der Kunst sind doch oft die Interessanten, die Underachiever und die Dilettanten. Ich hätte zwar nichts gegen Geld oder Ruhm, doch bin ich nicht gemacht für’s Profitum. Vielleicht ergibt der Quatsch für Dich keinen Sinn. Und trotzdem wurschtel ich weiter vor mich hin. Das ist mein Stil und den mag ich sehr. Und deshalb bin und bleib ich ein Amateur.

Kom binnen en zoek het uit

Eindhoven? Wirklich? Da haben wir uns also wieder einmal ordentlich vertan. Brazzo holte zwar am Deadline Day alles was kurz vor dem Lockdown noch im Regal lag, inklusive einer Rolle Butterbrotpapier, einer Tüte Senf und Eric-Maxim Choupo-Mouting. Zwar hatte ihn Uli Hoeneß nur mal kurz für eine Flasche 4711 und etwas Bartöl zu Douglas geschickt, aber er hatte das wohl falsch verstanden. Uli war trotzdem erleichtert, denn immerhin hatte Brazzo nicht 47,11 Mio ausgegeben. Mario Götze muss er dennoch aus Versehen übersehen haben. So war am Ende auch der Weltmeistermacher selbst überrascht, dass er nun in eine Stadt zieht, die erst um 1900 durch eine Glühlampenfabrik wirklich erst den Dorfstatus ablegen konnte. Aber dort haben ja doch durchaus namhafte Kicker das rot-weiß-gestreifte Trikot getragen. Es hat sogar Ronaldo (den Dicken) schlank gemacht. Und auch Granaten wie Romario oder Ruud van Nistelrooy haben es genossen hier in jeden Spiel zwei bis drei Buden gegen Zwolle, Waalwijk oder Almelo zu erzielen. Das kann man MG19 nur wünschen. Ein anderer Deutscher hatte in Eindhoven nicht ganz so viel Glück. Die magere Torausbeute mag natürlich an seiner Position gelegen haben. Aber auch sonst machte Georg Koch als er 1997 aus Düsseldorf zur PSV wechselte nicht viele Spiele. Immerhin war eins in der Champions League dabei. Dennoch holen wir voller Vorfreude die orangenen Leibchen von der Leine und schwitzen sie Samstag 10:30 und Mittwoch 17:00 dunkelorange.

Die Sandmannschaft

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger der Kopfgrätsche,
Wenn man einmal das Wunder erlebt hat, unseren roten oder grünen Platz aus der Nähe des Bodens zu betrachten, sieht man die Dinge anders. Dort unten in den Weiten des Kunststoffgranulats kommt einem das Leben der Menschen klein und unbedeutend vor. Man fragt sich was die Menschheit erreicht hat? Welche Ziele hat sie sich Samstag 10:30 und Mittwoch 17:00 gestellt? Und welche hat sie verwirklicht? Unser Platz hat morgen Spieltag. Aus dem Kosmos gesehen ist es ein sehr kleiner Platz. Und doch sind in den letzten Jahren tausende Menschen zu uns gekommen. Menschen, die wir früher als Gegenspieler gesehen haben, die heute hier mit uns kopfgrätschen wollen. Wir wissen, dass unser Platz nicht perfekt ist. Aber das woran wir glauben, begeisterte immer wieder viele Menschen aus aller Welt. Vielleicht haben wir unser Tor manchmal aus den Augen verloren. Doch wir haben uns besonnen. Kopfgrätsche, das heißt nicht sich einzumauern. Kopfgrätsche, das heißt auf den Anderen zuzugrätschen. Mit dem Anderen zu leben. Nicht nur von einer besseren Halbzeit zu träumen, sondern sie wahr zu machen. Ich habe mich daher entschlossen, die Grenzen der Kopfgrätsche zu öffnen und den Ball über den Zaun ins All zu schießen.

Bottiglia vuota

Ciao Ragazzi! Comme stai? Comme ci, comme ça, Fideralala? Italiano è una linguini simplissimo. Parlo italiano colloseum. Ma c’è una pui bella cosa della vita non capiche. Scusi, perchè il nome di una squadra di calcio è Juventus e vecchia signora? Perchè, Stronzo? Vaffanculo! Questo è bello e impossibile. Mangi la crosta da Chiellini quattro stationi? Con aglio e olio? Delizioso come gelato. E mio nuovo collega, se passo il test. In bocca al lupo. Il treno dei desideri. Se bastasse una bella canzone. Barça dice: via con me! Con te partirò. Mio Piano Beta? Vamos à la playa? Ohohohohoh no! Ecco la testa a cavallo. Si si. Calcio il sabato 10:30 e il mercoledì 17:00. Un po‘ Frutti di mare. Causa della luce. O sole mio. Estate è finito. Bella ciao. A domani, Luigi Suárez.

Wake me up before Thiago

Wann wäre noch mal ein guter Zeitpunkt, um die Töppen an den Nagel zu hängen? Und was sollte man mindestens im Xing-Profil  eingetragen haben, bevor man getrost sagen kann: „Macht’s gut ihr Trottel!“ Mario Götze hat diese Frage jetzt für sich beantwortet und bewiesen: er ist kesser als Messi und verzichtet auf einen Vorruhestand auf die André Horst Schürrle-Art. Einmal noch die Champions League gewinnen, das fehlt dem Weltmeister noch im Portfolio und sollte auch seinem Berater noch eine nette Prämie bescheren. Kevin Großkreutz hätte zwar auch noch einen besonders hübschen Teil seines Körpers für ein Henkelpott-Tattoo reserviert. Aber ob er warten kann, bis der Uerdingen-Russe Europa erobert hat? Da machen vorher doch die Knochen schlapp. Aber Uns Mario kann ja durchaus noch ein paar Jährchen in Bella Italia sich das Pastabäuchlein vollschlagen und damit die Tattoofläche großzügig erweitern. Das wurde auch schon Messi (4 Champions League Tattoos) angedichtet. Dieser hatte zwar recht deutlich „Macht’s gut, ihr Trottel!“ gerufen, dann aber peinlicherweise vergessen, rechtzeitig die Kündigung von seinem Vater einreichen zu lassen. Nun bleiben die Messis doch noch länger und müssen so tun, als ob sie ganz viel Lust auf ein weiteres Jahr Barcelona haben. Auch bei den Alabas hat der Papa bisher immer brav alles unterschrieben, was ihm Uli Hoeneß vorlegte. Doch der bescheidene und bodenständige Schwabe wähnt sich inzwischen im Club Las Piranhas und musste zuletzt aufgrund horrender Forderungen Thiago nach England verschenken. Nicht, dass der FC Bayern am Ende gezwungen ist, seinen Kader mit Weltmeistern aufzufüllen, die noch einmal die Champions League gewinnen möchten. Mein Berater hat mir geraten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 etwas kleinere Ziele anzupeilen. Maximal der DIA-Turnier-Pokal wäre noch drin. Dafür halte ich zwischen Goldener Eins und der Leuchte des Nordens einen Ehrenplatz auf meinem Rücken frei.

Risikobegegnung der dritten Art

Mea culpa. Mea maxima culpa. Das hätte so ein schöner Warntag 2020 werden können. Alles war vorbereitet. Die Sirenen, Hörner, Glocken, Rasseln und Apps waren scharf gestellt. Sogar die Flitzerblitzer-Warner im Radio und Karl Lauterbach im Lanz-Studio waren bereit für eine apokalyptische Minute voll Panik. Und es hätte natürlich super zu 2020 gepasst. Aber 2020 wäre nicht 2020, wenn auch das nicht komplett in die Hose gegangen wäre. Irgendwie hat sich niemand so richtig vollumfänglich gewarnt gefühlt. Leider können auch wir uns nicht komplett aus der Verantwortung rausnehmen. Wo war denn die Kopfgrätsche-Warnung für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00? Es ist doch nicht zu unterschätzen, wenn ohne Vorwarnung der Nüschel des Verteidigers über den Rasen rutscht, um Ball, Wade und Grasnarbe gleichmäßig abzutragen. Ich meine, damit rechnet doch keiner. Das muss man doch irgendwie ankündigen. Mit diesem verspäteten Ernstfall-Alarm hoffen wir, dass ihr euch dennoch auf alle unvorhersehbaren Eventualitäten Samstag und Mittwoch seelisch vorbereiten könnt. Rechnet besser mit allem. Dieses runde Ding ist unberechenbar und bringt menschliche Körper in Ausnahmesituationen. Ob Jubel, Trauer, Freude oder Wut – alles steht Kopf und macht die Grätsche. Und da ich persönlich wieder ins Geschehen eingreife, möchte ich einen zusätzlichen Disclaimer an die nächsten Spieltermine hängen. Es besteht die akute Gefahr, dass ich besonders gelungene Schüsse urplötzlich mit dem Gesicht abfange. Wärmt also eure Lachmuskeln unbedingt auf. Es kann sonst zu schlimmen Zerrungen kommen.