Ein tolles Triell, …äh Quartell

Wenn ich Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 auf den Fußballplatz stolpere, hoffe ich auch immer, dass dort nicht junge Spieler auf mich warten, die tatsächlich vorher geübt haben. Man sieht halt immer blöd aus. Der Ball rollt nur so durch die Beine, wenn man denn das Glück hatte hinterherlaufen zu können und es gerade noch rechtzeitig zum Zweikampf zu schaffen. Wobei der Schulhofklassiker des guten alten biblischen Zweikampfes heute als ziemlich boring gilt. Es sollte schon ein modernes Triell sein, damit es etwas Abwechslung bei der Anwendung der Foltermethoden gibt. Good Cop, Bad Cop ist ja bei Verhören schon länger eine etablierte Taktik, um das Gegenüber aus der Reserve zu locken. Und wenn man dabei seine Peiniger unterschätzt, wird man zeitnah am Nasenring durch die Manege geschleift. Aber auch hier hat sich inzwischen der Begriff „Arena“ als Konsens durchgesetzt. Nichts klingt so schön nach Brot und Spielen im staubigen Rund, nach gesenkten fettigen Daumen und gnadenlosen Löwen, die danach die Knochen abnagen. Worauf aber fairerweise sehr genau geachtet wird, ist, dass zum Schluss alle genau die gleiche Zeit hatten, um sich zu blamieren. Das sollten wir auf jeden Fall auch hinbekommen, wenn denn alle pünktlich sind und nicht noch an der Pommesbude trödeln. Dort sich vorzubereiten, hat natürlich etwas Folkloristisches, aber dann darf man sich am Ende nicht wundern, dass einem diese trainierten Rotznasen Knoten in die Beine dribbeln, während man verwirrt versucht sich zu erinnern, welches der drei Tore man verteidigen muss. 

Lied vom Ende des Transferfensters

Hast du schon hast du schon gehört das ist das Ende
Das Ende vom Transferfenster, jetzt isses endlich vorbei

Vorbei vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vor-horbei
Vorbei, vorbei, vor vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei

Weißt du noch wir fuhren mit dem Sonnenwagen über das Vereinsgelände
Und wir pflückten das Spielermaterial aus den Kadern aus den Clubs
Und wir waren komplett
Weißt du noch wir regelten zwielichtige Leihgeschäfte übers Geld

Vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vor-horbei
Vorbei, vorbei, vor vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei

Weißt du noch
Wir hamm uns alle beflockt und zogen Schwarzmarkttrikots an
Weißt du noch als wir in Polyester gehüllt warn weißt du noch
Beflockt und in Polyester gehüllt und unsre Bäuche unsre kapitalistischen Bäuche

Vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vor-horbei

Der Transfermarkt, der alte Schlawiner
Is uns lang genug auf der Sporttasche gelegen
Vorbei, vorhorbei, vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei

Vorbei, vorhorbei, vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei
Is auch lang genug gewesen
Is auch lang genug gewesen

Hast du schon, hast du schon gehört, jetzt isses endlich vorbei
und Samstag zehnuhrdreißig und Mittwoch achtzehnuhr sind wir dabei

Luuk und Luka

Denkt denn auch mal einer an den Classico? Vermutlich nicht. Man muss auf jeden Fall tief ins Archiv des spanischen Fußballs hinabsteigen, um das letzte Duell Real gegen Barca zu finden, bei dem weder Ronaldo noch Messi auf dem Platz standen. Gespielt wird dieses Spiel in Zukunft natürlich trotzdem. Auch wenn die Welt dann vermutlich irgendetwas anderes macht, als kollektiv vor den Schirmen zu hängen. Die treulosen Fans ziehen einfach weiter und folgen dem Zirkus nach Frankreich oder England. Wer ein altes Ronaldo-Trikot aus Manchester-Zeiten noch irgendwo im Schrank liegen hat, kommt vergleichsweise billig aus der Affäre. Aber auch nur, wenn er es nicht öffentlichkeitswirksam im Garten verbrannt hat als Ronaldo schon fast bei ManCity war. Dann kam aber in einem unbeobachteten Moment plötzlich Sir Alex vorbei und beriet Ronaldo um. Hier muss es quasi umgekehrt gelaufen sein zu den Beratungsgesprächen, bei denen die Kinder und Enkel der 96jährigen Oma beim Ausfüllen der Briefwahlunterlagen „helfen“. Also in ungefähr so: Ronaldo: „Wo steht denn ManCity“ Fergie: „Ronaldo, WIR wählen ManUnited!“ Ronaldo: „Nicht City?“ Fergie: “ Nein United, du Bastard!“ Und dann wird er vermutlich Ronaldo einen seiner Schuhe an den Kopf geworfen haben. Der umgekehrte Enkeltrick hat also dafür gesorgt, dass Fußballromantiker, die sich an einen Classico ohne Ronaldo und Messi erinnern können, fast wehmütig werden könnten. An damals als Real noch mit Galaktischen wie Figo, Beckham oder van Nistelrooy spielen musste, um einigermaßen konkurrenzfähig zu sein. Bis Ende Oktober der Classico steigt, wird man sich bestimmt daran gewöhnen, dass Luuk de Jong, Luka Jovic oder wer da sonst noch so mitspielt halt auch mitspielt. Vielleicht denkt man in der Zwischenzeit sogar einmal öfter an Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00.

19. August 2021 – Schwedenläufchen auf dem künstlichen Rasen

Traditionen müssen gewahrt werden. Auch wenn Corona oder die alten Knochen dazwischen kommen. Kopfgrätsche ist nicht das erste Mal beim Schwedenlauf dabei. Zumindest ein Vertreter hatte versucht das Logo hochzuhalten. Zum Beispiel 2014 und 2015, aber 2018 war dann Schluss. Die Knie wollen nicht mehr. Jetzt zwingt auch noch Corona den Schwedenlauf in die Knie. Beim ersatzweisen Schwedenlauf-BATTLE läuft nun jeder für sich allein. 10 Mal die Strecke zwischen Wismar und der Partnerstadt Kalmar sollen zusammen erlaufen werden.

Die weißen Striche sind 13 gemächliche Lauf-Runden übereinander.

Und damit die Tradition trotzdem irgendwie weitergeh… laufen kann, ist der Kompromiss aus allem: Alleine laufen; altersgerecht auf dem Kunstrasen, die kurze 5-Kilometer-Distanz … Dabei sein ist alles.

14. August 2021 – Fußballtempel von Wismar-Süd

Smartphones können Vieles heutzutage. Das Nokia 8.3 5G aber eher unfreiwillig.
Es ist das aktuelle James-Bond-Smartphone. Ich pflege immer dazu zu sagen, dass James mit diesem Handy ziemlich aufgeschmissen wäre. Noch wissen wir ja alle nicht, wie der neue Film ausgeht. Gerüchteweise soll das Schrott-Smartphone ja auch aus dem Film rausgeschnitten werden. Hier in diesem #kopfgrätsche-Foto baut es immerhin einen Fußballtempel hinter die Baumwipfel Richtung Wismar-Süd. Guckt mal genau hin – da über dem grazilen Fußball-Kunststück des Kopfgrätsche-Rekordspielers.

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People have the Powerriegel

Der Kraftriegel des Fachkopfgrätschers ist rund. Inzwischen wahrscheinlich komplett vegan weil Tierhaut und Schweineblase zu teuer sind, aber das ist doch egal, wenn sich am Ende das Netz bauscht. Beim VW Betriebssport hat man in diesen Tagen nicht so leicht. Gerade hat man überstanden, dann sich vor dem Spiel beim Gegner für den Schummeldiesel entschuldigen muss, mit dem er nach 3 Tankstopps angereist ist. Dann verrechnet man sich noch ein weiteres mal knapp bei den Auswechslungen und wirft den sicheren Sieg im Pokalspiel weg. Und nun wird in der Betriebskantine die gute alte Currywurst mit Pommes durch ein hippes Sellerieschnitzel mit Zucchini-Nudeln ersetzt. Spätestens jetzt müssen natürlich Autoritäten einschreiten. Oder alternativ kann auch einfach ein gelangweilter Altkanzler mal was in den sozialen Netzwerken dazu posten. Am Ende wird das die Currywurst nicht zurückbringen, aber Acker hat für seine Mitspieler ein letztes mal die symbolische Grätsche für die Galerie ausgepackt. Und wenn man mit der Forderung nach einem Veggieday eine Wahl verlieren kann, warum kann man dann nicht durch die Verteidigung eines Wurstgerichts gewinnen? Olaf Scholz (ja, der aus dem Il Casale)  wird am Ende schon wissen, bei wem er sich bedanken muss. Allen, die bisher dachten, dass das Angebot für die diesjährige Bundestagswahl weder Fisch noch Fleisch ist, sollte nun klar sein: die SPD ist die Wurst. Die Wahl am Samstag 10:30 und / oder Mittwoch 18:30 sollte relativ leicht fallen. Wir schummeln nicht nur beim Diesel, wechseln mehr als 6 mal (auch zwischen den Teams) und bearbeiten eine vegane Schweineblase mit Wurstzehen. Wählt uns!     

Lionel Richie

Hat jetzt wirklich auch der letzte Dorfverein Messi den roten Teppich ausgerollt? Ich habe den Überblick verloren. Der Gag ist für den Social-Media-Post quasi Pflicht. Welcome to Aktivist Schwarze Pumpe. Come to Havelse. Willkommen beim geilsten Club der Welt, was natürlich Blaubach-Diedelkopf ist. Von den schlechten Photoshop-Montagen von Messi in den hässlichsten Trikots der Welt ganz zu schweigen. Sogar die Serie Ted Lasso muss damit leben, dass Messis Kopf auf einem Trikot des AFC Richmond durch das Internet geistert, obwohl die Rolle des ballverliebten Südamerikaners schon mit Dani Rojas sehr gut besetzt ist. Deshalb verkünden wir als erste und einzige Rumpelfusspfleger: wir haben jetzt kein absolutes Interessi an Messi. Es hält sich immerhin hartnäckig das Gerücht, dass er wenig für die Defensive macht, selten mal als Torwart aushilft und keine Ahnung hat bei wieviel Grad man die Leibchen wäscht. Wenn er Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:30 einen Ball mitbringt, könnte man sich das unter Umständen überlegen. Aber wenn unsere YouTube-Scouts Recht haben, besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass er diesen Ball jemals abspielen wird. Das könnte doch für leichte Spannungen sorgen. Dann könnte Lionel seine Ballzauberei eigentlich auch bequem im Home Office von Rosario aus erledigen. Es würden wahrscheinlich trotzdem ziemlich viele sehen wollen. Offensichtlich möchte er aber noch ein paar Jahre gutes Geld verdienen, so dass man ihn bald in dem Trikot eines neureichen Clubs mit angeschlossener Ölquelle sehen wird, die mindestens 70 Mio € pro Jahr bringt. Die Cleveren photoshoppen also besser mal eine Bohrinsel in die Bucht.

Kopfballpendelpauschale

Der neue Grenzwert ist da. In England durfte ihn diesmal die FA festlegen. Dessen Präsident immerhin Prinz William ist. Und obwohl sein Schädel für einen anständigen Flugkopfball wie gemacht zu sein scheint, begrenzt die FA in England jetzt die Anzahl der Kopfbälle pro Woche. Im Training sollen es für Profis und Amateure maximal 10 sein. Das klingt erst einmal kurios, hat aber einen ernsten Hintergrund. Erstmals haben Studien untersucht, dass viele Fußballer gar nichts für die unglücklichen Interviews am Spielfeldrand können. Man wird wohl tatsächlich nicht schlauer von Kopfbällen und hat ein erhöhtes Risiko im Alter neurokognitive Störungen bis hin zu Demenz und Parkinson zu bekommen. Eine direkte Verbindung konnte bisher nicht nachgewiesen werden, aber sicher kann man da auch von den Erkenntnissen beim American Football lernen. Wer immer noch lieber mit dem Kopf arbeiten möchte, sollte lieber auf die viel verträglichere Kopfgrätsche ausweichen. Sauber ausgeführt, erwischt man Ball und Gegner in einem vorteilhafteren Winkel. Dabei sollte man aber stets Knöchel oder Knie des nicht kopfgrätschenden Gegenspielers im Blick haben. Kommt es zu einem direkten Kopfgrätsche-Duell auf Höhe der Grasnarbe bitte darauf achten, dass die Arme eng am Körper geführt werden. Generell empfiehlt es sich die Bälle im Spiel mehrheitlich flach zu spielen. So minimieren wir signifikant die Kopfbälle zugunsten der Kopfgrätschen. Der Mindestwert für Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 sollte sich bei mindestens einer pro Spiel einpendeln. Wir werden laut mitzählen.  

Zweitklassenkasper

Zwischen EM-Katerfrühstück und Olympia-Eröffnungsfeier hat der Fußballgott noch den Start von zweiter und dritter Liga gesetzt. Das Transferfenster steht quasi noch auf Kipp, aber der Zirkus geht schon wieder los. Die zweite Liga, die seit dem Abstieg des FCK aus der Bundesliga jedes Jahr die beste zweite Liga aller Zeiten war, ist es jetzt wieder. Vor allem im Norden wird es eng bzw. eine Liga der kurzen Wege. Hansa hat die dritte Spielklasse rechtzeitig vor dem Aufstieg von Freiburg II verlassen und kann endlich mal beim Reisebudget sparen. Die Inflation der Nordderbys startet bereits am ersten Spieltag. Auch die Lücke im Westen, die der VfL Bochum zwischen Paderborn und Düsseldorf gerissen hat, wurde rücksichtsvollerweise vom FC Schalke gestopft. Sogar die DDR-Oberliga entsendet ganze drei Vertreter. Florentino Perez guckt schon ganz neidisch und wartet täglich sehnsüchtig auf eine Einladung in seinem Briefkasten. Ausgerechnet in diesem schweren Jahr wird der HSV mindestens die Relegation schaffen. Im nächsten Jahr steht er dann überrascht zwischen Augsburg, Fürth und Bielefeld und fragt sich was er da in der Bundesliga wollte. Dabei war die jahrelange Taktik doch gar nicht schlecht: wenn du es selbst nicht nach oben schaffst, warte einfach bis die erste Liga zu dir kommt. Auf dem Weg nach unten kommt schließlich so mancher Glanz vorbei. Frag nach bei Hansa und Jari Litmanen. Auch wir ruhen uns seit Jahren mit dieser Einstellung auf unserer Stagnation aus. Drum dümpeln wir auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 auf dem gleichen weder-Fisch-noch-Fleisch-Niveau herum. Ja okay, vielleicht wird es auch die beste Kopfgrätsche aller Zeiten. Aber vielleicht auch nur in deinem Kopf.     

Mit dem Dritten siegt man besser

Und plötzlich ist es auch schon wieder vorbei. Der Sommer noch nicht, aber mit der außerplanmäßiger Euro, zieht auch ein weiteres ausgefallenes DIA-Turnier an uns vorüber. Und damit gilt der letzte Eindruck der Jahresausstellung unserer Talente von 2019 und der ewige dritte Platz, der mit fortschreitender Zeit an Wichtigkeit und Legendenhöhe wächst. Bei dem einen oder anderen wird er in der Erinnerung gar zum zweiten Platz. Oder man kommt eventuell auf total abwegige Ideen, wenn man morgens beim Aufwachen den Pokal im Regal sieht. Leo Bonucci und Giorgio Chiellini haben sicher auch nicht gedacht, dass sie am Vorabend ein Elfmeterscheißen vergeigt haben, als die Trophäe da zwischen ihnen lag. Mit der Gravur der Silberware am Spielfeldrand, bevor der letzte Elfmeterschütze überhaupt zurück in den Mittelkreis gelaufen war, wird das natürlich auch sicher verhindert. Und die Euro hatte dennoch einen gewichtigen Nachteil: wo ist der dritte Platz? Bronze, Silber und Gold haben wir stets gewollt. Der olympische Geist begnügt sich vielleicht mit dem Dabeisein, aber gerade der olympische Wettbewerb hat in uns die Erwartung geweckt, dass drei auf dem Stockerl geehrt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: der Zweitplatzierte fühlt sich bei dieser Ehrung nicht als der erste Verlierer und seine Leistung wird auch entsprechend gewürdigt. Vielleicht nehmen die Finalverlierer, dann nicht direkt nach der Ehrung die Medaille ab und stecken sie verschämt in die Tasche. In den nächsten Wochen kann man das bei den Silbergewinnern von Tokyo2021 (oder 2020?) beobachten. Sogar bei den Fußballern. Nach dem Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 darf sich gern jeder weiterhin nach subjektiver Einschätzung am Ende als Sieger, Zweiter, Dritter oder einfach nur als Teilnehmer fühlen.