Und plötzlich ist es auch schon wieder vorbei. Der Sommer noch nicht, aber mit der außerplanmäßiger Euro, zieht auch ein weiteres ausgefallenes DIA-Turnier an uns vorüber. Und damit gilt der letzte Eindruck der Jahresausstellung unserer Talente von 2019 und der ewige dritte Platz, der mit fortschreitender Zeit an Wichtigkeit und Legendenhöhe wächst. Bei dem einen oder anderen wird er in der Erinnerung gar zum zweiten Platz. Oder man kommt eventuell auf total abwegige Ideen, wenn man morgens beim Aufwachen den Pokal im Regal sieht. Leo Bonucci und Giorgio Chiellini haben sicher auch nicht gedacht, dass sie am Vorabend ein Elfmeterscheißen vergeigt haben, als die Trophäe da zwischen ihnen lag. Mit der Gravur der Silberware am Spielfeldrand, bevor der letzte Elfmeterschütze überhaupt zurück in den Mittelkreis gelaufen war, wird das natürlich auch sicher verhindert. Und die Euro hatte dennoch einen gewichtigen Nachteil: wo ist der dritte Platz? Bronze, Silber und Gold haben wir stets gewollt. Der olympische Geist begnügt sich vielleicht mit dem Dabeisein, aber gerade der olympische Wettbewerb hat in uns die Erwartung geweckt, dass drei auf dem Stockerl geehrt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: der Zweitplatzierte fühlt sich bei dieser Ehrung nicht als der erste Verlierer und seine Leistung wird auch entsprechend gewürdigt. Vielleicht nehmen die Finalverlierer, dann nicht direkt nach der Ehrung die Medaille ab und stecken sie verschämt in die Tasche. In den nächsten Wochen kann man das bei den Silbergewinnern von Tokyo2021 (oder 2020?) beobachten. Sogar bei den Fußballern. Nach dem Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 darf sich gern jeder weiterhin nach subjektiver Einschätzung am Ende als Sieger, Zweiter, Dritter oder einfach nur als Teilnehmer fühlen.
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Yes Caroline, I can Samba
Am Ende haben sie noch einmal alles versucht. Aber auch Peter Maffay konnte es nicht mehr rumreißen und statt sieben Brücken schaffte Die Mannschaft schließlich nur drei. Von der nächsten stürzte sie die Startnummer 4 mit „Sweet Caroline“ von Neil Diamond aus dem Jahre 1969. Die hatte vorher auch schon einen anderen Klassiker aus dem Weg geräumt. Mit „Yes Sir, I can Boogie“ von Baccara von 1977 waren die Schotten an den Start gegangen. Leider kamen sie damit nicht über die Vorrunde hinaus und mussten „Sweet Caroline“ weiter ziehen lassen. Nun steht tatsächlich das Finale der großen Schlagersause an. Die Italiener bringen „A far l‘amore comincia tu“ mit ins Endspiel. 1976 hatte Raffaella Carrà damit einen Mega-Hit. Nachdem Giorgio Chiellini die Spanier quasi im Alleingang aus dem Elfmeterschießen geherzt hatte, tönte dieser Gassenhauer zu Ehren der kürzlich verstorbenen Sängerin durch Wembley. In Deutschland kennt man ihren größten Hit vor allem in der Version von Tony Holiday unter dem Titel „Tanze Samba mit mir“. Holiday, der eigentlich Rolf Peter Knigge hieß, hätte Deutschland vielleicht noch ins Finale singen können. Nur leider ist er schon seit 21 Jahren tot. Das ist das Risiko bei dieser Oldieparade. Wenigstens Neil Diamond geht es gut und er kann im Finale die Daumen drücken. Dass er es wirklich bis ins Finale geschafft hat, ist ein kleines Wunder. Aber nicht aufgrund seines Alters. Sein Song wird eigentlich nur in Stadien gespielt wird, weil Caroline ähnlich wie Norn Iron klingt, wie die Fans von Nordirland umgangssprachlich ihr Land nennen. Die Nordiren singen „Sweet Caroline“ regelmäßig seit sie 2006 in der WM-Qualifikation ausgerechnet gegen England gewannen. Schaltet auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 wieder unsere Hitparade ein. Denn diese Liebe, Liebe, Liebelei – nein, die geht nicht so schnell vorbei.
Liegen ohne rot zu werden
So jetzt ist es aber wirklich gut hier. Dieses unverantwortliche paneuropäische Turnier muss ein Ende haben. Wir sind nicht mehr dabei, im Gegensatz zu acht anderen unwichtigen Ländern, die in 7 Spielen noch unbedingt herausfinden wollen, wer angeblich der Beste ist. Ohne uns ist das doch ein Muster ohne Wert. Wie beim ESC hat dieser undankbare Kontinent uns keine Punkte beschert. Stattdessen müssen wir wie Österreich den Rest des Sommers im Regen und ohne Schland-Jubel beim Grillen verbringen. Danke für nichts, Europa. Wenigstens moralisch sind wir doch der Europameister der Herzen. Nicht wie diese Engländer, denen Europa so egal ist und die dennoch diesen Titel haben wollen. Dafür machen sie in London das Stadion mit bierbäuchigen und rothaarigen Astra-Zeneca-Impflingen voll und lassen sogar die Kinder rein. Also dieses eine, diesen Knirps im Sakko, der mal König werden soll. Der sitzt nach den Ferien wieder in der Schule und steckt alle an. Das können wir nur verhindern, indem wir verbieten, dass die Engländer nach dem Turnier noch ihren Titel mit Sonnenbrand auf unseren Mallorca-Liegen feiern. Das können sie schön im Nieselregen von Brighton machen, während wir im Bierkönig die ersten olympischen Medaillen im Reiten und Schießen begießen. Diese sogenannte Europameisterschaft war doch sowieso ein Witz. Wichtig ist die in drei Jahren im besten Land der Welt. Huch, das ist ja zufällig unseres. Dazwischen gibt es noch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 Kopfgrätsche und irgendein Vorbereitungsturnier in einem Wüstenstaat. Da fahren wir zwar hin, aber nur um ein paar Prospekte für 2024 zu verteilen und ihnen den Kunstrasen zu zertrampeln. Wer da Weltmeister wird, interessiert doch keine Sau. Falls niemand sonst will, halten wir ihn natürlich kommissarisch und uneigennützig wie Dr. Rainer Koch warm. Vorzugsweise auf einer mallorquinischen Liege.
Über den Klampf zum Spiel
Erschreckende Bilder aus dem Quartier der Nationalmannschaft! Soweit so normal. Jede Unterkunft bei jedem großen Turnier bietet Stoff für abendfüllende Märchenfestivals. Was hat man nicht schon alles erlebt? Der Geist von Spiez 1954, die Gelage am Schlucksee 1982 und dazwischen ganz viel Bohnerwachs und harte Doppelstockbetten in der Sportschule Malente. Ein ewiges Katz- und Mausspiel zwischen den Disziplinwächtern und den Spielern, die jedes Loch im Zaun für heimliche Sauftouren ausnutzen. Seit dem aber Oliver Bierhoff im klassisch englischen Hotel Mottram Hall in Prestbury bei Manchester zum Golden Boy von 1996 reifte, wird unter seiner Regentschaft bei der Quartierwahl nichts dem Zufall überlassen. Zwischen Campo Bahia (WM-Titel) und Watutinki (Vorrundenaus) war eigentlich schon alles dabei. Inzwischen ist aber nicht mehr wichtig, wo sich die nächste Kneipe befindet. Hauptsache das WLAN ist stabil genug. Das sollte auf dem Adidas-Campus in Herzogenaurach gegeben sein. In den täglichen Instastories muss man dann aber leider sehen wie die verwöhnten Jungprofis im Haus Platon die Akustikgitarren mit Liedern aus dem Anfängerkurs quälen statt sich anständig auf der Playstation vorzubereiten. Und was wollen sie uns mit der Liedauswahl sagen? In What’s Up heißt es schließlich: „25 years of my life and still. I’m trying to get up that great big hill of hope, for a destination“. Und wer wurde vor 25 Jahren Europameister? Golden Oli hat auch diesmal nichts dem Zufall überlassen. Ich soll euch noch von ihm folgende Akkorde durchgeben: Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30. Ihr wüsstet schon bescheid.
Warten auf Guetta
Vor fünf Jahren war die Welt noch in Ordnung und wir im klassischen EM- / WM-Rhythmus. Wir jubelten wie die Isländer und trafen uns draußen nicht für Gastro sondern PokemonGo. Wir merkten uns mit der Jahreszahl den Austragungsort, den Gewinner und was sonst noch so in dem Jahr passierte. Ronaldos Tränen, Meister Eder, das erste Ende von Zlatans Nationalmannschaftskarriere. Die EM-Hits, die heute noch jeder unter der Dusche mitsingt. Nee, ohne Scheiß ich musste sie natürlich noch mal googeln. „This one’s for you“ von David Guetta feat. Zara Larsson war der offizielle Liedbeitrag? Früher war mehr David Guetta und die Haare waren auch noch länger. Als gebürtiger Pariser durfte er sogar die Eröffnung pompös musikalisch untermalen. Mit zehntausenden Menschen auf dem Champ de Mars. Und als ob das noch nicht schlimm genug ist, durfte er vor dem Finale den Song auch noch einmal im Matchup mit Seven Nation Army aufführen. Zur Strafe coachte Ronaldo die Portugiesen zum Sieg. Und was dröhnt in diesem Jahr aus den Boxen? Für „We are the people“ von Martin Garrix feat. Bono und The Edge müssen die Iren aber vorerst nichts befürchten. Das Team ist leider nicht qualifiziert und Dublin wurde ein paar Wochen vor Turnierstart durch St. Petersburg ersetzt. Schade um die Textzeile: „We are the people of the open hand. The streets of Dublin to Notre Dame. We’ll build it better than we did before. We are the people we’ve been waiting for.“ Wir waiten auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 wieder auf People, die mit uns out of the ruins of hate and war from a broken place den Victory winnen.
Passe dich kurz!
So, was machen wir nun als erstes? Wochenlang hatte man Zeit für die Fomo-Bucketlist und nun steht man natürlich unvorbereitet da. Also vielleicht lässt man erst einmal die Dinge sein, die man auch machen konnte als nix ging. Marco Reus will sich trotzdem angeblich erst mal ausruhen. Ob er das im Biergarten, im Kino oder beim Au-Pair-Urlaub auf Sylt macht, ist noch offen. Nur ins Fußballstadion will er nicht. Bei dem Run auf die begrenzten Plätze ist das mehr als verständlich. Die Verknappung freut den Schwarzmarkt und die Leute aus der Schlange vorm Impfzentrum trifft man morgen in der Schlange vor dem Mokka-Milch-Eis- oder Broiler-Bar wieder. Nur, dass dort dann die Stimmung nicht mehr ganz so gut ist. Kau schneller Genosse! Fasse dich kurz! Auch von den 26 Nominierten für die Euro2020 können am Ende nur 11 zeitgleich spielen. Deshalb sitzen immer 15 draußen und trampeln 90 Minuten mit den Füßen. In der Zeit kann der Gastronom den Tisch dreimal vergeben, wenn er die Karte konsequent auf Kölsch und Espresso umstellt. Beim Kopfgrätschen am Samstag ist Sharing am Ende auch Caring. Schließlich soll jeder mal die Chance auf das Spielgerät haben. Maximal fünf Ballberührungen pro Spieler, dann kurze Espressopause oder ein Ingwershot auf die Torwand. Besser jeder bringt neben dem eigenen Ball auch noch die eigene Kaffeemaschine mit.
Fußball für Pappe, Wodka für alle
Also ich bin bereit. Die Schlandfahne hängt am eSUV und ich habe sogar diese schwarz-rot-goldenen Masken organisiert und über die Außenspiegel gezogen. Das Sammelalbum von Duplo und Kinderriegel ist allerdings wieder nicht rechtzeitig voll geworden. Einerseits liegt das daran, dass ich viel Zeit verschenkt habe, unzählige Packungen Hanuta zu essen, bis ich gemerkt habe, dass da gar keine Aufkleber mehr drin sind. Naja, und dann gibt es natürlich wieder Motive die wirklich niemand hat. Aber Hauptsache jeder hat 5 bis 8 mal Marcus Sorg. Vor 10 Jahren haben wir alle mit Vuvuzelas um den Verstand gebracht. Damit könnte man heute beim Eröffnungsspiel bestimmt Viren bis in die gegnerische Fankurve pusten. Bei der letzten EM war ich noch vor Ort und habe zwei durchschnittliche Vorrundenspiele mit schiedlich friedlichen Unentschieden gesehen. Diesmal habe ich für Ukraine vs. Österreich oder das Wodka-Derby Finnland vs. Russland leider keine Tickets für meinen Pappkameraden bekommen. Aber mit einem pervers großen neuen Fernseher wird es sicher auch ganz schön. Ich habe gehört Media Markt schenkt uns die Mehrwertsteuer, wenn Deutschland ins Finale kommt. Das ist doch ein sicheres Ding. Es startet in Rom und endet auf dem Römer. Ich hab gehört das ZDF hat sogar ein Vorstandsmitglied vom FC Bayern als Experten engagiert. Mal gucken, ob ich bis zum Sportschauclub aus dem Europapark Rust mit den europäischen Stargästen Alfons, Giovanni Zarrella und Ross Anthony wach bleiben kann. Ich muss ja Samstag 10:30 früh raus. Hoffentlich habt ihr auch Mittwoch 18:00 trotz des Krachers Türkei vs. Wales in Gruppe A Zeit.