24. Februar 2024 – „Haste Scheiße am Fuß, …“

„… haste Scheiße am Fuß.“ Einer der passensten Sätze zu dem, was wir hier bei Kopfgrätsche so machen. Meisten müffelt es mehr vom Füßchen her, als das wir irgendwas Schönes zaubern. Der Philosoph, vom dem das Zitat stammt (oder vielleicht auch nicht www.n-tv.de -> Berühmtes Zitat stammte wohl nicht von Brehme) ist Andreas Brehme, der vier Tage vor diesem Kopfgrätsche-Samstag verstorben ist. Für die meisten von uns war er der Elfmeter-Tor-Schütze zum ersten Weltmeistertitel, den wir wahrgenommen haben.

New Balls please

Guten Tag, ich würde gerne diese 100.000 Tennisbälle zurückgeben. Ich habe es mir anders überlegt. Tennis ist doch nichts für mich. Ich habe es wirklich versucht, aber ich bin offensichtlich an diversen Grundlagen gescheitert. Ich kann leider nur auf Rasen spielen und da prallen die Dinger ganz schlecht. Gut, meine Aufschläge waren alles Asse, aber wie soll so ein Spielfluss zustande kommen? Meine Gegenspieler haben nicht einen Ball zurückgespielt und haben jedenfalls diese Woche zu mir gesagt: „Okay, du hast gewonnen.“ Die sind anscheinend beleidigt und wollen schon mal nicht mehr mitmachen. Return, Backspin, Netzroller, Doppelfehler – das konnte ich alles überhaupt nicht ausprobieren. Gerne hätte ich nur einmal den Beckerhecht ausgepackt. Stattdessen habe ich diese Filzbälle wieder eingepackt und hoffe, dass ich die problemlos ohne Kassenzettel umtauschen kann. Zum Glück hatte ich keinen Schläger gekauft. Ich interessiere mit jetzt für Kopfgrätschen und würde gern Samstag 10:30 gut vorbereitet ins Spiel starten. Welche Helme haben sie da im Sortiment? Es sollte schon etwas Hochwertiges sein, denn schon ein großer Tennisphilosoph sagte: „Haste Scheiße am Kopf, haste Scheiße am Kopf.“  So oder so ähnlich hat er es formuliert, obwohl er kein Mann großer Worte war und häufiger den Ball ins Netz gedroschen hat. Dafür konnte er links wie rechts. Als Barmbeker Legende hat man ihn aber auch nie beim ATP am Rothenbaum gesehen. Kein Wunder, die spielen da wohl auf Sand. 

17. Februar 2024 – Aus der Zeit der Tennisbälle in der Bundesliga

Irgendwann flog auf einmal ein Tennisball, der unterm Leibchen mit ins Spiel geschmuggelt wurde – als kleiner, vorbereiteter Gag. Es wurde sogar ein bisschen drüber geschmunzelt. Fürs Foto musste dann aber doch noch Photoshop ran. Wer hat schon so viele Tennisbälle rumliegen? Sollte dieses #Kopfgrätsche-Posting, genauso wie dieses, nach 100 Jahren ausgegraben werden, soll es die Zeit symbolisieren, in der kaum ein Bundesliga-Spiel ohne Unterbrechungen durchgeführt werden kann, weil mit aus dem Publikum aufs Spielfeld geworfenden Tennisbällen oder Schoko-Talern Unterbrechungen erzwungen werden. Auch ferngesteuerte Spielzeug-Autos und sogar Modelflugzeuge sind dafür schon zum Einsatz gekommen. Nur bei Kopfgrätsche gibt es das nicht. Wir sind für Investoren uninteressant.

Medizinball auf Bistrotisch

Bis zur Stunde ist noch nicht klar, ob er nicht doch wieder auftaucht (wie wir jeden Samstag 10:30 auf dem roten Platzt). Beim HSV wird auf jeden Fall heftig diskutiert, ob man der Forderung von Investor Kühne nachgeben muss und einfach mal seine Festnetznummer wählen soll. Die Medizinbälle sollten doch noch irgendwo hinten in der Turnhalle liegen. Und beim letzten mal vor zwei Jahren, als ihn die alte Dame wach küsste, hat er es nicht schlecht gemacht. Immerhin war auch der HSV in der Relegation und wäre bestimmt sogar aufgestiegen, wenn nicht Felix Magath bei den Herthanern Angst und Schrecken verbreitet hätte. Es ist also nur legitim zu überlegen, ob nicht diesmal Quälix der Retter des HSV sein muss. Jedenfalls, wenn man ein Multimilliardär von 86 Jahren ist. Da vertraut man doch lieber einem frischen 70-Jährigen als einem Greenhorn, das nicht einmal halb so alt ist. Und der FCK hat einem schließlich gerade den vorletzten Nicht-Laptop-Trainer weggeschnappt. Beim Namen Felix Magath denkt man in Hamburg natürlich an eine gewisse glorreiche Nacht 1983 in Athen. Vierzig Jahre danach taumelt der Verein in jedem Frühjahr regelmäßig aus den Aufstiegsrängen zur ersten Liga. Als Magath in den Neunzigern Trainer an der Müllverbrennungsanlage war, war der HSV zwar auch in Abstiegsgefahr, aber er hat sich immer irgendwie retten können. Und damals gab es nicht einmal eine Relegation. Laptops waren noch exotisch und passten auf keinen Bistrotisch in Straßencafés. Jetzt sollten Kühne und der HSV aber schnell handeln und einen berittenen Boten den Hügel der Leiden hochscheuchen. Sonst sind die Südkoreaner zuerst da. Die haben schließlich grad Laptop-Klinsi vor die Tür gesetzt und brauchen dringend etwas Abwechslung. 

10. Februar 2024 – Blaue Karte im schönen Bewegungsablauf

Wenn man in 100 Jahren dieses Kopfgrätsche-Posting wieder ausgräbt, wird es das Posting sein, welches zu der Zeit entstand, als erstmals vom International Football Association Board (IFAB) über die testweise Einführung einer Blauen Karte auf niedrigem Liga-Niveau gesprochen wurde. Noch niedriger als Kopfgrätsche geht Fußball fast gar nicht, darum haben wir die Blaue Karte schon Mal in die Hand genommen. Kürz zur Erklärung an die, die dieses Posting ausgegraben haben werden: Mit einer Blauen Karte soll gegen Spieler eine zehnminütige Zeitstrafe verhängt werden, wenn sie zum Beispiel durch ein minder schweres Foul eine klare Torchance verhindert haben oder Offizielle verbal attackieren. Zwei Blaue Karten sollen ebenso zu einer Roten führen wie eine Blaue und eine Gelbe. So der Stand im Februar 2024. Keine Ahnung, wie viele farbige Karten man im Februar 2124 im Fußball benutzen wird.

Schnauze Volley!

Der Ball ist rund haben sie gesagt und das Spiel dauert 90 Minuten. Nun, ein Tennisball ist auch rund und viele Tennisbälle sorgen dafür, dass ein Spiel sehr viel länger als 90 Minuten dauert. Der Protest der Fans in den deutschen Stadien gegen den Investoreneinstieg wirkt. Und endlich wird die Forderung der Fans der Deutschen Nationalmannschaft von 2019 in die Tat umgesetzt. Das kryptische „Volley!“ auf der Tribüne in Hamburg und die Tennisbälle – endlich passt alles zusammen. Die Verzögerung in den Stadien lässt die Zuschauer länger frieren und auch die Spieler kommen aus dem Rhythmus. Aber die Fans vor dem Fernseher sind die eigentlichen Opfer. Was soll man mit der zusätzlichen Zeit nur anfangen. Noch mehr Werbung angucken oder Expertengelaber anhören? Dann doch lieber eine saubere Spielabsage wie in Saarbrücken und bei der Wiederholung eines alten Krimis einschlafen. Gemordet wird immer und überall. Eine Region kann ohne Bundesligisten überleben, aber wenn es keinen Regionalkrimi gibt, ist man wirklich abgehängt. Selbst wenn es vor der eigenen Tür so trostlos und gruselig wie bei True Detective aussieht, kann man mit den heimischen Lost Places noch ganz gut Quote machen. Auch hier sollte man die Investoren so lange wie möglich raushalten, sonst wird man aufgrund der sanierten Infrastruktur für Filmteams uninteressant. Zu aufregend darf es für den Zuschauer natürlich letztlich nicht sein, sonst wachen die wieder auf und schalten irgendwohin, wo tatsächlich Fußball gezeigt wird. Und beim Asien und Afrika Cup muss man wenigstens keine frierenden Fans auf der Tribüne sehen. Gegen das Frieren Samstag 10:30 hilft nur mindesten 90 Minuten durchgehende Bewegung. Ob beim Fußball oder Fußballtennis ist egal. Ein Lost Place ist unser Platz jedenfalls nur, wenn der Ball unauffindbar ins Gebüsch fliegt.   

Kloppo Redentor

Allzu oft passiert es nicht, dass sich Jürgen Klopp beruflich verändert. Bisher stehen in seiner Vita nur drei Vereine und bei Liverpool ist er nun auch schon seit fast neun Jahren an der Seitenlinie. Aber wenn er denkt, dass er sich verändern muss, dann sendet er als limitierter Fußballer, der er war, ein Signal an andere Stolperer auf einer vorher nicht angesagten Frequenz. Vielleicht hat er aber lediglich ein gutes Gespür für Timing, was immerhin dazu geführt hat, dass er noch nie entlassen wurde. Gut, beim HSV haben sie ihn einfach schon vorher weggeschickt, aber wahrscheinlich nur, um ihn zu schützen. Als HSV-Trainer wäre er schließlich spätestens nach zwei engen Relegationen zum Teufel gejagt worden und er hätte sich danach nur noch durch 6-10-Monatsengagements bei Kaiserslautern, Schalke, Hannover und Arminia Bielefeld gehangelt. Campino hätte er natürlich trotzdem kennengelernt, während eines Intermezzos bei Fortuna Düsseldorf. Zum Glück ist alles anders gekommen und jetzt könnte er es sich aussuchen, wo er beruflich landet. Noch haben die semierfolgreichen Amtsinhaber attraktiver Posten Ruhe und können in den nächsten Wochen beruhigt in die Skiferien fahren. Die Zeugnisse sind zwar durchschnittlich und es gibt keinen Schnee, aber Kloppo möchte sich auch erst einmal eine Pause gönnen und sich die Welt ansehen. Die Pyramiden von Mo Salah, Christo Redentor von Bobby Firminho, die Shibuya-Kreuzung von Wataru Endo. Und natürlich den Roten Platz Samstag 10:30. Falls also Touris mit Pöhler-Kappe um den Platz schleichen, immer schön grüßen. Wir Stolperer erkennen uns überall.