Puh, das war knapp. Bis Dienstag sind wir noch fest von einem Ausscheiden ausgegangen. Es sprach ja auch wenig für ein Weiterkommen. Was war schon groß auf der Habenseite? Die Quoten der Wettbüros waren jedenfalls ein guter Indikator für die Unmöglichkeit. Aber seit Dienstag ist alles anders. Das Undenkbare wurde zum Möglichen und dann zum Wahrscheinlichen. Auch wenn niemand den Effekt für die Zukunft voraussagen kann, es scheint klar, dass der Trend gestoppt wurde. Warum auch nicht? Dass heute tatsächlich Kinder geboren werden, die Jürgen heißen, muss irgendwie mit Dienstag zusammenhängen. Klar der Effekt beschränkt sich wahrscheinlich noch auf Liverpool und Umgebung. In London setzt man derzeit noch auf andere Trendnamen und fremdelt ein wenig. Aber schon das nächste royale Baby könnte Jürgen heißen. Die Quote der Wettanbieter hat sich garantiert dafür verbessert. Wenn jetzt noch ein Schauspieler oder Musiker mit diesem Vornamen auftaucht , bröselt der Widerstand junger Eltern nur so dahin und vom Tabellenplatz 323 können wir vorsichtig nach oben schielen. Der Name hat zwar immer noch den selben komischen Klang, aber seit Dienstag eine andere Bedeutung. Früher hieß er übersetzt der Landmann oder Bauer, nun bedeutet er Comebacker. Und eigentlich hätte man das schon immer ahnen können. Denn wer kehrt Woche für Woche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 immer zum Bolzplatz zurück? Richtig.
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Streich und Schön
Als wir hier vor wenigen Wochen Ralf Rangnick zitiert haben, wie er gegen die dicken Kinder von Landau und ihre Playstation wetterte, kam kurz danach die Reue. Nicht weil ich eine Playstation geschenkt bekommen habe, sondern weil Christian Streich kurz darauf die viel bessere Pressekonferenz abgehalten hat. Die Sätze zum Niederknien waren zwar in seinem typischen Idiom, aber gingen direkt ins Herz. Natürlich besteht die Gefahr, dass man in Zukunft Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 nicht nur Nachholspiele der dritten Liga, sondern auch Champions League, Euro League oder Super League-Spiele verpasst. Aber solange jemand den Fußball trotzdem in seinem Inneren so liebt wie Christian Streich, gibt es noch Hoffnung. Er würde wahrscheinlich sogar am Kopfgrätsche-Fußball noch Liebenswertes entdecken und könnte sogar die Krater im Platz romantisch umschreiben. Also statt wie in den letzten 20 Jahren darauf zu hoffen, dass plötzlich ein Scout aus der Premier League auftaucht und unsere verkannten Talente entdeckt, hoffen wir lieber darauf, dass eines Tages Christian Streich kurz am Bolzplatz vorbeiradelt und uns den Ball zurück über den Zaun schießt. Mehr geht nicht. Dass letztes Wochenende Ralf Rangnick mit seiner Brause-Marketingabteilung gegen Streichs Freiburger gewonnen hat, soll am Ende nicht verschwiegen werden. Aber die Laufwege des Fußballgotts sind nun mal unergründlich.
Papa ante Trikotbörse
Osterzeit ist Fußwaschzeit. Traditionell von dem Mann übernommen, der die meisten Fußballtrikots im Schrank hat. Eigentlich könnte nur Gas-Gerd Schröder mit seiner Schalsammlung mithalten. Immerhin wurde er schon mit Schals von Hannover 96, Borussia Dortmund, Schalke und Energie Cottbus meisten in Kombination mit Bratwurst und Flasche Bier auf den VIP-Tribünen gesehen. Im Schrank des Papstes findet man wahrscheinlich von jeder Fußballmannschaft dieser Welt ein Trikot. Bei jeder Audienz gibt es 1 bis 2 neue Jerseys dazu – wahlweise beflockt mit Franziskus, Francisco, Francesco, Francis oder einfach kurz Papa. Nur Greta hatte keins für ihn. Fein säuberlich weggehängt, nachdem es einmal die Kamera gehalten wurde. Sortiert nach Farbe, Land oder Sympathie? Als Argentinier hat er immerhin Messi UND den Messias in seinem Team. Oder lässt er die Trikots rahmen und hängt sie gerade neben das Kruzifix? Eigentlich könnte er jeden Tag ein anderes drunterziehen. Ist ja doch bequemer als ein Kettenhemd. Wir können uns fast sicher sein, dass er am Mittwoch z.B. eins von Tottenham unter der dem Messgewand getragen hat. Der Fußballgott braucht ja kleine Hinweise wohin er seinen Segen verteilen soll. Um diesen gütig zu stimmen, waschen wir unsere Füße für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 selbst. Und vielleicht geben wir durch unsere Trikotwahl dem Fußballgott den einen oder anderen kleinen Tipp mit auf den Weg.
Ein Mann wie Steffi Graf
In dieser Woche wurde mit Dirk Nowitzki jemand mit großen Ehren in den Profisportruhestand verabschiedet, der fußballerisch eher auf unserem Niveau unterwegs ist. Okay, er war wohl schon einmal Flankengeber zum Tor des Monats Juli 2016. In einem Monat, in dem bestimmt auch noch ein paar okaye Treffer bei der Europameisterschaft erzielt wurden. Die Flanke passierte allerdings in einem Benefizspiel. Und in solch einem Rahmen hat man den Riesen manchmal seine 2,13m ungelenk auf dem grünen Rasen bewegen sehen. Wir Fußballer fühlen uns deshalb nicht gut dabei, dass er seine Karriere jetzt wegen einer Fußverletzung beenden muss. Mit den Händen war er aber deutlich besser und wählte wohl deshalb einen Sport, in dem man pro Treffer ein bis drei Punkte bekommt. Das ist im Fußball nur bei bestimmten Modi möglich, wenn man mit dem Kopf trifft. Dabei schreckte ihn aber auch nicht ab, dass das Tor nur über einen einzigen runden Pfosten und eine sehr schmale horizontale Torlinie verfügt. Die Schwerkraft sorgt allerdings dafür, dass der Ball nachdem er die Torlinie in voller Umdrehung passiert hat, nicht mehr herausspringen kann. Da spart man sich langjährige Wembleytordiskussionen. Beim Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) sind wir es gewohnt den Platz mit Basketballern zu teilen. Meistens stehen sie allein im Weg rum und zielen auf den Korb. Dabei gucken Sie wie Darter. Wenn der Fußball Ihnen vor die Füße fliegt, bücken sie sich und werfen ihn genervt zurück. Dafür finden Sie es gar nicht witzig, wenn man ihnen ihren Basketball mit einer Superflanke zurückspielt, wie sie Dirk Nowitzki 2016 auf Lukas Podolski geschlagen hat. Vielleicht sollten sie diese mal üben.
Eine kurze Geschichte der Zeit
Natürlich wollte ich gerade mit dem Reinhard einen Uhrenvergleich machen. Das ist ja wohl auch nicht verwerflich, man muss doch wissen wie spät das ist, damit man Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 pünktlich ist. Gerade nach der Zeitumstellung vertut man sich leicht dabei. Er wollte mir seine Uhr aber nicht zeigen. Wahrscheinlich so ein Klassiker mit Mickey-Maus-Ziffernblatt. Uns bleibt bei guter Sicht aber immer noch der Blick auf den Marienkirchturm, um zu erkennen, ob es an der Zeit ist den zweiten Frühling, die dritte Halbzeit oder das letzte Tor auszurufen. Für die durchschnittliche Amtszeit der letzten DFB-Präsidenten reicht allerdings ein Kurzzeitwecker. Was macht eigentlich die Uhr im Stadion des HSV, also der Tagesschau-Arena? Wird die schon langsam hochgefahren? Hoffentlich finden sie beim HSV genug Zeit dafür, zwischen den stressigen Tagen mit Relegation und DFB-Pokalfinale. Vor dem Berliner Olympiastadion steht aber zum Glück auch eine Uhr. Die ist allerdings schon etwas älter und hängt ziemlich hoch neben den olympischen Ringen beim Marathontor. Ist aber nicht digital wie die Uhr am Backofen. Da muss man schon wie Reinhard die Zeiger lesen können. Als ehemaliger ZDF-Mann kennt er auch die Sportstudio-Uhr und bei der fehlen sogar die Ziffern. Viele sehen in ihm zwar schon einen unverzichtbaren Experten bei Bares für Rares. Aber wahrscheinlicher ist doch, dass er nächstes Jahr bei Wetten, dass..? wie Flavor Flav über die Verspätung für das Sportstudio informiert: Thommy ist noch nicht so weit, er braucht noch zweimal 15 Minuten und ein Elfmeterschießen mit blickdichten Brillen Zeit.
Aus, aus, noch nicht aus
Hey Leute, ich habe jetzt mal eine Nacht drüber geschlafen, um die Ereignisse auch sacken zu lassen. Ich war natürlich von der plötzlichen Entscheidung Samstag 10:30 zu spielen perplex. Ein Kopfgrätscher muss zeitliche Entscheidungen treffen, absolut, das stelle ich auch überhaupt nicht infrage. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht mich die Art und Weise, wie die Zeiger der Uhr laufen, einfach sauer. Kein Verständnis habe ich vor allem für diese suggerierte Endgültigkeit der Entscheidung. Wir sind immer noch in der Lage, jeden Tag zu jeder Zeit Fußball zu spielen. Wir haben gemeinsam mit der Kopfgrätsche einen manchmal langen, manchmal kurzen und meist auch unpünktlichen Weg bestritten in den letzten Jahren.Und wenn, kurz nachdem wir von der Entscheidung erfahren, vorgefertigte Statements seitens kopfgrätsche.de und als Fußballmail herausgegeben werden, dann ist das einfach aus meiner Sicht kein guter Stil und hat mit Zeitschätzung dann auch nichts zu tun.Und jetzt zu Euch, liebe Fans der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Ich war immer stolz, eine Armbanduhr zu tragen. Ich habe sie immer aufgezogen. Ich möchte mich bei Euch für die lange Nachspielzeit bedanken. Es war bisher eine unglaubliche Zeitreise mit immer noch 0 Länderspielen und unzähligen tollen Gesichtstreffern. Wer mich kennt, der weiß, ich bin ein Zeitschinder. Ich werde nach vorne schauen. (So ca. 24h.)Wir haben jetzt mit der Kopfgrätsche eine ganz heiße Saisonphase in der wir auch diesen Samstag 10:30 die Zeit verstolpern. Und in diesem Sinne möchte ich Euch sagen: Das Spiel ist noch nicht aus. (Frühestens nach dem letzten Tor.)
Wie ein Bindestrich
Und hier kommt die Aufstellung der englischen Nationalmannschaft für das Eröffnungsspiel der WM 2022 vorgelesen von Bernd Stelter ohne Luft zu holen:
Tor:
Luca Ashby-Hammond
Abwehr:
Kyle Walker-Peters Trent Alexander-Arnold Aaron Wan-Bissaka
Mittelfeld:
Morgan Gibbs-White Ruben Loftus-Cheek
Alex Oxlade-Chamberlain James Ward-Prowse Ainsley Maitland-Niles
Sturm:
Dominic Calvert-Lewin Callum Hudson-Odoi
Trainer:
Shaun Wright-Phillips
Leider passt kein Spielername aufs Trikot, so dass es für jeden Spieler nach dem AKK-Prinzip nur 3 Buchstaben gibt. Ist ja im Fußball gelernt (siehe HSV, VFB, Olé, Olé – nicht zu verwechseln mit Alain-Junior Ollé-Ollé). Die eingesparten Lettern kann man für ein schönes Scrabble-Spiel einsetzen zwischen Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Eric Maxim Choupo-Moting. Hoffentlich wird es so legendär wie zwischen Gerhard Mayer-Vorfelder und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Ein leuchtendes Vorbild für Buchstaben-Sparsamkeit ist der HSV. Auch wenn er parallel einige Trainer bezahlt, so achtet er doch inzwischen darauf, dass Doll, Veh, Fink, Titz oder Wolf nicht zuviele Seiten auf der Entlassungs-Pressemitteilung einnehmen. So bleiben noch ein paar Zeichen übrig für eine Kopfgrätsche-Spielankündigung für Samstag 10:30.
Feine Klinge, grobe Schnitzer
Das Frisörhandwerk hat es nicht leicht. Immer muss man drauf hoffen, dass die Haare, die man abschneidet, auch wirklich wieder nachwachsen. Reich wird man in der Branche höchstens, wenn man Udo Waltz heißt, ansonsten muss man sich meistens mit dem Mindestlohn begnügen. Den einzigen Wachstumsmarkt scheint die Zielgruppe Fußballer zu bieten. Paninibilder von einst beweisen, dass Kicker schon immer zur Frisurenavantgarde gehörten. Die Vokuhila heißt nicht umsonst in anderen Sprachen Bundesliga-hår oder coiffure de footballeur allemand. Das hat man sich hart erarbeitet. Wer in seiner Ausbildung zum Haarstylisten sich also auf das Hauptfach Kickerfrisen spezialisiert, kann wirklich mehr als nur Haare im Kragen hinterlassen. Aktuell achtet die IHK darauf, dass man sauber alle Rückennummern und Sponsorenlogos in die Schläfen rasieren kann. Auch der farbige Rallye-Streifen ist wieder in Mode. Der klassische Irokese wird dagegen schon seit einigen Jahren nicht mehr nachgefragt. Sogar Mario Balotelli trägt ihn jetzt mit Rattenschwänzen. Ganz wichtig für Fußballerfriseure ist natürlich der kreative Name, der ihn als Spezialist für Ballkünstler ausweist. Hier die Top Ten:
1. Der 1. Abschnitt
2. Geheimratseckball
3. Geschnibbelt
4. Zopf zu tief
5. Spitzenreiter
6. Kämmen und Siegen
7. Stutzen
8. 11 mm
9. Vokuhilaola
10. Kopfgrätsche
Wer Samstag 10:30 noch keinen Termin hat, sollte auf dem Platz vorbeischauen. Da geben wir wieder gratis ein paar Frisurentipps und spielen eventuell noch etwas Ball.
Springtime for Dribbler
So, jetzt wird jeder Grashalm auf links gedreht und jeder Krümel auf dem Ascheplatz gewendet. Der Sportdirektor hat das Wort und er will reformieren. Der DFB hat trotz schlechter Internetabdeckung schon mehrere Generationen an eSports verloren. Jetzt wird die Bolzplatzmentalität zurückgeholt. Immerhin muss man sagen. Vor ein paar Jahren machte man den Mangel an Straßenfußballern als großen Grund für das schlechte Abschneiden bei Weltmeisterschaften aus. Die Straßenfußballer kamen nicht zurück. Die waren unwiederbringlich ausgestorben. Selbst schuld. Man hatte dem Nachwuchs ja inzwischen überall Bolzplätze hingebaut. Und die Straße war ja inzwischen auch mit Dieseln gut gefüllt. Vor dem Garagentor, das früher ein passables Tor abgab, parkten zwei SUVs. Straßenfußballer müssen demnach so selten wie Kopfgrätscher (Samstag 10:30) sein. Die Bolzplatzkönige sind die nächsten auf der Roten Liste. Ehemalige Käfighelden wie die Boatengs oder Mesut Özil werden insgeheim doch vermisst. Einen größeren Effekt als die Forderungen vom Golden Boy könnten da die #FridaysforFuture haben. Die Schüler trainieren ihren Eigensinn und ihre Beinmuskeln, der ökologische Fußabdruck von eSports gegenüber des Selberkickens kommt auf den Prüfstand, die SUVs verschwinden aus der Auffahrt, die Straßen werden frei zum Spielen. Ach ja, es wird Frühling.
4 – 3 – 3 Minus
Begründet sich der Erfolg der BILD-Zeitung darauf, dass sie schon in der BAMS alle Noten für die Spieler der Bundesliga vergeben hatten? Da hat man früher als Kicker direkt beim Bäcker mit der Brötchentüte sein Zeugnis abgeholt. Natürlich konnte man beim Frühschoppen oder nach der Kirche noch fleißig darüber streiten, ob nicht doch eine andere Bewertung zwischen Eins mit Sternchen oder einer glatten Sechs möglich gewesen wäre. Aber das Prinzip Hop oder Top, Schwarz oder weiß, Lorbeerkranz oder Löwenmahlzeit macht halt anschaulich. Heute muss man nicht mehr auf den Sonntag zu warten, um schon in der Halbzeitpause Meisterschale oder Kündigungen zu verteilen. Die Spielerbewertung ist, zwischen den Sternen für den letzten Einkauf bei Lidl oder für die Booking-Unterkunft, auch nur noch ein kurzer Daumendienst. Der Kaiser (nicht der Franz) hat sich damals noch die Mühe gemacht den Daumen noch oben oder unten zu drehen, aber der hatte halt keinen Touchscreen. Bei den ganzen Bewertungen kommt man auch teilweise leicht durcheinander. Meintest du jetzt Christiano Ronaldo den Fußballspieler oder den Flughafen? Und kann ein Mensch mit vielen Instagram-Followern überhaupt an Marktwert verlieren, nur weil der die Kombiwette Platzverweis und Eigentor bedient? Zum Glück halten wir uns auch Samstag 10:30 wieder mit allzu plakativen Bewertungen zurück. Neben den normalen Vorwürfen auf dem Platz, gilt dabei vor allem, dass man teilgenommen hat. Dafür gibt es ein ganz durchschnittliches Lob und ein ermunterndes „weiter so“.
Die Zehnjahreswertung
Aktuell werden einem ja eine Menge Vorher-Nachher-Bilder in die Timeline gespült. Unter #10yearschallenge / #10yearchallenge zeigen viele, wie sie heute aussehen und vor 10 Jahren aussahen. Wahrscheinlich mit dem Ziel, um sich die Bestätigung abzuholen, dass man sich ganz gut gehalten oder zum besseren entwickelt hat. Oder im Idealfall „überhaupt nicht verändert“ hat. Oft genug werden wir auch gefragt, ob vor 10 Jahren schon gekopfgrätscht wurde. Naja, unter dem Namen zwar nicht, aber es sieht nach dem gleichen Versuch aus, den Ball über den Platz zu schieben. Und natürlich wurde am Ende ein Mannschaftsfoto gemacht, z.B. so eins hier:
Was man leider sagen muss: der Platz ist auf jeden Fall ganz schön alt geworden. Tiefe Narben und Krater finden sich nun auf seiner Oberfläche. Die Farbe blättert in großen Fetzen von den Pfosten und von den ehemals stolzen Holzbänken sind nur noch kleine faulige Stummel übrig. Sorry, man muss es ganz ehrlich sagen: der Zahn der Zeit hat unseren alten Freund wirklich nicht verschont. Aber er hat uns so viele schöne Erinnerungen beschert, dass wir bereitwillig über seine Alterserscheinungen hinwegsehen. Auch diesen Samstag 10:30 werden wir uns wieder brav beim Foto so positionieren, dass wir gekonnt seine Problemzonen kaschieren.
Kopfgrätsche mit Ä!
Seit Jahren gilt Samstag 10:30 als bewährte Kopfgrätsche-Zeit. Auch wenn immer irgendjemand sagt: „Kinners, wir müsse heut e bissche schneller mache, ich hab nett so viel Zeit. Also lasst uns den Käs‘ e bissche schneller runnerkurbele.“ Und nun höre ich doch tatsächlich im Radio (!), dass die UFA am Samstag im KTC Rostock Talente jeglicher Art für diverse TV-Formate castet. Quasi das Talent des Jahres, welches vom lustischen Glückshäschen dann bekanntgegeben wird. Wenn der Dödel nett des Briefchen vergisst. Klassischerweise kann man sich mit einem Lied präsentieren. Entweder „Mein Vati hat drei grunzende Schweine“, „Highway to Hell“ von C&A oder ein Lied von Karel Gott. Das ganze wahlweise in Arizona-Blau oder Kalifornia-Gelb (da sieht man aber immer irgendwie so aus, als hätte man die Gelbsucht). Im richten Licht kommt dann der weiße Rolli auch todschick rüber. Solange man vorher die persönliche Glücksmelodie summt, sollte alles glatt gehen. Ich summe die auch jeden Samstag vor dem Spiel. Es sollte also klappen, dass sich trotz des Castings noch genug Kopfgrätscher zum kopfgrätschen einfinden. Ich bin ja sowieso schon seit 30 Jahren dabei. Nur einmal war ich krank. 39 Fieber. Ich hab gehört, der Henne wollte auch kommen. Also, der ganze Sauhaufen auf Position! Und Gute Nacht!
Beware of Tigerkopfgrätsche
Well, über die Feiertage hat man lange nichts vom Brexit gehört. Stattdessen haben wir extra den Briten Dinner for One geschickt, um ihnen mal zu zeigen was für ein Bild wir von ihnen seit Jahrzehnten haben. Komischerweise hat das wohl den Brexit nicht gestoppt. Deshalb haben wir ihnen noch ein paar nette Dinge für die Premier League eingepackt. Beim Gipfeltreffen Man City gegen Liverpool war dann auch ganz schön viel Ex-Bundesliga zu sehen. Pep lauerte hungrig auf das Feiertagsmenü und Kloppo servierte tatsächlich den erwarteten Stolperer. Die beiden Festlandimporte an der Seitenlinie haderten aber mit so mancher Regieanweisung. Butler James aka Freddie Frinton als Trainer wäre dagegen stoisch durch die Coaching Zone getigert. Keiner seiner Spieler hätte sein Gelalle verstanden, aber der Schiedsrichter hätte vermutlich seine Ruhe gehabt. Die Produktion von Dinner for One ist allerdings von 1963 und damit aus einer Zeit als mit dem FC Everton der andere Club aus Liverpool englischer Meister war. Der holte damals den Titel, u.a. weil er eine Rasenheizung im Goodison Park hatte und damit nicht wie seine Mitkonkurrenten unter Spielausfällen im Winter litt. Das nehmen wir uns zum Vorbild und spielen auch Samstag 10:30, während die Bundesliga noch in Dubai am Pool liegt. Hoffentlich kommen alle streifenfrei gebräunt zurück. Der Tigerlook verkauft sich aktuell schlecht in England.
Ballon Hüftgold
Habt ihr auch die Feiertage auf der Fernbedienung verbracht und deshalb aus Versehen die gesamte Helene Fischer Show gesehen? Nein? Glück gehabt. Ansonsten ist schon am ersten Weihnachtsfeiertag bei dem Anblick dieses Nullfettköpers überall hektisch nach den Öffnungszeiten vom McFit gegoogelt worden. Aber stattdessen folgte noch ein zweiter Feiertag und ca. 6-7 Mahlzeiten, bei denen es dann irgendwann egal war, dass man den Pudding aus dem Julebryg-Bierglas löffelt. Was für eine fiese herrliche Zeit. Aber das schlechte Gewissen in Form des eigenen Hosenbundes meldet sich doch, wenn alle Der-Herr-der-Ringe-stirbt-langsam-allein-zu-Haus-Klassiker abgelaufen sind. Was macht man da, außer pflichtbewusst am Samstagvormittag die Plätzchenwampe zum Kopfgrätschen zu bewegen? Tja, eben genau das. In England haben sie durch den Boxing Day auch schon etwas Vorsprung. Ein ebenso panischer Versuch mit den Trainingsvorgaben des weiblichen Ivan Drago im ZDF einigermaßen mithalten zu können. Wir fangen ganz einfach an und lassen für das erste Rhönrad weg. Fürs erste versuchen wir uns Samstag 10:30 die Schuhe zuzubinden. Wird schwer genug.
Der Ausputzer
Moin. Meine Arbeit beginnt da, wo andere vor Entsetzen den Ball abgeben. Ihr wisst ja: Dreck ist nur Materie am falschen Platz. Und der richtige Platz ist auch Samstag 10:30 wieder da, wo der Ball ist. Außer, wenn ihr euch sagt: ich bin lieber ’n büschen weniger glücklich, schlaf dafür aber ’ne Stunde länger. Aber zweimal im Monat Fußball zu spielen, ist nur halb so viel wie viermal im Monat. Also doppelt so Schade für die Fußballwelt. Im Gegensatz zu Messi werd ich ja meistens unterschätzt. Deshalb hier schon mal was zum Auswendiglernen, wenn euch der Weihnachtsmann danach fragt: …und hier der verfluchte Platz… in anderthalb Stunden ist der kahl und ratz. Denn ich bin Kopfgrätscher, bin der beste Sammler aller Leibchenreste. Ich bin der Schrecken aller Abwehrrecken. Ich grätsch‘ Schnecken aus den Ecken. Torwarte, die es nicht checken und auch Stürmer, die schon an den Leibchen lecken. Ich bin der mit den Wäschesäcken, der verschwitzte Trikots in Abwaschbecken… reinigt. Ich hoff, ihr könnt euch pünktlich wecken … Vor mir kann sich kein Ball verstecken. Ich bin Kopfgrätscher. Ich bin der Kleinfeldtitan. Und wo andere den Ball abgeben, fängt meine Arbeit an!
Der Senkeltrick
Hallöchen, altes Haus. Ich bins. Ja genau, dein Lieblingsenkel. Wo ich dich grad am Apparillo habe… ich bräuchte da mal kurz deine Hilfe. Ich bin da unverschuldet in ein kleines Malheur hineingerutscht, das meinen tadellosen Ruf beschädigt. Es lief alles eigentlich ganz dufte. Der Henkelpott war in Sichtweite und der Ballon d’Or fest eingeplant. Und während ich schon heimlich twerken für die Aftershow-Party übte, kam mir plötzlich etwas Unerwartetes dazwischen. Da fehlten mir doch tatsächlich ein paar Mitspieler für einen kleinen Samstagskick (10:30), der als selbstloses Goodie für unsere Fans bei Topbuzz eingeplant war. Sowas Blödes. Aber da kommst ja zum Glück du ins Spiel. Mit ganz wenig Talent kannst du voll doll helfen. Für dich sicherlich nur eine Kleinigkeit. Nachher kommt ein Freund von mir vorbei und holt es ab. Das bringen wir dann auf den Platz und schon kann EA Sports das neue FIFA-Cover planen. Den bellenden Hund im Hintergrund Cando … pardon … kannst du als gutes Omen deuten. Eine runde Sache. Hallo? Bist du noch dran?
Geistesblitzerwarner
In dieser Woche gab es doch schon das eine oder andere Wort über Fußball zu lesen. Der Spiegel hatte diese Woche kein Ernährungs- oder Hitler-Motiv auf dem Cover. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass wirklich etwas passiert ist. Überraschend war das nicht und es fühlte sich eher so an, als würde jemand die Tricks eines Zauberers verraten. Gucken Sie bitte nur auf das Topspiel und lesen, schauen und liken Sie bitte alle Vorberichte dazu. Der Kicker hat bestimmt noch eine schöne Klickfotostrecke mit allen Spielern, die für beide Teams gespielt haben. Hey, was macht eigentlich Bodo Schmidt heute? Es finden sich bestimmt auch noch ein paar Promifans zu einer kleinen Tipprunde. Wem drücken Veronica Ferres, Günther Jauch und Alfons Schuhbeck die Daumen? Welche Taktik würden die Trainerlegenden Mario Basler, Stefan Effenberg und Lothar Matthäus wählen? Was hat Astro TV in den Händen der echten Trainer über ihr Glück beim Einwechseln gelesen? Muss man das Social-Media-Team aufstocken, um alle Spielerfrauen-Instagram-Accounts in Echtzeit verfolgen zu können? Und warum ist Thomas Doll nicht der Frauenbeauftragte? Alles nur Nebelkerzen, um Hintergrund die geheime Weltregierung aufzubauen. Ohne die geleakten Dokumente klingt man da ziemlich schnell wie ein Verschwörungstheoretiker. Wenn man dazu noch Kleinfeldgebolze am Samstagvormittag (10:30) nachgeht und danach die Bundesliga-Classics wie Hansa gegen Lautern nur mit Drittliga-Spielern im dritten Programm verfolgt, verpasst man auf jeden Fall ein paar der Vorberichte zum Topspiel. Zum Glück gibt es Sonntagfrüh im Doppelpass noch eine ausführliche Promi-Astro-Socialmedia-Taktikanalyse von Mario Basler.
Auf dem Fußballplatz (Ja, wo ist es denn am schönsten) – Fußballmarsch
A “Fußball-Marsch” published by VEB Lied der Zeit in East Berlin in 1956. Found the scores at a church book sale here in Moscow – maybe someone who plays the piano can give it a go and share a clip of what it sounds like? pic.twitter.com/Q3LJFrCCPr
— Katrin Scheib (@kscheib) 28. Oktober 2018
Ja, wo ist es denn am schönsten?
Auf dem Fußballplatz!
Auf dem Fußballplatz!
Ja, was wär‘ denn das für’n Samstag, gäb es keinen Fußballplatz!
Kann auch die Mutti nicht verstehn, daß wir schon wieder gehen:
Wir wollen Tore sehn! Wir wollen Tore sehn!
Auch am nächsten Samstag sind wir wieder da:
„Sportlerherz, hipp-hipp-hurra!“
Ja, wo ist es denn am schönsten?
Auf dem Fußballplatz!
Auf dem Fußballplatz!
Und es gibt für uns auch keinerlei Ersatz für ’nen Samstag auf dem Fußballplatz!
Ist irgendwo ein großes Spiel, das macht uns immer gleich mobil!
Und ist der Weg auch noch so weit – am Samstag hab’n wir Zeit!
Wir sind ein Fußballpublikum aus allerbestem Holz;
Deshalb ist jede Mannschaft von Format auf uns besonders stolz!
Die Lederkugel, die ist rund – mal rollt sie hin, mal roll sie her;
doch muß man immer sachlich sein, sonst ist man nicht mehr fair!
Sei doch verträglich heut‘ und laß den Schiedsrichter in Ruh!
Bestimmt singt auch ein armer Pfeifenmann genauso gern wie du.
Text: frei nach Siegfried Osten
Musik: Heinz Wilheim
Klavierbearbeitung: Heinz Beutner
Erschienen auf Amiga-Schallplatte 1/50/124
Gesang: Werner Stüvecke mit Chor und dem Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, unter Kurt Henkels
1956, VEB Lied der Zeit Musikverlag, Berlin W8
Rund ohne Grund
Dass wir nach der denkwürdigsten Pressekonferenz der letzten Woche nicht einfach zu Samstagesordnung (10:30) übergehen können, dürfte ja wohl jedem klar sein. Und auch, wenn jetzt alle wissen wie Artikel 1 des Grundgesetzes lautet, kann man doch dort nicht einfach stehen bleiben. Da muss man doch auch mal gucken, was geht noch darüber hinaus. Was ist denn mit Artikel 2? Ja, googeln wir doch mal kurz. Artikel 2 garantiert laut Wikipedia „das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit und schützt die Freiheit der Person“. Guck mal an. Könnte man sich durchaus wieder dran halten. Oder Artikel 3: „garantiert die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung der Geschlechter und verbietet Diskriminierung und Bevorzugung aufgrund bestimmter Eigenschaften.“ Ein Gleichheitsrecht – sehr interessant. Was sind bestimmte Eigenschaften? Fällt da schon drunter, dass man als besonders Großer immer ins Tor muss, während man als besonders Kleiner den Pfosten abdecken muss? Von Fähigkeiten sagt der Artikel ja nichts. Da kann ich mich nicht so wirklich drauf berufen, falls man meine Holzfüße nicht im Team haben möchte. Aber ansonsten gibt es echt eine Menge Grundrechte im Deutschen Grundgesetz. Fast noch auf Seite 1, die ja quasi gerahmt in der Bayern-Kantine …äh Kabine hängt, findet sich Artikel 5: Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit sowie die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft. Spannendes Buch! Da will man wirklich wissen wie das ausgeht.
Die B-Seite der Weltmeisterplatte
Am Ende dieser Nations-League-Woche gehen wir also noch einmal in die verlängerte WM-Analyse. Jogis Powerpoint ist zwar schon durch, aber er hat hoffentlich noch eine französische Version davon. Dann könnte er unserem Nachbarn ein paar gutgemeinte Ratschläge gegen das sichere Vorrundenaus 2022 geben. Während er selbst endlich die satten Endzwanziger aussortiert und nun auf hungrige Mittzwanziger setzt, läuft Frankreich sehenden Auges in sein Verderben. Der Sieg der Franzosen verhindert den nötigen Umbruch nach der gewonnenen WM. Wäre jetzt nicht beste Zeitpunkt für Mbappé wie Poldi nach Japan zu wechseln, um dort noch ein paar gute Jahre als Pokémon zu fristen? Und Paul Pogba wird bestimmt genau hingeguckt haben, als Per Mertesacker diese Woche sein launiges Abschiedsspiel veranstaltete. Wenn nicht, dann nur nicht, weil Deschamps Pogbas Zeit verschwendet und ihn immer noch im französischen Mittelfeld mitspielen lässt. Und dieser Pavard soll bekanntlich nächste Saison nach München wechseln, um Hummels UND Boateng zu beerben. Da wird das Unglück doch schon mit dem dicken Edding vorgezeichnet. In der deutsch-französischen Kiez-Kneipe in Paris haben sie sicherheitshalber die deutschen Würste auf der Weltmeisterplatte gelassen. Es lohnt sich wahrscheinlich nicht für die vier Jahre bis zur Katastrophe die Karte zu ändern. Wir ändern ja auch unsere Anstoßzeit (Samstag 10:30) seit Jahren nicht. Die Mannschaft wechselt dafür munter durch. Ab und zu dürfen sogar die beiden Pokémons mitspielen, die eigentlich gar kein Fußball spielen können.

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