Liegen ohne rot zu werden

So jetzt ist es aber wirklich gut hier. Dieses unverantwortliche paneuropäische Turnier muss ein Ende haben. Wir sind nicht mehr dabei, im Gegensatz zu acht anderen unwichtigen Ländern, die in 7 Spielen noch unbedingt herausfinden wollen, wer angeblich der Beste ist. Ohne uns ist das doch ein Muster ohne Wert. Wie beim ESC hat dieser undankbare Kontinent uns keine Punkte beschert. Stattdessen müssen wir wie Österreich den Rest des Sommers im Regen und ohne Schland-Jubel beim Grillen verbringen. Danke für nichts, Europa. Wenigstens moralisch sind wir doch der Europameister der Herzen. Nicht wie diese Engländer, denen Europa so egal ist und die dennoch diesen Titel haben wollen. Dafür machen sie in London das Stadion mit bierbäuchigen und rothaarigen Astra-Zeneca-Impflingen voll und lassen sogar die Kinder rein. Also dieses eine, diesen Knirps im Sakko, der mal König werden soll. Der sitzt nach den Ferien wieder in der Schule und steckt alle an. Das können wir nur verhindern, indem wir verbieten, dass die Engländer nach dem Turnier noch ihren Titel mit Sonnenbrand auf unseren Mallorca-Liegen feiern. Das können sie schön im Nieselregen von Brighton machen, während wir im Bierkönig die ersten olympischen Medaillen im Reiten und Schießen begießen. Diese sogenannte Europameisterschaft war doch sowieso ein Witz. Wichtig ist die in drei Jahren im besten Land der Welt. Huch, das ist ja zufällig unseres. Dazwischen gibt es noch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 Kopfgrätsche und irgendein Vorbereitungsturnier in einem Wüstenstaat. Da fahren wir zwar hin, aber nur um ein paar Prospekte für 2024 zu verteilen und ihnen den Kunstrasen zu zertrampeln. Wer da Weltmeister wird, interessiert doch keine Sau. Falls niemand sonst will, halten wir ihn natürlich kommissarisch und uneigennützig wie Dr. Rainer Koch warm. Vorzugsweise auf einer mallorquinischen Liege.  

Über den Klampf zum Spiel

Erschreckende Bilder aus dem Quartier der Nationalmannschaft! Soweit so normal. Jede Unterkunft bei jedem großen Turnier bietet Stoff für abendfüllende Märchenfestivals. Was hat man nicht schon alles erlebt? Der Geist von Spiez 1954, die Gelage am Schlucksee 1982 und dazwischen ganz viel Bohnerwachs und harte Doppelstockbetten in der Sportschule Malente. Ein ewiges Katz- und Mausspiel zwischen den Disziplinwächtern und den Spielern, die jedes Loch im Zaun für heimliche Sauftouren ausnutzen. Seit dem aber Oliver Bierhoff im klassisch englischen Hotel Mottram Hall in Prestbury bei Manchester zum Golden Boy von 1996 reifte, wird unter seiner Regentschaft bei der Quartierwahl nichts dem Zufall überlassen. Zwischen Campo Bahia (WM-Titel) und Watutinki (Vorrundenaus) war eigentlich schon alles dabei. Inzwischen ist aber nicht mehr wichtig, wo sich die nächste Kneipe befindet. Hauptsache das WLAN ist stabil genug. Das sollte auf dem Adidas-Campus in Herzogenaurach gegeben sein. In den täglichen Instastories muss man dann aber leider sehen wie die verwöhnten Jungprofis im Haus Platon die Akustikgitarren mit Liedern aus dem Anfängerkurs quälen statt sich anständig auf der Playstation vorzubereiten. Und was wollen sie uns mit der Liedauswahl sagen? In What’s Up heißt es schließlich: „25 years of my life and still. I’m trying to get up that great big hill of hope, for a destination“. Und wer wurde vor 25 Jahren Europameister? Golden Oli hat auch diesmal nichts dem Zufall überlassen. Ich soll euch noch von ihm folgende Akkorde durchgeben: Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30. Ihr wüsstet schon bescheid.

Bottle of Britain

Bei diesem Wetterchen sollte man stets auf Mario Basler, den Schutzheiligen der Dehydrierten, hören und genug trinken. Vielleicht kann man Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 noch etwas Fußball spielen, aber eher so auf die Basler-Art. Bloß nicht zu viel laufen und lieber die Standardsituationen nutzen, um zu glänzen. Und falls man beim Eckball einen Hut angeboten bekommt, kann man den ruhisch uffsedse. Des schadd nix. Als wir des ledzde mal Eurobbameisde geworde sinn, drübbe in England, da war de Mario mid dabei un had uffgebassd, dass de Oliver Bier(!)hoff, de Domas Helmer un auch de Domas Strunz immer Nachschub mit volle Flaschen an de Hodelba von Moddräm Hoall hadde. Na klar, Andi Brehme, Thomas Berthold oder Effe waren ja nicht mehr dabei. Mario machte zwar vor dem Turnier mit seinem Wechsel zu den Bayern die größten Schlagzeilen, aber sportlich konnte er aufgrund einer Verletzung nicht eingreifen. Liebend gern hätte er sich wie Gazza beim Jubel gegen Schottland auf den Dentist Chair gelegt. Aber am Tag des zweiten Vorrundenspiels gegen Russland flog er nach Hause, weil er im Training den russischen Star Andrej Kanchelskis doubeln sollte und Christian Ziege ihn im Zweikampf kaputt trat. Danach doubelte er nur noch den russischen Präsidenten Boris Yelzin mit dem nach ihm benannten Getränk zu Hause auf der Couch und wartete auf seine Medaille. Laut seiner Biographie „Eigentlisch bin isch ein subber Düb“ tut er das bis heute.

Warten auf Guetta

Vor fünf Jahren war die Welt noch in Ordnung und wir im klassischen EM- / WM-Rhythmus. Wir jubelten wie die Isländer und trafen uns draußen nicht für Gastro sondern PokemonGo. Wir merkten uns mit der Jahreszahl den Austragungsort, den Gewinner und was sonst noch so in dem Jahr passierte. Ronaldos Tränen, Meister Eder, das erste Ende von Zlatans Nationalmannschaftskarriere. Die EM-Hits, die heute noch jeder unter der Dusche mitsingt. Nee, ohne Scheiß ich musste sie natürlich noch mal googeln. „This one’s for you“ von David Guetta feat. Zara Larsson war der offizielle Liedbeitrag? Früher war mehr David Guetta und die Haare waren auch noch länger. Als gebürtiger Pariser durfte er sogar die Eröffnung pompös musikalisch untermalen. Mit zehntausenden Menschen auf dem Champ de Mars. Und als ob das noch nicht schlimm genug ist, durfte er vor dem Finale den Song auch noch einmal im Matchup mit Seven Nation Army aufführen. Zur Strafe coachte Ronaldo die Portugiesen zum Sieg. Und was dröhnt in diesem Jahr aus den Boxen? Für „We are the people“ von Martin Garrix feat. Bono und The Edge müssen die Iren aber vorerst nichts befürchten. Das Team ist leider nicht qualifiziert und Dublin wurde ein paar Wochen vor Turnierstart durch St. Petersburg ersetzt. Schade um die Textzeile: „We are the people of the open hand. The streets of Dublin to Notre Dame. We’ll build it better than we did before. We are the people we’ve been waiting for.“ Wir waiten auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 wieder auf People, die mit uns out of the ruins of hate and war from a broken place den Victory winnen.

In einem Schland vor unserer Zeit

In einigen Jahrzehnten sitzen sie da, die Fußballnerds und schwelgen in den guten alten Zeiten. Damals, als man noch zu jedem Turnier knuffige Hashtags erfand, unter denen man kleine Text- oder Witzbildbotschaften ins WWW postete, um mit echter Freude, ehrlicher Enttäuschung oder einfach nur noch mehr nerviger Nerdexpertise den Moment zu flankieren. Leider waren diese Botschaften ziemlich flüchtig, so dass nur die versiertesten Kenner und Sammler sich überhaupt an sie erinnern können. Gäbe es da nicht diesen alten klapprigen ehemaligen Mannschaftsbus, der in Patagonien als Hühnerhotel genutzt wird, würde sich wohl niemand an den avantgardistischen Dada-Hashtag #zsmmn erinnern, der stumpf und verblichen in seinem kryptischen Purismus ganz ohne LEDs auf den Seiten dieses fluguntüchtigen Verbrennervehikels prangt. Über die Bedeutung streiten die „Gelehrten“ im Doppelpass noch heute. Noch schwieriger verhält es sich mit der sagenumwobenen Formel „Jogis Jungs“, der aus einer besseren Zeit zu stammen scheint, in der noch echte Werte wie Team- und Sportsgeist über dem ungezügelten Kommerz standen. In schlechtaufgelösten 4K-Videos lässt sich dieser Schriftzug auf Tribünen erkennen, auf denen aus unerfindlichen Gründen nicht ein Zuschauer zu sitzen scheint. Lange suchte man in Deutschland und Dänemark vergeblich nach Spuren dieser Hieroglyphen, verglich in aufwändigen Tiefenscanns Baupläne von Stadien mit den Aufnahmen, doch am Ende führte die Spur ins ehemalige Österreich (heute Red-Bull-County). Für Fußballarchäologen ein echter Coup. Zum wahren Vergnügen dieser Experten lassen sich auch heute noch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 lebende Fußball-Fossilien auf einem Unterwasserplatz in der Region der einst überspülten Siedlung Wismar beobachten. Sie wurden wissenschaftlich umstritten der Gattung der Kopfgrätschler zugeordnet und sind zu diesen unerklärbaren Zeiten beim Rudern mit ihren Gliedmaßen zu sehen sobald ein Ball in ihre Nähe kommt. Die Fachwelt steht vor einem neuen scheinbar unlösbaren Rätsel, das nicht einmal in den Hashtag-Archiven nennenswerte Erwähnung findet.    

Nord-Nord-Nord-Deutschland

„Das alte Stadion am Stadtrand vergessen 
Das Kapital hat ein Stück Tradition gefressen
Leidenschaft kennt keine Liga
Der harte Kern kommt immer wieder
Die Ränge zerfallen, alles marode
Doch dieses Gefühl kommt nie aus der Mode

Im Finale der englischen Wochen
Hat es ihnen die Herzen gebrochen 
Im Zugabteil nur stumme Begleiter 
Doch das Leben geht weiter“

Erik Cohen (früher bekannt als Jack Letten bei der Hardcore-Band Smoke Blow) veröffentlichte den Song Englische Wochen als Reaktion auf das Scheitern von Holstein Kiel (an 1860 München) in der Relegation zur 2. Liga 2015. Super Timing, denn ein paar Wochen nach dem Release 2018 stand die nächste Relegation für Holstein an. Diesmal um den Aufstieg zur 1. Liga. Wiederum war der klassenhöhere Gegner (VfL Wolfsburg) zu stark für die Störche. Im bewährten Dreijahresrhythmus muss der letzte Mohikaner aus dem Handballbundesland in einer weiteren Relegation bestehen, damit nicht am Ende Hertha BSC die unerfüllbare Rolle als Nordclub in der ersten Bundesliga zufällt. Nicht nur deswegen hoffen viele, dass es diesmal gegen Köln klappt. Auf jeden Fall sind die vielen englischen Wochen von Holstein so inspirierend, so dass es auch uns nach Samstag 10:30 auch Mittwoch 18:00 wieder auf den Platz zieht. Zum Auftakt unserer eigenen englischen Wochen.

The Expendaballs

Jetzt kommt es auf die Alten an. Endlich muss man fast sagen. Bevor die Alten immer jünger werden, können sie mit ihrer erfahrenen Köpfen und durchgeimpften Körpern noch mal den Karren aus dem Dreck ziehen. In diesen haben sich die Jungen 30 Spieltage lang akribisch mit ihren „Innovation“ reingegraben. Aber kurz vor Schluss müssen die Experimente ein Ende haben. Da fährt man besser mit bewährten Krisenmanagern. Friedhelm Funkel und Horst Hrubesch sind die Expandables und sie werden beweisen, dass es die Alten es nach wie vor drauf haben. Die Schrebergärten und Boule-Bahnen im Park sind aber immer noch voll mit gelangweilten Senioren, die aktuell keine Kaffeefahrten und Bingo-Megaevents wahrnehmen können. Jeder Club hat doch seinen verdienten Opa im Schrank, der jederzeit heiß darauf ist die Angelrute in die Ecke zu pfeffern, um den Jungen noch mal so richtig bescheid zu geben. Noch ist etwas Restsaison übrig. Und danach kann man immer noch aufs Kreuzfahrtschiff humpeln. Nur ein kurzer Anruf auf dem Festnetztelefon und Aleksandar Ristic, Thomas Schaaf, Otto Rehhagel, Hans Meyer und Huub Stevens holen das Kopfballpendel und die Medizinbälle aus der Doppelgarage. Nur die Nummer von Jupp Heynckes kann man inzwischen nur noch aufwändig übers Zeugenschutzprogramm in Erfahrung bringen.

Junger Mann zum Reinschreien gesucht

Kommse her, kommse ran! Wer hat noch nicht? Wer will noch mal? Jetzt geht’s wieder loslosloslos! Ab geht die wilde Fahrt! Euer Lieblings-Energydrink setzt wieder einen frischen Trainer aufs Karussell. Der nächste Jesse Marsch, Julian Nagelsmann, Marco Rose, Adi Hütter, Oliver Glasner, Niko Kovac, Bo Svensson, Frank Kramer steht schon in den Startlöchern. If you can make it there you can make it anywhere. Und das gilt für New York genauso wie für Leipzig, Salzburg oder Liefering. Dieser Gummibärensaft verleiht wahrlich Superkräfte und lässt dich bis in die höchsten Beletagen hüpfen. So sehr viele auch davor warnen, dass einem womöglich schlecht von dem Bullenelexier wird – es scheint doch der Saft zu sein, mit dem man heutzutage geimpft sein muss, um ganz nach oben zu stürmen. Auch vielen Spielern scheint es nicht geschadet zu haben. Der Recommandeur der roten Brause war seit 2012 Ralf Rangnick, dessen Fahrgeschäfte mittlerweile in jeder Stadt mit Profifussball stehen. Inzwischen hat er hauptsächlich damit zu tun, interessierte Vereine abzuwimmeln bevor die überhaupt an ihn denken konnten. Also wer kein Fan von Weiterso ist oder wer sich vorstellen kann auch mal Robby Bubble in seinen Premiumschnaps zu kippen: jetzt einsteigen, jetzt loslegen, jetzt dabeisein!

Invest in nichts Neues

Letzte Woche konnte man noch nichts zur Super League sagen. Heute muss man es nicht mehr. Vorbildlichst wurden in den letzten Tagen die Kontakte von Florentino Perez reduziert bis die Super League nur noch ein Trainingsspiel von Real Madrid A gegen Real Madrid B gewesen wäre. Das Ranwanzen an die eSports-Zielgruppe hatte natürlich die berechtigte Frage aufgeworfen, warum man diesen neuen Wettbewerb nicht gleich an der Konsole austrägt. Neunzig Minuten können selbstverständlich sehr lang werden, wenn man spätestens alle 10 Minuten seinen Followern ein Lebenszeichen senden muss. Die Super League tut das aktuell nicht und wurde prompt für tot erklärt. Das wöchentliche Kopfgrätsche-Lebenszeichen lässt euch ja auch von Sonntag bis Freitag im Ungewissen, ob es diese sympathische Stümperei am Samstag noch geben wird. Mit einem passenden Investor könnte man das natürlich schnell ändern. Wir bieten 12,5% für nur einen halben Haaland-Zeh und das Auto von Mark Uth. Wir als Familienunternehmen nehmen jeden Platz, auch den im Regal. Und wenn der Frank will, machen wir auch gern eine App. Mit der feuern wir dann die Nachrichten im Fünfminutentakt raus. Ob die Fußballqualität dadurch skaliert? Fragen wir doch unseren Experten für windige Business-Schnösel mit der New-England-Patriots-Bommelmütze: „Was war das für ’ne Frage? Natürlich nicht!“

Ereigniskarte aus der Gesäßtasche

And here are the Shortlist Nominees for „Das Spiel des Jahres 2021“: Solohalma, Was bin ich? (Zoom-Edition), Offiziersskat, Mastermind, Schiffe versenken und Büchse gegen das Garagentor. All dieser Krempel, für den man umständlich ein Brett aufbauen muss, für das der Küchentisch zu klein ist, für den man die halbe Welt in machthungrige Nationen aufteilen muss, für den man sich aufwändig merken muss mit welcher Farbe der Palette man spielt, um dann doch immer wieder ocker und orange zu verwechseln, für den man zwei Proberunden braucht bis auch der Letzte die Regeln aus 30 Seiten Anleitung verstanden hat, bei dem der Verlierer nicht gleichzeitig auch der zweite Sieger sein kann – all diesen Krempel können wir leider nicht berücksichtigen. Entsprechend empfehlen wir auf Spielgeräte zu setzen, die eindeutig den Weg zum Spielpartner finden und nicht womöglich durch chaotische Flugeigenschaften Unbeteiligte anlocken. Im Idealfall spielt jeder einfach gegen das Spielgerät und falls man dann immer noch keine Chance hat, macht man es wie die Taube auf dem Schachbrett von Eric Cantona. Obwohl wir von dem allzu vertrauten Kontakt mit Tieren dringend abraten. So hat der ganze Schlamassel doch angefangen. Und falls es doch mal langweilig werden sollte, denkt immer daran: jedes Spiel wird doppelt so lustig, wenn man noch einen achteckigen Würfel dazu nimmt.

Im Reich des Mittelfeldgeplänkels

Beim Teutates, der Antivirus kommt! Gestern kündigte Zlatan an, dass er demnächst Caius Antivirus in seinem IMDb-Profil stehen haben wird. Aktuell wird er dort noch als Oneofus für den kommenden Komödienhit aus Frankreich „Asterix im Reich der Mitte“ (Working Title)  geführt. Der neuste Film der Asterix-Reihe wird von Guillaume Canet geplant und befindet sich gerade in der Pre-Production. Wahrscheinlich werden wir noch eine Menge davon hören, wenn das neuste Gallier-Abenteuer tatsächlich in China spielen soll. Die Klischeefallen sind natürlich sehr schwer zu umdribbeln und der Rollenname Antivirus lässt doch erahnen, dass jede Steilvorlage nach Zlatan-Art eiskalt verwandelt wird. Wegen Guillaume Canet als Asterix, Marion Cotillard als Cleopatra und Vincent Cassel als Cesar muss man den natürlich auf jeden Fall gucken. Aber eine diplomatische Eiszeit mit den Chinesen lässt sich eigentlich nur verhindern, wenn weitere Fußballpromis wichtige Rollen spielen. Manuel Neuer als Reklamierarmix, Marco Reus als Fahrerlaubnix, Joshua Kimmich als Kimmix und natürlich Erling Haaland als der junge Obelix wie er gerade in den Zaubertrank gefallen ist. Der Endkampf mit Zlatan in den Impfzentren Babaorum, Laudanum, Kleinbonum und Aquarium wird episch. Am Ende erwarte ich von Vincent Cassel das unvermeidliche Bonmot: „Antivirus, gib mir meine Coronen wieder!“

4-Eck gewinnt

Wir grätschen im 4-Eck
Wir grätschen konzentriert
Ich grätsch mit dir
Du grätschst mit mir
Ich du ich du …
Ich du du …
Wir grätschen konzentriert

Das ist meine Grätsche zu dir
Ich will dich abhängig machen von mir
Du sollst genauso sein wie ich
Du sollst mein Zwilling sein
Das ist meine Grätsche zu dir

Repose en paix Françoise Cactus

Matrix 17 mit Selbstüberschätzung

Kopfgrätsche-Matrix: Dreiklang aus „ins Gesicht“, Kontraktion, Contenance. Rote oder blaue Pille? Egal, Hauptsache das Ding ist rund und gut aufgepumpt. Und wenn der Torhüter die Öffnungsmatrix seiner Beine nicht unter Kontrolle hat, gibt es eine Aussicht auf Höffnungen. Er wird eventuell einräumen, dass dieser Fehler allein sein Fehler war (quasi qua Amt), aber wir alle wissen: die Fehlerviererkette begann mit einem Duplo. Die hatten letztes Jahr die Sammelbildchen drin und mit einem Jahr Verzögerung hat doch niemand mehr Bock auf Einkleben und Tauschen. Inzwischen muss man fast wieder Müller, Hummels und Boa aus dem Sammelalbum 2014 knibbeln, um Aktualität zu simulieren. Zum Glück hat sich Jogi in den letzten 15 Jahren optisch kaum verändert. Der Saison-Experte fürs Eierkraulen muss in der Karwoche schon mal die WM-Quali für seinen Nachfolger anschieben. Auch wenn er die Qualifikationsspiele in seine Teststrategie einbauen kann, sendete er eine geheime Botschaft auf den Trikots der Spieler, um auf seine Human Rights als freier Mann nach der EM aufmerksam zu machen. Motivationstechnisch liegen diese Spiele für ihn eindeutig kurz vor Nations League gegen Spanien. Vielleicht hätte man auch das lieber Thommy Gottschalk übertragen sollen. Der hat noch jede Show auf ’ner halben Arschbacke zu Ende gebracht. Seine Wurschtigkeit könnte auch unsere Geheimwaffe im deutschen Pandemiemanagement sein. MPKs würden sich durch ihn zwar nicht signifikant verkürzen, aber wir könnten statt Duplo auch mal Haribo probieren.

Ruhe bitte!

Claus hat die Ruhe nicht mehr ausgehalten. Und nun dürfen morgen endlich wieder Menschen zum Fußball. In der Stadt der 7 Tore, 7 Türme, 7-Tage-Inzidenzen lassen sie Samstag gegen den Halleschen Komet natürlich genau 777 Zuschauer ins Ostsee-Stadion. Sogar NDR und MDR werden dieses exotische Event live übertragen. Ob sie auch Kameras für das Geschehen auf dem Spielfeld aufstellen werden, ist noch offen. Viele Fans hoffen wahrscheinlich, dass sie die Spieler nicht zu sehr stören. Bei Hansa lief es ja zuletzt ohne das Publikum ganz gut. Frei nach dem Motto: ich kann nicht, wenn jemand zuguckt. Und es wäre natürlich äußerst unglücklich, wenn die bohrenden Blicke von Menschen am Ende den greifbaren Aufstieg kosten. Einige fragen sich nun, was macht man eigentlich normalerweise in einem Stadion, wenn man selbst nicht spielt? Und wie hält man gut lesbar aber anonym das „Hurensohn“-Banner hoch, wenn der nächste Zuschauer zwei Blöcke weiter sitzt? Die Kameras werden das genau dokumentieren. Claus Ruhe Madsen sollte diese Chance nutzen und wenigstens als Fallschirmspringer den Ball auf den Anstosspunkt legen. Spätestens dann sollte er zum beliebtesten Dänen in Rostock seit Martin Retov werden. Wir sind gespannt und erwarten exakt sieben Tore.

Kiricocho

Dürlich Dürlich. Deutschland sucht den neuen Bundestrainer. Also jetzt offiziell. Spekuliert wird ja schon seit mindestens 3 Jahren. Aber was ist eigentlich genau das Jobprofil? Man sollte sicher eine gute Haut fürs Werbefernsehen haben. Da kann Kloppo natürlich gut punkten. Vor allem, weil er nicht nur Marken aus dem Hause Beiersdorf präsentieren kann, sondern gleich noch Deutschland als Bier- und Autoland nach vorne grinst. Lächeln wurde ja bei Jogi jahrelang vermieden. Die Faltencreme wäre sonst zum Ladenhüter geworden. Aber modisch hat der Joachim definitiv Maßstäbe gesetzt. Auf dem Level kann eigentlich nur Julian Nagelsmann mithalten. Mit ihm würde sich die Farbpalette sogar noch großzügig erweitern. Den schwarzen Rolli ergänzt mit roten Sneakern und einer knallgelben Matratzenjacke – da weiß man mit Blick auf die Trainerbank gleich welches Land spielt. Aber warum eigentlich nicht mal ein Franke? Wenn in diesem Jahr der Zwillingspaarlauf von Angela und Jogi endet, wäre es doch logisch, dass neben dem Franken im Kanzleramt auch einer Fußballdeutschland verantwortet. Zwar ist er seit 10 Jahren raus aus dem Trainingsanzug, aber die Aufstellung würde sowieso Julian Reichelt machen. Sky muss nicht the Limit bleiben und der Bock wird nicht zum Greenkeeper gemacht. Dieses Match kann eigentlich nur verhindert werden, wenn jetzt jemand laut „Kiricocho!“ ruft.

Taskhorst Testspiel

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt. Der für uns zuständige Minister ist welcher? Ja, da kommt man nicht so einfach drauf. Kleiner Tipp: er hat auch noch das Heimatmuseum unter sich. Richtig, genau der. Von dem hört man allerdings in letzter Zeit nicht so viel. Und das ist ja nun wirklich nicht das schlechteste Zeichen. Schlimmer wäre es, er müsste sich in irgendwelchen Taskforcen engagieren und andere Minister beim Tests bestelle un‘ Bälle uffbumbe unterstützen. Dafür haben sie tatsächlich doch ein paar andere Experten gefunden. Und denen würde man sogar den FC Schalke anvertrauen. Der Heimatmuseumsdirektor kann sich somit in aller Ruhe um den Sport kümmern. Bzw. er lässt einfach die Länder und Kommunen machen. Die können dann selbst entscheiden, ob Red Bull Leipzig (wie sie Schweini frecherweise unverblümt im Ersten nennt) eher als Einzelhandel, Gastro  oder Zoo gilt. Schwierig. Wenn Wodka dabei wäre, wäre es eindeutig. Bayer Leverkusen war wenigstens so clever die Systemrelevanz im Vereinsnamen zu verankern. Insgesamt haben es die alten BSGs einfacher, unter den Mantel einer relevante Branche zu schlüpfen. Da hilft es wenig, wenn man heißt wie eine Kleinkunstbühne. Daran haben wir mit dem Namen Kopfgrätsche leider nie gedacht. Aber vielleicht sind wir irgendwann interessant genug fürs Heimatmuseum. 

Jogger Bonito

Bitte laufen Sie weiter. Hier gibt es nix zu sehen. Und dort, wo es was zu sehen gibt, da wird zu wenig gelaufen. Warum sonst, sollte man den Joggern an der Alster eine Maske vorschreiben? Da wurde doch eindeutig zu viel Pause gemacht oder in lockeren Dehngrüppchen das Smartphone mit den Ergebnissen aus der Lauf-App rumgereicht. Merke: spätestens, wenn der Erste mit einem ToGo(!)-Becher in der Laufgruppe auftaucht und einen die Rollatoren aus dem Weg klingeln, ist die Minimalspeed definitiv unterschritten. Die Schnellen und die Langsamen kommen sich also wieder näher und dass das in Hamburg passiert, kann man mit Blick auf die Zweitligatabelle nur logisch nennen. Während der HSV anfängt, sich trotz eines komfortablen Vorsprungs nach dem Lieblingsderby-Partner umzuschauen, bekommt St. Pauli plötzlich die zweite Frühlingsluft, um sie dem HSV in den Nacken zu atmen. Dabei waren die Rothosen doch schon auf sicherem Überrundungskurs. Aber mit den süßen Erinnerungen aus den vergangenen Derbys haben sich beide wieder angenähert. Rechtzeitig, um am Montag gemeinsam um die Alster zu joggen. Klar, dass die Stadt darauf reagieren musste. Nur so sind auch in der nächsten Saison alle Schwarzweißblauen und Braunweißen wieder dabei beim schnoddrigem Prederby-Gefrotzel. Dass man dabei nicht ins Laufen kommt: geschenkt. Moment, läuft der Grünweiße da vorne etwa rückwärts, damit wir ihn einholen können?

Dem Ochs ins Horn gepetzt

Der Schnee ist plötzlich weg, obwohl Marcel Schmelzer schon lange nicht mehr auf dem Platz stand. Über diesen alten Arnd-Zeigler-Gag konnte Kloppo damals herzhaft lachen, als er noch den BVB bei Pokalspielen auf vereisten Amateurplätzen coachte. Diese Woche wäre er fast nach Deutschland zurückgekehrt. Am Ende ist er wohl nur drübergeflogen. Als Arbeitnehmer in England darf er aktuell nicht einmal die Kernfamilie in Deutschland begraben. Fußball in Ungarn hingegen geht. Aber sogar über Fuschl am See wäre Kloppo nicht wie viele Sachsen damals ’89 in die Bundesrepublik reingekommen. Aki Watzke tröstet sich derweil damit, dass nächste Saison immerhin ein Ex-Spieler von Klopp den BVB trainieren wird. Kloppo und Arnd hätten viel Spaß gehabt, wäre es Andrööösen geworden. Marco Röööse äh Rose darf aber als gebürtiger Leipziger bestimmt auch jederzeit in den Freistaat einreisen. Und in Fuschl hat er vielleicht auch noch einen Schlüssel, den er 2019 vergessen hat abzugeben. Wenn man sich seine Pöbelstatistik anguckt, kann man sich durchaus vorstellen, dass er in 10 Jahren das Snickersgesicht ist. Nur Marcel Schmelzer wird er bei Eis und Schnee nicht mehr aufstellen. Der beendet am 34. Spieltag zusammen mit Lukasz Piszczek und Sven Bender seine Bundesliga-Karriere beim Spiel Dortmund gegen Leverkusen. Es wäre zu wünschen, dass Jürgen Klopp dafür als Zuschauer ins Stadion darf.

Linke Kleber

Das Panini-Album atmet auf. Endlich können sie bald wieder ganz legal die neusten Frisurentrends mit Fußballstars dran auf Aufkleber drucken. Das Leben im Zwielicht ist für die Kicker somit vorbei. Jedenfalls für die zwei, die ihr Einkommen vernünftig versteuern. Besonders gefragt sein werden natürlich die Coiffeure, die neben der Scheren auch noch die Nadel bedienen können. Karlheinz Rummenigge würde sich zwar wünschen, dass Vakzin die Nadel verlässt, aber am Ende wird es oft nur bunte Tinte sein. Die Würde eines Fußballers misst sich eben auch daran, dass er nicht mit den gleichen Tattoos aus der alten Fifa-Version gespielt werden muss. Als exklusive Neuheit in den Tütchen wartet Sticker-Material für eine Doppelseite, auf der Kalle Rummenigge die neusten Maskentragetrends präsentiert. Diesen Motive auf Glitzerpapier haben schließlich schon als Memes eine große Fanschar überzeugt. In den bisherigen Panini-Alben standen bisher vor allem die Haarmoden der letzten Jahrzehnte im Fokus. Von Günter Netzer über Maik Werner bis zu Marco Reus – jede Zeit hat ihre Rolemodels. Und in Vorfreude auf den März kann man die alten Alben durchblättern und schon einmal ein paar Favoriten einkreisen. Und wenn dann irgendwann endlich die Fußpfleger wieder aufmachen, passen wir auch bald in unsere Fußballschuhe.

V is for Victory

Дружба! Jetzt sollte sich doch endlich einmal auszahlen, dass wir jahrelang russisches Vokabular auf unserem roten Platz geübt haben. Gut, Kuranyi war zwar der leicht spöttische Tarnname, mit dem Doppelagenten getauft wurden, die sehr flexibel zwischen den Teams wechselten. Aber jetzt wo bald der Stoff kommt, der uns allesamt wieder in die Stadien und Sportanlagen spült, sollten wir unseren Rettern zeigen, dass wir nicht nur systemrelevant sondern auch systemflexibel sind. Lassen wir also die Champions-League-Hymne und Hansa Forever mal kurz stecken, hier sind die wichtigen Textblätter für die Kurve. Die Melodie sollte noch sehr präsent sein und sorry für den Ohrwurm für den Rest des Wochenendes:

Ladies and Gentlemen, this is Sputnik Number V.

A little bit of Spartak in my life
A little bit of Dynamo by my side
A little bit of Rotor is all I need
A little bit of Loko is what I see
A little bit of Alanija in the sun
A little bit of Zenit all night long
A little bit of ZSKA, here I am
A little bit of you makes me your man