Im Reich des Mittelfeldgeplänkels

Beim Teutates, der Antivirus kommt! Gestern kündigte Zlatan an, dass er demnächst Caius Antivirus in seinem IMDb-Profil stehen haben wird. Aktuell wird er dort noch als Oneofus für den kommenden Komödienhit aus Frankreich „Asterix im Reich der Mitte“ (Working Title)  geführt. Der neuste Film der Asterix-Reihe wird von Guillaume Canet geplant und befindet sich gerade in der Pre-Production. Wahrscheinlich werden wir noch eine Menge davon hören, wenn das neuste Gallier-Abenteuer tatsächlich in China spielen soll. Die Klischeefallen sind natürlich sehr schwer zu umdribbeln und der Rollenname Antivirus lässt doch erahnen, dass jede Steilvorlage nach Zlatan-Art eiskalt verwandelt wird. Wegen Guillaume Canet als Asterix, Marion Cotillard als Cleopatra und Vincent Cassel als Cesar muss man den natürlich auf jeden Fall gucken. Aber eine diplomatische Eiszeit mit den Chinesen lässt sich eigentlich nur verhindern, wenn weitere Fußballpromis wichtige Rollen spielen. Manuel Neuer als Reklamierarmix, Marco Reus als Fahrerlaubnix, Joshua Kimmich als Kimmix und natürlich Erling Haaland als der junge Obelix wie er gerade in den Zaubertrank gefallen ist. Der Endkampf mit Zlatan in den Impfzentren Babaorum, Laudanum, Kleinbonum und Aquarium wird episch. Am Ende erwarte ich von Vincent Cassel das unvermeidliche Bonmot: „Antivirus, gib mir meine Coronen wieder!“

4-Eck gewinnt

Wir grätschen im 4-Eck
Wir grätschen konzentriert
Ich grätsch mit dir
Du grätschst mit mir
Ich du ich du …
Ich du du …
Wir grätschen konzentriert

Das ist meine Grätsche zu dir
Ich will dich abhängig machen von mir
Du sollst genauso sein wie ich
Du sollst mein Zwilling sein
Das ist meine Grätsche zu dir

Repose en paix Françoise Cactus

Matrix 17 mit Selbstüberschätzung

Kopfgrätsche-Matrix: Dreiklang aus „ins Gesicht“, Kontraktion, Contenance. Rote oder blaue Pille? Egal, Hauptsache das Ding ist rund und gut aufgepumpt. Und wenn der Torhüter die Öffnungsmatrix seiner Beine nicht unter Kontrolle hat, gibt es eine Aussicht auf Höffnungen. Er wird eventuell einräumen, dass dieser Fehler allein sein Fehler war (quasi qua Amt), aber wir alle wissen: die Fehlerviererkette begann mit einem Duplo. Die hatten letztes Jahr die Sammelbildchen drin und mit einem Jahr Verzögerung hat doch niemand mehr Bock auf Einkleben und Tauschen. Inzwischen muss man fast wieder Müller, Hummels und Boa aus dem Sammelalbum 2014 knibbeln, um Aktualität zu simulieren. Zum Glück hat sich Jogi in den letzten 15 Jahren optisch kaum verändert. Der Saison-Experte fürs Eierkraulen muss in der Karwoche schon mal die WM-Quali für seinen Nachfolger anschieben. Auch wenn er die Qualifikationsspiele in seine Teststrategie einbauen kann, sendete er eine geheime Botschaft auf den Trikots der Spieler, um auf seine Human Rights als freier Mann nach der EM aufmerksam zu machen. Motivationstechnisch liegen diese Spiele für ihn eindeutig kurz vor Nations League gegen Spanien. Vielleicht hätte man auch das lieber Thommy Gottschalk übertragen sollen. Der hat noch jede Show auf ’ner halben Arschbacke zu Ende gebracht. Seine Wurschtigkeit könnte auch unsere Geheimwaffe im deutschen Pandemiemanagement sein. MPKs würden sich durch ihn zwar nicht signifikant verkürzen, aber wir könnten statt Duplo auch mal Haribo probieren.

Ruhe bitte!

Claus hat die Ruhe nicht mehr ausgehalten. Und nun dürfen morgen endlich wieder Menschen zum Fußball. In der Stadt der 7 Tore, 7 Türme, 7-Tage-Inzidenzen lassen sie Samstag gegen den Halleschen Komet natürlich genau 777 Zuschauer ins Ostsee-Stadion. Sogar NDR und MDR werden dieses exotische Event live übertragen. Ob sie auch Kameras für das Geschehen auf dem Spielfeld aufstellen werden, ist noch offen. Viele Fans hoffen wahrscheinlich, dass sie die Spieler nicht zu sehr stören. Bei Hansa lief es ja zuletzt ohne das Publikum ganz gut. Frei nach dem Motto: ich kann nicht, wenn jemand zuguckt. Und es wäre natürlich äußerst unglücklich, wenn die bohrenden Blicke von Menschen am Ende den greifbaren Aufstieg kosten. Einige fragen sich nun, was macht man eigentlich normalerweise in einem Stadion, wenn man selbst nicht spielt? Und wie hält man gut lesbar aber anonym das „Hurensohn“-Banner hoch, wenn der nächste Zuschauer zwei Blöcke weiter sitzt? Die Kameras werden das genau dokumentieren. Claus Ruhe Madsen sollte diese Chance nutzen und wenigstens als Fallschirmspringer den Ball auf den Anstosspunkt legen. Spätestens dann sollte er zum beliebtesten Dänen in Rostock seit Martin Retov werden. Wir sind gespannt und erwarten exakt sieben Tore.

Kiricocho

Dürlich Dürlich. Deutschland sucht den neuen Bundestrainer. Also jetzt offiziell. Spekuliert wird ja schon seit mindestens 3 Jahren. Aber was ist eigentlich genau das Jobprofil? Man sollte sicher eine gute Haut fürs Werbefernsehen haben. Da kann Kloppo natürlich gut punkten. Vor allem, weil er nicht nur Marken aus dem Hause Beiersdorf präsentieren kann, sondern gleich noch Deutschland als Bier- und Autoland nach vorne grinst. Lächeln wurde ja bei Jogi jahrelang vermieden. Die Faltencreme wäre sonst zum Ladenhüter geworden. Aber modisch hat der Joachim definitiv Maßstäbe gesetzt. Auf dem Level kann eigentlich nur Julian Nagelsmann mithalten. Mit ihm würde sich die Farbpalette sogar noch großzügig erweitern. Den schwarzen Rolli ergänzt mit roten Sneakern und einer knallgelben Matratzenjacke – da weiß man mit Blick auf die Trainerbank gleich welches Land spielt. Aber warum eigentlich nicht mal ein Franke? Wenn in diesem Jahr der Zwillingspaarlauf von Angela und Jogi endet, wäre es doch logisch, dass neben dem Franken im Kanzleramt auch einer Fußballdeutschland verantwortet. Zwar ist er seit 10 Jahren raus aus dem Trainingsanzug, aber die Aufstellung würde sowieso Julian Reichelt machen. Sky muss nicht the Limit bleiben und der Bock wird nicht zum Greenkeeper gemacht. Dieses Match kann eigentlich nur verhindert werden, wenn jetzt jemand laut „Kiricocho!“ ruft.

Taskhorst Testspiel

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt. Der für uns zuständige Minister ist welcher? Ja, da kommt man nicht so einfach drauf. Kleiner Tipp: er hat auch noch das Heimatmuseum unter sich. Richtig, genau der. Von dem hört man allerdings in letzter Zeit nicht so viel. Und das ist ja nun wirklich nicht das schlechteste Zeichen. Schlimmer wäre es, er müsste sich in irgendwelchen Taskforcen engagieren und andere Minister beim Tests bestelle un‘ Bälle uffbumbe unterstützen. Dafür haben sie tatsächlich doch ein paar andere Experten gefunden. Und denen würde man sogar den FC Schalke anvertrauen. Der Heimatmuseumsdirektor kann sich somit in aller Ruhe um den Sport kümmern. Bzw. er lässt einfach die Länder und Kommunen machen. Die können dann selbst entscheiden, ob Red Bull Leipzig (wie sie Schweini frecherweise unverblümt im Ersten nennt) eher als Einzelhandel, Gastro  oder Zoo gilt. Schwierig. Wenn Wodka dabei wäre, wäre es eindeutig. Bayer Leverkusen war wenigstens so clever die Systemrelevanz im Vereinsnamen zu verankern. Insgesamt haben es die alten BSGs einfacher, unter den Mantel einer relevante Branche zu schlüpfen. Da hilft es wenig, wenn man heißt wie eine Kleinkunstbühne. Daran haben wir mit dem Namen Kopfgrätsche leider nie gedacht. Aber vielleicht sind wir irgendwann interessant genug fürs Heimatmuseum. 

Jogger Bonito

Bitte laufen Sie weiter. Hier gibt es nix zu sehen. Und dort, wo es was zu sehen gibt, da wird zu wenig gelaufen. Warum sonst, sollte man den Joggern an der Alster eine Maske vorschreiben? Da wurde doch eindeutig zu viel Pause gemacht oder in lockeren Dehngrüppchen das Smartphone mit den Ergebnissen aus der Lauf-App rumgereicht. Merke: spätestens, wenn der Erste mit einem ToGo(!)-Becher in der Laufgruppe auftaucht und einen die Rollatoren aus dem Weg klingeln, ist die Minimalspeed definitiv unterschritten. Die Schnellen und die Langsamen kommen sich also wieder näher und dass das in Hamburg passiert, kann man mit Blick auf die Zweitligatabelle nur logisch nennen. Während der HSV anfängt, sich trotz eines komfortablen Vorsprungs nach dem Lieblingsderby-Partner umzuschauen, bekommt St. Pauli plötzlich die zweite Frühlingsluft, um sie dem HSV in den Nacken zu atmen. Dabei waren die Rothosen doch schon auf sicherem Überrundungskurs. Aber mit den süßen Erinnerungen aus den vergangenen Derbys haben sich beide wieder angenähert. Rechtzeitig, um am Montag gemeinsam um die Alster zu joggen. Klar, dass die Stadt darauf reagieren musste. Nur so sind auch in der nächsten Saison alle Schwarzweißblauen und Braunweißen wieder dabei beim schnoddrigem Prederby-Gefrotzel. Dass man dabei nicht ins Laufen kommt: geschenkt. Moment, läuft der Grünweiße da vorne etwa rückwärts, damit wir ihn einholen können?

Dem Ochs ins Horn gepetzt

Der Schnee ist plötzlich weg, obwohl Marcel Schmelzer schon lange nicht mehr auf dem Platz stand. Über diesen alten Arnd-Zeigler-Gag konnte Kloppo damals herzhaft lachen, als er noch den BVB bei Pokalspielen auf vereisten Amateurplätzen coachte. Diese Woche wäre er fast nach Deutschland zurückgekehrt. Am Ende ist er wohl nur drübergeflogen. Als Arbeitnehmer in England darf er aktuell nicht einmal die Kernfamilie in Deutschland begraben. Fußball in Ungarn hingegen geht. Aber sogar über Fuschl am See wäre Kloppo nicht wie viele Sachsen damals ’89 in die Bundesrepublik reingekommen. Aki Watzke tröstet sich derweil damit, dass nächste Saison immerhin ein Ex-Spieler von Klopp den BVB trainieren wird. Kloppo und Arnd hätten viel Spaß gehabt, wäre es Andrööösen geworden. Marco Röööse äh Rose darf aber als gebürtiger Leipziger bestimmt auch jederzeit in den Freistaat einreisen. Und in Fuschl hat er vielleicht auch noch einen Schlüssel, den er 2019 vergessen hat abzugeben. Wenn man sich seine Pöbelstatistik anguckt, kann man sich durchaus vorstellen, dass er in 10 Jahren das Snickersgesicht ist. Nur Marcel Schmelzer wird er bei Eis und Schnee nicht mehr aufstellen. Der beendet am 34. Spieltag zusammen mit Lukasz Piszczek und Sven Bender seine Bundesliga-Karriere beim Spiel Dortmund gegen Leverkusen. Es wäre zu wünschen, dass Jürgen Klopp dafür als Zuschauer ins Stadion darf.

Linke Kleber

Das Panini-Album atmet auf. Endlich können sie bald wieder ganz legal die neusten Frisurentrends mit Fußballstars dran auf Aufkleber drucken. Das Leben im Zwielicht ist für die Kicker somit vorbei. Jedenfalls für die zwei, die ihr Einkommen vernünftig versteuern. Besonders gefragt sein werden natürlich die Coiffeure, die neben der Scheren auch noch die Nadel bedienen können. Karlheinz Rummenigge würde sich zwar wünschen, dass Vakzin die Nadel verlässt, aber am Ende wird es oft nur bunte Tinte sein. Die Würde eines Fußballers misst sich eben auch daran, dass er nicht mit den gleichen Tattoos aus der alten Fifa-Version gespielt werden muss. Als exklusive Neuheit in den Tütchen wartet Sticker-Material für eine Doppelseite, auf der Kalle Rummenigge die neusten Maskentragetrends präsentiert. Diesen Motive auf Glitzerpapier haben schließlich schon als Memes eine große Fanschar überzeugt. In den bisherigen Panini-Alben standen bisher vor allem die Haarmoden der letzten Jahrzehnte im Fokus. Von Günter Netzer über Maik Werner bis zu Marco Reus – jede Zeit hat ihre Rolemodels. Und in Vorfreude auf den März kann man die alten Alben durchblättern und schon einmal ein paar Favoriten einkreisen. Und wenn dann irgendwann endlich die Fußpfleger wieder aufmachen, passen wir auch bald in unsere Fußballschuhe.

V is for Victory

Дружба! Jetzt sollte sich doch endlich einmal auszahlen, dass wir jahrelang russisches Vokabular auf unserem roten Platz geübt haben. Gut, Kuranyi war zwar der leicht spöttische Tarnname, mit dem Doppelagenten getauft wurden, die sehr flexibel zwischen den Teams wechselten. Aber jetzt wo bald der Stoff kommt, der uns allesamt wieder in die Stadien und Sportanlagen spült, sollten wir unseren Rettern zeigen, dass wir nicht nur systemrelevant sondern auch systemflexibel sind. Lassen wir also die Champions-League-Hymne und Hansa Forever mal kurz stecken, hier sind die wichtigen Textblätter für die Kurve. Die Melodie sollte noch sehr präsent sein und sorry für den Ohrwurm für den Rest des Wochenendes:

Ladies and Gentlemen, this is Sputnik Number V.

A little bit of Spartak in my life
A little bit of Dynamo by my side
A little bit of Rotor is all I need
A little bit of Loko is what I see
A little bit of Alanija in the sun
A little bit of Zenit all night long
A little bit of ZSKA, here I am
A little bit of you makes me your man

Was ich im Grätschen traf (Meine eigene Nationalhymne)

Was ich auf dem Platz tat
Das war bestimmt nicht immer richtig
Ich nahm den Ball auch manchmal an
Und nahm doch manches nicht so wichtig

Wenn ich auch ganz gewiss
Mich nicht von Schuld und dich vorm Tor frei seh
Verzeihen Sie, wenn ich sag
I gräscht it my way

Ich kenn das auf und ab
Den Jubel und die bittren Tränen
Ich stand auch oft am Rand
Das brauch ich wohl nicht zu erwähnen

Es ist für mich ein Trost
Daß ich trotz Lockdown nicht entzwei geh
Verzeihn Sie wenn ich sag
I grätscht it my way

Und dennoch denk ich gern zurück
Ich hatte Glück verdammt viel Glück
Ich kann zu vielen Freunden gehn
Die von Ferne winken, wenn sie mich sehn
Und ohne Groll den Satz verstehn
I grätscht it my way

Ich hab kein Publikum
Und darauf kann ich mich verlassen
Drum nimmt niemand niemals nix krumm
Ich kann es trotzdem noch nicht lassen

Ich hab auch eine Frau
An der ich jetzt verschämt vorbei seh
Zu oft hat sie gehört
I grätscht it my way

Stehgeiger im Bewegungsradius

In dieser Woche wurde viel über Bewegungsradien gesprochen und jeder versucht auf seine Art diese Distanz in vorstellbare Relationen zu setzen. Braucht man 10.000 durstige Menschen vor einer geschlossener Kneipe bei akkurat eingehaltenem Mindestabstand oder lieber 30.000 Corgis, die sich direkt am Hintern schnüffeln? Egal, die beruhigende Botschaft für den Profi-Fußball ist weiterhin: sollen doch die Amateure, die inzwischen ein Wort wie „Bewegung“ erst einmal googeln müssen, fett werden, wir können problemlos weiterspielen, bzw. weiter laufen. Ein schneller Blick in die ran-Datenbank offenbart: selbst die lauffreudigsten Spieler in der Bundesliga schaffen nicht mehr als 15km in einem Spiel. Die laufen ihre 11 bis 12 Kilometer und dann sind die 90 Minuten meistens rum. Erstaunlich: auch ohne „Lauf-du-Arsch“-pöbelnde Fans bleibt die Laufleistung seit Jahren in diesem Bereich. Mannschaften, die ungern den Ball haben und oft hinterherlaufen haben naturgemäß höhere Werte. Wenig laufen Teams, die Ballbesitzfußball spielen und Schalke 04. Gespannt guckt Fußballdeutschland dieses Wochenende, ob es den Schalkern dennoch gelingt, trotz vorbildlichster Bewegungseinschränkungen den Tasmania-Rekord zu verpassen. Es wäre doch nur konsequent, wenn sie nicht einmal diesen Titel annehmen. Der Gegner, der zwischen ihnen und dem Rekord steht, ist die TSG Hoffenheim und übrigens nicht viel lauffreudiger. Bevor man dieses Steherrennen verfolgt, läuft wohl jeder Amateur besser mal seine 15km ab. Aber Warnung: meistens muss man die dann auch zurück.

Das Nerdderby: Wer bin ich? (Folge 5)

Gute Nachrichten für die Birne: der Mystery-Kandidat der letzten Woche wurde tatsächlich erraten. Die geistige Fitness ist also immerhin noch bei 100%. Gesucht war Andrea Pirlo, der Fixstern des italienischen Mittelfelds über sehr viele Jahre. Zwischen Mailand und Brescia geboren, machte er seine ersten kurzen Schritte in Brescia an der Seite von Manni dem Libero Binz. Als Interfan wurde er bei den Nerazzurri den großen Erwartungen nicht gerecht. Milan und später natürlich Juve haben mit ihm dann Titel in Serie gefeiert. Sechs italienische Meisterschaften, 2 Champions-League-Titel und der WM-Pokal sprechen für sich. Noch heute wacht Jogi Löw schweißgebadet auf, wenn er an die Duelle mit Italien bei der WM 2006 oder der EM 2012 denkt. Den kleine Regisseur hatten sie irgendwie immer übersehen. Auch als er 2011 mit 32 von Milan zu Juve wechselte, dachte man, dass er vielleicht noch zum Abschluss seiner Karriere ein paar Spiele machen wird. Vier Jahre und vier Meistertitel später ging er zum wirklichen Abschluss seiner Karriere für ein halbes Jahr nach New York. Der Uber-Eats-Spot für die WM2018 passt gut in die Zeit. Pirlo guckt Fußball auf der Couch und lässt sich Essen liefern – es könnte nicht aktueller für uns sein.

Aber nun die Staffelstabübergabe an den Prominenten im Sack von dieser Woche. Ich spielte in meiner Karriere zusammen mit:

Karim Benzema
Fernando Morientes
Éric Abidal
Sylvain Wiltord
Nwankwo Kanu
James Milner   
David James
Sol Campbell
Olof Mellberg
Fabio Grosso
Patrik Berger
Zvjezdan Misimovic
Markus Babbel
Ugur Inceman
Gábor Király

Auch ich hatte eine lange Karriere. Wahrscheinlich haben viele schon gedacht, dass ich schon längst in Rente bin. Das hat mich aber nicht davon abgehalten noch lange nach meinen Karrierehöhepunkten weiter zu spielen. Besonders das eine Turnier war ärgerlich, wo ich Mitglied einer der besten Mannschaften meines Landes war. Aber wir flogen aus dem Turnier, weil wir 105 Minuten gegen die Maurermeister spielten und die zweite Hälfte der Verlängerung nach dem unglücklichen Gegentor in der Nachspielzeit der 1. Hälfte der Verlängerung nicht mehr angepfiffen wurde. Es war das erste und einzige Tor dieser Art. 

Das Nerdderby: Wer bin ich? (Folge 4)

Eine Woche nach dem kleinen Nordderby kommt hier wieder das große Nerdderby. Auch wenn für viele das Rätsel warum wir nicht nach draußen zum Kopfgrätschen dürfen groß genug ist, wartet hier auch eine harte Nuss. In meiner langen Karriere habe ich mit einigen namhaften Spieler zusammengespielt:

Roberto Baggio
David Beckham
Jaap Stam
Patrice Evra
Robbie Keane
Frank Lampard
Nicklas Bendtner
Paulo Sousa
Kevin-Prince Boateng
Marcio Amoroso
Ronaldo
Ronaldinho
Rivaldo
David Villa
Kingsley Coman
Manfred Binz

Da kann man sich denken, dass der Trophäenschrank fast nichts zu wünschen übrig lässt. Leider bin ich bei meinem Lieblingsverein gescheitert, um dann beim Erzrivalen den Durchbruch zu schaffen. Bei der letzten WM war ich tatsächlich auch noch dabei. Zwar hatte sich mein Land nicht qualifiziert, aber in den Werbepausen konnte man dennoch mein schauspielerisches Talent genießen. Das soll nun aber an Worten zu mir reichen.

Wachen, lesen, lange Spielankündigungen schreiben

Für die Profis war schon vor der Saison klar: wir machen es diesmal auf die feine englische Art. Na gut, nicht ganz. Das würde ja bedeuten, dass man den Boxing Day zwischen Frühstück und Gänsebraten im Stadion verbringen kann. Aber sonst wird natürlich schon fleißig versucht, den Terminstau mit englischen Wochen und ohne Winterpause aufzuholen. Da ist es natürlich kontraproduktiv, wenn die Amateure auch noch selbst spielen. Sonst geht einem wichtiges Fernsehpublikum verloren. Deshalb bleiben wir im November in Reichweite des TVs oder Livestream, um bloß nichts von den professionellen Ballkünsten zu verpassen. Dazu passt am besten eine Tasse heißes warmes Wasser und Biscuits. Streng nach der Ted-Lasso-Methode, dessen sonniges Gemüt einem die raren Pausen zwischen den Profi-Matches im November Rain aufhellen kann. Aber nur falls ihr tatsächlich einen Überblick habt, ob nach DAZN, Sky, Magenta TV, Netflix, Hulu und Disney+ Geld für noch mehr Streaming übrig ist. Am Samstag 10:30 gilt es aber sich noch einmal eine große Portion frische Luft abzuholen. Bis sich irgendwann das letzte Tor hinter uns schließt. Nächste Woche bleibt dann nur noch den Ball aus der Tasche zu holen und ihm diese Zeilen zur Beruhigung vorzusingen:

Sometimes I need some time on my own
Sometimes I need some time all alone
Everybody needs some time on their own
Don’t you know you need some time all alone

And when your fears subside and shadows still remain
I know that you can love me when there’s no one left to blame
So never mind the darkness, we still can find a way
‚Cause nothin‘ lasts forever, even cold November rain.

Die Kampfbahn der gewöhnlichen Fußlümmel

Die Gentlemen Spieler treffen sich im Park Samstagvormittag (10:30) und Mittwochnachmittag (17:00). Und bald überall trat man gegen den Ball – am Samstagvormittag. Das ist nur eine Mode und schnell vorbei, das dachten die Bürger um 1903. Doch Arbeiter und Schüler und die Gentlemen Spieler sie liebten die Fußlümmelei. Nimm mich mit, nimm mich mit zum Spiel. Denn die Menschen, der Lärm, die halbleeren Ränge, der Rasen, das Licht, die obszönen Gesänge geben mir ein gutes Gefühl – Oh, nimm mich mit zum Spiel. Programmhefte voll mit Zahlen, vergebene Elfer und Höllenqualen, im Gästeblock ein bengalisches Feuer, Chancentod und Kopfballungeheuer. In der Pause läuft wieder „Eye of the Tiger“, die Typen spielen wie die Absteiger. „Wie lange noch nach deiner Uhr?“ Der Torwart hat eine bizarre Frisur. Die Kampfbahn im Sonnenschein wartet auf den letzten großen Bohemian außerhalb von Prag. Alle Ampeln stehen auf Gelb und versprechen Frustration und Herbstferien für immer. Aber wärst du nicht hier wo wärst du dann? Die Welt braucht mehr Leute so wie dich. Als fünfter Four Top läufst du links, rechts, geradeaus. Du denkst: so primitiv, hässlich und faul, Musik und der HSV. Aber ich sage dir: you are great but people are shit. Denn meine Kicks krieg ich von dir. Und das Beste: ich bin gut genug für dich. Es kann schon sein, dass mir Talent fehlt. Ein Umstand der mich nicht sehr quält. Tausch und Gebrauchswert sind mir einerlei denn: Mein Metier ist die Liebhaberei. In der Kunst sind doch oft die Interessanten, die Underachiever und die Dilettanten. Ich hätte zwar nichts gegen Geld oder Ruhm, doch bin ich nicht gemacht für’s Profitum. Vielleicht ergibt der Quatsch für Dich keinen Sinn. Und trotzdem wurschtel ich weiter vor mich hin. Das ist mein Stil und den mag ich sehr. Und deshalb bin und bleib ich ein Amateur.

Kom binnen en zoek het uit

Eindhoven? Wirklich? Da haben wir uns also wieder einmal ordentlich vertan. Brazzo holte zwar am Deadline Day alles was kurz vor dem Lockdown noch im Regal lag, inklusive einer Rolle Butterbrotpapier, einer Tüte Senf und Eric-Maxim Choupo-Mouting. Zwar hatte ihn Uli Hoeneß nur mal kurz für eine Flasche 4711 und etwas Bartöl zu Douglas geschickt, aber er hatte das wohl falsch verstanden. Uli war trotzdem erleichtert, denn immerhin hatte Brazzo nicht 47,11 Mio ausgegeben. Mario Götze muss er dennoch aus Versehen übersehen haben. So war am Ende auch der Weltmeistermacher selbst überrascht, dass er nun in eine Stadt zieht, die erst um 1900 durch eine Glühlampenfabrik wirklich erst den Dorfstatus ablegen konnte. Aber dort haben ja doch durchaus namhafte Kicker das rot-weiß-gestreifte Trikot getragen. Es hat sogar Ronaldo (den Dicken) schlank gemacht. Und auch Granaten wie Romario oder Ruud van Nistelrooy haben es genossen hier in jeden Spiel zwei bis drei Buden gegen Zwolle, Waalwijk oder Almelo zu erzielen. Das kann man MG19 nur wünschen. Ein anderer Deutscher hatte in Eindhoven nicht ganz so viel Glück. Die magere Torausbeute mag natürlich an seiner Position gelegen haben. Aber auch sonst machte Georg Koch als er 1997 aus Düsseldorf zur PSV wechselte nicht viele Spiele. Immerhin war eins in der Champions League dabei. Dennoch holen wir voller Vorfreude die orangenen Leibchen von der Leine und schwitzen sie Samstag 10:30 und Mittwoch 17:00 dunkelorange.

Die Sandmannschaft

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger der Kopfgrätsche,
Wenn man einmal das Wunder erlebt hat, unseren roten oder grünen Platz aus der Nähe des Bodens zu betrachten, sieht man die Dinge anders. Dort unten in den Weiten des Kunststoffgranulats kommt einem das Leben der Menschen klein und unbedeutend vor. Man fragt sich was die Menschheit erreicht hat? Welche Ziele hat sie sich Samstag 10:30 und Mittwoch 17:00 gestellt? Und welche hat sie verwirklicht? Unser Platz hat morgen Spieltag. Aus dem Kosmos gesehen ist es ein sehr kleiner Platz. Und doch sind in den letzten Jahren tausende Menschen zu uns gekommen. Menschen, die wir früher als Gegenspieler gesehen haben, die heute hier mit uns kopfgrätschen wollen. Wir wissen, dass unser Platz nicht perfekt ist. Aber das woran wir glauben, begeisterte immer wieder viele Menschen aus aller Welt. Vielleicht haben wir unser Tor manchmal aus den Augen verloren. Doch wir haben uns besonnen. Kopfgrätsche, das heißt nicht sich einzumauern. Kopfgrätsche, das heißt auf den Anderen zuzugrätschen. Mit dem Anderen zu leben. Nicht nur von einer besseren Halbzeit zu träumen, sondern sie wahr zu machen. Ich habe mich daher entschlossen, die Grenzen der Kopfgrätsche zu öffnen und den Ball über den Zaun ins All zu schießen.

Bottiglia vuota

Ciao Ragazzi! Comme stai? Comme ci, comme ça, Fideralala? Italiano è una linguini simplissimo. Parlo italiano colloseum. Ma c’è una pui bella cosa della vita non capiche. Scusi, perchè il nome di una squadra di calcio è Juventus e vecchia signora? Perchè, Stronzo? Vaffanculo! Questo è bello e impossibile. Mangi la crosta da Chiellini quattro stationi? Con aglio e olio? Delizioso come gelato. E mio nuovo collega, se passo il test. In bocca al lupo. Il treno dei desideri. Se bastasse una bella canzone. Barça dice: via con me! Con te partirò. Mio Piano Beta? Vamos à la playa? Ohohohohoh no! Ecco la testa a cavallo. Si si. Calcio il sabato 10:30 e il mercoledì 17:00. Un po‘ Frutti di mare. Causa della luce. O sole mio. Estate è finito. Bella ciao. A domani, Luigi Suárez.

Wake me up before Thiago

Wann wäre noch mal ein guter Zeitpunkt, um die Töppen an den Nagel zu hängen? Und was sollte man mindestens im Xing-Profil  eingetragen haben, bevor man getrost sagen kann: „Macht’s gut ihr Trottel!“ Mario Götze hat diese Frage jetzt für sich beantwortet und bewiesen: er ist kesser als Messi und verzichtet auf einen Vorruhestand auf die André Horst Schürrle-Art. Einmal noch die Champions League gewinnen, das fehlt dem Weltmeister noch im Portfolio und sollte auch seinem Berater noch eine nette Prämie bescheren. Kevin Großkreutz hätte zwar auch noch einen besonders hübschen Teil seines Körpers für ein Henkelpott-Tattoo reserviert. Aber ob er warten kann, bis der Uerdingen-Russe Europa erobert hat? Da machen vorher doch die Knochen schlapp. Aber Uns Mario kann ja durchaus noch ein paar Jährchen in Bella Italia sich das Pastabäuchlein vollschlagen und damit die Tattoofläche großzügig erweitern. Das wurde auch schon Messi (4 Champions League Tattoos) angedichtet. Dieser hatte zwar recht deutlich „Macht’s gut, ihr Trottel!“ gerufen, dann aber peinlicherweise vergessen, rechtzeitig die Kündigung von seinem Vater einreichen zu lassen. Nun bleiben die Messis doch noch länger und müssen so tun, als ob sie ganz viel Lust auf ein weiteres Jahr Barcelona haben. Auch bei den Alabas hat der Papa bisher immer brav alles unterschrieben, was ihm Uli Hoeneß vorlegte. Doch der bescheidene und bodenständige Schwabe wähnt sich inzwischen im Club Las Piranhas und musste zuletzt aufgrund horrender Forderungen Thiago nach England verschenken. Nicht, dass der FC Bayern am Ende gezwungen ist, seinen Kader mit Weltmeistern aufzufüllen, die noch einmal die Champions League gewinnen möchten. Mein Berater hat mir geraten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 etwas kleinere Ziele anzupeilen. Maximal der DIA-Turnier-Pokal wäre noch drin. Dafür halte ich zwischen Goldener Eins und der Leuchte des Nordens einen Ehrenplatz auf meinem Rücken frei.