Du gibst einer Rumpelfußtruppe, die nachweislich schon einmal Spiele beendet hat, ohne genau nachzuzählen wer eigentlich gewonnen hat, den wichtigsten Tag der Woche (Samstag 10:30) zum Kicken. Was erwartest du? Natürlich wird es sehr schwer auf den Ausgang zu wetten. Da kann man vorher versuchen alle Statistiken und Quoten auswendig zu lernen, es wird nichts nützen. Panische Anrufe im Café King könnt ihr euch sparen. Bringt lieber einen anständigen Plasmafernseher mit, wenn ihr eine Chance haben wollt. Ich möchte fast wetten, dass Robert Hoyzer seinen nicht mehr hat. Der ist schließlich fast so alt wie Jude Bellingham und dürfte noch nicht einmal HD ready sein. Jedes Ramschangebot aus der Cyber Week dürfte das Modell locker überflügeln. Auf dem möchte man im nächsten Jahr doch bestimmt nicht die Katar-WM gucken? Aber dafür braucht man vielleicht keinen eigenen Fernseher. Der Plan, dass wir das komplette Turnier auf dem Weihnachtsmarkt gucken, steht doch noch, oder? Schön mit Glühweindusche und Korso auf dem Kinderkarussell. Nur deshalb haben wir der Vergabe in das Emirat doch überhaupt nur zugestimmt. Das wurde uns versprochen. Na gut, vielleicht gab es auch den einen oder anderen materiellen Anreiz. Aber die Vergabe ist jetzt 11 Jahre her und das meiste davon ist Sondermüll. Also können wir doch wenigstens erwarten, dass dieses magische Public-Viewing-Erlebnis im Rahmen dieses komplett überhöhten deutschen Kulturguts Weihnachtsmarkt stattfinden muss.
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Im Farbfilm getrennt
Für die Farben, die uns der Fußballplatz aktuell so anbietet, würde der schwarz-weiß Film ausreichen. Schmutzige Schneereste wechseln sich mit schwarzen Löchern ab und auch sonst eignet sich das Tageslicht nicht für lange Belichtungszeiten. Aber was soll’s, wir werden dennoch versuchen Samstag 10:30 ein paar zarte Farbtupfer zu hinterlassen. Für einen Zapfenstreich sind wir noch nicht bereit. Den Farbfilm könnten wir aber nicht mehr nehmen. Nina Hagen mag das Lied ja sowieso bekanntlich nicht und würde bestimmt lieber „Eisern Union“ hören. Das passt zwar irgendwie auch zur Altkanzlerin, dafür könnte aber ein verdienter Mitspieler etwas dagegen haben, obwohl die Zeile „Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?“ es durchaus mit „Ich frech im Mini, Landschaft ist auch da“ aufnehmen kann. Damit fühlen sich Mini-Fahrer naturgemäß eher angesprochen. Man kann aber diesem Orchester der Bundeswehr sowieso nur schwer irgendwelche Sonderwünsche abverlangen. Seit Jahrhunderten wird dort die selbe Setlist getrötet. In jedem Jahrzehnt kommt maximal ein neuer Titel dazu. Wer nicht „Oh, du schöner Westerwald“ hören möchte, wird vom Dirigenten hilfloser angeguckt als vom DJ im Berghain, wenn man sich Helene Fischer wünscht. Du willst was Populäres? Nimm „Smoke on the Water“. Das haben wir vor 40 Jahren mal geübt. Vielleicht ist der Instrumentenkasten auch ein Problem. Nehmt doch mal ein Saiten- oder Tasteninstrument dazu. Aber in dieser Hinsicht wird man wohl schneller beim DFB Reformen erwarten können. Besser der neue Kanzler freundet sich schon einmal mit „My Way“ oder „Smoke on the Water“ an. Das passt doch irgendwie auch zu brennenden Autos in Hamburg 2017.
27. November 2021 – Viererkettensäge
Spielglück und Talentsägen
Bein aufsägen und Jahresringe zählen. Das war damals der launige Vorschlag als man Otto Pfister fragte, wie man denn herausfinden könne wie alt Anthony Yeboah wirklich sei. Da merkte man, dass die Qualität leider nicht komplett ausreicht, um den Marktwert von Fußballern zu bestimmen. Das Alter sorgt tatsächlich dafür, dass edle Weine wie Messi, Ronaldo und Zlatan unter 100 Mio bewertet werden. Und auch bei unserer Kopfgrätsche-Eiche Christoph verraten die Jahresringe, dass sein Marktwert nun etwas aus Altersgründen abgewertet werden muss. Aber im Gegenzug bekommen wir mehr Gewissheit, dass die Wurzeln sich so stark ins Erdreich gegraben haben, dass er nicht gleich beim erstbesten Angebot eines neureichen Plastikclubs das Weite sucht, um den nächsten Schritt von seinem Karriereplan umzusetzen. Er hat eben als Kind nicht in spannender Projektbettwäsche gepoft und von maximal Wismarena geträumt. Und das Beispiel Messi ist ihm hoffentlich eine zusätzliche Warnung. Natürlich kann man nach Jahrzehnten Vereinstreue noch einmal etwas Neues ausprobieren, aber leider gucken die Fans ziemlich genau hin wie man sich bewegt, wenn man ein neues Trikot trägt. Da fällt es beim Zusammenschnitt der Amazing Goals and Skills Videos für Youtube ziemlich schnell auf, falls man zwischendrin ein kleines Schaffenspäuschen macht und meditierend durch den Mittelkreis schlendert. Also schauen wir lieber auf die historischen Archivaufnahmen und mixen die sorgsam dosierten Highlights von Samstag 10:30 einfach dazwischen. Hoffentlich ist eine Jubelsäge mit dabei.
The Real Peaky Baumi
May I have your attention, please? Guck mal, Kloppo ist wieder da. Also nicht das Original. Die Marke Klopp ist nur noch für Premier League Clubs erschwinglich. Aber es gibt doch diesen Klon aus seiner Rippe, der die Sehnsucht nach proletarischer Emotionalität stillt wie kein Zweiter. Eigentlich orientiert sich Steffen Baumgart stilistisch schon seit Spielerzeiten an Eric Cantona und seinem hochgestellten Kragen. Und seit dieser Saison ist die Verehrung durch seinen Peaky-Blinders-Look nicht mehr zu leugnen. Wenn man dann auch noch den Preis für den Fußballspruch des Jahres abräumt, ist klar: hier kommt die nächste Kultfigur, die zeitnah bei Matze Knop und Oliver Pocher im Repertoire landet. Schiebermütze, Bart, breitbeinig rumbrüllen – wer das liegenlässt, hat in der Jörg-Knör-Masterclass gepennt. Im Karneval sind sämtliche Schiebermützen rund um Köln ausverkauft. Sogar Anthony Modeste versuchte am letzten Wochenende eine als Torprämie zu ergaunern. Zum Training am 11.11. lief Steffen Baumgart dann wie Eminem bei dem MTV Video Music Awards 2000 ein, im Schlepptau eine Entourage seiner Klone und er selbst im Schweinhornkostüm. Wenn jetzt schon die Klone vom Klon unterwegs sind, dann ist der Kult nicht mehr zu stoppen. Da müsste der Sessionsauftakt schon die letzte Karnevalsveranstaltung gewesen sein. Aber wer kann schon herzlos das zarte Band der Hoffnung für die Narren kappen? Auf der einen Seite rollt zwar Viva Coronia, aber auf der anderen Seite spielt doch am nächsten Spieltag Mainz gegen Köln. Zur Sicherheit kopfgrätschen wir das Samstag 10:30 schon einmal vor. Gegen die Kälte hilft immerhin, den Kragen hochzuschlagen.
06. November 2021 – Auf einem anderen Blatt

Wieder einmal trübe Stimmung in der Stadt und nach sechseinhalb Jahren wiederholt sich Geschichte. Leidtragender ist der Kunstrasenplatz, der nichts dafür kann, dass er vorerst keine Kopfgrätsche erleben darf. Wir rufen ihm zu: Halte durch und come back stronger!
Kunst kommt von Können
Vorgestern kam die Nachricht, dass ihr euch diesen saftigen Kunstrasenplatz, den ihr euch gegönnt habt, nur noch schmachtend durch den Zaun angucken dürft. Allzu lang musste er das Rumgestolper der Untalentierten ertragen. Die riesigen Tore haben nicht verhindern können, dass ziemlich häufig größere Expeditionen mit Macheteneinsatz nötig waren, um die Bälle aus der angrenzenden Botanik zu befreien. Dabei traf man nicht selten auf längst verschollen geglaubte Völker, die ganze Schiffe durch den Dschungel transportierten. Das war aber glücklicherweise meistens doch nur ein Zeichen dafür, dass man bei der Ballsuche zu nah am Hafen gelandet war. Dennoch zeigt es ganz gut, dass unsere Schusstechnik einfach nicht reif genug ist für das Profigeläuf. Vielleicht hat aber auch nur irgendein zwielichtiger Amateur sich nicht beherrschen können und die goldenen Wasserhähne im Dixi abgeschraubt. Wie der Lambo in der Garage liegt der Kunzer deshalb nun da und erwacht ausschließlich für sauber geputzte Vereinssohlen, deren Kinderstube und Sportsmanship direkt vom Schiedsrichter bewertet und sanktioniert werden kann. Wir dürfen Samstag 10:30 nur noch den Ball aus den Kratern des Gummis statt aus dem Netz holen. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er in den anderen 166 Stunden pro Woche, in denen er nicht in auf dem 18-Loch-Bolzplatz rumhängt, nicht doch noch etwas fleißiger den Rücken krumm schuften kann, damit die Wismarena endlich mal aus dem Luftschloss-Status herabsteigt. Dann gäbe es doch einen noch tolleren Ort für die Vereinsmeier und der Kunzer wäre über für den Pöbel. Kunst kommt nun mal eben nicht von Gönnen.
30. Oktober 2021 – Hidden Champions
Crazy Frog Gang
Einen schönen Welt-Internet-Tag euch allen. Es ist einfach toll, dass wir an diesem besonderen Tag auf dieses Nischenphänomen aufmerksam machen können. Wir tun das natürlich gerne im WWW, auch wenn es unsicher ist, dass es jemand mitbekommt. Einfacher und sicherer wäre natürlich wir gehen einmal aus dem Netz raus und rufen uns gegenseitig an, um mitzuteilen, dass Samstag 10:30 kopfgegrätscht wird. Zumal wir gerade noch die aktuelle AOL-CD suchen, um kopfgrätsche.de auf dem neuen Webspace erreichbar zu machen. Vielleicht hätten wir doch nicht so voreilig die StudiVZ-Gruppe auflösen sollen. Dort hieß dieses „cringe“ immerhin noch „gruscheln“. Die Spindel unbeschrifteter Datenträger hilft leider nicht weiter. Auf dem letzten war nur eine Testversion vom Moorhuhn. Die Vollversion kostet extra Geld, da muss man aufpassen. Am Ende steckt man in einem Jamba-Sparabo fest, in dem man alles machen kann – nur nicht sparen. Und die Lizenz für den Crazy Frog haben die wohl auch nicht mehr. Als SMS-Ton suche ich noch etwas, um das ultrawitzige Rülpsgeräusch abzulösen. Der Sound eines satten Gesichtstreffers der Crazy Gang würde mich überzeugen. Zur Not saug ich den bei Napster – sobald der Download aller Metallica-Alben komplett ist. Hoffentlich sind nicht solche Scherze dabei, dass sie ihre Alben noch einmal als Fakeversionen von Bibi McBenson haben aufnehmen lassen. Ich höre schon Lars Ulrich keifen: „Nehmen / Nehmen / Nehmen / Immer willst Du alles nehmen / Geben willst Du nichts / Und ich hab‘ nicht soviel!“ Warten auf den Bumerang beim World Wide Wait. Verdammt, jetzt haben wir uns schon wieder vom eigentlichen Ziel ablenken lassen. Das Surfen auf der Datenautobahn führt einen wirklich vom Papst auf den Eierkuchen. Hm, lecker.
Gebt das Dampf frei!
Die neue Regierung musst noch zusammengeklöppelt werden, aber was den Leuten am Ende wirklich wichtig zu sein scheint, ist klar. Tempolimit und Cannabislegalisierung. Im Wahlkampf ging es zwar gefühlt fast nur um das Klima, aber aktuell sieht man welche Netzwerke wirklich in der Lage sind ihre Hashtags zu platzieren. Und da gewinnt man den Eindruck, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihre Präferenz für eine Partei ausschließlich davon abhängig machen, ob diese ihnen das Rasen und Kiffen verbietet oder erlaubt. Kein Wunder, dass man in dem Zusammenhang mal vorfühlen kann, ob das mit der Pyrotechnik im Fußballstadion nicht gleich mitlegalisiert werden kann. Das passt doch eigentlich ganz gut in die Reihe. Die Bilder aus vom vollbesetzten Amsterdamer Stadion im Lichtermeer sind auch wirklich beeindruckend. Und dort ist das mit dem Kiffen schließlich auch kein Problem. In den Achtzigern guckte man noch mit leuchtenden Augen nach Italien und selbst deutsche Sportkommentatoren jubelten damals über die Bengalos der Tifosi. In den Neunzigern kamen die Fackeln über den Betzenberg nach Deutschland. Als die eigenen besoffenen Nachbarn damit im Block standen, war der Reiz des Exotischen dahin und der öffentliche Konsens: sowas wollen wir im Fußball nicht sehen. Spätestens als Johannes B. Kerner (das B. steht nicht für „Bengalo“!) eine Kinderpuppe anzündete, war klar: das ist unverantwortlich und ungesund. Und über die Klimabilanz einer solchen Fackel wollen wir erst gar nicht reden. Wahrscheinlich ist es nur logisch, dass mit der Rückkehr der Fans und Ultras ins Stadion auch diese Art der Lichtshow wiederkehrt. Auch wir könnten das ganz gut gebrauchen, um unter der Woche noch etwas auf dem Platz zu erkennen. So bleibt uns nur der sowieso ganz okay beleuchtete Samstag 10:30. Die UEFA hat zwar im Sommer die Stadien wieder voll gemacht als Geisterspiele noch Normalität waren, beim Gequalme hört der Spaß allerdings auf und es wird die üblichen Geldstrafen hageln. Aber wen verwundert das schon? Das sind bekanntlich alles unromantische Kokser.
16. Oktober 2021 – Übertreten
Doha is Dahoam
Katar, Katar, wir fahren nach Katar. Also ich nicht. Ich habe Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 noch etwas zu erledigen. Aber Olli Bierhoff muss schon mal ins Reisebüro und sich ein Neckermannschnäppchen mit Frühbucherrabatt wie damals in Watutinki sichern. Ist doch blöd, wenn du bei Booking checkst, dass in so einem 100-Stockwerke-Tower nur noch 20 Zimmer frei sind. Heute will doch jeder Kicker sein Einzelzimmer mit Balkon haben und den Staff musst du auch noch irgendwo unterbringen. Womöglich ist Gemeinschaftsbad auch ein NoGo und damit fallen die berühmten katarischen Hostels schon einmal weg. Dabei wären diese im Dezember 2022 auf jeden Fall frei. Der Großteil der bisherigen Gäste sollte bis dahin seine Pässe wiederbekommen haben und befindet sich zu dem Zeitpunkt auf dem Fußweg zurück nach Hause. Ihre Arbeit sollte bis dahin getan sein, sonst hätte die Mannschaft keine Stadien zum kicken. Für die obligatorischen Panikberichte über die unfertigen Spielstätten 2 Monate vor der WM hat die Bild trotzdem die Titelseite frei gehalten. Verbunden mit dem Angebot, dass Deutschland natürlich jederzeit einspringen kann, um selbstlos die Welt willkommen zu heißen. Warum soll sich das Gefühl für eine WM bei einem autoritären Regime nicht auch in Sachsen und Bayern einstellen können? Je nachdem wie der nächste Sommer wird, können wir eventuell sogar echte Wüste in der Magdeburger Börde bieten. Und die nötigen Instafotos mit Kamelen aus dem Dresdner Zoo kann man jederzeit in Olli Bierhoffs Fotoset an der Yenidze machen, das er jetzt schon plant, um die Sponsorenspots zu drehen. Hoffentlich kann man bei Neckermann noch ohne Gebühren stornieren. Im Leipziger Westin sind für Dezember 2022 noch knapp 400 Zimmer frei.
13. Oktober 2021 – Ballsignal
19. August 2021 – Schwedenläufchen auf dem künstlichen Rasen

Traditionen müssen gewahrt werden. Auch wenn Corona oder die alten Knochen dazwischen kommen. Kopfgrätsche ist nicht das erste Mal beim Schwedenlauf dabei. Zumindest ein Vertreter hatte versucht das Logo hochzuhalten. Zum Beispiel 2014 und 2015, aber 2018 war dann Schluss. Die Knie wollen nicht mehr. Jetzt zwingt auch noch Corona den Schwedenlauf in die Knie. Beim ersatzweisen Schwedenlauf-BATTLE läuft nun jeder für sich allein. 10 Mal die Strecke zwischen Wismar und der Partnerstadt Kalmar sollen zusammen erlaufen werden.

Und damit die Tradition trotzdem irgendwie weitergeh… laufen kann, ist der Kompromiss aus allem: Alleine laufen; altersgerecht auf dem Kunstrasen, die kurze 5-Kilometer-Distanz … Dabei sein ist alles.
19. Juni 2021 – UrLAUBer
Passe dich kurz!
So, was machen wir nun als erstes? Wochenlang hatte man Zeit für die Fomo-Bucketlist und nun steht man natürlich unvorbereitet da. Also vielleicht lässt man erst einmal die Dinge sein, die man auch machen konnte als nix ging. Marco Reus will sich trotzdem angeblich erst mal ausruhen. Ob er das im Biergarten, im Kino oder beim Au-Pair-Urlaub auf Sylt macht, ist noch offen. Nur ins Fußballstadion will er nicht. Bei dem Run auf die begrenzten Plätze ist das mehr als verständlich. Die Verknappung freut den Schwarzmarkt und die Leute aus der Schlange vorm Impfzentrum trifft man morgen in der Schlange vor dem Mokka-Milch-Eis- oder Broiler-Bar wieder. Nur, dass dort dann die Stimmung nicht mehr ganz so gut ist. Kau schneller Genosse! Fasse dich kurz! Auch von den 26 Nominierten für die Euro2020 können am Ende nur 11 zeitgleich spielen. Deshalb sitzen immer 15 draußen und trampeln 90 Minuten mit den Füßen. In der Zeit kann der Gastronom den Tisch dreimal vergeben, wenn er die Karte konsequent auf Kölsch und Espresso umstellt. Beim Kopfgrätschen am Samstag ist Sharing am Ende auch Caring. Schließlich soll jeder mal die Chance auf das Spielgerät haben. Maximal fünf Ballberührungen pro Spieler, dann kurze Espressopause oder ein Ingwershot auf die Torwand. Besser jeder bringt neben dem eigenen Ball auch noch die eigene Kaffeemaschine mit.
Ich verfluche Ihnen!
Letztes Jahr gab es die sehr erfolgreiche Doku „Karten, Pfiffe, fette Bässe“, in der Deniz Aytekin portraitiert wurde. Das Besondere daran war aber, dass man erstmals genau hören konnte, was so in den neunzig Minuten auf dem Platz zwischen Spielern und Schiedsrichtern geredet wird. Stichwort: „Ich mach dir gelb!“. Jahrelang war die Kommunikation auf dem Platz viel Stoff für Legenden, die über die Zeit noch sehr viel lustiger weitererzählt wurden. Das Audiofile zum Ente-Lippens-Kultdialog „Ich verwarne Ihnen!“ „Ich danke Sie.“ sucht man heute vergeblich. 1965 waren halt noch lärmende Zuschauer im Stadion und letztes Jahr manchmal auch. Heute braucht man weder einen verkabelten Undercover-Fieldreporter noch einen Lippenleser, um das Gelaber auf dem Platz hören zu können. Radio Müller sendet unentwegt, was sich für viele Beteiligte so anfühlt als ob man Frühstücksradio mit einem Kater ertragen muss. Inhaltlich eigentlich nur mit 3 Stunden Fips Asmussen zu vergleichen. Hier passiert also wenigstens noch Kleinkunst. Der Anschlussvertrag für die Münchner Lach- und Schießgesellschaft dürfte dem Thomas sicher sein. Dem untätigen Kopfgrätscher bleibt unterdessen nur den Fernseher anzubrüllen. Das letzte peinliche Rumgemänner haben sich dann diese Woche Romelu Lukaku und Zlatan Ibrahimovic im Mailänder Derby geleistet. Neben Beleidigungen unter der Gürtellinie war auch der höhnische Satz „Mach dein Voodoo-Ding!“ von Zlatan zu hören. Es gab nur gelb für die beiden Kampfhähne. Als Zlatan, dann in der zweiten Halbzeit mit gelb-rot vom Platz flog, war es relativ still. Also warum immer dieses Herumgeschleuder der Aerosole, wenn man auch einfach still sein Voodoo-Ding machen kann? Mit ein paar Handarbeitstutorials sollte meine Müller-Puppe bald fertig sein.
Goal Heart Mountain Top Queen Directory
So, liebe CDU wer soll nun dein Herzblatt sein? Der jecke Armin, der aber komischerweise nicht Arminia Bielefeld unterstützt, sondern natürlich seinen Heimatclub Alemannia aus Aachen. Kultig wie der Tivoli, bissig wie Willi Landgraf aber leider nicht so kopfballstark wie Erik Meijer. Trotzdem tollt er gerne über den Platz im schwarzgelben Kindertrikot. Ähnlich wie der sauertöpfische Sauerländer Friedrich, der sich aber eher zur Mittelschicht in der Champions League zählt. Er ist allerdings seit 2014 nicht mehr im Aufsichtsrat des BVB, weil er das Limit für Aufsichtsratsposten bereits geknackt hatte. Aber seit dem wurde auch vom Verein nur noch der DFB-Pokal gewonnen. Und den schenken ja sogar die Bayern ab, wenn tatsächlich sogar nördlich von Winterberg eine Flocke fällt. Und ein Typ für den zweiten Platz ist der Friedrich nun bestimmt nicht. Also nicht noch ein sechstes mal. Aber vielleicht hat er diesmal Glück und sein Rivale Markus im auf links gedrehten Bayern-Trikot schränkt freiwillig seinen Bewegungsradius auf Franken ein. Der dritte Kandidat Nobbi kommt zwar auch aus NRW, ist aber absolut kein Fußballfan, spielt dafür bestimmt ganz gut Squash und mag Koalas. Aber könnte man sich ihn hüpfend im Energie-Cottbus-roten Blazer auf der Tribüne in Katar vorstellen? Wohl kaum. Trotzdem musst du dich entscheiden. Wenn dir dieses Rennen allerdings komplett egal ist, kannst du getrost das Königin-Sylvia-Wetter draußen nutzen und dabei von der Monarchie träumen.
Die große Kontaktverfolgungs-Gala
Beim letzten Nerdderby des Jahres wurde vergangene Woche nach dem Kannibalen Khalid Boulahrouz gesucht. Der Hinweis mit den gespielten Nordderbys war aber eventuell nur bedingt hilfreich. In seiner Zeit beim HSV konnte der beinharte Verteidiger sogar noch gegen Hansa und Hannover in der Bundesliga spielen. Gegen den großen Nordrivalen Werder Bremen stand er aber tatsächlich in zwei Jahren nur zweimal auf dem Platz. Gefühlt hatte er viel mehr Zeit beim HSV verbracht, was sich aber wahrscheinlich deswegen so anfühlt, weil seine Ex-Frau Sabia Boulahrouz van der Vaart Thele (geb. Engizek) lange die Boulevardspalten in Hamburg füllte. Wir verzichten aber darauf detailliert aufzuschlüsseln, mit wem sie alles in ihrer Karriere zusammengespielt hat. Nur soviel Gossip: wegen ihr kennt man Sylvie Meis (immerhin eine der Team-Namensgeberinnen beim DIA-Turnier „Die bessere Hälfte“ 2016) wieder unter ihrem Mädchennamen. Dieses Jahr hatte Sabia auch wieder ihren Stammplatz in der Klatschpresse, da sie Oma wurde – mit 42. Die längste Zeit hat ihr Ex Khalid aber tatsächlich beim VfB Stuttgart verbracht, wo er aber aufgrund von vielen Verletzungen vier Jahre lang weniger auffiel als zeitgleich Sabia in Hamburg. „Am Ende war es ein Boulevard für Sabia“ wie Lucien Favre sagen würde.
Damit endet quasi das Nerdderby für dieses Jahr. Wer dennoch über die Feiertage Lust auf knifflige Kontaktverfolgung bekommt, kann sich ja freiwillig beim örtlichen Gesundheitsamt melden. Allen anderen wünsche ich viel Motivation beim Heimtraining auf der Yogamatte, am Rudergerät oder an der PS5. Trainiert auch mal den schwachen Fuß beim Mitwippen bei der Wiederholung der Helene-Fischer-Shows aus den letzten Jahren. Grätscht gut rein und vergesst nicht 2020 hinter dem Rücken des Schiedsrichters noch mal in die Leistengegend zu boxen. Es muss ja nicht enden wie die legendäre Silvesterparty 2012 von Sabia, Sylvie und Rafael van der Vaart.
Das Nerdderby: Wer bin ich? (Folge 9)
Wie viele Nerdderbys in Folge mag man sich so angucken? Die Situation ist nur vergleichbar mit 2009 als der HSV und Werder in nur 19 Tagen 4 Nordderbys spielen mussten. Von all dem ist am Ende nur eine Papierkugel übrig geblieben. Aber dafür eine große. Einige Ratefüchse sind inzwischen auch schon so austrainiert, dass es gerade einmal handgestoppte 10 Minuten dauerte, bis der letzte Kandidat erraten war. Jimmy Floyd Hasselbaink gibt viel Anlass ihn mit Rettungsschwimmer in Kalifornien oder Regierungschefs in Magdeburg zu vergleichen. Aber jenseits der Namejokes hatte er eine Menge Tore zu bieten. Vor allem für den Chelsea FC und Leeds United wo er jeweils Premier-League-Torschützenkönig wurde. Als Holländer hat er aber nie in der ersten Liga seines Landes gespielt. Große Chancen auf große Titel platzten in drei verlorenen Endspielen: 2002 im FA-Cup mit Chelsea, 2006 im UEFA-Cup mit Middlesbrough und 2008 noch einmal im FA-Cup mit Cardiff City.
Gucken wir mal wer sich in Türchen Nummer 9 versteckt. Ich spielte zusammen mit:
Jens Lehmann
Lukas Hradecky
Martin Pieckenhagen
Andreas Hinkel
Michael Ballack
Jesus Navas
Eric Dier
Christian Poulsen
Sami Khedira
Arjen Robben
Stefan Beinlich
Martin Harnik
Dani Alves
Ailton
Ich habe nur zwei Nordderbys gespielt, aber keins davon gewonnen.





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