Ich verfluche Ihnen!

Letztes Jahr gab es die sehr erfolgreiche Doku „Karten, Pfiffe, fette Bässe“, in der Deniz Aytekin portraitiert wurde. Das Besondere daran war aber, dass man erstmals genau hören konnte, was so in den neunzig Minuten auf dem Platz zwischen Spielern und Schiedsrichtern geredet wird. Stichwort: „Ich mach dir gelb!“. Jahrelang war die Kommunikation auf dem Platz viel Stoff für Legenden, die über die Zeit noch sehr viel lustiger weitererzählt wurden. Das Audiofile zum Ente-Lippens-Kultdialog „Ich verwarne Ihnen!“ „Ich danke Sie.“ sucht man heute vergeblich. 1965 waren halt noch lärmende Zuschauer im Stadion und letztes Jahr manchmal auch. Heute braucht man weder einen verkabelten Undercover-Fieldreporter noch einen Lippenleser, um das Gelaber auf dem Platz hören zu können. Radio Müller sendet unentwegt, was sich für viele Beteiligte so anfühlt als ob man Frühstücksradio mit einem Kater ertragen muss. Inhaltlich eigentlich nur mit 3 Stunden Fips Asmussen zu vergleichen. Hier passiert also wenigstens noch Kleinkunst. Der Anschlussvertrag für die Münchner Lach- und Schießgesellschaft dürfte dem Thomas sicher sein. Dem untätigen Kopfgrätscher bleibt unterdessen nur den Fernseher anzubrüllen. Das letzte peinliche Rumgemänner haben sich dann diese Woche Romelu Lukaku und Zlatan Ibrahimovic im Mailänder Derby geleistet. Neben Beleidigungen unter der Gürtellinie war auch der höhnische Satz „Mach dein Voodoo-Ding!“ von Zlatan zu hören. Es gab nur gelb für die beiden Kampfhähne. Als Zlatan, dann in der zweiten Halbzeit mit gelb-rot vom Platz flog, war es relativ still. Also warum immer dieses Herumgeschleuder der Aerosole, wenn man auch einfach still sein Voodoo-Ding machen kann? Mit ein paar Handarbeitstutorials sollte meine Müller-Puppe bald fertig sein.