Ballonseidenwahl

Die Entscheidungsfindung sollte so langsam abgeschlossen sein. Wenn man morgens aufsteht und seine feinste Ballonseide überstreift, um sich an den Ort, an dem man seine  Bürgerpflicht ausübt, zu begeben, sollte man schon die Optionen kennen, die einen dort erwarten. Und man sollte natürlich entscheidungsfähig sein. Wenn man sich erst vor Ort informiert, hält das nur unnötig den Betrieb auf. Die Anzahl der Möglichkeiten ist schließlich überschaubar. Mit der Erststimme entscheidet man sich, mit wem man zusammenspielen möchte. Dabei guckt man einfach: was kann der Andere, was ich nicht kann? Das ist ganz praktisch, weil man dann einen Stellvertreter für all die ungeliebten Aufgaben hat. Die Zweitstimme ist die für die Farben. Hier kann man sich traditionell für eine bunte Koalition aus allen Farben entscheiden oder man zieht halt ein Leibchen über. Besiegelt wird die Wahl spätestens, wenn man eine Ecke des Tores mit dem runden Abstimmungsgerät ankreuzt. Wenn alle gut erkennen können, dass innerhalb der Grenzen der Umrandung markiert wurde, kann man anfangen zu zählen. Dabei kann es schon vorkommen, dass man irgendwann mit dem genauen Zählen nicht mehr hinterherkommt und auf ungefähre Werte ausweicht, mit denen alle leben können. Bei größeren Ungerechtigkeiten tauscht man einfach ein paar Opportunisten mit dem Gegner, die sowieso für die eigene Statistik spielen. Wichtig ist, dann es am Ende ein einigermaßen knappes Ergebnis gibt, so dass jeder in der Elefantenrunde danach das leicht berauschte Ackergefühl von 2005 verspüren kann. Das braucht man einfach, um es auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder zu versuchen.          

Ein tolles Triell, …äh Quartell

Wenn ich Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 auf den Fußballplatz stolpere, hoffe ich auch immer, dass dort nicht junge Spieler auf mich warten, die tatsächlich vorher geübt haben. Man sieht halt immer blöd aus. Der Ball rollt nur so durch die Beine, wenn man denn das Glück hatte hinterherlaufen zu können und es gerade noch rechtzeitig zum Zweikampf zu schaffen. Wobei der Schulhofklassiker des guten alten biblischen Zweikampfes heute als ziemlich boring gilt. Es sollte schon ein modernes Triell sein, damit es etwas Abwechslung bei der Anwendung der Foltermethoden gibt. Good Cop, Bad Cop ist ja bei Verhören schon länger eine etablierte Taktik, um das Gegenüber aus der Reserve zu locken. Und wenn man dabei seine Peiniger unterschätzt, wird man zeitnah am Nasenring durch die Manege geschleift. Aber auch hier hat sich inzwischen der Begriff „Arena“ als Konsens durchgesetzt. Nichts klingt so schön nach Brot und Spielen im staubigen Rund, nach gesenkten fettigen Daumen und gnadenlosen Löwen, die danach die Knochen abnagen. Worauf aber fairerweise sehr genau geachtet wird, ist, dass zum Schluss alle genau die gleiche Zeit hatten, um sich zu blamieren. Das sollten wir auf jeden Fall auch hinbekommen, wenn denn alle pünktlich sind und nicht noch an der Pommesbude trödeln. Dort sich vorzubereiten, hat natürlich etwas Folkloristisches, aber dann darf man sich am Ende nicht wundern, dass einem diese trainierten Rotznasen Knoten in die Beine dribbeln, während man verwirrt versucht sich zu erinnern, welches der drei Tore man verteidigen muss. 

Lied vom Ende des Transferfensters

Hast du schon hast du schon gehört das ist das Ende
Das Ende vom Transferfenster, jetzt isses endlich vorbei

Vorbei vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vor-horbei
Vorbei, vorbei, vor vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei

Weißt du noch wir fuhren mit dem Sonnenwagen über das Vereinsgelände
Und wir pflückten das Spielermaterial aus den Kadern aus den Clubs
Und wir waren komplett
Weißt du noch wir regelten zwielichtige Leihgeschäfte übers Geld

Vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vor-horbei
Vorbei, vorbei, vor vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei

Weißt du noch
Wir hamm uns alle beflockt und zogen Schwarzmarkttrikots an
Weißt du noch als wir in Polyester gehüllt warn weißt du noch
Beflockt und in Polyester gehüllt und unsre Bäuche unsre kapitalistischen Bäuche

Vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, vor-horbei

Der Transfermarkt, der alte Schlawiner
Is uns lang genug auf der Sporttasche gelegen
Vorbei, vorhorbei, vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei

Vorbei, vorhorbei, vorbei, vorbei
Jetzt isses endlich vorbei
Is auch lang genug gewesen
Is auch lang genug gewesen

Hast du schon, hast du schon gehört, jetzt isses endlich vorbei
und Samstag zehnuhrdreißig und Mittwoch achtzehnuhr sind wir dabei

Luuk und Luka

Denkt denn auch mal einer an den Classico? Vermutlich nicht. Man muss auf jeden Fall tief ins Archiv des spanischen Fußballs hinabsteigen, um das letzte Duell Real gegen Barca zu finden, bei dem weder Ronaldo noch Messi auf dem Platz standen. Gespielt wird dieses Spiel in Zukunft natürlich trotzdem. Auch wenn die Welt dann vermutlich irgendetwas anderes macht, als kollektiv vor den Schirmen zu hängen. Die treulosen Fans ziehen einfach weiter und folgen dem Zirkus nach Frankreich oder England. Wer ein altes Ronaldo-Trikot aus Manchester-Zeiten noch irgendwo im Schrank liegen hat, kommt vergleichsweise billig aus der Affäre. Aber auch nur, wenn er es nicht öffentlichkeitswirksam im Garten verbrannt hat als Ronaldo schon fast bei ManCity war. Dann kam aber in einem unbeobachteten Moment plötzlich Sir Alex vorbei und beriet Ronaldo um. Hier muss es quasi umgekehrt gelaufen sein zu den Beratungsgesprächen, bei denen die Kinder und Enkel der 96jährigen Oma beim Ausfüllen der Briefwahlunterlagen „helfen“. Also in ungefähr so: Ronaldo: „Wo steht denn ManCity“ Fergie: „Ronaldo, WIR wählen ManUnited!“ Ronaldo: „Nicht City?“ Fergie: “ Nein United, du Bastard!“ Und dann wird er vermutlich Ronaldo einen seiner Schuhe an den Kopf geworfen haben. Der umgekehrte Enkeltrick hat also dafür gesorgt, dass Fußballromantiker, die sich an einen Classico ohne Ronaldo und Messi erinnern können, fast wehmütig werden könnten. An damals als Real noch mit Galaktischen wie Figo, Beckham oder van Nistelrooy spielen musste, um einigermaßen konkurrenzfähig zu sein. Bis Ende Oktober der Classico steigt, wird man sich bestimmt daran gewöhnen, dass Luuk de Jong, Luka Jovic oder wer da sonst noch so mitspielt halt auch mitspielt. Vielleicht denkt man in der Zwischenzeit sogar einmal öfter an Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00.

People have the Powerriegel

Der Kraftriegel des Fachkopfgrätschers ist rund. Inzwischen wahrscheinlich komplett vegan weil Tierhaut und Schweineblase zu teuer sind, aber das ist doch egal, wenn sich am Ende das Netz bauscht. Beim VW Betriebssport hat man in diesen Tagen nicht so leicht. Gerade hat man überstanden, dann sich vor dem Spiel beim Gegner für den Schummeldiesel entschuldigen muss, mit dem er nach 3 Tankstopps angereist ist. Dann verrechnet man sich noch ein weiteres mal knapp bei den Auswechslungen und wirft den sicheren Sieg im Pokalspiel weg. Und nun wird in der Betriebskantine die gute alte Currywurst mit Pommes durch ein hippes Sellerieschnitzel mit Zucchini-Nudeln ersetzt. Spätestens jetzt müssen natürlich Autoritäten einschreiten. Oder alternativ kann auch einfach ein gelangweilter Altkanzler mal was in den sozialen Netzwerken dazu posten. Am Ende wird das die Currywurst nicht zurückbringen, aber Acker hat für seine Mitspieler ein letztes mal die symbolische Grätsche für die Galerie ausgepackt. Und wenn man mit der Forderung nach einem Veggieday eine Wahl verlieren kann, warum kann man dann nicht durch die Verteidigung eines Wurstgerichts gewinnen? Olaf Scholz (ja, der aus dem Il Casale)  wird am Ende schon wissen, bei wem er sich bedanken muss. Allen, die bisher dachten, dass das Angebot für die diesjährige Bundestagswahl weder Fisch noch Fleisch ist, sollte nun klar sein: die SPD ist die Wurst. Die Wahl am Samstag 10:30 und / oder Mittwoch 18:30 sollte relativ leicht fallen. Wir schummeln nicht nur beim Diesel, wechseln mehr als 6 mal (auch zwischen den Teams) und bearbeiten eine vegane Schweineblase mit Wurstzehen. Wählt uns!     

Lionel Richie

Hat jetzt wirklich auch der letzte Dorfverein Messi den roten Teppich ausgerollt? Ich habe den Überblick verloren. Der Gag ist für den Social-Media-Post quasi Pflicht. Welcome to Aktivist Schwarze Pumpe. Come to Havelse. Willkommen beim geilsten Club der Welt, was natürlich Blaubach-Diedelkopf ist. Von den schlechten Photoshop-Montagen von Messi in den hässlichsten Trikots der Welt ganz zu schweigen. Sogar die Serie Ted Lasso muss damit leben, dass Messis Kopf auf einem Trikot des AFC Richmond durch das Internet geistert, obwohl die Rolle des ballverliebten Südamerikaners schon mit Dani Rojas sehr gut besetzt ist. Deshalb verkünden wir als erste und einzige Rumpelfusspfleger: wir haben jetzt kein absolutes Interessi an Messi. Es hält sich immerhin hartnäckig das Gerücht, dass er wenig für die Defensive macht, selten mal als Torwart aushilft und keine Ahnung hat bei wieviel Grad man die Leibchen wäscht. Wenn er Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:30 einen Ball mitbringt, könnte man sich das unter Umständen überlegen. Aber wenn unsere YouTube-Scouts Recht haben, besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass er diesen Ball jemals abspielen wird. Das könnte doch für leichte Spannungen sorgen. Dann könnte Lionel seine Ballzauberei eigentlich auch bequem im Home Office von Rosario aus erledigen. Es würden wahrscheinlich trotzdem ziemlich viele sehen wollen. Offensichtlich möchte er aber noch ein paar Jahre gutes Geld verdienen, so dass man ihn bald in dem Trikot eines neureichen Clubs mit angeschlossener Ölquelle sehen wird, die mindestens 70 Mio € pro Jahr bringt. Die Cleveren photoshoppen also besser mal eine Bohrinsel in die Bucht.

Kopfballpendelpauschale

Der neue Grenzwert ist da. In England durfte ihn diesmal die FA festlegen. Dessen Präsident immerhin Prinz William ist. Und obwohl sein Schädel für einen anständigen Flugkopfball wie gemacht zu sein scheint, begrenzt die FA in England jetzt die Anzahl der Kopfbälle pro Woche. Im Training sollen es für Profis und Amateure maximal 10 sein. Das klingt erst einmal kurios, hat aber einen ernsten Hintergrund. Erstmals haben Studien untersucht, dass viele Fußballer gar nichts für die unglücklichen Interviews am Spielfeldrand können. Man wird wohl tatsächlich nicht schlauer von Kopfbällen und hat ein erhöhtes Risiko im Alter neurokognitive Störungen bis hin zu Demenz und Parkinson zu bekommen. Eine direkte Verbindung konnte bisher nicht nachgewiesen werden, aber sicher kann man da auch von den Erkenntnissen beim American Football lernen. Wer immer noch lieber mit dem Kopf arbeiten möchte, sollte lieber auf die viel verträglichere Kopfgrätsche ausweichen. Sauber ausgeführt, erwischt man Ball und Gegner in einem vorteilhafteren Winkel. Dabei sollte man aber stets Knöchel oder Knie des nicht kopfgrätschenden Gegenspielers im Blick haben. Kommt es zu einem direkten Kopfgrätsche-Duell auf Höhe der Grasnarbe bitte darauf achten, dass die Arme eng am Körper geführt werden. Generell empfiehlt es sich die Bälle im Spiel mehrheitlich flach zu spielen. So minimieren wir signifikant die Kopfbälle zugunsten der Kopfgrätschen. Der Mindestwert für Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 sollte sich bei mindestens einer pro Spiel einpendeln. Wir werden laut mitzählen.  

Zweitklassenkasper

Zwischen EM-Katerfrühstück und Olympia-Eröffnungsfeier hat der Fußballgott noch den Start von zweiter und dritter Liga gesetzt. Das Transferfenster steht quasi noch auf Kipp, aber der Zirkus geht schon wieder los. Die zweite Liga, die seit dem Abstieg des FCK aus der Bundesliga jedes Jahr die beste zweite Liga aller Zeiten war, ist es jetzt wieder. Vor allem im Norden wird es eng bzw. eine Liga der kurzen Wege. Hansa hat die dritte Spielklasse rechtzeitig vor dem Aufstieg von Freiburg II verlassen und kann endlich mal beim Reisebudget sparen. Die Inflation der Nordderbys startet bereits am ersten Spieltag. Auch die Lücke im Westen, die der VfL Bochum zwischen Paderborn und Düsseldorf gerissen hat, wurde rücksichtsvollerweise vom FC Schalke gestopft. Sogar die DDR-Oberliga entsendet ganze drei Vertreter. Florentino Perez guckt schon ganz neidisch und wartet täglich sehnsüchtig auf eine Einladung in seinem Briefkasten. Ausgerechnet in diesem schweren Jahr wird der HSV mindestens die Relegation schaffen. Im nächsten Jahr steht er dann überrascht zwischen Augsburg, Fürth und Bielefeld und fragt sich was er da in der Bundesliga wollte. Dabei war die jahrelange Taktik doch gar nicht schlecht: wenn du es selbst nicht nach oben schaffst, warte einfach bis die erste Liga zu dir kommt. Auf dem Weg nach unten kommt schließlich so mancher Glanz vorbei. Frag nach bei Hansa und Jari Litmanen. Auch wir ruhen uns seit Jahren mit dieser Einstellung auf unserer Stagnation aus. Drum dümpeln wir auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 auf dem gleichen weder-Fisch-noch-Fleisch-Niveau herum. Ja okay, vielleicht wird es auch die beste Kopfgrätsche aller Zeiten. Aber vielleicht auch nur in deinem Kopf.     

Mit dem Dritten siegt man besser

Und plötzlich ist es auch schon wieder vorbei. Der Sommer noch nicht, aber mit der außerplanmäßiger Euro, zieht auch ein weiteres ausgefallenes DIA-Turnier an uns vorüber. Und damit gilt der letzte Eindruck der Jahresausstellung unserer Talente von 2019 und der ewige dritte Platz, der mit fortschreitender Zeit an Wichtigkeit und Legendenhöhe wächst. Bei dem einen oder anderen wird er in der Erinnerung gar zum zweiten Platz. Oder man kommt eventuell auf total abwegige Ideen, wenn man morgens beim Aufwachen den Pokal im Regal sieht. Leo Bonucci und Giorgio Chiellini haben sicher auch nicht gedacht, dass sie am Vorabend ein Elfmeterscheißen vergeigt haben, als die Trophäe da zwischen ihnen lag. Mit der Gravur der Silberware am Spielfeldrand, bevor der letzte Elfmeterschütze überhaupt zurück in den Mittelkreis gelaufen war, wird das natürlich auch sicher verhindert. Und die Euro hatte dennoch einen gewichtigen Nachteil: wo ist der dritte Platz? Bronze, Silber und Gold haben wir stets gewollt. Der olympische Geist begnügt sich vielleicht mit dem Dabeisein, aber gerade der olympische Wettbewerb hat in uns die Erwartung geweckt, dass drei auf dem Stockerl geehrt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: der Zweitplatzierte fühlt sich bei dieser Ehrung nicht als der erste Verlierer und seine Leistung wird auch entsprechend gewürdigt. Vielleicht nehmen die Finalverlierer, dann nicht direkt nach der Ehrung die Medaille ab und stecken sie verschämt in die Tasche. In den nächsten Wochen kann man das bei den Silbergewinnern von Tokyo2021 (oder 2020?) beobachten. Sogar bei den Fußballern. Nach dem Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 darf sich gern jeder weiterhin nach subjektiver Einschätzung am Ende als Sieger, Zweiter, Dritter oder einfach nur als Teilnehmer fühlen.

Yes Caroline, I can Samba

Am Ende haben sie noch einmal alles versucht. Aber auch Peter Maffay konnte es nicht mehr rumreißen und statt sieben Brücken schaffte Die Mannschaft schließlich nur drei. Von der nächsten stürzte sie die Startnummer 4 mit „Sweet Caroline“ von Neil Diamond aus dem Jahre 1969. Die hatte vorher auch schon einen anderen Klassiker aus dem Weg geräumt. Mit „Yes Sir, I can Boogie“ von Baccara von 1977 waren die Schotten an den Start gegangen. Leider kamen sie damit nicht über die Vorrunde hinaus und mussten „Sweet Caroline“ weiter ziehen lassen. Nun steht tatsächlich das Finale der großen Schlagersause an. Die Italiener bringen „A far l‘amore comincia tu“ mit ins Endspiel. 1976 hatte Raffaella Carrà damit einen Mega-Hit. Nachdem Giorgio Chiellini die Spanier quasi im Alleingang aus dem Elfmeterschießen geherzt hatte, tönte dieser Gassenhauer zu Ehren der kürzlich verstorbenen Sängerin durch Wembley. In Deutschland kennt man ihren größten Hit vor allem in der Version von Tony Holiday unter dem Titel „Tanze Samba mit mir“. Holiday, der eigentlich Rolf Peter Knigge hieß, hätte Deutschland vielleicht noch ins Finale singen können. Nur leider ist er schon seit 21 Jahren tot. Das ist das Risiko bei dieser Oldieparade. Wenigstens Neil Diamond geht es gut und er kann im Finale die Daumen drücken. Dass er es wirklich bis ins Finale geschafft hat, ist ein kleines Wunder. Aber nicht aufgrund seines Alters. Sein Song wird eigentlich nur in Stadien gespielt wird, weil Caroline ähnlich wie Norn Iron klingt, wie die Fans von Nordirland umgangssprachlich ihr Land nennen. Die Nordiren singen „Sweet Caroline“ regelmäßig seit sie 2006 in der WM-Qualifikation ausgerechnet gegen England gewannen. Schaltet auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 wieder unsere Hitparade ein. Denn diese Liebe, Liebe, Liebelei – nein, die geht nicht so schnell vorbei.

Liegen ohne rot zu werden

So jetzt ist es aber wirklich gut hier. Dieses unverantwortliche paneuropäische Turnier muss ein Ende haben. Wir sind nicht mehr dabei, im Gegensatz zu acht anderen unwichtigen Ländern, die in 7 Spielen noch unbedingt herausfinden wollen, wer angeblich der Beste ist. Ohne uns ist das doch ein Muster ohne Wert. Wie beim ESC hat dieser undankbare Kontinent uns keine Punkte beschert. Stattdessen müssen wir wie Österreich den Rest des Sommers im Regen und ohne Schland-Jubel beim Grillen verbringen. Danke für nichts, Europa. Wenigstens moralisch sind wir doch der Europameister der Herzen. Nicht wie diese Engländer, denen Europa so egal ist und die dennoch diesen Titel haben wollen. Dafür machen sie in London das Stadion mit bierbäuchigen und rothaarigen Astra-Zeneca-Impflingen voll und lassen sogar die Kinder rein. Also dieses eine, diesen Knirps im Sakko, der mal König werden soll. Der sitzt nach den Ferien wieder in der Schule und steckt alle an. Das können wir nur verhindern, indem wir verbieten, dass die Engländer nach dem Turnier noch ihren Titel mit Sonnenbrand auf unseren Mallorca-Liegen feiern. Das können sie schön im Nieselregen von Brighton machen, während wir im Bierkönig die ersten olympischen Medaillen im Reiten und Schießen begießen. Diese sogenannte Europameisterschaft war doch sowieso ein Witz. Wichtig ist die in drei Jahren im besten Land der Welt. Huch, das ist ja zufällig unseres. Dazwischen gibt es noch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30 Kopfgrätsche und irgendein Vorbereitungsturnier in einem Wüstenstaat. Da fahren wir zwar hin, aber nur um ein paar Prospekte für 2024 zu verteilen und ihnen den Kunstrasen zu zertrampeln. Wer da Weltmeister wird, interessiert doch keine Sau. Falls niemand sonst will, halten wir ihn natürlich kommissarisch und uneigennützig wie Dr. Rainer Koch warm. Vorzugsweise auf einer mallorquinischen Liege.  

Über den Klampf zum Spiel

Erschreckende Bilder aus dem Quartier der Nationalmannschaft! Soweit so normal. Jede Unterkunft bei jedem großen Turnier bietet Stoff für abendfüllende Märchenfestivals. Was hat man nicht schon alles erlebt? Der Geist von Spiez 1954, die Gelage am Schlucksee 1982 und dazwischen ganz viel Bohnerwachs und harte Doppelstockbetten in der Sportschule Malente. Ein ewiges Katz- und Mausspiel zwischen den Disziplinwächtern und den Spielern, die jedes Loch im Zaun für heimliche Sauftouren ausnutzen. Seit dem aber Oliver Bierhoff im klassisch englischen Hotel Mottram Hall in Prestbury bei Manchester zum Golden Boy von 1996 reifte, wird unter seiner Regentschaft bei der Quartierwahl nichts dem Zufall überlassen. Zwischen Campo Bahia (WM-Titel) und Watutinki (Vorrundenaus) war eigentlich schon alles dabei. Inzwischen ist aber nicht mehr wichtig, wo sich die nächste Kneipe befindet. Hauptsache das WLAN ist stabil genug. Das sollte auf dem Adidas-Campus in Herzogenaurach gegeben sein. In den täglichen Instastories muss man dann aber leider sehen wie die verwöhnten Jungprofis im Haus Platon die Akustikgitarren mit Liedern aus dem Anfängerkurs quälen statt sich anständig auf der Playstation vorzubereiten. Und was wollen sie uns mit der Liedauswahl sagen? In What’s Up heißt es schließlich: „25 years of my life and still. I’m trying to get up that great big hill of hope, for a destination“. Und wer wurde vor 25 Jahren Europameister? Golden Oli hat auch diesmal nichts dem Zufall überlassen. Ich soll euch noch von ihm folgende Akkorde durchgeben: Samstag 10:30 und Mittwoch 18:30. Ihr wüsstet schon bescheid.