Ballonseidenwahl

Die Entscheidungsfindung sollte so langsam abgeschlossen sein. Wenn man morgens aufsteht und seine feinste Ballonseide überstreift, um sich an den Ort, an dem man seine  Bürgerpflicht ausübt, zu begeben, sollte man schon die Optionen kennen, die einen dort erwarten. Und man sollte natürlich entscheidungsfähig sein. Wenn man sich erst vor Ort informiert, hält das nur unnötig den Betrieb auf. Die Anzahl der Möglichkeiten ist schließlich überschaubar. Mit der Erststimme entscheidet man sich, mit wem man zusammenspielen möchte. Dabei guckt man einfach: was kann der Andere, was ich nicht kann? Das ist ganz praktisch, weil man dann einen Stellvertreter für all die ungeliebten Aufgaben hat. Die Zweitstimme ist die für die Farben. Hier kann man sich traditionell für eine bunte Koalition aus allen Farben entscheiden oder man zieht halt ein Leibchen über. Besiegelt wird die Wahl spätestens, wenn man eine Ecke des Tores mit dem runden Abstimmungsgerät ankreuzt. Wenn alle gut erkennen können, dass innerhalb der Grenzen der Umrandung markiert wurde, kann man anfangen zu zählen. Dabei kann es schon vorkommen, dass man irgendwann mit dem genauen Zählen nicht mehr hinterherkommt und auf ungefähre Werte ausweicht, mit denen alle leben können. Bei größeren Ungerechtigkeiten tauscht man einfach ein paar Opportunisten mit dem Gegner, die sowieso für die eigene Statistik spielen. Wichtig ist, dann es am Ende ein einigermaßen knappes Ergebnis gibt, so dass jeder in der Elefantenrunde danach das leicht berauschte Ackergefühl von 2005 verspüren kann. Das braucht man einfach, um es auch Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder zu versuchen.