I got you Ball

Jahrelang haben wir drüber gejammert, dass die Bundesliga so langweilig ist, wie Phil Connors Tage in Punxsutawney, weil die Meisterschaft meist Anfang Februar keinen Schatten mehr wirft. Und sehnsüchtig haben wir nach England geguckt, wo es tatsächlich in den letzten sieben Jahren fünf unterschiedliche Meister gab. Dann ging da Jürgen Klopp hin und jetzt ist zum Groundhog Day quasi der Drops schon gelutscht. Nun ja, das macht den Abschied am Ende der Woche dann vielleicht doch etwas erträglicher. Dann wird endgültig die Brexit-Starre aufgelöst und die Premier League erreicht quasi den Status von Ligen aus anderen Murmeltier-Hochburgen – z.B. der Schweizer Super League, von Kopfgrätsche am Samstag (10:30, wenn es ein Morgen gibt) oder der norwegischen Eliteserien. Dort hat bis vor kurzem ja noch Erling Braut Haaland gekickt. Und wo isser jetzt? Eben. Geboren ist er übrigens in Leeds. Aber jetzt spielt er in der aktuell spannendsten Liga Europas. Aber machen wir uns nicht zu viel vor. Am Ende werden höchstwahrscheinlich dennoch die Alpenanwohner zum achten mal in Folge Meister. Vielleicht wird das diesmal mit etwas mehr Spannung sogar erst im Mai entschieden. Falls es doch anders kommt und in der Bundesliga der gut frisierte Brauseklub an der Spitze bleibt, wäre das für Erling auch keine Megaüberraschung. Das kennt er bereits aus Österreich. Dort gab es auch keinen anderen Meister seit Erling 13 Jahre alt war. Am anderen Ende des alpinen Murmeltierhabitats in Italien hofft man auch, dass der Radiowecker morgens ein anderes Lied als Storia Di Un Grande Amore spielt. Man wartet schließlich seit 2011 auf irgendeinen Serie-A-Champion, der nicht Juventus heißt. Vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht bestellt um den englischen Fußball. Spätestens wenn sich die Engländer im Sommer zum Europameister murmeln, gucken wir wieder voller Neid auf die Insel. Und hoffen, dass Kloppo nicht nur einmal die Premier League gewinnt. Sechs- bis achtmal in Folge dürften es schon sein.   

Diplomaten-Post von Franz-Josef

Lieber Toni Kroos,

Früher hat man Sie Querpass-Toni genannt. Wenn man es gut mit Ihnen meinte, nannte man Sie einen Ballmagneten. Sie sammelten viele Pässe in jedem Spiel. Die meisten davon waren simpel und ohne Risiko. Risiko ist in der heutigen Zeit nicht mehr gewollt. Risiko ist, wenn man nicht einmal einen Terrorgeneral ausschalten kann, ohne dass gleich der dritte Weltkrieg droht. Dort braucht man nun die Diplomaten. Sie lieber Toni Kross sind wie Hans-Dietrich Genscher (der ist doch noch Außenminister, oder?). Mit Ihnen bleibt das Spiel kontrollierbar. Ein Querpass kann ein Diplomatenpass sein. Nun haben Sie diese Woche einen Eckball direkt verwandelt. Eine Schlitzohr-Aktion wie man sie nicht von Ihnen erwartet. Die letzten Typen der Bundesliga konnten das. Bernd Nickel. Mario Basler. Typen, die nie diplomatisch waren. Die auch mal eine Weizenbier getrunken haben. Die immer Ihre Meinung gesagt haben. Meinungen sind wie Arschlöcher. Sie sind kein Arschloch. Dennoch haben Sie ausgenutzt, dass der Torwart und die Abwehrspieler noch nicht bereit für die Ecke waren. Sie waren nur bedingt abwehrbereit. Das hat schon Franz Josef Strauß gestört. Franz Josef Strauß ist der letzte Typ in der Regierung (der ist doch noch Verteidigungsminister, oder?). Er hat auch mal ein Weizenbier getrunken und immer seine Meinung gesagt. Meinungen sind wichtig. Jetzt werden Sie, lieber Toni Kross für Ihren Schlitzohr-Eckball gefeiert. Was ist ein Tor wert ohne Gegner? Ohne Gegenwehr? Im nahen Osten und auf dem Bolzplatz (Samstag 10:30) wäre es wegdiskutiert worden. Ganz diplomatisch. Das müsste Ihnen doch eigentlich gefallen, oder?

Herzlichst, Ihr Franz Josef Kopfgrätsche

Pfeilmeldung vom Dosenwerfen

Spieltag für Spieltag in der Champions League versuchen wir bei Heiko einen Blick auf den großen Sport zu erhaschen. Das ist manchmal nicht ganz so einfach. Man sitzt häufiger hinter einem Pfosten oder der nächste gut erkennbare HD-ready-Fernseher läuft noch auf den Voreinstellungen der Biathlon WM. Meistens zeigt man dann auch gerade dort BATE Borisov gegen Dynamo Zagreb im Einzelspiel. Aus Gründen, die nur Ante Sapina und Friends verstehen. Allerdings hätten wir uns vielleicht doch häufiger mal umdrehen müssen, um den wahrhaft großen Sport sehen zu können. Anstatt dauernd genervt die Dartpfeile aus dem Nacken zu ziehen, hätten wir uns all die Jahre lieber damit beschäftigen sollen wie dieser Nischensport Snooker, Kubb und Tischtennis abhängen konnte. Oder wir hätten eventuell sogar die Regeln kapiert und warum es von Vorteil ist den Wurfarm über einen großen Bierbauch abzurollen. Dann wäre unserer Aufenthalt bei Heiko auch ganz klar als Training für Körper UND Geist angerechnet worden. Die AOK würde zufrieden sein und uns nicht am Jahresanfang ein schlechtes Gewissen machen. Jahrelang hat uns der falsche Sport Hoffnungen gemacht und plötzlich realisiert man, dass aus der eigenen Altersklasse nur noch Claudio Pizarro aktiv ist. Und sogar Pizza hat die wichtige Rolle des Bieres für die Zweitkarriere im Darten erkannt. Dass er es aus Dosen trinkt ist natürlich in der heutigen Zeit der eigentliche Skandal. Das können wir besser machen, wenn wir ein Hefeglas nehmen und die dritte Halbzeit etwas früher beginnen. Vorher (Samstag 10:30) können wir ja gerne dem Fußball noch einmal eine letzte Chance geben. Aber nur wegen Claudio.