
Archiv für den Monat: Februar 2020
Kick-off am Point of no Return on Invest
Liebes Tagebuch,
Heute muss ich dir mal wieder schreiben. In der Sportbild sind noch ein paar Zeilen frei und letzte Woche waren wir auch kein Thema für den Doppelpass. Also muss ich noch ein paar Insights aus den letzten Meetings leaken. Hilft ja nix. Das Gedächtnisprotokoll ist lückenhaft, aber in dieser Lügenkultur interessiert die Wahrheit ja eh niemanden. Also letzte Woche war ich mal wieder auf dem Platz und was ich dort an Spirit gesehen habe, genügt internationalen Requirements nicht. Da wird zu wenig outside the box and into the woods gedacht. Mit diesem Mindset convinced man die Stakeholder nicht. Der Trust in Innoweschn ist mental absolut nicht da. Die jahrelangen katastrophalen Versäumnisse in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen, haben sogar unseren Performance-Manager zum Weinen gebracht. Wo wird denn da der Mehrwert bis zum Point of no Return on Invest to the next Level gesteigert? Seit Jahren kickt man hier den Ball Richtung Tor. Immer in die gleiche Direction. Immer der Ball. Immer mit dem Fuß. Immer meistens Samstag 10:30. Ein absoluter gestreamlinter No-brainer. Wen will man damit in Asien hinter der Buddahstatue vorlocken? Wir brauchen quasi einen Paradigm-Shift und ein Commitment, dass wir auch mal big thinken. Bisher powert nur der Doc. Der hat uns auf dem Radar und weiß wenigstens wie mit irgendwelchen Geräten Geld gemacht werden kann. Vielleicht laden wir den das nächste mal zum Closing Diner ein. Alle anderen haben ja meist was besseres vor. Mit diesem Urlauber-Approach wird es am Ende des Tages auch diese Woche maximal für einen Kick-off auf Kopfgrätsche-Niveau reichen.
Nach Diktat verreist
Where the grass is green and the Celts are pretty
22. Februar 2019 – 3D
Auf die Pfütze
Ich lehne mich mal vorsichtig aus dem Fenster, aber eine obligatorische Schneekopfgrätsche wird in diesem Winter und somit auch Samstag 10:30 sehr unwahrscheinlich. Gefühlt ist doch schon Ostern seit der letzte Weihnachtshohlkörper aus dem Schokofach den eigenen Körper gefüllt hat. Die Schneematches im Schneematsch waren aber stets besondere Highlights, die sämtliche Fähigkeiten am Ball wegmarginalisiert haben. Man lag viel am Boden und erzielte unmögliche Tore aus der Kategorie Zufall. Am Ende waren die Wangen rot und die Schuhe nass. Der regelmäßige Niederschlag aktuell bildet leider nur große Pfützen in den Kratern des Platzes. Darin lässt sich wiederum eine andere Randsportart ausprobieren. Wasserball assoziiert man hierzulande eher mit aufblasbaren Präsenten für Payback-Punkte. Guckt man Richtung Balkan wird da aber ein mitreißender Wettbewerb draus, bei dem Kroatien, Serbien und Ungarn regelmäßig um die Titel kämpfen. Bei der Fußball-EM 2016 lief Vedran Corluka nach einer Kopfverletzung mit einer Wasserballkappe auf. Und auch für die Fans der Kockasti gehört die Kopfbedeckung zur Standardausstattung. Man sieht damit aus wie der Kohlsuppe-futternde Außerirdische in „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“ und hört wahrscheinlich auch schwer. Ob sie sich für eine anständige Kopfgrätsche eignet, müsste man testen. Wenn man sich aber die Kleiderschränke anguckt, die erfolgreich Wasserball spielen, merkt man schnell, dass das ähnlich körperlich intensiv wie Handball ist. Nur dass man es nicht sieht, wenn man unter der Wasseroberfläche fies getreten wird. Es rächt sich also, dass die Füße nur untergeordnete Aufgaben bekommen. Wenn sie keinen Ball streicheln dürfen, fallen sie negativ auf. Wie die Arme und Hände beim Fußball, über die man auch dauernd diskutiert und deren Vergehen in Superzeitlupe ausgewertet werden. Solange wir nicht das Gefühl haben, dass wir mit den Händen sinnvollere Dinge tun können, als einen imaginären VAR-Screen in die Luft zu malen, bleiben wir also doch lieber beim gewohnten und entspannten Ball-hin-und-her-Geflippere per Fuß. Bei Sonne, Regen, Schnee, Schneeregen, Hagel, Niesel, Graupel, Sturm und Sonne-Wolkenmix.
15. Februar 2020 – Ausgewildert
Verklickt in Berlin
Achtung Spoiler-Alert! Wer die letzte Episode unserer Lieblingstelenovela „Hertha – Wege zum Glück“ bisher nicht gesehen hat, muss kurz mal weghören. Da ging es ja wieder drunter und drüber diese Woche. Was bisher geschah: Eine alte Dame wird von drei Männern umgarnt. Sie sind scharf darauf, in ihrer großzügigen Immobilie aus den Dreißigern ein hippes Start-Up zu gründen. Da ist einerseits der Micha, eine treue Seele. Er ist schon lange an Herthas Seite und möchte, dass sie sich nicht zu schnell bewegt. Liebevoll hat er sie untergehakt und spaziert mit ihr behutsam durch die Bundesliga. Er lässt sie auch mal geduldig auf Platz 10 ausruhen, wenn drumherum die hochgepushten Plaste-Rowdies sie mit ihren Hoverboards anrempeln. Doch seit kurzer Zeit macht der gut situierte Lars ihr schöne Augen. Mit teuren Geschenken zeigt er ganz offen, dass er Hertha eigentlich nur ausgesucht hat, weil sie als Big City Girl naturgemäß ganz nach oben gehört. Nichtsahnend lässt sie es zu, dass er das Geld bei ihr unter die Matratze schiebt. Doch nun will er auch schnelle Erfolge sehen, damit die Scheichs und Oligarchen bald zu Herthas Kaffeekränzchen vorbeischauen. In Lars Windschatten kommt der dritte im Bunde. Aber der windige Jürgen versucht sich mit einem plumpen Enkeltrick an die alte Dame heranzuwanzen. Erzählt rührige Geschichten von seinem Vater und macht romantische Handyvideos. Er bringt sein tolles Netzwerk mit, um ein Himmelfahrtskommando in eine Erfolgsgeschichte zu verwandeln. Plötzlich ist bei Tante Hertha die Bude voll People, weil der Jürgen u.a. als Jay Göppingen selbst viel in der Welt unterwegs ist. Dort hat er überall Kontakte, mit denen er großen Glanz in die alten Gemäuer bringen will. Als er aber feststellt, dass Micha das Geld von Lars lieber in ein paar Stützstrümpfe gegen Abstiegskrämpfe investiert, schreibt er was Bockiges auf Facebook und in der BILD. Er möchte Micha nicht mehr mit Hertha auf der Bank sitzen sehen und ihn stattdessen in den Keller sperren. Das geht aber sogar Lars zu weit. Er überschlägt kurz, wie schnell das schöne Geld alle wäre, wenn Jürgen es ausgibt und lässt das Schloss auswechseln. Wird sich Jürgen so einfach abservieren lassen? Kann Micha auf der Bank sitzen bleiben? Wird Lars noch etwas Geld in der anderen Hose finden? Und was wird aus Herthinho? Das und vieles mehr erfahren wir nach der Werbung und Samstag 10:30 nach dem Kopfgrätschen.
JoJo Joker dankt Academimimi
Im Fußball gibt es eine Menge hübscher Pokale zu gewinnen. Gut, manche haben eher ideellen Wert. Das Design ist oft bestenfalls originell. Nicht umsonst nennt man sie manchmal leicht despektierlich Radkappe, Vase oder Henkelpott. Wichtig ist: man kann sie einigermaßen gut hochhalten und im optimalen Fall ein paar Liter Schampus draus schlürfen. Als Normalsterblicher kann man sich diese Trophäen in langen Abenden selbst aus Pappmaché basteln oder es gibt eine praktische Aufblasvariante davon, die man mit ein paar Lungenstößen zu einem verblüffend echten Duplikat bringen kann. Auch in Zweitverwendung als Badetier oder Nackenkissen einsetzbar. Eine Plastik wie es sie am Sonntag wieder in L.A. zu gewinnen gibt, sucht man aber im Fußball vergebens. Über die Jahre wurde natürlich dem einen oder anderen Schwalbenkönig in purer Gehässigkeit ein Oscar gewünscht und Arjen Robben hat in seiner Karriere wirklich alles dafür getan, um sich ihm würdig zu erweisen. Aber er wurde härter als Leo diCaprio ignoriert, obwohl er der Trophäe so verblüffend ähnlich sieht. Einer der großen Favoriten ist sicher in diesem Jahr zurecht der Joker, auch wenn man als Fußballfan etwas anderes von dem Film erwartet. In über 120 Minuten wird niemand eingewechselt, der auch nur ein einziges Tor macht. Da haben wir in dieser Saison schon krassere Auftritte gesehen. Bei den beiden Päpsten in The Two Popes haben wir zwar die rechte und die linke Hand Gottes, aber DIE Hand Gottes fehlt, obwohl einer von beiden sogar Argentinier sein soll. Da wurde eine dicke Chance vertan. Immerhin kann man in Rocketman den Präsidenten des Watford FC beim Singen zuhören. Der Song ist doch objektiv besser gesungen als der neue ICE-Trassenhauer der Eintracht-Fans „Christoph Daum ist wieder da und in Frankfurt kauft er Koka“ zur Melodie von Tom’s Diner. Und dabei hat auch Elton John garantiert schon ähnliche Einkäufe in Deutschland getätigt. Bevor mich die einsetzende Musik von dieser Bühne vertreibt, möchte ich allen danken, die Samstag 10:30 zum Kopfgrätschen nominiert sind und auch diesmal wieder keinen Pokal mit nach Hause bringen.







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