Lothar’s Run

Spätestens jetzt wo die Endezwanzigjährigen ihre Karrieren beenden, ist es definitiv klar: das wird nichts mehr in diesem Leben mit dem Ausflug in die Profiliga. Konnte man es sich früher noch schönreden, dass ja Lothar Matthäus oder Claudio Pizarro auch mit 40 noch Topleistungen bringen konnten, kann man heute froh sein, dass es einem mit der 3 vorne beim Lebensalter nicht wie bei Logan’s Run ergeht. Die meisten Teams setzen doch inzwischen auf etwas jüngere Talente. Sogar Manuel Neuer musste sich von der 11Freunde aktuell frech fragen lassen, wann er denn endlich Platz macht für die Jugend. Erwartungsgemäß polterte der renitente Pfosten-Methusalix auch rum, als man ihm die schönen Prospekte vorlegte, die schon Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng durchblättern mussten, als sie nicht freiwillig mit ihrer schönen Weltmeisterprämie ein Wohnmobil kaufen oder eine Kreuzfahrt machen wollten. Wenn sie wenigstens nach dem Motto „je oller, je doller“ ordentlich über die Stränge geschlagen hätten, wäre es sehr viel leichter gewesen sie nicht mehr einzuladen. Das war bei Kevin Kuranyi oder Max Kruse einfacher. Kruse bekommt immerhin in der Uralten Försterei ein eisernes Gnadenbrot. Als Nachfolger von Claudio Pizarro war er dann doch nicht mehr gefragt. Immer weniger Mannschaften leisten sich solch ein knuffiges Risikogruppen-Maskottchen, um auch die älteren Zielgruppen abzuholen. Im November wird dafür Youssoufa Moukoko endlich 16 und darf damit die Bundesliga aufmischen. Wenn Dortmund bis dahin Sancho nicht verkauft, besteht die akute Gefahr, dass tatsächlich ab und zu Zwanzigjährige Instragram-Greise durch seine TikTok-Videos laufen. Aber wie ich höre zeigt sich Old (!) Trafford aufnahmebereit. Wer hingegen sogar bei Otto Rehhagel als Libero aus Altersgründen aussortiert wurde, für den bleibt nur noch Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00.

Pfeilmeldung vom Dosenwerfen

Spieltag für Spieltag in der Champions League versuchen wir bei Heiko einen Blick auf den großen Sport zu erhaschen. Das ist manchmal nicht ganz so einfach. Man sitzt häufiger hinter einem Pfosten oder der nächste gut erkennbare HD-ready-Fernseher läuft noch auf den Voreinstellungen der Biathlon WM. Meistens zeigt man dann auch gerade dort BATE Borisov gegen Dynamo Zagreb im Einzelspiel. Aus Gründen, die nur Ante Sapina und Friends verstehen. Allerdings hätten wir uns vielleicht doch häufiger mal umdrehen müssen, um den wahrhaft großen Sport sehen zu können. Anstatt dauernd genervt die Dartpfeile aus dem Nacken zu ziehen, hätten wir uns all die Jahre lieber damit beschäftigen sollen wie dieser Nischensport Snooker, Kubb und Tischtennis abhängen konnte. Oder wir hätten eventuell sogar die Regeln kapiert und warum es von Vorteil ist den Wurfarm über einen großen Bierbauch abzurollen. Dann wäre unserer Aufenthalt bei Heiko auch ganz klar als Training für Körper UND Geist angerechnet worden. Die AOK würde zufrieden sein und uns nicht am Jahresanfang ein schlechtes Gewissen machen. Jahrelang hat uns der falsche Sport Hoffnungen gemacht und plötzlich realisiert man, dass aus der eigenen Altersklasse nur noch Claudio Pizarro aktiv ist. Und sogar Pizza hat die wichtige Rolle des Bieres für die Zweitkarriere im Darten erkannt. Dass er es aus Dosen trinkt ist natürlich in der heutigen Zeit der eigentliche Skandal. Das können wir besser machen, wenn wir ein Hefeglas nehmen und die dritte Halbzeit etwas früher beginnen. Vorher (Samstag 10:30) können wir ja gerne dem Fußball noch einmal eine letzte Chance geben. Aber nur wegen Claudio.