Wonderball

Hello. Irgendwann Mitte der Neunziger als Manchester City noch kein Scheichclub, sondern ein Team zwischen erster und dritter Liga war, wurde der Sachse Uwe Rösler zum Publikumsliebling der Citizens. Das sangesfreudige Publikum huldigte YouWe indem es lustig davon sang, dass sein Großvater womöglich Old Trafford, die Heimat des übermächtigen Lokalrivalen, bombardiert hätte. Lange bevor es in Manchester nötig war, solidarisch gegen Bombenopfer zu singen. In der Masse fanden sich auch zwei Kernassis, die mit ihrem Mancunian-Gesang so berühmt geworden waren, dass man sie bat eine neue Vereinshymne zu schreiben. Aber einer der Brüder meinte nur, dass das eine Scheißidee wäre, da sich nichts auf City reimen würde. Außer pitty. Ein eigener Song wurde aber auch nicht nötig, da die Fans einfach das vorhandene Liedgut adaptierten und sogar heute noch einen Eindruck vermitteln, wie verbrüdernd die Stimmung bei einem Oasis-Konzert gewesen sein kann. Listen up, darum formuliert My Big Mouth einen simplen Masterplan für Morning Glory am Samstag 10:30. I hope, I think, I know, dass dieser genügen sollte, um euch von Cigarettes & Alcohol kurzzeitig wegzukriegen. Some might say, dass nach dem Step out kein Going nowhere folgen darf. Be here now. D’you know what I mean? Wenn wir den Ball up in the Sky schießen, wird es ziemlich sicher ein Falling down geben. Also roll with it. Ohne höhere Diplomatie werden die Gebrüder Gallagher wohl nicht mehr zusammen finden. They do look back in Anger. Whatever, eine Versöhnung von Trump und Kim hinter der Wonderwall ist momentan wahrscheinlicher. Sogar Schlichtungsversuche aus Sachsen blieben ungehört.

Scherenschlag ins Kontooor

So, ab heute also nur noch 1 Monat bis Weihnachten. Was das bedeutet, kann jeder selbst an einer Hand abzählen. Ja, natürlich ist überall Black Friday. Bevor aber Jesus schon wieder Geburtstag hat, müssen wir selbstverständlich erst noch den Kopfgrätsche-Heiland Christoph hochleben lassen. Statt panisch die Einkaufszentren bzw. Amazon-Wunschzettel zu stürmen, um die Lieferzeiten für Gold, Weihrauch und Myrre per Prime-Mitgliedschaft noch vor den 24. zu drücken, bastelt doch mal wieder etwas selber. Im Strafraum lassen sich wunderbar Kerzen selber ziehen. Über gezirkelte Pässe wie gemalt, freut sich wirklich jeder. Da ist es auch nicht schlimm, wenn man ab und zu einmal übermalt. Sogar eine löchrige Abwehrkette wird nicht reklamiert. Ist schließlich alles feetcrafted. Und mit der linken Klebe gelingen manchmal echte Bilderbuchtore. Durch etwas Anstrengung entstehen am Ende der Bastelei originelle Batikmotive auf euren Shirts und Trikots. Da sie eher flüchtig sind, halten wir sie auf einem Familienfoto fest, dass im Kopfgrätsche-Rahmen ein prima Geschenk für die ganze Verwandtschaft ist. Ab Samstag 10:30 ist unsere Werkstatt für eure besonderen Begabungen und Talente wieder geöffnet.

Zurückspielen bitte

Wacht auf, Verdammte dieser Erde! Und zwar rechtzeitig vor Samstag 10:30. Damit ihr noch einen Gangplatz in der Brigade zugeteilt bekommt, die beim Sturm auf das gegnerische Tor dabei ist. Hier wird noch Fußball wie vor 100 Jahren gespielt, dass man denken könnte, gleich kommt der Vorgänger des Schulz-Zugs in Petrograd um die Eckfahne gebogen. Völker hört die Signale und Vorsicht an der Strafraumkante. Trainer, Raucher und Werner Lorant bleiben bitte in der markierten Zone. Die Aufstellung heute mal wieder in umgekehrter Reihenfolge. Die Stimmung im Serviceteam ist gut. Im Namen der Kopfgrätsche würden wir trotzdem gern am Samstag noch mal die schönsten Fahrkarten sehen. Mit dem Quer-durch-die-Abwehr-Ticket sparen Sie sich mindestens eine Konterrevolution. Alle Anschlüsse ans Mittelfeld werden planmäßig erreicht und wenn der Torwart wieder wie eine Bahnschranke fällt, gibt’s im Betriebsablauf vielleicht sogar etwas zu jubeln. Bei geringfügiger Verspätung haben wir eventuell später noch Zeit für einen kleinen Imbiss im Bordbistro. Ausstieg in Fahrtrichtung Kai. Und immer dran denken: Abfahrt ist, wenn der Schaffner pfeift.

Ein Tor sein Leben lang

Huch, ist tatsächlich schon wieder Wochenende? Mir ist heute wie Mittwoch und eigentlich wollte ich mal gucken was heute so in der Champions League passiert. Durch diese Feiertage ist die ganze Woche durcheinander. Und obwohl angeblich sogar Reformationstag war, konnte man an dem Tag nicht bei Ikea einkaufen – wie das eigentlich seit 500 Jahren Tradition ist. Dafür musste man stattdessen den heiligen Brückentag opfern. Am Dienstag konnte man lediglich in ein bis zwei TV-Sendungen ein paar Dinge über Martin Luther erfahren. Und über Luthers Frauen. Und über Luthers Helfer. Wahrscheinlich sogar etwas über seinen geheimen U-Bootkrieg. Nur seine Fußballvorlieben kamen etwas zu kurz. Dabei wäre der Reformator sicher ganz gut geeignet gewesen, die Leute in zwei Mannschaften aufzuteilen. Aber wahrscheinlich hätte er das ganze Rasenball genannt und sich mit den Etablierten angelegt. Das hätte nicht gemusst. Sprachlich hat er natürlich trotzdem eine Menge für das Phrasenschwein geleistet. Ohne Formulierungen wie „Hochmut kommt vor dem Fall“, „Zähne zusammenbeißen“, „Buch mit sieben Siegeln“ oder „im Dunkeln tappen“ wären der Doppelpass am Sonntagvormittag und kopfgrätsche am Samstagvormittag (10:30) frei von blumigen Sprachbildern. Nach einer Folge Doppelpass wäre Luther aber wohl arm wie eine Kirchenmaus. Diesen sauren Apfel müsste er vor die Säue werfen. Aber durch Schaden fällt man selbst hinein.

Schiri, Telefon…

Das war damals ein großer Spaß, wenn man den Mann in schwarz an den Apparat rief. Ein Gag, den heute niemand mehr versteht. Dazu muss man den Jüngeren erklären, dass so ein Telefon früher ein stationäres Ding war. Mit einer Spiralschnur zwischen Wähleinheit und Hörer. Und es stand irgendwo im Flur, im Büro oder in einer schmuddeligen Zelle am Stadionvorplatz. Einige Comicfans hatten vielleicht also noch eine Meta-Information, um den Schiedsrichter zu einer Superman-Transformation in der Telefonzelle zu motivieren. Aber die meisten wollten nur, dass der Unparteiische aufgrund seiner schlechten Leistung den Platz verlässt. Das ist inzwischen aber nicht mehr nötig. Spätestens in der Halbzeitpause kann man dem Schiri noch auf dem Platz das Smartphone reichen. Klar, damit könnte er den Telefonjoker anrufen, der ihm bei seiner Entscheidung hilft. Aber darüber hinaus hat er natürlich weitere Möglichkeiten. Die Quoten in bei Tipico checken z.B. oder eine Spotify-Playlist ohne Helene Fischer für die Halbzeitpause auswählen. Vielleicht lohnt es sich auch zu gucken, ob das Stadion auf einer Pokémon-Go-Arena erbaut ist. Die Einsatzfelder sind vielfältig. Ein Blick in die Wetterapp zeigt mir für Samstag 10:30 elf Grad und Herbststurm. Ähnliche Bedingungen wie morgen Abend in München. Trotzdem sollte RB-Fernmelde-Offizier Rangnick lieber sein Smartphone in der Tasche lassen. Mit seinem Red Bull MOBILE-Tarif wird er in der Arena, wo das weiße T auf der Tribüne hockt, leider keinen Empfang haben.

Screensaver

In jeder Sportart ist natürlich immer und jederzeit die korrekte Körperhaltung wichtig. Nur so konnte Otl Aicher damals 1972 überhaupt aus den klischeehaften Bewegungen überhaupt seine Piktogramme machen. Das hätte ja nicht funktioniert, wenn Badminton und Basketball zu ähnlich wären. Es reicht schon, dass kaum jemand den Unterschied zwischen Fußball und Schach ohne Würfeln erkennt. Repräsentiert ein dynamisch rennender Mensch mit einem Ball am Fuß wirklich den Fußball noch adäquat? Irgendwie ist es die Grundlage des Kopfgrätsche-Logos, das die Information für Samstag 10:30 in sich trägt. Aber auch hier mussten schon zwei Körperhaltungen ergänzt werden, die bisher zu kurz gekommen sind: der Kopf zu tief, das Bein zu hoch. Aber was ist mit den Torhütern? Würden die sich nicht eher durch einen stilisierten Tomislav Piplica (Blick nach oben, federnd in den Knien, den Ball über das Haarband rutschend) vertreten fühlen? Oder die Tribünenhocker, die zwischen den Spielerfrauen für Fan-Selfies zur Verfügung stehen müssen. Auch sie prägen diesen Sport. Die Herthaner auf den Knien würden sich für ein Piktogramm eignen. Da müssen wir aber abwarten, ob das eine einmalige PR-Aktion bleibt oder eine Welle von Nachahmern findet, die auch mal die BILD-Zeitung provozieren wollen. Die einzige Geste, die momentan alle Beteiligten im Fußball vereint, muss dann wohl doch das Malen eines imaginären Bildschirms in die Luft sein. Feldspieler, Torhüter, Schiedsrichter, Trainer, Bankdrücker, Fans – sie alle teilen diese Geste. Sie hat das Wedeln mit imaginären gelben (oder roten) Karten tatsächlich in Windeseile abgelöst. Ein universelles Signal zum Biernachholen, für die Pinkelpause oder um endlich vom Smartphone hochzugucken. Ein Moment der Zeitlupe. Ein Moment der Entschleunigung. Ideal, um ihn als Strichmännchen festzuhalten.

Mac Kalinka moja

Der Abgesang auf den diesjährigen Sommer war offensichtlich verfrüht. Vielleicht war das aber auch nur ein sehr langes Trainingslager, um uns auf den russischen Sommer im nächsten Jahr vorzubereiten. Auch wenn das Wetter nicht dazugehört, können wir uns doch bei der kommenden WM auf ein paar Konstanten verlassen. Messi ist dabei. Ronaldo auch. Die Niederlande setzen noch einmal aus. Die Türkei schützen ihren Präsidenten und machen einen eleganten Bogen um diplomatisches Krisengebiet. Mal gucken, wann es sich bis ins weiße Haus herumspricht, dass den USA nicht einmal russische Hacker geholfen haben. Dort wird allerdings noch gerätselt, ob dieser Fußball was mit dem Football zu tun hat, bei dem sich die Spieler zur Hymne hinknien. Überhaupt sorgen die Hymnen für ein leichtes Onboarding bei solch einem Turnier. Ist es doch die erste Inszenierung der Helden der Schlacht bevor sie überhaupt was erreicht haben. Quasi der Braveheart-Moment, der in jedem Historienstreifen dem Zuschauer klar macht: da haben sich Krieger hinter einem Banner versammelt, um in Zeitlupe und zu James-Horner-Klängen über das Feld der Ehre zu stürmen. William Wallace musste allerdings leider auf den sponsored Jubel seines Werbepartners verzichten. Aus seiner Gesichtsbemalung können wir nur noch vermuten, dass es sich wahrscheinlich um BMW gehandelt haben muss. Ganz sicher werden wir es nie erfahren. Die Schotten haben ihrer Geschichte des Scheiterns inzwischen ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Dritter Platz in Gruppe F. Keine Kalinka auf dem Dudelsack. Aber auch keine Männer in Röcken in Moskau. Ein herber Rückschlag für das Recht auf Blasenentzündungen bei Männern. Das Kopfgrätsche-Banner weht wieder Samstag ab 10:30. Aber ohne eine Hymne werden auch diesmal sich einige noch warmmachen, während die ersten schon jubeln.

Master of Harz

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Wenn man vom Schlossberg, auf dem schon Otto I. das I. Reich und den Libero erfand, durch die Pfosten ins Sonnethal schaut, summt man unweigerlich diese alte Volksweise. Man muss sie für das Wetter am kommenden Samstag 10:30 textlich allerdings ein wenig anpassen.

An ’nem Samstag ist alles dran
Heut hat der Gegner orange Leibchen an
An ’nem Samstag ist alles drin
Er ist für uns ein Hauptgewinn

An ’nem Samstag ist alles dran
Was sich ein Mann nur wünschen kann
Ja der Samstag klatscht ins Gesicht
So ’nen Samstag versäumen wir nicht
Heut sind wir auf jeden Fall
Heut sind wir auf jeden Fall
Heut sind wir auf jeden Fall am Ball

Wer jetzt total heiß auf den FC Sonnethal ist, sollte vorher trotz eventuellen Regens noch einmal die schonungslose Kopfgrätsche-Filmkritik lesen.

Ankreuzbandriss

1. Der Ausbau von eBussen von VW vor dem eigenen Tor muss gefördert werden. #fcbwob

2. Die Obergrenze für komische Handgesten in Richtung von Österreichern liegt auf Leistenhöhe. #rblsge

3. Mehr Ganztagsschulen, um zu verhindern, dass junge Menschen nachmittags in den Trainerberuf abrutschen. #tsgs04

4. Mehr Teilzeitangebote für Stürmer, die zuverlässig nach ihrer Einwechslung treffen. #svwscf

5. Die artgerechte Haltung von Tanzbären mit Trendfrisuren muss fest im Grundgesetz verankert werden. #m05bsc

6. Die Bestrafung kleiner Sünden soll weiterhin durch den Fußballgott gedeckt sein. #vfbfca

7. Die Videoüberwachung im Strafraum muss mit Ton, 360 Grad und Untertiteln gegen Zwangsgebühren angeboten werden. #bvbbmg

8. Die Beziehungskisten von Altkanzlern sollen weiterhin ein zentraler Bestandteil deutscher Stammtischkultur sein. #h96koe

9. Taschengeld von zwielichtigen Investoren sollten unabhängig vom Luschenfaktor weiterhin gezahlt werden. #levhsv

10. Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 sind alternativlos. #kopfgrätsche

Einfach mit Stimme zu (1) Neutral (0) oder Stimme nicht zu (2) abstimmen. Im Zweifelsfall gilt das Ergebnis des Ball-o-maten von vor vier Jahren.

Yeah you can run with me (If you wanted to)

This is a Call for Kopfgrätsche. Because of these Days: Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. In Times like these rufe ich euch wieder zu: wake up, run for a ball with me. Ich kann Outside nicht all my Life oder gar Everlong auf euch warten. Schließlich sind wir better off wenn the Best of you dem Ball das Fliegen beibringen. Es wird ein Cold Day in the Sun mit etwas Wind up. Da ist es doch egal, dass Summer’s End und Sunday Rain warten. Aber Something from Nothing gibt es nicht. Ein entspannter Walk wird schnell zu einem Walking After you. Da bleiben zwar Skin and Bones und sogar das T-Shirt sauber. Aber my Hero weiß: the Colour and the Shape of deepest Blues (die eigentlich schwarz sind) stellt sich nur ein, wenn ihr die Line Back & Forth rennt. Es gibt keine Rope, die euch davon abhält immer wieder Stiches zu setzen. Wir haben doch enough Space für einen Breakout. Die Akteure müssen sich jedenfalls noch nicht stapeln. Falls eure White Limo gerade nicht für einen Overdrive zur Verfügung steht, pumpt einfach die Wheels eures Drahtesels auf macht euch auf den Long Road to Ruin. Sagt euren Lieben: I will come back Home.

Kleinfeld an Großhirn

Das Wetter versucht uns offenbar mit dezenten Hinweisen darauf aufmerksam zu machen, dass die Erntezeit da ist. Und wenn wir unter dem Elfmeterpunkt nachgucken, sehen wir, dass auch dieses Jahr wieder die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln haben. Doch was bedeutet diese Bauernweisheit für uns? Der Fußball scheint im Vergleich zu anderen Sportgeräten nun nicht gerade klein zu sein. So ein Tennisball ist aber dafür neongelb und eigentlich ganz gut erkennbar. Allerdings streitet man sich in dieser Sportart die meiste Zeit darum, ob der Ball noch im erlaubten Spielbereich war, was mit dem bloßen Auge kaum erkennbar ist. Sobald man hier wie John McEnroe etwas energischer darüber diskutiert, gilt man als Freak. Beim Baseball ist das Spielfeld größer. Die Aufgabenverteilung ist klar. Entweder schlägt, fängt oder läuft man. Klingt im Grunde gar nicht so schwer. Leider wird dazwischen viel gezielt und ausgeholt. Das erinnert doch eher an Stöckchenholen mit dem Hund. Und dafür braucht man noch mehr Schiedsrichter als beim Fußball. Ein noch größeres Spielfeld und einen noch kleineren Ball finden wir beim Golf. Aber das Finden ist auch der Knackpunkt. Denn meistens sucht man den Ball und versucht sich zu orientieren wo Ball, Loch und die anderen Mitspieler gerade sind, denen man den Ball möglichst nicht an die Rübe donnern sollte. Denn das kann böse enden und danach bleibt einem nur noch Fußball. Und das ist wohl der Beweis. Für Fußball muss man nicht besonders schlau sein. Nicht als Spieler und nicht als Zuschauer. Als Zuschauer muss man sogar permanent der Meinung sein, dass man das besser könnte als der Simpel da auf dem Platz. Würden wir sonst zweimal in der Woche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) versuchen diesen einen legendären Moment zu erreichen, bei dem es egal ist, ob man dieses große dumme Spielgerät wirklich beherrscht?

Hätte, hätte, Spielerehre

I survived Deadline Day. Dieses T-Shirt hab ich mir nun redlich verdient. Das Geld flattert immer noch durch die Luft, aber die Spieler müssen ab heute vorerst bei den popeligen Clubs bleiben, bei denen sie mal einen langfristigen Vertrag unterschrieben haben. Zum Glück aber nur ein paar Wochen, dann kann man diese Fehler endlich wieder korrigieren und sich darauf konzentrieren, was den Fußball wirklich ausmacht: fremde Trikots in die Kamera halten, individuelle Jubelposen einstudieren und neue Tattoomotive auf Instagram posten. Das bißchen Gekicke dazwischen geht schnell vorbei. Es soll sogar ein paar Spieler geben, die immer noch das gleiche Trikot wie letzte Saison tragen. Diese sind offensichtlich nicht nur modisch abgehängt sondern auch sonst schwer vermittelbar. Warum sollte man sich deren Namen aufs Trikot flocken? Man weiß doch nie in welcher Saison man das gekauft hat. Und auf dem Fußballplatz Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 outet man sich doch ziemlich schnell als alt, wenn man nicht die neuste Mode vom heißesten Wundertalent am Start hat. Wer heute noch vor dem Apple-Store übernachtet, hat wahrscheinlich keinen Platz mehr vor dem Fanshop bekommen. Falls man mich dort in der Schlange erwischt, dann nur weil ich dieses Deadline-Day-Shirt brauche. Nee, wirklich…

Muss nur noch kurz um Geld wetten

Wetten und Fußball sind eindeutig Partner einer Hassliebe. Für den größeren Kick gehen sie gern mal ein Stück zusammen. Machen sich für einander interessant und unberechenbar. Aber am Ende gibt es doch meistens Tränen und Vorwürfe. Die Wettsucht des kleinen Mannes ist das Tippen. Es kostet nicht viel und man kann seine vermeintliche Expertise immerhin zu ruhmreichen Montagen machen, wenn man die Tipprunde im Büro anführt. Aber auch hier steht am Ende allzu oft Enttäuschung. Man hatte doch genau geahnt wie es ausgeht. Hatte alle Infos über Sperren, Verletzungen und Taktik. Hatte alle Sonderhefte gelesen und alle Testspiele im Livestream nachts in China verfolgt. Und was nützt die ganze verdammte Vorbereitung? Am Ende muss man Systemtippern und Banausen, die nur alle zwei Jahre mal ein Spiel angucken, den Vortritt lassen. Dann doch lieber gegen die Bank verlieren, oder? Und dann sind da noch die Managerspiele. Die perfekte Symbiose aus Zockerei und Pendelei. Das Geld ist virtuell und knapp. Aber es ist quasi ein Gesetz, dass der beste und teuerste Kicker des Phantasiekaders nach dem Start im echten Leben noch mal die Liga wechselt oder auf dem Duschvorhang ausrutscht. Schon sehnt man Ende August die Winterpause herbei. Da kann man dann endlich die Taler neu in die günstigen Überraschungen der Hinrunde investieren, welche die Mitspieler natürlich zufällig schon von Anfang an im Team hatten. Auch hier lauert nahezu unendliches Frustpotenzial. Aber was man man nicht alles, um sich eine weitere überraschungsarme Saison einigermaßen interessant zu zocken? Wenn man leider schon weiß wie es ausgeht, dann muss man das schließlich auch ausnutzen oder? Insidertipp: die Quoten, dass Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 kopfgegrätscht wird, stehen aktuell extrem günstig. Und ich würde sogar die Kombiwette eingehen, dass Wismar bei der Sommertour seine Stadtwette gewinnt. Wir stellen ja schließlich schon einmal das wichtigste Gebäude der Stadt dar: die Wismarena.

Isch a Ausweichdriggo

Was bekommt ihr so für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 rausgelegt? Nee, ich frag ja nur. Habt ihr euch da schon Gedanken gemacht? Dann könnte man sich ja ein wenig abstimmen. Wegen Dresscode und so. Beim letzten mal hatten ja einige schon ein oranges Trikot an. Das hat natürlich Leibchen gespart. Beim Waschen natürlich nicht. Da hab ich doch wieder den ganzen Sack gewaschen. Damit die Farbe gleichmäßig ausbleicht. Schwierig sind ja oft die roten Oberteile. Da ist das orange so nah dran. Und dann muss man da noch orange drüber ziehen, damit man das nicht verwechselt. Eine passende Hose ist auch nicht verkehrt. Darf sich aber nicht mit der Farbe der Socken oder der Schuhe beißen. Schwierige Entscheidung vor dem Kleiderschrank. Das beste Outfit ist sowieso eh immer grad in der Wäsche, oder? Man muss ja auch ein bissel aufs Wetter achten. Wenn es am Wochenende wieder so warm ist im Breisgau, dann schwitzt der Dembouz ordentlich mit dem Trenchcoat und dem Fedora auf der Tribüne. Das ist quasi grad sein Ausweichtrikot. Da kann man aber auch viel verkehrt machen. Am besten was, was vom Muster her die Schweißflecken ganz gut ergänzt. Zum Glück hab ich des Fashionblog vom Christian abonniert. Da gibt’s immer super Modetipps. Nee, kann ich echt empfehlen. So ein Fachmann für Modefragen ist echt Neongold wert.

 

Glück auf, der Aussteiger kommt

Ja, die Sache ist ja die:
wenn wir noch Kleingeld hätten.
Für Neymar und Dreierketten,
dann fingen wir von vorne an,
drum hört auf meinen Plan:

Markt, kannste mir was pumpen? Dann lade ich dich ein.
Markt, lass dich doch nicht lumpen. Heut’ woll’n wir lustig sein.
Markt, kannste mir was pumpen? Das wär’ ein doller Spaß.
Dann geb’ ich dir die Hälfte ab, dann ham wir beide was.
Dann geb’ ich dir die Hälfte ab, dann ham wir beide was.

Seit vielen vielen Jahren
hab ich es schon erfahren:
was hat man denn vom lieben Geld
wenn man’s allein behält?

Sprach der Scheich zum Neymar:
Erst zahlen wir, dann geh’n ma.
Sprach Neymar zum Scheich:
Moment kurz, ich warte noch auf meinen Treue-Bonus.

Das reimt sich zwar nicht so schön, wie bei Heinz Erhardt, aber es passt besser in die Zeit. Allerdings: wer Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 seine Zeit mit kopfgrätschen verbringt, hätte eher einen Treue-Bonus verdient.

Bilderstürmer im Passepartout

Hefte raus! Klassenarbeit! Heute: Bildinterpretation. Hoffentlich rächt sich jetzt nicht, dass ich vor 17 Jahren die Kunstgeschichte-Vorlesung am Mittwochnachmittag geschwänzt habe, um Fußball zu spielen.

Technik: Tinte auf Haut. Eher mit dem groben Füller, aber das schränkt den Detailreichtum nicht wirklich ein. Bei diesem Machwerk in bester Tübke-Tradition gibt es eine Menge zu gucken. Stilistisch haben wir es hier mit einem Grenzgänger zwischen neuem Realismus, Symbolismus und Streetart zu tun, wenn wir Leroy Sané die Kategorie Straßenfußballer zugestehen. Ob man den ehemaligen Schalker wirklich als neuen Meister werten soll, ist allerdings mehr als umstritten. Dafür sitzt er noch zu häufig auf dem Banksy. Aber was will uns der Künstler nun damit sagen? Wir sehen den Menschen im Bildmittelpunkt. Er jubelt uns zu. Oder jubeln wir ihm zu? Er trägt seine Arbeitskleidung und hat anscheinend Spaß dabei, obwohl sein Brötchengeber als turbokapitalistischer Menschenschinder bekannt ist, der von ihm auch abends vollen Arbeitseinsatz erwartet. Hinter der Darstellung des Flutlichts im Hintergrund zeichnet sich im Stile Caspar David Friedrichs die nächtliche allegorische Landschaft ab. Wohl auch deshalb ließ der Künstler posthum das Firmenlogo entfernen. Bleiben durfte die Signatur des Ausrüsters, der Sané in warme Kleidung hüllt und dem seine wahre Loyalität gehört. Auch wenn es zukünftig Kalle Rummenigge zu einer Stilkritik provozieren könnte. Mit der 44866 hat der Künstler hier die Postleitzahl von Wattenscheid versteckt, für den Fall, dass er sein Adressbüchlein verliert. In dieser Verlustangst hat er aber nicht bedacht, dass die Nummer spiegelverkehrt die Postleitzahl von Landstuhl in Rheinland-Pfalz ergibt. Diesem Verlorensein in der Provinz stellt der Künstler das Zifferblatt einer Uhr entgegen. Die Zeiten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 versuchen sogar die Dalí-Experten bisher erfolglos zuzuordnen. Darunter sind noch ein paar religiöse Motive angehängt, die als übliche romantische Huldigung des Fußballgotts gewertet werden müssen. Runge hätte es nicht besser hingekriegt. Alles in allem eine runde Sache, die auch zukünftig Spitzenpreise auf dem internationalen Kunstmarkt erzielen wird, wenn die namhaften Kunstsammler noch Geld übrig haben. Die Tattoos auf Neymar zählen zwar eher zur naiven Malerei, aber darauf ist eindeutig der Champions-League-Pokal zu erkennen. Und das treibt natürlich am Ende den Preis in die Höhe.

Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées

Mon dieu de foot. Wer Dritter ist, will Erster werden – behauptet zumindest ab heute wieder die dritte Liga. Während die erste Liga noch in der Hängematte liegt und maximal ein lockeres Anschwitzen beim FC Anker absolviert, muss man bei Sport im Osten schon wieder die ersten Derbys ehemaliger DDR-Oberligisten inszenieren. Natürlich werden da Zuschauerzahlen erreicht, von denen man bei Heidenheim gegen Ingolstadt nur träumen kann. Aber das ist nur die zweite Liga und ob die zwingend Erster werden will, ist nicht überliefert. Kann man vielleicht in Karlsruhe oder Paderborn in Erfahrung bringen. Oder ganz Mutige fragen da noch mal bei den Münchner Löwen nach. Vielleicht muss man doch eher von der Tour de France lernen. Da tut sich ja meistens auch erst etwas im Gesamtklassement, wenn alle Laborberichte zu Ende gelesen sind. Dann lieber bei der letzten Etappe für tolle Bilder auf dem Champs-Élysées sorgen. Das bleibt im Kopf. Deshalb sind wir schon heute auf der Tour d’honneur durch die große weite Fußballwelt. Hauptsache es gibt ein paar hübsche Bilder mit den U21-Europameistern oder diesem Maskottchen, das aussieht wie ein Hamster auf Speed (oder was halt gerade aktuell im Görlitzer Park im Angebot ist). Eben die wirklich wichtigen Trophäen des 21. Jahrhunderts. Und aus diesem Grund gibt es hier nach jedem Spieltag (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) ein Zielfoto, auf dem man partout nicht erkennen kann wer Erster geworden ist.

Eis am Spiel

So, vom ConfettiCup sind nur noch ein paar Krümel übrig, aber den Schilderungen nach sind gewisse Parallelitäten zu vergangenen Turnieren auch diesmal wieder aufgetaucht. Dieses Nerd-Turnier berauscht sich wohl noch eine Weile an seinen Running Gags. Mal gucken, beim nächsten mal basteln wir vielleicht doch eine GoPro ans Weißbierglas, um ein paar frische Bilder zu generieren. Oder wir benutzen mal das Spielfeld, das sich diese Woche als neue Option in der Antarktis aufgetan hat. Ich habe zwar kein Alibi, aber Hauptverdächtiger ist ein hässliches Eichhörnchen, das eine Eichel zwischen A68 und LarsenC vergraben wollte. Das neu gewonnene Stück Land muss allerdings erst noch aus dem Süden zu uns kommen, was voraussichtlich noch eine Weile dauern wird. Momentan ist es auch noch etwas groß. So groß wie Delaware. Siebenmal so groß wie Berlin. Sogar größer als das Saarland. Es muss also noch ein bisschen abtauen bis das Ding in die Bucht passt. Und bei diesem Sommer könnte das durchaus eine langwierige Geschichte werden. Die Schneekönigin wird sich aber auf jeden Fall freuen. Sie ist spezialisiert auf diesen Untergrund und könnte beim nächsten DIA-Turnier als Geheimwaffe groß auftrumpfen. Ihr Fußvolk hält sich in der Zwischenzeit Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 übergangsweise auf profaner Bolzfläche fit und wartet auf das optimale Trainingswetter mit Islandtiefs.

Welcome to Ball

Was geht denn so am Wochenende? Als Hamburger stellt man sich diese Frage normalerweise nicht. Da geht ja alles: Segeln auf der Alster, Chillen am Elbstrand, Cornern aufm Schulterblatt. Nur dieses Wochenende geht nichts mehr, es sei denn man winkt gern mit Transparenten, trägt gern Trump-Gummimasken oder klammert sich gern an sein Wurfzelt. Zum Glück bietet hinter den letzten Pferdehöfen das Hamburger Umland Asyl. Und hier ist für jeden Hansestädter etwas dabei. Damit niemand das Tor zur Welt vermisst, gibt es beim DIA-Turnier am Samstag 15 Uhr sogar zwei davon. Echt gezimmert aus Paletten vom Großmarkt. HSV-Fans finden hier Spannung bis zum Schluss und garantierte Unabsteigbarkeit. St.-Paulianer hingegen fühlen sich durch die Party, die jedes noch so krumme Gurkentor hier geniest, wie zu Hause. Also alle, die mit dem Fuß besser als mit dem Wurfarm sind, kommen auf ihre Kosten. Die Stimmung soll so gut werden, sogar die Berliner Polizei würde ihr Partyzelt lieber in Wismar aufstellen. Kein Wunder. Das was beim ConfettiCup auf sie herunterregnet ist weich und bunt. Während man Hamburg und Mordor quasi kaum auseinanderhalten kann, wartet auf der Spielwiese quasi das reinste Auenland. Frisch gemäht und akkurat markiert natürlich. In diese Vorgartenidylle platzt dann hoffentlich die eine oder andere Konfetti-Bombe. Das hängt aber ganz von eurer Treffsicherheit ab. Aprospos Treffen – mich könnt ihr dann Mittwoch 18:00 wieder treffen. Aber leider ohne Konfetti im Haar.

Spulverderber

Die Verbände spieln verrückt, Mensch, ich bin total verwirrt. Voll auf Jubel programmiert, mit Gebrüll. Schalt mich ein und schalt mich aus, denn der Jubel der muss raus. Ganz egal, was dann passiert, ich brauch noch einmal die zweite Meinung vom Mann am Videorekorder. Der spult aber scheinbar immer noch. Hätte er mal mit Showview getimed. Bemerkenswert ist allerdings wie die Profis mit der Ungewissheit umgehen. Durch diverse Werbespots haben sie ihre Selfie- und Jubelposen auf Knopfdruck parat. Auch noch nach einer kleinen Kurzfilmsession im Ü-Wagen. Dabei gibt es doch schon wenige Sekunden nach der strittigen Szene echt witzige GIFs auf Twitter dazu. Da am Wochenende wahrscheinlich jeder Millimeter Rolle beim Filmfest gebraucht wird, haben wir Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 eine chronische Kamera-Unterdeckung am Platz. Das bedeutet herkömmliches Lamentieren, subjektives Argumentieren und eine Netto-wie-Brutto-Spielzeit. Das sollte man wissen, bevor da Beschwerden kommen. Aber nur noch eine Woche bis zum ConfettiCup. Da wird nach jedem Tor wertvolle Zeit durch Papierschnipsel verpulvert. Eine Idee, auf die die FIFA gerne gekommen wäre. Aber bei den Gestrigen wird ja immer noch gespult.