Wolle Dose saufen?

„Jürgen, was ist nur aus dir geworden?“ Eine häufiger gehörte Frage. Meistens wenn in der Halbzeitpause im Blauen Salon noch zu viel Bier im Glas ist. Ursprünglich aber genau gegenteilig gemeint, als Jürgen Klopp 2016 Werbung für alkoholfreies Warsteiner gemacht hat. Um welches Bier es damals ging, musste wirklich aufwändig recherchiert werden. Hätte durchaus auch Erdinger oder Carlsberg gewesen sein können. Nun ja, demnächst ist der Bierkonsum dem Jürgen bestimmt gänzlich untersagt. Ausschließlich Energydrinks aus Henkelpötten steht irgendwo im Kleingedruckten. Warsteiner alkoholfrei war natürlich schon damals hart an der Grenze des Erträglichen, aber nun ist die Frage „Jürgen, was ist nur aus dir geworden?“ aktueller denn je. Reicht denn Markenbotschafter für Mediamarkt/Saturn und Fischer Dübel nicht mehr aus? Ja okay, da gab’s früher schon den einen oder anderen Extra-Schein für Autos, Versicherungen, Rasierer und Wandfarbe. Aber abgesehen von den 20 Werbeverträgen war er doch immer einer von uns. Nun dreht er demnächst den Pöhlerkappenschirm nach hinten bevor er Basejumps aus dem All macht oder beim Red-Bull-Flugtag mit einer selbstgebauten Höllenmaschine antritt, um die halbjährige Arbeitslosigkeit angemessen auszugleichen. Das Programm macht er sicher nur solange bis ein entspannterer Job als Nationaltrainer von Österreich frei wird. Und in dieser Position wurde ja sogar Ralf Rangnick von einer nervigen Hassfigur zu einem allseits beliebten Kulttrainer. Es gibt also doch noch Hoffnung für Kloppos ramponiertes Image. Dann muss ich mich auch endlich nicht mehr schämen, wenn ich neuen internationalen Mitspielern Samstag 10:30 meinen schwer auszusprechenden Namen erkläre. „Jürgen like Jürgen Klo… äh like Jürgen Kohler… the famous Coach of the U17 of the Bonner SC…“. Aber nun ist mir plötzlich auch klar, dass der vorwurfsvolle pullundertragende Missionar aus dem Warsteiner-Spot niemals Tee in der Tasse hatte. Es war schon immer rote Brause.

Schiri, Telefon…

Das war damals ein großer Spaß, wenn man den Mann in schwarz an den Apparat rief. Ein Gag, den heute niemand mehr versteht. Dazu muss man den Jüngeren erklären, dass so ein Telefon früher ein stationäres Ding war. Mit einer Spiralschnur zwischen Wähleinheit und Hörer. Und es stand irgendwo im Flur, im Büro oder in einer schmuddeligen Zelle am Stadionvorplatz. Einige Comicfans hatten vielleicht also noch eine Meta-Information, um den Schiedsrichter zu einer Superman-Transformation in der Telefonzelle zu motivieren. Aber die meisten wollten nur, dass der Unparteiische aufgrund seiner schlechten Leistung den Platz verlässt. Das ist inzwischen aber nicht mehr nötig. Spätestens in der Halbzeitpause kann man dem Schiri noch auf dem Platz das Smartphone reichen. Klar, damit könnte er den Telefonjoker anrufen, der ihm bei seiner Entscheidung hilft. Aber darüber hinaus hat er natürlich weitere Möglichkeiten. Die Quoten in bei Tipico checken z.B. oder eine Spotify-Playlist ohne Helene Fischer für die Halbzeitpause auswählen. Vielleicht lohnt es sich auch zu gucken, ob das Stadion auf einer Pokémon-Go-Arena erbaut ist. Die Einsatzfelder sind vielfältig. Ein Blick in die Wetterapp zeigt mir für Samstag 10:30 elf Grad und Herbststurm. Ähnliche Bedingungen wie morgen Abend in München. Trotzdem sollte RB-Fernmelde-Offizier Rangnick lieber sein Smartphone in der Tasche lassen. Mit seinem Red Bull MOBILE-Tarif wird er in der Arena, wo das weiße T auf der Tribüne hockt, leider keinen Empfang haben.