
Archiv für den Monat: November 2025
Sind die Flutlichter angezündet
Wie oft noch singen? Wer in den Neunzigern ab und an mal einen Film angesehen hat, wird sich noch an diese Frage erinnern und sofort mit schlechtem Gewissen an diese Spindel mit den ganzen gerippten Filmen denken. Wo ist die überhaupt? Und die noch viel wichtigere Frage: wo ist das Abspielgerät dazu? Nun ja, im Advent hat die Frage nach der Häufigkeit des Singens keinen Einfluss darauf, wann sich Papas Zellentür endlich wieder öffnet. Vielmehr gilt es einen Überblick über die Einladungen zum Adventssingen zu behalten, wofür die Stadien neben ein wenig Fußball in den kommenden Wochen primär genutzt werden. Wenn man nicht selbst für die Abnutzung des Balles (Samstag 10:30) sorgt, steht man dann oft in dieser Verlängerung des Weihnachtsmarktes mit Glühwein und Bratwurst in den Backen und versucht sich an Texte aus dem Kindergarten zu erinnern. Vielleicht genügt es an den kritischen Stellen (alle außer dem Refrain) ein wenig schief mitzubrummen. Klappt ja bei der neuen Vereinshymne meist auch. Auf dem Videowürfel wird zwar meistens der Text eingeblendet, aber da haben auch schon einige „Bitte unterlassen sie das Abbrennen von Feuerwerkskörpern …“ aus Versehen inbrünstig mitgeschmettert. Und beim Adventssingen ist das Feuerzeug doch nötig, um wenigstens ein paar Wunderkerzen zu schwenken. Das muss sich für die Ultras wie Methadon anfühlen. Aber deren Böllerarsenal muss so kurz vor Jahresende sowieso demnächst erst einmal in Polen aufgefüllt werden. Was immer an der Ostfront entbehrlich ist, wird am Black Friday in den Warenkorb gepackt. Es sollte im Idealfall bis zum Adventssingen im nächsten Jahr reichen. Wer wünscht sich nicht einen gut getimten Kanonenschlag bei einem unangenehmen Texthänger? Obwohl … die Videos davon guckt sich nach Weihnachten eh keiner mehr an. Das haben sie mit den Filmen auf der DVD-Spindel gemein. Wo war denn jetzt der Silberling mit „Schöne Bescherung“?
22. November 2025 – Kurzärmlig und Kurzbeinig auf eigene Gefahr 🥶
Mystery Box-to-Box Player
U.S.A. U.S.A. Nach dem gigantischen Erfolg der Klub WM in diesem Jahr, sind wir auch nächstes Jahr wieder dabei, wenn Kiss-Cam und Riesenventilatoren zum Einsatz kommen. Und es wird huuuge. Gastgeber ist dieser Typ, der noch den Original-Stargate-Pokal im Büro stehen hat und nachdem wir seine Dribbelkünste in einem kaum modifizierten Video mit Christiano Ronaldo bestaunen mussten, fragen wir uns zurecht: was wir da im kommenden Jahr überhaupt wollen? Egal, wer auch immer sportlich dort noch reüssiert, der Preis ist schon fest im Oval Office eingeplant. Neben Klub-WM-Pokal und Friedensnobelpreis gehört der World Cup dort logischerweise zur Inneneinrichtung. Wir fliegen aber trotzdem hin und hoffen, dass die Nationalspieler sich nicht davon ablenken lassen, dass sie primär Widerstandsgesten gegen das lokale Regime trainieren. Aber vier Jahre nach Katar haben die Auswahlkicker dazugelernt. Am besten vorbereitet ist definitiv Karim Adeyemi, der sich schon einmal dem örtliche Waffennarrentum gewappnet zeigt. Damit sollte sein Stammplatz sicher sein. Der Rest des Turniers ist aktuell noch eine ziemliche Mystery Box. Vorher muss das eigentliche Turnier noch durch ein paar Playoffs quasi als Extra-Turnier vor dem Turnier ungeboxet werden. Und wofür die USA die Co-Gastgeber Kanada und Mexico braucht, ist auch ein Mysterium. Finden wir aber wahrscheinlich nur so lange komisch, bis sich Deutschland demnächst für die WM mit Dänemark und Griechenland bewirbt. Unsere samstägliche Mystery-Box (10:30) hält garantiert auch wieder Unvorhersehbares bereit. Wie viele Spieler stehen auf dem Platz? Sind wir zwei oder drei Mannschaften? Und ist das letzte Tor wirklich das letzte? Bestellt noch heute!
15. November 2025 – Nicht füttern nach Anpfiff
VAR from Home
Der Videoschiedsrichter hat grad die 8 Kerzen auf der Torte ausblasen können, aber geliebt wird dieses Kind immer noch nicht. Und wird es wahrscheinlich auch nie. Niemand mag Klugscheißer. Und schon gar nicht solche, die wirklich mit der Lupe nach Verfehlungen Anderer suchen. Gerade bei besonders spektakulären Jahrhunderttoren steht er wie das dicke, x-beinige Kind am Rand, das ganz zum Schluß maximal als Pfosten gewählt wurde, und sagt: „Ja, interessiert mich nicht, ob das ein unglaublicher Treffer war, der die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt hat. Drei Minuten davor gab es bei einem Zweikampf im Mittelfeld eine Berührung, die habt ihr armen Unwissenden nicht gesehen, die hat auch der Berührte nicht gespürt, aber der Kontakt war da und deshalb ist das niemals ein Tor.“ Den Kontakt hätte selbst Jodie Foster sehr aufwändig messen müssen, aber am Ende hatte auch sie recht und die Aliens waren echt. Davor hat ihr niemand geglaubt und die Menschheit wäre dumm und glücklich gestorben, ohne jeden Alienkontakt. Der Fortschritt möchte aber, dass wir irgendwann das Irdische verlassen können und uns ad Astra bewegen. Allein deshalb, weil wir auf der Erde irgendwann keine geeigneten Orte mehr finden, um Megaturniere durchzuführen, an denen zwei Drittel aller Länder weltweit teilnehmen können. Den Anforderungskatalog kann heute schon kaum jemand allein erfüllen. Und natürlich kann man auch NFL-Spiele in Berlin, La Liga-Spiele in den USA oder Kopfgrätsche-Partien (Samstag 10:30) im Wonnemar durchführen, aber irgendwann ist auch der Reiz verflogen und dann muss man außerhalb des Orbits denken. Deshalb brauchen wir den Videoschiedsrichter. Nur er vermag uns zum Träumen zu bringen. Da ist es doch auch mal egal, ob ein Mittelfeldduell am 11. Spieltag in einer durchschnittlichen Liga unter ihm leidet. Also falls ihr demnächst mal wieder 7 Minuten auf die Anerkennung eines Tores wartet, dann richtet den Blick in den Himmel und sehnt euch zu den Sternen.
08. November 2025 – Novemberlichtgestalten unterm Supermond
Verkehrskompass in die Spitze
»Dynamo ohne Kreische, ist wie’n Krimi ohne Leische.«* Zum Glück musste Dynamo nur wenig auf Hansi Kreische verzichten. Er war ja ein klassischer Oneclubman. Dass er später noch Chefscout bei RB Leipzig war, konnte er mit seiner Rückkehr zu Dynamo 2020 hoffentlich korrigieren. Immerhin hat er sogar seine Diplomarbeit 1980 über die SGD geschrieben. Die hatte zwar sehr viele Bilder, aber es war schließlich auch nur ein Sportlehrer-Diplom. Nun braucht natürlich nicht jeder Krimi zwangsläufig eine Leiche. Nach der Faninvasion von Dresden nach Berlin letzte Woche musste sich die Hauptstadt-Polizei mehr mit Sachbeschädigung, Körperverletzung, Landfriedensbruch und Raub beschäftigen. Immerhin war kein Enkeltrick bei der alten Dame aufzuklären. Verkehrsschilder und Laternenpfähle sind seit dem dafür hauptsächlich gelb zugestickert. Was im grauen November aber doch für mehr Sichtbarkeit im Straßenverkehr sorgen kann. Auch wir haben die gelben Leibchen Samstag 10:30 am Start. Sehen und gesehen werden. Ganz im Sinne des siebten Sinns. Obwohl man den im Tal der Ahnungslosen nie empfangen konnte. Dort konnte man maximal den Verkehrskompass sehen, in dem Günther Schubert (ja genau, der Vater von Alexander Schubert) sich mit „Gestatten Meier“ vorstellte, um im Anschluss jedes mal eine neue Eselei im Straßenverkehr zu begehen. Gefolgt von der Versicherung: „Das werde ich ganz bestimmt nicht wieder tun“. Mit diesem Mindset sind sie bei Dynamo Dresden also aufgewachsen. Und in diesem Umfeld konnte auch Hansi Kreische zum „Serientäter“ werden. In welche Staffel wir mit der Kopfgrätsche am Samstagmorgen starten, kann niemand genau sagen. Aber die Treue und Hartnäckigkeit Eseleien aber auch manchmal ungeahnte Kunststücke mit dem Ball anzustellen, ist uns nicht fremd.
* Zitat: Tobias Trauzettel aus einer Autogrammanfrage in den 70ern
06. November 2025 – Bad news are good news: X-ray-gate

Jetzt weiß auch die Presse, was am vergangenen Kopfgrätsche-Samstag passiert ist.




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