Lange Leine

Nagelsmann gut und schön, aber den besten Trainer haben sie beim DFB den Herren vorenthalten. Sie wollten ihn wohl exklusiv für das spannendere Projekt im Verband aufheben. Nun trainiert Horst Hrubesch also die DFB-Frauen und man wundert sich, warum so ein anerkannter und erfolgreicher Experte bei Bedarf immer so einfach als Nothammer aus der Halterung genommen werden kann. Ansonsten läuft er aber bis zu jeder Inthronisierung unter allen Radaren, weil er wahrscheinlich gerade immer beim Angeln ist, wenn über Traineralternativen diskutiert wird. Nagelsmann geht zum Skifahren, Angelsmann Horst holt die Rute raus. Wenn er sagt: „Wer im Fernsehen und in der Werbung auftaucht, von dem erwarte ich mehr als von den anderen“, kann man das im Umkehrschluss auch auf ihn anwenden. Er taucht einfach medial nicht auf, wenn er nicht gerade an der Seitenlinie steht. Deshalb übertrifft er regelmäßig niedrigste Erwartungen. Seine Vorgängerin hat viele nicht nur optisch an einen ehemaligen DFB-und Hertha-Teamchef erinnert. Ihr Abgang war auch ähnlich skurril wie der von Facebook-Live-Roaster Klinsi in Berlin. Danach musste man sich damals auch dort mit einem knurrigen Kulttrainer therapieren. Pal Dardai ist fast so etwas wie der ungarische Horst Hrubesch. Steht sowieso noch auf der Gehaltsliste, hat kultige Hobbies und wirkt wie ein Dinosaurier. Aber immer wenn man zu hoch geflogen und tief abgestürzt ist, brauch man so eine wettergegerbte Eiche, die in der Lage ist stundenlang ruhig auf eine Angel zu schauen ohne das Smartphone herauszunehmen. Ich mache den Autor des Buches „Dorschangeln vom Boot und an den Küsten“ zu meinem Spirit Animal während ich geduldig darauf warte, dass ich an irgendeinem Samstag 10:30, an dem niemand mit mir rechnet, wieder ins Geschehen eingreifen kann. Petri Heil.    

Land of Hoff and Dreams

Die Privatjets mit den deutschen Nationalspielern aus den USA dürften inzwischen gelandet sein. Der fiese Ostwind hat das Ankommen wahrscheinlich noch schwieriger gemacht. Aber die Reise hat sich hoffentlich gelohnt. Ein ehemaliger DFB-Mitarbeiter hat auf jeden Fall seine Anschlussverwendung im Land of Hope and Dreams klargemacht. Oliver Bierhoff wird Berater der New England Patriots für den deutschsprachigen Markt. Er verkauft uns also demnächst das Ei. Und die Show drumherum. Schon jetzt brainstormt unser Golden Boy mit den Stakeholdern über kreative Hashtags wie #ptrts oder #fxbrgh. Sicher wird es auch wichtig darüber nachzudenken, wer denn hierzulande die deutsche Taylor Swift ist, die dem Sport die nötige Starthilfe geben könnte. Bei Sarah Connor und Mesut Özil hat das doch auch geklappt. Dann kann es doch was werden auf dem neuen „Heimatmarkt“. Natürlich gelten Amerikaner als die Erfinder des Marketings, aber der deutsche Markt braucht wohl etwas besonderes, dass man nur bedienen kann, wenn man schon einmal einen Fanclub Deutsche Nationalmannschaft gegründet und Nationalspieler mit Bodypainting in afrikanische Tiere verwandelt hat. Hätten wir das früher gewusst, hätten wir auf dem Tartanplatz die notwendigen Endzonen-Markierungen bestimmt noch unterbringen können. Eventuell sind wir aber hier auch dem eigentlichen Grund für die Tor-Verzögerung auf der Spur. Schlimmer Verdacht: sollen dort am Ende nur ein paar Stangen installiert werden? Das könnte uns völlig unvorbereitet treffen, wenn wir uns nicht schon an sehr sehr vielen Samstagen (10:30) exakt die Schußtechnik angeeignet hätten, die für Football Erfolg verspricht. Wir träumen zurecht davon sehr bald Golden Kicker zu sein. #kpfgrtsch       

14. Oktober 2023 – Wofür die Pagode gut ist

„Slippery, when wet“ war das Motto, nachdem es Nachts geregnet hatte. Unser Ausweichplatz an der Kapitänspromenade trocknete an den schattigen Stellen nicht. Beim vier gegen drei hörten wir irgendwann bei jeweils fast 30 Toren auf zu zählen. Danach wechselten wir auf das, was die Alt-#Kopfgrätsche|r „“Franks Modus“ nennen. Und dann kam der Regen, weswegen wir uns für das Abschlussfoto unter die benachbarte Pagode retteten.

Die Indianer von Köpenick

Mats und Julian gucken aktuell mal, was das denn für Länder sind, in die die WM 2026 vergeben wurde. Ist die Infrastruktur für ein solches Turnier überhaupt vorhanden oder müssen wir uns wieder als Fallback anbieten, wenn die das nicht packen? Okay, die letzte WM auf dem Kontinent war 1994 nur in den USA, aber obwohl wir uns als Titelverteidiger auf Jahrzehnte hinaus unschlagbar wähnten, sind wir ohne Pokal nach Hause gefahren. Da muss man doch mal kritisch prüfen, woran es gelegen haben könnte. Damals kamen die Spieler aus dem Osten dazu, das sind wohl diesmal die Kicker von Union Berlin, die man plötzlich wie ein indigenes Volk auf dem eigenen Staatsterritorium entdeckt hat. Im WM-Kader damals waren mit Sammer und Kirsten aber auch nur zwei Ossis und die konnten ausnahmsweise nichts dafür, dass Effes Finger zu lang und Icke Häßler zu kurz war. 2026 müssen die USA hoffentlich nicht mehr ihre Baseballstadien umfunktionieren. Einige sahen ja aus wie unsere Spielstätte an der Bürgermeister-Haupt-Straße  – ein umfunktionierter Basketballcourt mit fetten Linien aber ohne Tore. Eine weitere Anreise zur Kapitänspromenade wird wohl auch diesem Samstag (10:30) alternativlos sein. Die USA muss den Wunsch nach 16 Highend-Spielorten zum Glück nicht allein erfüllen. Sie haben schließlich auch Partner mit Fußballexpertise dabei. Und 1986 hat Mexiko noch allein solch ein Turnier gewuppt. Das kann man sich mit Hinblick auf die Entscheidung für die Spielorte 2030 kaum noch vorstellen. Muss man bei 6 Gastgebern überhaupt noch eine Qualifikation ausspielen? Zwei Gruppen sind doch quasi schon voll. Zum Glück hat die Fifa auch darauf Antworten und stockt das Teilnehmerfeld ab der nächsten WM von 32 auf 48 Mannschaften auf. Es warten also 104 tolle Spiele in 40 Tagen auf uns und ich will alle sehen. Das wird doch die letzte echte WM, die man gucken darf, bevor es nur noch Geldschneiderei mit korrupten autokratischen Regimen ist. Oder die vorletzte?

Far away in America drübbe

Vor knapp 30 Jahren waren wir mit Effe und Mario schon mal „drübbe“ und wahrscheinlich sind wir sogar Weldmeisda oder so was ähnliches gewodde. Jedenfalls wird dieses Ergebnis im Kopf vom Mario mit jedem Dopa-Weizen wahrscheinlicher. Nun bringen wir diesen Wilden bei der DFB-USA-Reise ein weiteres mal das Fußball-ABC. Trotz Messi im Miami spielen die immer noch zu viel mit den Händen. Ganz praktisch, wenn man nicht so gut zu Fuß ist (so wie ich Samstag 10:30), aber dann nennt das doch bitte nicht Football. Die Hände sind zum Klatschen da, z.B. zu fetziger Musik. Und weil die Village People vor 45 Jahren einmal eine angesagte Band waren, hat sie der DFB 15 Jahre später natürlich sofort nominiert, um den deutschen WM-Song einzusingen. Das Songwriting ist natürlich absolut weltmeisterlich und konnte keinem Amerikaner überlassen werden. ESC-Hit-Garant Ralph Siegel persönlich hat hier seinen Füllfederhalter leer geschrieben, um uns nicht nur auf den Fußballthron sondern auch an die Spitze der Musikcharts zu führen. Oder auf Platz 44 (Böörti Böörti Vogts von Blöödelbarde Stefan Raab schaffte schließlich auch nur Platz 4), aber im Kopf von Ralph Siegel war es mindestens eine goldene Schallplatte. Hören / lesen wir doch einfach noch einmal rein:

There’s a time you can’t go wrong,
when your heart arrives in America
And you know the game is on,
that will change your life in America
It’s a land so wild and free,
calling out for you and me
When you want some action,
that’s the way it’s gotta be
And you’ll find out if you stay,
you’ll be making friends in America today
Okay!

Far away in America, we’re gonna make it,
find the chance and take it
Away in America, we’re gonna make it,
get it out and shake it
You’re gonna fight for the light, make it
Come on and go, it’s alright
Far away in America
Far away in America
Let’s go!

It’s a tough man’s paradise,
take a flight or ride in America
There’s a rainbow in your eyes
on the other side of America,
It’s a land so great and wide,
touching you deep inside
Everybody’s watching, all you got to do is try
Take your dream and hold it tight,
you’ll get all you need in America tonight!
Alright!