Screensaver
In jeder Sportart ist natürlich immer und jederzeit die korrekte Körperhaltung wichtig. Nur so konnte Otl Aicher damals 1972 überhaupt aus den klischeehaften Bewegungen überhaupt seine Piktogramme machen. Das hätte ja nicht funktioniert, wenn Badminton und Basketball zu ähnlich wären. Es reicht schon, dass kaum jemand den Unterschied zwischen Fußball und Schach ohne Würfeln erkennt. Repräsentiert ein dynamisch rennender Mensch mit einem Ball am Fuß wirklich den Fußball noch adäquat? Irgendwie ist es die Grundlage des Kopfgrätsche-Logos, das die Information für Samstag 10:30 in sich trägt. Aber auch hier mussten schon zwei Körperhaltungen ergänzt werden, die bisher zu kurz gekommen sind: der Kopf zu tief, das Bein zu hoch. Aber was ist mit den Torhütern? Würden die sich nicht eher durch einen stilisierten Tomislav Piplica (Blick nach oben, federnd in den Knien, den Ball über das Haarband rutschend) vertreten fühlen? Oder die Tribünenhocker, die zwischen den Spielerfrauen für Fan-Selfies zur Verfügung stehen müssen. Auch sie prägen diesen Sport. Die Herthaner auf den Knien würden sich für ein Piktogramm eignen. Da müssen wir aber abwarten, ob das eine einmalige PR-Aktion bleibt oder eine Welle von Nachahmern findet, die auch mal die BILD-Zeitung provozieren wollen. Die einzige Geste, die momentan alle Beteiligten im Fußball vereint, muss dann wohl doch das Malen eines imaginären Bildschirms in die Luft sein. Feldspieler, Torhüter, Schiedsrichter, Trainer, Bankdrücker, Fans – sie alle teilen diese Geste. Sie hat das Wedeln mit imaginären gelben (oder roten) Karten tatsächlich in Windeseile abgelöst. Ein universelles Signal zum Biernachholen, für die Pinkelpause oder um endlich vom Smartphone hochzugucken. Ein Moment der Zeitlupe. Ein Moment der Entschleunigung. Ideal, um ihn als Strichmännchen festzuhalten.
14. Oktober 2017 – Et bliev nix, wie et Tor
Mac Kalinka moja
Der Abgesang auf den diesjährigen Sommer war offensichtlich verfrüht. Vielleicht war das aber auch nur ein sehr langes Trainingslager, um uns auf den russischen Sommer im nächsten Jahr vorzubereiten. Auch wenn das Wetter nicht dazugehört, können wir uns doch bei der kommenden WM auf ein paar Konstanten verlassen. Messi ist dabei. Ronaldo auch. Die Niederlande setzen noch einmal aus. Die Türkei schützen ihren Präsidenten und machen einen eleganten Bogen um diplomatisches Krisengebiet. Mal gucken, wann es sich bis ins weiße Haus herumspricht, dass den USA nicht einmal russische Hacker geholfen haben. Dort wird allerdings noch gerätselt, ob dieser Fußball was mit dem Football zu tun hat, bei dem sich die Spieler zur Hymne hinknien. Überhaupt sorgen die Hymnen für ein leichtes Onboarding bei solch einem Turnier. Ist es doch die erste Inszenierung der Helden der Schlacht bevor sie überhaupt was erreicht haben. Quasi der Braveheart-Moment, der in jedem Historienstreifen dem Zuschauer klar macht: da haben sich Krieger hinter einem Banner versammelt, um in Zeitlupe und zu James-Horner-Klängen über das Feld der Ehre zu stürmen. William Wallace musste allerdings leider auf den sponsored Jubel seines Werbepartners verzichten. Aus seiner Gesichtsbemalung können wir nur noch vermuten, dass es sich wahrscheinlich um BMW gehandelt haben muss. Ganz sicher werden wir es nie erfahren. Die Schotten haben ihrer Geschichte des Scheiterns inzwischen ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Dritter Platz in Gruppe F. Keine Kalinka auf dem Dudelsack. Aber auch keine Männer in Röcken in Moskau. Ein herber Rückschlag für das Recht auf Blasenentzündungen bei Männern. Das Kopfgrätsche-Banner weht wieder Samstag ab 10:30. Aber ohne eine Hymne werden auch diesmal sich einige noch warmmachen, während die ersten schon jubeln.
Master of Harz
Wenn man vom Schlossberg, auf dem schon Otto I. das I. Reich und den Libero erfand, durch die Pfosten ins Sonnethal schaut, summt man unweigerlich diese alte Volksweise. Man muss sie für das Wetter am kommenden Samstag 10:30 textlich allerdings ein wenig anpassen.
An ’nem Samstag ist alles dran
Heut hat der Gegner orange Leibchen an
An ’nem Samstag ist alles drin
Er ist für uns ein Hauptgewinn
An ’nem Samstag ist alles dran
Was sich ein Mann nur wünschen kann
Ja der Samstag klatscht ins Gesicht
So ’nen Samstag versäumen wir nicht
Heut sind wir auf jeden Fall
Heut sind wir auf jeden Fall
Heut sind wir auf jeden Fall am Ball
Wer jetzt total heiß auf den FC Sonnethal ist, sollte vorher trotz eventuellen Regens noch einmal die schonungslose Kopfgrätsche-Filmkritik lesen.
27. September 2017 – Abendgruß
Ankreuzbandriss
1. Der Ausbau von eBussen von VW vor dem eigenen Tor muss gefördert werden. #fcbwob
2. Die Obergrenze für komische Handgesten in Richtung von Österreichern liegt auf Leistenhöhe. #rblsge
3. Mehr Ganztagsschulen, um zu verhindern, dass junge Menschen nachmittags in den Trainerberuf abrutschen. #tsgs04
4. Mehr Teilzeitangebote für Stürmer, die zuverlässig nach ihrer Einwechslung treffen. #svwscf
5. Die artgerechte Haltung von Tanzbären mit Trendfrisuren muss fest im Grundgesetz verankert werden. #m05bsc
6. Die Bestrafung kleiner Sünden soll weiterhin durch den Fußballgott gedeckt sein. #vfbfca
7. Die Videoüberwachung im Strafraum muss mit Ton, 360 Grad und Untertiteln gegen Zwangsgebühren angeboten werden. #bvbbmg
8. Die Beziehungskisten von Altkanzlern sollen weiterhin ein zentraler Bestandteil deutscher Stammtischkultur sein. #h96koe
9. Taschengeld von zwielichtigen Investoren sollten unabhängig vom Luschenfaktor weiterhin gezahlt werden. #levhsv
10. Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 sind alternativlos. #kopfgrätsche
Einfach mit Stimme zu (1) Neutral (0) oder Stimme nicht zu (2) abstimmen. Im Zweifelsfall gilt das Ergebnis des Ball-o-maten von vor vier Jahren.
20. September 2017 – Fernlicht
Yeah you can run with me (If you wanted to)
This is a Call for Kopfgrätsche. Because of these Days: Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. In Times like these rufe ich euch wieder zu: wake up, run for a ball with me. Ich kann Outside nicht all my Life oder gar Everlong auf euch warten. Schließlich sind wir better off wenn the Best of you dem Ball das Fliegen beibringen. Es wird ein Cold Day in the Sun mit etwas Wind up. Da ist es doch egal, dass Summer’s End und Sunday Rain warten. Aber Something from Nothing gibt es nicht. Ein entspannter Walk wird schnell zu einem Walking After you. Da bleiben zwar Skin and Bones und sogar das T-Shirt sauber. Aber my Hero weiß: the Colour and the Shape of deepest Blues (die eigentlich schwarz sind) stellt sich nur ein, wenn ihr die Line Back & Forth rennt. Es gibt keine Rope, die euch davon abhält immer wieder Stiches zu setzen. Wir haben doch enough Space für einen Breakout. Die Akteure müssen sich jedenfalls noch nicht stapeln. Falls eure White Limo gerade nicht für einen Overdrive zur Verfügung steht, pumpt einfach die Wheels eures Drahtesels auf macht euch auf den Long Road to Ruin. Sagt euren Lieben: I will come back Home.
13. September 2017 – Sturmwarnung
Wasser und Stein – Kajakgrätsche in Kopenhagen
Die große Fahne mit dem Tigerkopf, die am Clubhaus von Nørrebro United in der Husumgade 44 weht, macht schon neidisch. Der Club hat 600 Spieler, die aber eher im Amateurbereich aktiv sind, und hat einige Jugendmannschaften die im Nørrebro-Park nebenan spielen. Kopfgrätsche hat sich aber am Blågårds Plads in Nørrebro verewigt. Dort ist offensichtlich die Konkurrenz geringer. Unbeachtet stehen die Tore am steinernen Platz und nur ein paar ebenfalls versteinerte Zuschauer am Rand träumen von einem flotten Spiel.
Zur klassischen Spielzeit am Samstag lief mir an der Kalvebod Bølge tatsächlich noch ein Tor über den Weg. Das Spielfeld selbst schien ein Match aber unnötig schwierig zu machen. Der Blick auf die andere Hafenseite brachte dann die Auflösung. Kajak-Polo an der Islands Brygge scheint ein lustiges Freizeitvergnügen für den Samstagvormittag zu sein. Statt Leibchen trägt man Schwimmweste und die Mannschaftszugehörigkeit wird über die Farbe des Kajaks geklärt. Freut euch auf die Kajakgrätsche demnächst im Wismarer Hafenbecken.
09. September 2017 – Wasserzeichen
Kleinfeld an Großhirn
Das Wetter versucht uns offenbar mit dezenten Hinweisen darauf aufmerksam zu machen, dass die Erntezeit da ist. Und wenn wir unter dem Elfmeterpunkt nachgucken, sehen wir, dass auch dieses Jahr wieder die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln haben. Doch was bedeutet diese Bauernweisheit für uns? Der Fußball scheint im Vergleich zu anderen Sportgeräten nun nicht gerade klein zu sein. So ein Tennisball ist aber dafür neongelb und eigentlich ganz gut erkennbar. Allerdings streitet man sich in dieser Sportart die meiste Zeit darum, ob der Ball noch im erlaubten Spielbereich war, was mit dem bloßen Auge kaum erkennbar ist. Sobald man hier wie John McEnroe etwas energischer darüber diskutiert, gilt man als Freak. Beim Baseball ist das Spielfeld größer. Die Aufgabenverteilung ist klar. Entweder schlägt, fängt oder läuft man. Klingt im Grunde gar nicht so schwer. Leider wird dazwischen viel gezielt und ausgeholt. Das erinnert doch eher an Stöckchenholen mit dem Hund. Und dafür braucht man noch mehr Schiedsrichter als beim Fußball. Ein noch größeres Spielfeld und einen noch kleineren Ball finden wir beim Golf. Aber das Finden ist auch der Knackpunkt. Denn meistens sucht man den Ball und versucht sich zu orientieren wo Ball, Loch und die anderen Mitspieler gerade sind, denen man den Ball möglichst nicht an die Rübe donnern sollte. Denn das kann böse enden und danach bleibt einem nur noch Fußball. Und das ist wohl der Beweis. Für Fußball muss man nicht besonders schlau sein. Nicht als Spieler und nicht als Zuschauer. Als Zuschauer muss man sogar permanent der Meinung sein, dass man das besser könnte als der Simpel da auf dem Platz. Würden wir sonst zweimal in der Woche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) versuchen diesen einen legendären Moment zu erreichen, bei dem es egal ist, ob man dieses große dumme Spielgerät wirklich beherrscht?
06. September 2017 – Herbstmeister!
02. September 2017 – 90 Minuten*
Hätte, hätte, Spielerehre
I survived Deadline Day. Dieses T-Shirt hab ich mir nun redlich verdient. Das Geld flattert immer noch durch die Luft, aber die Spieler müssen ab heute vorerst bei den popeligen Clubs bleiben, bei denen sie mal einen langfristigen Vertrag unterschrieben haben. Zum Glück aber nur ein paar Wochen, dann kann man diese Fehler endlich wieder korrigieren und sich darauf konzentrieren, was den Fußball wirklich ausmacht: fremde Trikots in die Kamera halten, individuelle Jubelposen einstudieren und neue Tattoomotive auf Instagram posten. Das bißchen Gekicke dazwischen geht schnell vorbei. Es soll sogar ein paar Spieler geben, die immer noch das gleiche Trikot wie letzte Saison tragen. Diese sind offensichtlich nicht nur modisch abgehängt sondern auch sonst schwer vermittelbar. Warum sollte man sich deren Namen aufs Trikot flocken? Man weiß doch nie in welcher Saison man das gekauft hat. Und auf dem Fußballplatz Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 outet man sich doch ziemlich schnell als alt, wenn man nicht die neuste Mode vom heißesten Wundertalent am Start hat. Wer heute noch vor dem Apple-Store übernachtet, hat wahrscheinlich keinen Platz mehr vor dem Fanshop bekommen. Falls man mich dort in der Schlange erwischt, dann nur weil ich dieses Deadline-Day-Shirt brauche. Nee, wirklich…
30. August 2017 – Nachtmodus
23. August 2017 – Blaue Stunde
Muss nur noch kurz um Geld wetten
Wetten und Fußball sind eindeutig Partner einer Hassliebe. Für den größeren Kick gehen sie gern mal ein Stück zusammen. Machen sich für einander interessant und unberechenbar. Aber am Ende gibt es doch meistens Tränen und Vorwürfe. Die Wettsucht des kleinen Mannes ist das Tippen. Es kostet nicht viel und man kann seine vermeintliche Expertise immerhin zu ruhmreichen Montagen machen, wenn man die Tipprunde im Büro anführt. Aber auch hier steht am Ende allzu oft Enttäuschung. Man hatte doch genau geahnt wie es ausgeht. Hatte alle Infos über Sperren, Verletzungen und Taktik. Hatte alle Sonderhefte gelesen und alle Testspiele im Livestream nachts in China verfolgt. Und was nützt die ganze verdammte Vorbereitung? Am Ende muss man Systemtippern und Banausen, die nur alle zwei Jahre mal ein Spiel angucken, den Vortritt lassen. Dann doch lieber gegen die Bank verlieren, oder? Und dann sind da noch die Managerspiele. Die perfekte Symbiose aus Zockerei und Pendelei. Das Geld ist virtuell und knapp. Aber es ist quasi ein Gesetz, dass der beste und teuerste Kicker des Phantasiekaders nach dem Start im echten Leben noch mal die Liga wechselt oder auf dem Duschvorhang ausrutscht. Schon sehnt man Ende August die Winterpause herbei. Da kann man dann endlich die Taler neu in die günstigen Überraschungen der Hinrunde investieren, welche die Mitspieler natürlich zufällig schon von Anfang an im Team hatten. Auch hier lauert nahezu unendliches Frustpotenzial. Aber was man man nicht alles, um sich eine weitere überraschungsarme Saison einigermaßen interessant zu zocken? Wenn man leider schon weiß wie es ausgeht, dann muss man das schließlich auch ausnutzen oder? Insidertipp: die Quoten, dass Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 kopfgegrätscht wird, stehen aktuell extrem günstig. Und ich würde sogar die Kombiwette eingehen, dass Wismar bei der Sommertour seine Stadtwette gewinnt. Wir stellen ja schließlich schon einmal das wichtigste Gebäude der Stadt dar: die Wismarena.



















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