Gute Freunde der Sonne aus dem Arsch

Was schenkt man jemandem, der schon alles hat? Schwierig. 125 Jahre wird der FC Bayern und macht immer noch keine Anstalten sich mal ein wenig im Schaukelstuhl zurückzulehnen. Wie so ein Berufsjugendlicher, der immer noch die Jungen auf dem Skateboard überholt oder alle anderen Verkehrsteilnehmer mit dem Liegefahrrad wegklingelt und dabei mit Pokerface und ohne Schweiß auf der Stirn hinter der Spiegelsonnenbrille feist grinst. Nur der Uli, da auf dem Tandem mit dem Karlheinz scheint ein wenig rot im Gesicht. Aber eigentlich nur aus purer Identifikation mit der Vereinsfarbe. Bei 125 Jahren wäre es doch wirklich okay, wenn man langsam mal auf beige oder andere Erdtöne umsteigen würde. In der letzten Saison schien man nach 11 Meisterschaften am Stück auch etwas altersmilde, aber kaum geht es auf das Jubiläum zu, wird schon wieder ein Hangar für die zu erwartenden Geschenke freigeräumt. Die Gratulanten stellen sich brav in eine Reihe und warten bis der rüstige Jubilar unter endlosen Huldigungen bis zum Titel dahoam durchgewackelt ist. Bis dahin gibt’s noch ein paar Rückblicke auf ganz viele Legenden und unzählbare Triumphe. Die wenigen Irrtümer, die das Feierbiest im Jubiläumstrikot menschlich erscheinen lassen könnten, muss man dezent auch einstreuen. Aber natürlich nur als erzählerische Rampe für noch größere Triumphe. Vor 125 Jahren sahen die aktuellen Spieler auch nicht anders aus wie ein paar Kopfgrätscher am Samstagmorgen 10:30. Sie mussten auch nicht schneller laufen als diese, was aufgrund der schweren Lederstiefel und des Schweineblasenklumpens, der noch von Mund aufgeblasen werden musste, auch nicht möglich war. Also besser wir machen von uns noch ein paar ikonische Bilder. Wer weiß, ob die nicht noch beim 125jährigen Kopfgrätsche-Jubiläum gebraucht werden. Unser Sondertrikot solltet ihr jetzt schon mal sicherheitshalber vorbestellen.    

King of Kotelett as fuck

Was war noch mal so vor zwölf Jahren los? Na klar, da fällt euch bestimmt ein, dass es ein deutsches Finale in der Champions League gab, an dem u.a. ein gewisser BVB teilnahm, der zweimal in Folge Meister geworden war. An den Trainer bei den Schwarzgelben denken die meisten Fans nur noch mit apathischem Wippen zurück, während ihre toten eingefallenen Augen ins Leere starren. Dass der Pöhler-Vulkan von einst inzwischen als schäbiger Dosenverkäufer geendet ist, während man ihn dringend als Erlöser bräuchte, ist doppelt tragisch. Aber vor zwölf Jahren trug sich noch weiteres nahezu Unglaubliches zu. Es gab tatsächlich eine Spielankündigung mit dem Titel „Ball-o-mat für Abschlussschwache“, weil natürlich eine Bundestagswahl stattfand. Diese hatte eine dritte Amtszeit von Angela Merkel als Bundeskanzlerin zum Ergebnis. Der Herausforderer der SPD Peer Steinbrück musste mit seinen lumpigen 25,7% als Juniorpartner in eine große Koalition eintreten. Einen Kabinettsposten nahm er aber nicht ein. Da musste der unverbrauchte Niedersachse Siggi Gabriel ran. Die Opposition bestand aus Grünen und Linken, während die FDP und die im Februar 2013 neugegründete AfD den Einzug in den Bundestag knapp verpassten. Das Fernsehduell der beiden Spitzenkandidaten richteten ARD, ZDF, RTL und ProSieben gemeinsam aus. Die Spitzenkraft, die ProSieben dafür entsandte, war ein gewisser Stefan Raab, was natürlich der einzige Aufreger des gesamten Wahlkampfs war. Aber am Ende waren sich die Meisten einig, dass die freche Ulknudel eine Bereicherung für die Runde war. Er nagelte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für seine Haltung, nur bei einem Wahlsieg der Bundesregierung anzugehören, mit folgenden Worten an die Wand: „Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich ‚King of Kotelett‘ bin. Oliver Kahn ist auch als Nummer 2 zur WM gefahren. Warum? Weil es der Sache dient! Und das nötigt den Leuten Respekt ab. Überlegen se sich das noch mal, dann kriegen sie mich vielleicht auch noch.“ Wer mit diesen flammenden Worten nicht on Fire as fuck für Samstag 10:30 ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Modern Football Love

I know when to go out (saturday 10:30)
Know when to stay in (never)
Get things done

I catch a paper boy, but things don’t really change
I’m standing in the wind, but I never grätsch bye-bye
But I try, I try

There’s no sign of talent, it’s just the power to charm
I’m lying in the snow, but I never grätsch bye-bye
But I try, I try

Never gonna fall for (Modern football)
Walks beside me (Modern football) 

Walks on by (Modern football) 

Gets me to the pitch on time (Pitch on time) 

Terrifies me (Pitch on time) 

Makes me party (Pitch on time) 

Puts my trust in Club WM (Club WM)
No confession (Club WM) 

No religion (Club WM) 

Don’t believe in Modern Football Love

It’s not really work, it’s just the power to charm
I’m still standing in the wind, but I never grätsch bye bye
But I try, I try

Never gonna fall for (Modern football)
Walks beside me (Modern football) 

Walks on by (Modern football) 

Gets me to the pitch on time (Pitch on time) 

Terrifies me (Pitch on time) 

Makes me party (Pitch on time) 

Puts my trust in Club WM (Club WM)
No confession (Club WM) 

No religion (Club WM) 

Don’t believe in Modern Football Love

PS: Roter Teppich für ein kleines Nerdderby – wer findet die meisten Graugä… äh… Sci-Fi-Filme in diesem Motivationsfilmchen?

Phonediggidagga

Da hatte man nach all den Jahren gedacht, dass Lothar Matthäus fast rehabilitiert ist und dann guckt man sich die Transfers am Deadline Day an und muss feststellen: Pustekuchen. Für die Bundesligamanager soll der Lothar wohl noch etwas länger der Loddar bleiben, der in seinem Frrrängisch alle Namen ungooglebar ausspricht. Schugwugega, Nedegovidsch, Badschuei – der Kreuzbandriss damals in den Neunzigern war nichts gegen das, was Loddars Zunge aktuell erleiden muss. Immerhin muss er sie nicht mehr in sein Dagebuch schreiben. Ohne die FC Hollywood Doku hätten das alle schon längst vergessen und der Ehrenspielführer wäre in verklärter Rückschau endlich der allseits geschätzte Weltfußballer und Weltmeisterkapitän, der als TV-Experte schlaue Analysen liefert und sogar von jungen Spielern respektvoll gesiezt wird. Die Erinnerung malt normalerweise mit goldenem Pinsel, wenn es da nicht noch diese Homestories für die Bunte aus den Neunzigern gäbe, die soviel alte BRD atmen, dass man denkt, man würde gerade die Schwarzwaldklinik sehen, inklusive der pikanten amourösen Verwicklungen von Udo Brinkmann. Mit dem zusammengeknoteten Pulli über der Schulter und der Föhnfrisur im Cabrio auf dem Weg zum Golfen mit den Freunden von der Bild. Was man halt sich so damals gegönnt hat als neureicher Profi, der sich als gelernter Raumausstatter aus einfachen Verhältnissen und einfachen Hauptsätzen nach oben gearbeitet hat. Aber gut, auf die heutigen Jungprofis guckt man natürlich mit ähnlich schüttelndem Kopf. Mit der Streetwear-Haute-Couture in den Knien und dem Edgar-Haarschnitt im AMG auf dem Weg zum Let’s Play mit den Streamern. Jede Zeit hat ihre Pest. Und wer weiß, wer von denen in 30 Jahren in der Halbzeitpause die Highlights des Dobbspiels der Subberlieg verbal analysieren muss und damit kämpft die Namen unfallfrei auszusprechen. Und da irgendwie alles immer wiederkommt, wie Kopfgrätsche am Samstag 10:30, verzweifelt wahrscheinlich ein Finn oder Joshua dann an der Aussprache von klassischen völkischen Namen wie Friedhelm, Eberhard oder Fürchtegott.