Mitleid in Paris

Egal wie es Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00 ausgeht, man kann jetzt diese Spiele nicht als Gradmesser nehmen. Die beiden Stürmer von Paris kosten zusammen doppelt so viel wie unsere ganze Stadt. Also die Spiele können nicht zeigen, was wir auf dem Wochenmarkt noch machen sollen, weil das ist einfach nicht drin im Portemonnaie. Selbst wenn wir lange suchen und auch das Sanifair-Bon-Fach aufmachen, wird es trotzdem eng. Ich kann maximal versuchen mir einen Anzug anzuziehen, der so aussieht, als ob sich Mehmet Scholl darauf wund gelegen hätte. In Paris lacht man mich trotzdem dafür aus. Mit einem Familienunternehmen für Erfrischungsgetränke im Hintergrund, das der Opa mit eigener Hände Arbeit mühselig aufgebaut hat, indem er jahrelang Bullenhoden mit der bloßen Faust auspressen musste, kann man eben nicht gegen ganze Länder bestehen. Es sei denn das Land ist Österreich. Da kann man ganz easy eine Flatrate buchen und man kriegt wie bei den Angeboten von Timelife regelmäßig die Tophits ins Haus geliefert. Das ist ein ganz lieb gemeintes Angebot. Aber auch in Österreich sprudeln die Ölquellen schon länger nicht mehr und für Fracking ist das Land leider nicht flach genug. So muss man am Ende selbst als Robin Hood aus Makranstädt doch wieder den Favoriten den Vortritt lassen. Die besten Spieler nach England verschenken und zugucken, wie die Scheichs vorm Finale gar nicht wissen welchen Fanshop sie zuerst am Qatar Airport leer kaufen. Meinen Anzug aus dem C&A-Sale mit den ultraengen Spendierhosen sucht man dort leider vergeblich.  

Flach witzeln, hoch verlieren

Eeees isja… Freunde, Freunde, hier ist ja eine Stimmung wie im Puff. Nur leider ist da heute Ruhetag. Aber Libero ist nicht Libido, sondern der freie Mann. Erklärt das mal meiner Frau. Die hält ja auch eine Liga für eine Kohorte unter Varius Meniskus. Und die Flügelstürmer sind für sie besonders fleißige Pianisten. Aber ich habe sie schon vor der Hochzeit gewarnt: wenn ich Fußball schaue, vergesse ich einfach alles, Marianne. Sagt sie nur: „Ich heiße Bärbel!“ Das war ähnlich schlimm wie letztens als sie in meiner Jackentasche die Streichholzschachtel aus dem Eros Center gefunden hat und mich vorwurfsvoll fragte: „Rauchst du etwa wieder?“ Aber so ist das halt. Letztens sagt sie zu mir: „Setz dich hin beim pinkeln!“ Sag ich: „Das hält das Waschbecken nicht aus!“ Die Dusche wollte ich nicht benutzen. Die war noch voller Head and Shoulders vom Kannibalen. Macht besser einen großen Bogen ums Badezimmer. Das kann allerdings dazu führen, dass euer Kind fragt: „Mutti, Mutti, wo ist den der Waschlappen?“ Und sie antwortet: „Der ist Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 kopfgrätschen.“ Auch dort lauern fiese Fragen, wie: „Sag mal, du hast so einen schwachen Schuß. Bist du Kopfgrätscher?“ Einige laufen so langsam, die müssen von einem Tor zum anderen mal kurz rechts ran, um den Rasenmäher vorbeizulassen. Und das aufm Kunstrasen. Stellt euch das mal vor. Was macht der Kopfgrätscher also nachdem er ein Spiel gewonnen hat? Er schaltet die Playstation aus. In diesem Sinne Fips: eine Beerdigung ist wie eine Hochzeit – nur mit einem Betrunkenen weniger.   

Lothar’s Run

Spätestens jetzt wo die Endezwanzigjährigen ihre Karrieren beenden, ist es definitiv klar: das wird nichts mehr in diesem Leben mit dem Ausflug in die Profiliga. Konnte man es sich früher noch schönreden, dass ja Lothar Matthäus oder Claudio Pizarro auch mit 40 noch Topleistungen bringen konnten, kann man heute froh sein, dass es einem mit der 3 vorne beim Lebensalter nicht wie bei Logan’s Run ergeht. Die meisten Teams setzen doch inzwischen auf etwas jüngere Talente. Sogar Manuel Neuer musste sich von der 11Freunde aktuell frech fragen lassen, wann er denn endlich Platz macht für die Jugend. Erwartungsgemäß polterte der renitente Pfosten-Methusalix auch rum, als man ihm die schönen Prospekte vorlegte, die schon Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng durchblättern mussten, als sie nicht freiwillig mit ihrer schönen Weltmeisterprämie ein Wohnmobil kaufen oder eine Kreuzfahrt machen wollten. Wenn sie wenigstens nach dem Motto „je oller, je doller“ ordentlich über die Stränge geschlagen hätten, wäre es sehr viel leichter gewesen sie nicht mehr einzuladen. Das war bei Kevin Kuranyi oder Max Kruse einfacher. Kruse bekommt immerhin in der Uralten Försterei ein eisernes Gnadenbrot. Als Nachfolger von Claudio Pizarro war er dann doch nicht mehr gefragt. Immer weniger Mannschaften leisten sich solch ein knuffiges Risikogruppen-Maskottchen, um auch die älteren Zielgruppen abzuholen. Im November wird dafür Youssoufa Moukoko endlich 16 und darf damit die Bundesliga aufmischen. Wenn Dortmund bis dahin Sancho nicht verkauft, besteht die akute Gefahr, dass tatsächlich ab und zu Zwanzigjährige Instragram-Greise durch seine TikTok-Videos laufen. Aber wie ich höre zeigt sich Old (!) Trafford aufnahmebereit. Wer hingegen sogar bei Otto Rehhagel als Libero aus Altersgründen aussortiert wurde, für den bleibt nur noch Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00.

Fuasboi schaun un spüen

Fühlt sich das an wie Sommerpause? Gut, morgen guckt der Sommer tatsächlich mal vorbei, aber Pause ist ja nun nicht gerade. Bei uns wir natürlich traditionell durchgespielt (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00), aber auch die Profis müssen dieses Jahr den Urlaub umplanen. Statt wie sonst 2 Wochen Dubai mit Goldsteak geht maximal eine halbe Stunde Tank und Rast auf der A7. In England, Spanien und Italien wurde der letzte Spieltag grad runtergekurbelt. Die Sporttasche muss allerdings gar nicht erst ausgepackt werden, denn in der nächsten Woche werden noch Europa-League- und Champions-League-Sieger gesucht. Freiwillige vor. Für den zwanghaften Allesgucker geht es also nahtlos weiter. Bei gerechtfertigten Beschwerden aus Familie und Beruf liefert der Nino aus Wien den passenden Entschuldigungszettel. Und jetzt olle:

[Herr Huber sie sind nicht in der Arbeit! Was ist Ihre Entschuldigung? Herr Huber hören Sie mich?]

Lieber Chef bin leider Schnupfen
Kann heut ned ind Hackn hupfen
Mutti wird ma Supperl kochen
Bis i gsund bin in vier Wochen

Doktor sogt blos ned bewegen
Sonne meiden und auch Regen
Bierli zwitschern Schnitzi fressen
Fieber und dann Blutdruck messen

Endlich wieder Fuasboi schaun
Fuasboi schaun Fuasboi schaun
Von fruah bis spät Fuasboi schaun
Fuasboi schaun

Wirtschaftskrise brauch i ned
Fuasboi schaun Fuasboi schaun
Klimawandel eh scho z’spät
Fuasboi schaun

Wos i brauch is jetz vü Ruah
Klimetten an und Fenster zua
Fassl auf und Kistl a
Bis die Augen eckert san

Zwölfe is‘ des woas für Heit
S Betterl ruaft i bin bereit
A letztes Moi ins Wuaschtbrot beissen
Und no gschwind an obireissen

[Herr Huber wo sind Sie? Mir reichts Herr Huber! Ich verwarne Sie Herr Huber!]

Endlich wieder Fuasboi schaun
Fuasboi schaun Fuasboi schaun
Von fruah bis spät Fuasboi schaun
Fuasboi schaun

I wü nix ois Fuasboi schaun
Fuasboi schaun Fuasboi schaun
Hauptsoch i ko Fuasboi schaun
Fuasboi schaun

Wiederholungsspiel

Person. Frau. Mann. Kamera. Ball. Könnt ihr das wiederholen? Es ist sehr schwer. Die ersten Testfragen waren ja noch einfach, aber jetzt wird’s kniffelig. Wenn ihr es in die richtige Reihenfolge bringt, gibt es Extrapunkte. Dann kommen aber erst einmal ein paar andere Fragen und dann frage ich noch einmal, ob ihr das vom Anfang noch einmal wiederholen könnt. Person. Frau. Mann. Kamera. Ball. Wie ich eventuell schon einmal erwähnt habe: wenn ihr es in die richtige Reihenfolge bringt, gibt es Extrapunkte. Aber niemand bekommt es in die richtige Reihenfolge. Normalerweise unmöglich. Also ist es für euch machbar? Das ist keine einfache Frage. In anderen Worten, wenn ich euch fünf Worte geben würde und ihr würdet sie wiederholen, das wäre okay. Also wenn ihr sie durcheinander aufzählt, das wäre okay. Aber wirklich gut ist es nicht. Aber wenn ihr nach 20 bis 25 Minuten noch einmal danach ohne Vorwarnung gefragt werdet, ob ihr es wiederholen könnt und ihr zählt auf: Person. Frau. Mann. Kamera. Ball. Oder fünf andere Worte, die euch zufällig gerade einfallen. Dann sage ich: das ist unglaublich, wie macht ihr das? Das würde ja bedeuten, dass ihr ein wahres Elefantengedächtnis habt oder wenigstens kognitiv anwesend seid. Wenn ihr dann noch das runde Förmchen in das eckige Dings packt, dann sage ich: der Wahnsinn! Was geht ab? Das ist doch gar nicht möglich! Wo ist die versteckte Kamera, Person, Mann, Frau? So und jetzt merkt euch noch mal: Samstag, 10:30, Mittwoch, 18:00, Ball. Vielleicht könnt ihr das später noch einmal gebrauchen.

⚽🥅⛳🏆

Am Internationalen Tag des Emojis hier noch ein paar letzte Buchstaben und Ziffern bevor wir den ganzen Tag mit Hieroglyphen Bilderrätsel lösen dürfen. Eine Spielankündigung nur mit Emojis zu schreiben, könnte ganz nett sein, aber die internationale Verbreitung des Fußballs schlägt sich nicht im Emoji-Angebot nieder. Das ist extrem dünn. Natürlich gibt es einen Ball, in einem Design als Fritz Walter noch aktiv gekickt hat. Als Tor muss man dann schon zähneknirschend ein Hockey-Tor auswählen. Von der Lochfahne vom Golf als schlechten Ersatz für die Eckfahne kaum zu sprechen. Und beim Pokal fehlen eigentlich nur noch die Eiskugeln mit Sahne. Da hat ja selbst die Sport-Bild in dieser Woche hübschere Pokale an die meist gehassten alten Männer im Fußball verliehen. Man möchte reflexartig ein Banner mit dem nicht existenten Emoji für Hurensohn hochhalten. Aber auch hier scheitert man an der Emoji-Library. Für nahezu jeden aktuellen Bedarf gibt es neue Emojis. Aber wie stellt man bildlich eine kroatische Strandbar oder einen Welttorhüter dar? Das Klopp-Emoji ist jetzt auch schon wieder 4 Jahre her und war natürlich nur das Ergebnis einer Kooperation zwischen Liverpool und Skype. Am Ende muss Jan wieder unnötig viel lesen, nur weil die Infos Samstag 10:30, Mittwoch 18:00 zwischen vielen Konsonanten und ein paar Vokalen versteckt sind. Immerhin sind für dieses Jahr noch ein paar wichtige Emojis angekündigt. Auf Dodo, Matroschka, Pinata, Ninja und Bubble Tea haben wir lange gewartet. Wenn das der Dodo und der Bubble Tea selbst noch miterleben könnten.