Hatespeakers gonna speak

Dribbeln und passen ist wichtig, aber die Frage ist: Ist es mit unserem Spielfeld gut vereinbar und ist es vor allen Dingen gut für unsere Gesundheit? Und deshalb freue ich mich, dass wir uns heute über die Philosophie von Kopfgrätsche unterhalten haben. Ich habe heute viel Neues erfahren und freue mich, dass wir Unterstützung haben, für unsere Innovations- und Reduktionsstrategie. Weniger Fehlpässe, weniger Beinschüsse, weniger fette Patzer in den Spielzeiten, die die Kopfgrätscher gerne mögen (Samstag 10:30, Mittwoch 18:00).
Wir unterstützen die Umformulierungsstrategie der Spielankündigung sehr, sehr gerne. Wir machen das ja auch schon seit ein paar Jahren und werden auch in Zukunft deutlich Fehlpässe, Beinschüsse UND fette Patzer reduzieren. Jetzt haben wir in den letzten Jahren circa zehn Prozent reduzieren können. In der Zukunft kommen sicherlich nochmal fünf Prozent dazu. Das sind dann in Summe wieder fünf Prozent. Sind wir damit zufrieden? Absolut! Ich laufe, manche nennen es schnelles Gehen. Das heißt: Alle Mitspieler müssen einen Beitrag liefern. Und darüber haben wir uns hiermit ausgetauscht.

Kapu in Baku

Na, braucht ihr auch noch so ’nen blauen Hoodie? Ist ja quasi das Must-Have für jeden, der sich einen überzeugten Kopfgrätscher nennt. Wo die Sterne geblieben sind? Äh, nun ja… wer schon einmal eine ordentliche Kopfgrätsche ausgeführt hat, sieht die mit hoher Wahrscheinlichkeit. Okay, in der nachgemachten Version, die gerade in ganz Europa im Umlauf ist, bekommt man tatsächlich ein paar mehr Sterne fürs Geld. Aber nur, weil keiner dieser Salonrebellen, die Kapuze aufsetzen will, die ja das eigentliche Highlight ist. Mal gucken, ob sich einer von denen für die europäische Sache oder weil gerade Wahlkampf ist, am Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00 auf dem Platz sehen lässt. Ansonsten ist Europa natürlich eine feine Sache. Wer träumt nicht vom Eurobbabogaaal? Und wer sich in diesem Wettbewerb richtig doll anstrengt und vielleicht noch eine Menge Geld ausgibt, kann es am Ende sogar bis Baku schaffen. Eventuell muss man ein paar Fans und Spieler zuhause lassen, aber der Exotikfaktor ist auf jeden Fall hoch. Auf jeden Fall höher als in Europa sonst. Da tragen wir doch alle inzwischen von Lissabon bis Nikosia und von Helsinki bis Valetta die gleichen Barça-Trikots unter dem Europa-Pulli. Barça, Juve und die Bayern haben dieses Jahr allerdings den Engländern das Abenteuer europäisches Finale komplett überlassen. Das könnte aber am Ende doch das falsche Zeichen sein, um die Briten doch noch von Europa zu überzeugen. Da kann man gleich Arsenal- und Liverpoolfans ein paar blaue Hoodies schenken.    

In the Name of Klopp

Puh, das war knapp. Bis Dienstag sind wir noch fest von einem Ausscheiden ausgegangen. Es sprach ja auch wenig für ein Weiterkommen. Was war schon groß auf der Habenseite? Die Quoten der Wettbüros waren jedenfalls ein guter Indikator für die Unmöglichkeit. Aber seit Dienstag ist alles anders. Das Undenkbare wurde zum Möglichen und dann zum Wahrscheinlichen. Auch wenn niemand den Effekt für die Zukunft voraussagen kann, es scheint klar, dass der Trend gestoppt wurde. Warum auch nicht? Dass heute tatsächlich Kinder geboren werden, die Jürgen heißen, muss irgendwie mit Dienstag zusammenhängen. Klar der Effekt beschränkt sich wahrscheinlich noch auf Liverpool und Umgebung. In London setzt man derzeit noch auf andere Trendnamen und fremdelt ein wenig. Aber schon das nächste royale Baby könnte Jürgen heißen. Die Quote der Wettanbieter hat sich garantiert dafür verbessert. Wenn jetzt noch ein Schauspieler oder Musiker mit diesem Vornamen auftaucht , bröselt der Widerstand junger Eltern nur so dahin und vom Tabellenplatz 323 können wir vorsichtig nach oben schielen. Der Name hat zwar immer noch den selben komischen Klang, aber seit Dienstag eine andere Bedeutung. Früher hieß er übersetzt der Landmann oder Bauer, nun bedeutet er Comebacker. Und eigentlich hätte man das schon immer ahnen können. Denn wer kehrt Woche für Woche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 immer zum Bolzplatz zurück? Richtig.       

Streich und Schön

Als wir hier vor wenigen Wochen Ralf Rangnick zitiert haben, wie er gegen die dicken Kinder von Landau und ihre Playstation wetterte, kam kurz danach die Reue. Nicht weil ich eine Playstation geschenkt bekommen habe, sondern weil Christian Streich kurz darauf die viel bessere Pressekonferenz abgehalten hat. Die Sätze zum Niederknien waren zwar in seinem typischen Idiom, aber gingen direkt ins Herz. Natürlich besteht die Gefahr, dass man in Zukunft Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 nicht nur Nachholspiele der dritten Liga, sondern auch Champions League, Euro League oder Super League-Spiele verpasst. Aber solange jemand den Fußball trotzdem in seinem Inneren so liebt wie Christian Streich, gibt es noch Hoffnung. Er würde wahrscheinlich sogar am Kopfgrätsche-Fußball noch Liebenswertes entdecken und könnte sogar die Krater im Platz romantisch umschreiben. Also statt wie in den letzten 20 Jahren darauf zu hoffen, dass plötzlich ein Scout aus der Premier League auftaucht und unsere verkannten Talente entdeckt, hoffen wir lieber darauf, dass eines Tages Christian Streich kurz am Bolzplatz vorbeiradelt und uns den Ball zurück über den Zaun schießt. Mehr geht nicht. Dass letztes Wochenende Ralf Rangnick mit seiner Brause-Marketingabteilung gegen Streichs Freiburger gewonnen hat, soll am Ende nicht verschwiegen werden. Aber die Laufwege des Fußballgotts sind nun mal unergründlich.

Papa ante Trikotbörse

Osterzeit ist Fußwaschzeit. Traditionell von dem Mann übernommen, der die meisten Fußballtrikots im Schrank hat. Eigentlich könnte nur Gas-Gerd Schröder mit seiner Schalsammlung mithalten. Immerhin wurde er schon mit Schals von Hannover 96, Borussia Dortmund, Schalke und Energie Cottbus meisten in Kombination mit Bratwurst und Flasche Bier auf den VIP-Tribünen gesehen. Im Schrank des Papstes findet man wahrscheinlich von jeder Fußballmannschaft dieser Welt ein Trikot. Bei jeder Audienz gibt es 1 bis 2 neue Jerseys dazu – wahlweise beflockt mit Franziskus, Francisco, Francesco, Francis oder einfach kurz Papa. Nur Greta hatte keins für ihn. Fein säuberlich weggehängt, nachdem es einmal die Kamera gehalten wurde. Sortiert nach Farbe, Land oder Sympathie? Als Argentinier hat er immerhin Messi UND den Messias in seinem Team. Oder lässt er die Trikots rahmen und hängt sie gerade neben das Kruzifix? Eigentlich könnte er jeden Tag ein anderes drunterziehen. Ist ja doch bequemer als ein Kettenhemd. Wir können uns fast sicher sein, dass er am Mittwoch z.B. eins von Tottenham unter der dem Messgewand getragen hat. Der Fußballgott braucht ja kleine Hinweise wohin er seinen Segen verteilen soll. Um diesen gütig zu stimmen, waschen wir unsere Füße für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 selbst. Und vielleicht geben wir durch unsere Trikotwahl dem Fußballgott den einen oder anderen kleinen Tipp mit auf den Weg.  

13. April 2019 – Rache für Bürki

Vor 4 Wochen holte sich Vedad Ibisevic im Spiel gegen den BVB eine rote Karte ab, weil Roman Bürki einfach mit seinem Kopf dahin rannte, wo er gerade den Ball hinwarf. Nun hat sich tatsächlich ein Herthaner gefunden, der bereitwillig die Völkerball-Revanche entgegennehmen wollte. Leider hielt er beim Abschlag den Kopf zu hoch, so dass der Ball wie bei einer Newton-Wiege weitere Bälle zum Schwingen brachte. Sorry John.

Ein Mann wie Steffi Graf

In dieser Woche wurde mit Dirk Nowitzki jemand mit großen Ehren in den Profisportruhestand verabschiedet, der fußballerisch eher auf unserem Niveau unterwegs ist. Okay, er war wohl schon einmal Flankengeber zum Tor des Monats Juli 2016. In einem Monat, in dem bestimmt auch noch ein paar okaye Treffer bei der Europameisterschaft erzielt wurden. Die Flanke passierte allerdings in einem Benefizspiel. Und in solch einem Rahmen hat man den Riesen manchmal seine 2,13m ungelenk auf dem grünen Rasen bewegen sehen. Wir Fußballer fühlen uns deshalb nicht gut dabei, dass er seine Karriere jetzt wegen einer Fußverletzung beenden muss. Mit den Händen war er aber deutlich besser und wählte wohl deshalb einen Sport, in dem man pro Treffer ein bis drei Punkte bekommt. Das ist im Fußball nur bei bestimmten Modi möglich, wenn man mit dem Kopf trifft. Dabei schreckte ihn aber auch nicht ab, dass das Tor nur über einen einzigen runden Pfosten und eine sehr schmale horizontale Torlinie verfügt. Die Schwerkraft sorgt allerdings dafür, dass der Ball nachdem er die Torlinie in voller Umdrehung passiert hat, nicht mehr herausspringen kann. Da spart man sich langjährige Wembleytordiskussionen. Beim Kopfgrätschen (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00) sind wir es gewohnt den Platz mit Basketballern zu teilen. Meistens stehen sie allein im Weg rum und zielen auf den Korb. Dabei gucken Sie wie Darter. Wenn der Fußball Ihnen vor die Füße fliegt, bücken sie sich und werfen ihn genervt zurück. Dafür finden Sie es gar nicht witzig, wenn man ihnen ihren Basketball mit einer Superflanke zurückspielt, wie sie Dirk Nowitzki 2016 auf Lukas Podolski geschlagen hat. Vielleicht sollten sie diese mal üben.