
Das Foto zeigt sechs von 12 Spielern. Erst kamen viele viel zu spät, dann waren viele schnell wieder weg. Die Stimmung war allgemein nicht gut. Viel Gemotze, wenig Spiel. Im Zeitraffer-Video sollte jeder wenigsten einmal kurz aufblitzen:

Beim Kopfgrätschen sind wir qualitativ sehr weit entfernt vom Bundesligafußball. Dass wir trotzdem den einzigen Spieler mit Bundesligaerfahrung vom Platz schicken, um dort am Samstag mit unseren technischen Limitierungen herumzurumpeln, ist mehr als frech. Sorry und Danke noch einmal, Timo Lange Fußballgott.
Da hat man zu Hause gerade erzählt, dass die Saison vorbei ist und dann muss man jeden Abend erklären, was da schon wieder für ein Spiel im TV läuft. Das ist nur noch das Finale der Euro League, bzw. die Relegation für die Bundesliga, bzw. die Relegation für die Zweite Liga, bzw. der Finaltag der Amateure mit allen Landespokalfinalbegegnungen in einer sechsstündigen Konferenz, bzw. das DFB-Pokalfinale, bzw. das Rückspiel zur Relegation für die Bundesliga, bzw. das Rückspiel zur Relegation für die Zweite Liga, bzw. das Finale der Conference League, bzw. das Finale der Champions League, bzw. die Final-Four-Spiele der Nations League, bzw. die Spiele der U21-EM, bzw. eins der 63 Spiele der Klub-WM… dann müsste aber erst einmal eine kleine Fußballpause anbrechen. Aber bis Mitte Juli ist die Versorgung mit grünem Rasen im TV fast jeden Abend gesichert. Nicht alle Profis werden für alle Termine gebraucht, so dass sie zwischendrin bestimmt mal Zeit für einen Shoppingtrip nach Dubai mit kurzem Goldsteak-Imbiss finden. Oder für ein paar Tattoosessions, um sich den Landespokal Hessen großflächig auf den Rücken hacken zu lassen. Aber für die Experten wird es auch ohne großes Nationenturnier ein stressiger Sommer. Ob das die Teilzeitkräfte Mats Hummels und Thomas Müller berücksichtigt haben, als sie ihren Berufswunsch für nach der aktiven Karriere formuliert haben? Und im Sommer ist das ja noch ganz nett, selbst wenn einen die Mücken im Scheinwerferlicht ordentlich annagen. Im Februar mit diesen großen Steppjacken neben dem schimpfenden Matthias Sammer im zugigen Celtic Park stehend ist bestimmt kein Vergnügen. Dann doch besser noch etwas weiter kicken in einer sogenannten Operettenliga. Das sagen wir uns auch jeden Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00, wenn wir den Ball in unsere Mitte werfen. Oder lieber einen Spiegel-Bestseller wie Christoph Kramer schreiben und damit über die Buchmessen tingeln? Wenn am Ende aber Matthias Sammer schimpfend im Literarischen Quartett deine Leistungen bei der Zeichensetzung kritisiert, weißt du, dass es sogar dafür eine Fortsetzung geben muss.
So ein letzter Spieltag ist schon skurril. Da fangen tatsächlich alle zum selben Zeitpunkt an zu spielen und die meisten enden auch zur gleichen Zeit. Gut, manchmal passiert es auch, dass einige im Tal der Ahnungslosen schon feiern, obwohl auf dem anderen Platz noch ein Freistoß im Strafraum ausgeführt werden muss. Aber sowas passiert doch dank des zuverlässigen Nachfolger des Kofferradios (Internet) nicht mehr, oder? Trotzdem kann es natürlich passieren, dass gerade zum Saisonende sämtliche Pyro-Arsenale weggeballert werden müssen. Und dafür könnte eine 15-minütige Halbzeitpause nicht ausreichen. Aber wenn das alle Ultras in allen Stadien gleichermaßen betrifft, kann man sich ja darauf einstellen und gedanklich schon einmal die Nachspielzeit entspannt verlängern. Die Gleitzeit, mit der man quasi 33 Spieltage durch die Saison gegangen ist, gilt aber nicht und es liegen nicht irgendwelche Spieler auf der Couch und rutschen dabei auf Abstiegsplätze oder werden sogar dort Meister. Die Gleichzeitigkeit der Dinge erzeugt jetzt schon Burnout in den Verschlägen, wo alle armen Pushnachrichtenerzeuger zu diesem Zeitpunkt der Entscheidungen einkaserniert sind. Zum Glück kommen sie mit einem Wortschatz von ca. 20 Wörtern aus und der stammt zum Großteil aus dem Baumarkt (Hammer!). Danach ist aber für alle gleichzeitig Schluss und Profis und Amateure treten sich auf Malle und Ibiza gegenseitig auf die Füße. Nur die Frühbucher, die diese Woche schon ihre erreichten Saisonziele begossen haben, können antizyklisch agieren und tragen am letzten Spieltag lediglich das Trikot der neuen Saison zum Ausnüchtern über den Platz. Wir versuchen das mit dem gleichzeitigen Beginn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 wieder. Vor dem Austeilen der Leibchen und nach dem Foto ist natürlich trotzdem wieder eine gewisse Gleitzeit zu erwarten. Und mittendrin wahrscheinlich auch. Ich schicke auf jeden Fall trotzdem schon mal meine Standard-Pushnachricht, dass ich dabei bin. Wann genau? Schon zur Übergabe der Dankeschöngrafiken? Während der Spielunterbrechung wegen schlechter Sicht? Oder erst zum Platzsturm? Naja, selbst wenn man erst beim Daydrinking in Halbzeit drei auftaucht, gilt es noch geradeso als Teilgenommen.
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – das erzählt jede Standesbeamtin jeden Tag circa 5 mal. Und weil es aber auch nervig ist zu lange auf den Anfang zu warten, kann man ihn auch vorziehen, indem man den Trainer nicht erst zum Saisonende rauswirft. Zwei Spieltage vor Schluss wirkt ein wenig, wie wenn man den lauffaulen Zehner noch vor der Halbzeitpause demonstrativ auswechselt. Aber niemand ist gezwungen bis zum Ende zu leiden, nur damit man sagen kann: wir werden uns nach der Saison zusammen setzen und alles knallhart analysieren. Da weiß man doch schon, was bei raus kommt. Also neuer Besen sofort und dann wird ein wenig Chaos aufgewirbelt. Hat man sich auch in Köln im Schatten des Doms gesagt und einen Mann reaktiviert, der ungelogen älter als der neue Papst ist. Das Pontifikat Funkel muss ja auch nicht ewig dauern, Hauptsache der Effzeh kommt in dieser Saison noch in den Himmel, also in die Bundesliga. Zwei Spieltage reichen bis zur Seligsprechung. Danach wird sich schon ein anderer Trainer finden, schließlich werden die Arbeitsagenturen gerade mit Übungsleitern geflutet. Da wird doch was dabei sein. Z.B. Markus Anfang, dem als gebürtigen Kölner der Karneval super wichtig ist und dem am Anfang seiner Beschäftigungsverhältnisse oft ein gewisser Zauber inne wohnt. Bis zum Ende der Saison hat dieser auch bei ihm in Kaiserslautern nicht angehalten, weshalb er vor zwei Spieltagen ersetzt wurde. Beim ersten Spiel von Torsten Lieberknecht als neuen FCK-Trainer vor zwei Wochen, sprach der damaligen Schalke-Trainer Kees van Wonderen in die Mikrofone, dass er es schade finde, dass so ein Trainerwechsel kurz vor Schluss tatsächlich mit einem Sieg für Kaiserslautern belohnt wurde. Eine Woche später dachten sich seine Vorgesetzten auf Schalke: ach komm, das versuchen wir auch. Man muss mal gucken wie stark die Chaoswirkung durch einen neuen Trainer tatsächlich ist, wenn es alle gleichzeitig versuchen. Ein bißchen so, wenn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 alle fünf Minuten neue Kopfgrätscher auftauchen und man innerhalb von Sekunden von 2, auf 3, auf 4 Teams mit 4+1 oder 5+1 oder doch mit Wechslern wechselt. Das Gute dabei: es wirkt jedesmal wie ein neuer Anfang von Zauberhand.
Na, habt ihr noch eine Spielankündigung auf Halde liegen, die euch an die Spielzeiten auf Vorrat erinnert? Nachdem in dieser Woche Spanien, und Teile Portugals und Frankreichs einen Blackout erlebt haben, fragt der Deutsche natürlich zuerst was das für ihn bedeutet. Und während alle anderen den Engpass haben, haben wir die Angst davor. Die größte Angst der Deutschen ist schließlich immer noch die Reichweitenangst. Ob das E-Auto, der E-Roller, das E-Rad oder das Smartphone – dauern kommen wir ins Schwitzen, wenn wir Angst haben, dass wir mit dem halbvollen Akku es nicht mehr bis nach Hause schaffen. Als alles noch mit fossilen Brennstoffen lief, konnte man sich damit beruhigen, dass man mit einem Stückchen Schlauch und einem Pfefferminzbonbon sich jederzeit irgendwie einen Nachschlag holen kann. Deshalb gucken wir diese Woche noch einmal genauer nach, ob alle Vorräte bei 100% sind. Ist die Wasserflasche voll? Ist noch genug Sonnencreme in der Tube? Ist ausreichend Luft aufm Ball? Ist das Drittehalbzeit-Bargeld aufgefüllt? Jeder Engpass kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich der Spielbeginn Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 verzögert. Und in der Folge werden eventuell Anschlusstermine verpasst. Da haben wir schließlich auch ein Trauma von der Deutschen Bahn. Die fährt immerhin elektrisch, hat aber eine dauerhafte Stromversorgung. Sonst würden wir ja da überhaupt nicht einsteigen. Aber bei einem Blackout würde sie auch einfach stehenbleiben. Die Spanier mit dem deutschen Trainer haben in dieser Blackout-Woche ziemlich eindrucksvoll im Classico den Copa del Rey gewonnen und dann hatten sie immer noch genug Graugans-Energie für ein 3:3 gegen Inter im Champions-League-Halbfinale. Das mit den Graugänsen vom Hansi haben seine Landsleute nicht gewürdigt und ihn vom Hof gejagt. Sie winkten ihm mit einem Stück Schlauch hinterher. Immerhin war ihr Atem frisch.
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