26. März 2022 – Helden in Badelatschen

Samstag, 10:30 Uhr: Auf dem Platz stehen drei Nigerianer und möchten mitspielen. Ihre Geschichte: Sie sind Studenten aus der Ukraine. Sie mussten wegen des Krieges von dort fliehen und sind in Wismar gelandet.
Wir #Kopfgrätsch|er hatten vor ein paar Wochen die Idee, Schuhe für Geflüchtete bereitzustellen, leider noch nicht umgesetzt.
Fußball-Regeln sind universell. Man braucht nur einen Ball, ein paar Klamotten und ein paar Schuhe. Ab da an ist Fußball einfach für ein paar Minuten Krieg vergessen und Spaß haben.
An diesem Wochenende hatten wir nur ein Paar Schuhe für die Jungs. Unsere Idee war noch nicht soweit. Jetzt wird es dringend:

Wer hat noch Fußballschuhe, die er nicht mehr braucht? Die Jungs, die jetzt da waren brauchen Größe 42 und 43. Andere Größen könnten in der Zukunft auch noch benötigt werden. Es geht nicht um neue Schuhe – es sollten aber auch nicht die abgegammelten mit Loch sein. Sporthosen und Shirts oder Trikots werden auch gebraucht. Meldet euch unter diesem Eintrag Facebook, Twitter oder per E-Mail. Die nächsten Spieltermine sind Mittwoch, 30.03. um 18 Uhr und Samstag, 2. April, 10:30 Uhr.

Ach und: Selbst in Badelatschen haben sie sehr gut mitgezockt.

Ibrakatarbra

Im Nachhinein kann man natürlich immer sagen: ich wollte gar nicht gewinnen, weil ich da nicht hinfahren möchte. Und gerade im Hinblick auf Katar gibt es dann auch Menschen, die das gerne glauben. Aber was soll den Robert Habeck sagen? Er musste dahin, damit wir nicht verlieren. Sportlich war Deutschland ja sowieso ein Frühbucher. Und man konnte sich ganz entspannt angucken, wer sich sonst noch so qualifiziert. Saudi-Arabien z.B., was das Turnier auch geopolitisch färbt. Als ob man das jetzt unbedingt auch noch gebraucht hätte. Die Italiener anscheinend nicht. Die lassen diese Shitshow entspannt an sich vorüberziehen. Ob man unbedingt Nordmazedonien bei der WM sehen muss, kann man diskutieren. Aber irgendwer muss ja in die Gruppe mit Katar, damit die wenigstens die Vorrunde schaffen. Es gibt allerdings doch eine kleine Gefahr, dass dieses Turnier trotzdem geguckt werden muss. Auch von Italienern. Der ewige Zlatan ist schließlich immer noch mit in der Verlosung. Aktuell wohl auch gerade nicht zurückgetreten als Nationalspieler, sondern zurückgetreten vom Rücktritt. Wir haben aufgehört zu zählen zum wievielten Mal. Aber für ein paar großspurige Ansagen trotz Vorrundenaus würden wir natürlich gern die WM einschalten. Zum Thema Menschenrechte könnte man dennoch Substanzielleres erwarten als von Thomas Müller. Vor allem, weil sich Halbgott Zlatan natürlich selbst nicht unbedingt als Mensch begreift. Wir unwürdigen Irdischen treffen uns Samstag 10:30 UND Mittwoch 18:00, um einen Hauch dieses unbegreifbaren Glanzes von Sankt Ibra in unseren eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Falls das fehlschlagen sollte, suchen wir uns andere Vorbilder – wahlweise in Nordmazedonien, Saudi-Arabien oder Katar.    

Sanifair geht vor

Ein Hoch auf unsern Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer. Auf unsern Busfahrer ein Hoch. Nachdem dem sanktionierten FC Chelsea das Taschengeld gekürzt wurde, sind keine großen Sprünge geschweige denn Flüge mehr drin. Das bedeutet natürlich, dass die Londoner nun öfter auf die vergleichsweise günstige Busreise zurückgreifen müssen. Und das bei den Spritpreisen. Irre. Nun ja, dann muss das schmale Budget zusätzlich über weitere Maßnahmen zusammengehalten werden. Es wird also nicht mehr an jeder Raststelle gehalten. Und muss es denn wirklich immer das teure Paderborner sein? Jede Amateurtruppe weiß, dass man sich den kostbaren Bierkasten vielleicht doch lieber für die Rückfahrt aufhebt. Es lauern aber noch andere Unwegbarkeiten auf dem Trip über die Autobahnen Europas. Einige Länder erheben eine Maut und in Deutschland muss man sich erst einmal die Sanifair-Bons leisten können. Ein unschöner Nebeneffekt, der für eine dauerbesetzte Boardtoilette sorgt, auf der man das Luftanhalten besser trainiert hat. Ein Klassiker ist natürlich auch, dass ein Haufen Fußballer auch nur auf dem Selbstständigkeitsniveau einer Kindergartengruppe agiert, was zwangsläufig dazu führt, dass man bei jedem Stopp ein bis zwei Kapeiken bei Tank und Rast am Regal mit den Erwachsenenmagazinen oder am Daddelautomaten vergisst. Die Umwege, um diese Trantüten wieder einzusammeln, lassen den Tank früh leer laufen und man kann nur hoffen, dass man es doch noch rechtzeitig zum Anpfiff schafft. Aus diesen Gründen gönne ich mir auch morgen wieder den Luxus der Fahrradanreise, um Samstag 10:30 vorbildlich pünktlich zu sein. Er drückt auf die Kupplung und Flusch macht die Spülung. Ein Hoch auf unseren Busfahrer. Auf unseren Busfahrer ein Hoch. 

There is no Planet DFB

Es wird schon wieder gewählt. Das wäre fast durchgerutscht und irgendwie hängt auch wenig Hoffnung an dieser Wahl. Früher konnte man die DFB-Präsidenten namentlich problemlos aufsagen. Z.B. Egidius Braun, der nette rheinische Opi in den Neunzigern. Gerhard Mayer-Vorfelder oder kurz MV (wie sympathisch), der baden-württembergische Pate mit dem großen Durst, der das Sommermärchen 2006 „erfand“. Oder Theo Zwanziger, der auch schon nicht mehr so seriös mit dem Geld umgegangen ist, aber immerhin Frauenfußballfan war. Und seit dem zerfasert es arg. Der Laden ist heillos zerstritten und unführbar. In Zeiten, wo Konzepte sehr fragwürdig erscheinen, wenn sie von nur einem starken Mann bestimmt werden, ist dieser Ansatz, dass man wegen fehlender Quittungen oder eines Nazivergleichs abgesägt werden kann, fast vorbildhaft. Seit Jahren rätselt vor allem der Vizepräsident, wer denn nun eigentlich Koch und Kell(n)er ist. Nun wird also eine neue arme Sau gesucht, die denkt DFB-Präsident wäre ein toller Titel auf seiner Visitenkarte. In Wirklichkeit schaut man jede Woche bedröppelt aus dem Bürofenster in der Otto-Fleck-Schneise, wenn mal wieder die Staatsanwaltschaft zur Razzia anrückt. In diesem gemeinnützigen Verein geht es auch nicht professioneller zu als in jedem Kleingartenverein. Irgendjemand verfeuert immer ohne Genehmigung Blätter und mäht den Rasen in den Ruhezeiten und die Wühlmäuse finden ihren Weg. Dennoch möchte man also im sich ankündigenden Frühling einen neuen Obergärtner gönnen. Wir gucken nur übern den Zaun auf das Unkraut und sind ganz froh, dass wir nicht eines der 1,7 Mio. Mitglieder im größten Sportverband der Welt sein müssen und stattdessen einfach nur Samstag 10:30 unseren Acker mit Kopfgrätschen zerfurchen dürfen. 

„Im Prinzip ja, aber …“

Ein Blick auf die Tabellenspitze offenbart: das Ding ist durch, oder? Beim Rennen um Platz 1 kann man geistig abpfeiffen. Da brennt nie im Leben noch etwas an. Zu groß ist der Abstand zum Rest und zu stabil siegt sich der Primus durch die Liga. Also kann man schon mal langsam den Sekt kaltstellen. Den Aufstieg in die dritte Liga wird sich der der 1. FC Magdeburg nicht mehr nehmen lassen. Aber das Ziel ist ja auch kein schlechter Anreiz. Darüber wartet schließlich eine Liga, die man wirklich nicht tippen kann, wie ich es Woche für Woche nachhaltig beweise. Trotzdem wird es natürlich wider besseren Wissens versucht. Zwischen dem 1. und dem 7. sind nur 6 Punkte Abstand und es sind ja doch noch ein paar Spiele übrig bis Mai. Gefühlt ist zwar schon Frühling, aber hier lauern noch über zwei Monate unerträglicher Spannung. Schon das zweitklassige Nordderby letzte Woche hat wohl die Meisten für einen gesamten Bundesligaspieltag entschädigt. Zwar regen sich viele über die omnipräsente Verfügbarkeit von Fußball auf, aber ist es nicht von Vorteil, dass man ganz einfach die Liga wechseln kann? Selbst der Boykott der Katar WM fällt leichter, wenn man stattdessen einen anderen Wettbewerb verfolgen kann. Die Frauenfußball-Bundesliga spielt bestimmt parallel. Mal gucken wer da gerade um die Meisterschaft spielt. Bayern, Wolfsburg, Hoffenheim… ja, nee… dann doch lieber Katar. Wer spielt morgen 10:30 parallel zu uns? Alashkert Erewan gegen FK Van Tscharenzavan beginnt um 11 in der armenischen Premier League. Das sollte also eine einfach Entscheidung sein.