Auf der Strafraumkante (samstags um halb 11)

Hallo Komma Absatz, Wie gehts Punkt neue Zeile.
Punkt 9: der Wecker tickt und er flüstert in mein Ohr: raus aus diesem Chaos, wir hab’n noch so viel vor. Ich frag ich mich wie spät es ist, und warum? Dann fällt es mir wieder ein: die gute Aussicht auf alles was ich brauch am Samstagmorgen. Zwischen Never Surrender und License to ill. Kein Ponyhof, kein Wunschkonzert. Ich bin doch kein Idiot und das soll ich heute beweisen. Wenn irgendwas gut ist dann das hier. Denn du bist es auch und weil ich mich so selten irr mit Menschen, Mädchen sag ich dir: wir beide sind die Guten. Aber das seh ich erst, wenn ich’s glaube. Also ready steady Fremdkörper go! Wir schießen den Ball bis zum Mond, um vielleicht das Siegerlied statt der Hymne anstimmen zu können. Heute wird gewonnen, bitte. Am Ende wollen die Unkaputtbaren aber nur sagen: es sah zwar aus wie Eiskunstlauf ohne Ton mit Hoppe hoppe Easy Rider, wenn er fällt, dann kriecht er halt weiter. Aber alles war schön und nichts tat weh. Wir werden uns kümmern – mein Freund, das Wrack, ich und so. Nur für den Heimweg gilt: bring dich doch selbst nach Haus und komm Mittwoch wieder. Vorher gibt’s aber noch ein Souvenir aus dem Fotoautomat.

Die Verwandlung

Als ich heute morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich heraus, dass schon wieder eine Bundesliga-Saison startet. Das ist dieser Wettbewerb, wo seit Jahren beim Blick auf die Tabelle alle müde gähnen. Da konnte sich Bill Murray ja beim täglichen Aufwachen in Punxsutawney auf mehr Abwechslung freuen. Gut, um den ersten Platz gibt es angeblich einen offenen Wettbewerb bzw. hatten sich das die Gründerväter der Bundesliga einmal so überlegt. Und wenn sich der Branchenprimus um den 12. Spieltag rum zwei Unentschieden in Folge leistet, wird man sich dunkel daran erinnern. Im März haben wir das aber spätestens vergessen. Aber auch sonst ist die 1. Liga eine beruhigende Konstante in diesen wilden Zeiten. Alle professionellen Werbekampagnen und witzigen Social-Media-Trends werden nicht verhindern, dass sich der Anker in der Mitte der Liga aus der Erde bewegt. Die Berliner Hertha wird auch dieses Jahr ruhig beobachten wie ihre Tabellennachbarn verzweifelt um Europa-League und Klassenerhalt kämpfen. Schließlich hat sie mit dem Erreichen des DFB-Pokalfinales wieder einmal ein größeres Ziel. Mit dem traditionellen Scheitern irgendwann im Spätherbst wird die Rest-Saison von 20 Spieltagen unsexy zu Ende gespielt. Zur Konstanten am Tabellenende mausert sich seit einiger Zeit der VfL Wolfsburg. Mit einem Kader der nie absteigen kann, ist er verdammt Jahr für Jahr den Relegationplatz warm zu halten, bis der HSV endlich mal wieder Lust hat. Und um diese drei Ankerpunkte in der Tabelle strampeln noch ein paar Clubs wie Käfer auf dem Rücken, um die erste Liga oder die Champions-League-Quali zu erhalten. Und das alles nur, um die eigenen Fans auch in der nächsten Saison in diesem Wettbewerb zu enttäuschen. Da freu ich mich doch lieber auf dem Samstagmorgen. Wenn ich da aufwache und 10:30 Kopfgrätsche angesagt ist, warten jedesmal neue Überraschungen, die erst mit dem Sonnenuntergang am Mittwoch Abend enden.

11. August 2018 – Selfie mit Taunty, Josef und Co.

Fußball_Januar_2018_08_11

Mit zunehmendem Alter wird es für Josef immer schwerer, sich die Namen auf dem Fußballplatz und dem #kopfgrätsche-Foto zu merken. Javid, weiß er natürlich. Abdel musste er auf dem Platz schnell nochmal fragen, wie er heißt. Und „Taunty“ steht auf dem Trikot-Rücken von Amit, weil es sein alter Nickname ist. Tim, André und Vadim waren auch da – aber nicht auf dem Foto. Und die anderen auf dem Bild: Weiß Josef nicht mehr. Hat er vergessen. Und das meint er nicht böse.

Boiler Man (I think it’s going to be a long, long time)

Die Engländer sind raus. Mal wieder. Ab heute können alle mal sehen wie es ist ohne das dicke Pfund auszukommen. Jedenfalls auf dem Transfermarkt. Das begehrte üppige englische Fernsehgeld bleibt da wo es ist. Quasi ein zweiter selbstgewählter Brexit, um nach dem Saisonstart keine Spieler mehr nachkaufen zu können. Traditionell ist deswegen am letzten Tag die bloody Hell los. Jedenfalls nehmen sich TV-Experten an diesem Tag besser nichts vor. Sondersendungen, die 12 Stunden lang wie an Silvester den Countdown bis Null Uhr runterzählen, müssen schließlich besetzt werden. Und jedes Premier-League-Stadion braucht einen embedded Journalist vor Ort, der bei Bedarf einen Autokorso oder einen wütenden Mob einfangen kann. Und dann entscheiden sie sich in Manchester und Tottenham für einen Buy-Nothing-Day. Really? Your full Ernst? Bis kurz vor Mitternacht waren sich alle sicher: equal goes it loose. Aber dann gab es vermutlich einen landesweiten Faxausfall. Mein Fax mit den Daten Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ist hoffentlich noch angekommen. Nun ja, jetzt können sie sich in England endlich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Fußballwappen mit Bandartwort mixen z.B. oder lustige Maskottchen erfinden.

 

Morgenröte für Rautenkranz

Nach unzähligen Jahren des Zitterns ist heute der Tag, auf den viele gewartet haben: der HSV darf zeigen, ob er zweite Liga kann. Lange hat er sich geziert. Aber jetzt sagt er „na gut“ und tut all jenen den Gefallen, die sich das nicht vorstellen konnten. Vielleicht ist es aber gar nicht so schlimm mal an einem Wettbewerb teilzunehmen, den man sogar gewinnen kann. Das geht ja beim Audi Cup auch nur, wenn die Bayern mit der Schülermannschaft antreten. Für manche ist sogar schon Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 das Maximum. Also vielleicht ist es sogar ganz nett, Städte wie Magdeburg und Dresden mal einfach flußaufwärts an der Elbe zu besuchen. Nach St. Pauli reicht sogar ein HVV-Gruppenticket. Da verfährt man sich schneller auf dem Weg nach Hoffenheim. Allerdings wäre auch die zweite Liga enttäuscht, wenn der HSV nicht seine Kernkompetenzen einbringen würde. Also Diskussionen um die Uhr, komische Fan-Aktionen und schnell wechselndes Personal. All das, was die erste Liga schon ziemlich schnell vermissen wird. Und am Ende ist es wie bei „Verzeih mir“ mit Ulla Koch am Brink und der HSV darf wieder zurück an den Familientisch. Und er wird sich fragen, warum er sich all die Jahre dagegen gewehrt hat diesen zu verlassen.