Oho, jetzt kommt also nächste Woche schon der letzte Länderspielstopp vor ihr wisst schon was. Kann man aber noch unbedenklich gucken, oder? Es ist immerhin das traditionsreiche Turnier Nations League mit coolen Duellen auf Augenhöhe. Dabei führt die Reise von Hansi und Olli uns auch nach England, wenn nicht noch mehr Fußballspiele abgesagt werden, weil die Engländer Public Viewing anders übersetzen. Wenn man den Insulaner dieser Tage zu einer solchen Veranstaltung einlädt, stellt er sich sofort in die Kondolenz-Schlange am Queen-Sarg. Dabei beweist er beachtliches Stehvermögen. Die Heatmap zeigt eine violette Linie von der London Bridge flussaufwärts bis nach Lambeth und über die gleichnamige Brücke bis hin zur Westminster Hall. Das sind beinahe 4 Kilometer. Gestern Nachmittag waren es sogar mehr als sechs Kilometer. Auf Youtube kann man live das aktuelle Ende der Schlange verfolgen. Das sollte Hansi unbedingt in seine Videoanalyse vor dem Spiel in London mit einbeziehen. Rein statistisch müssten auch einige Nationalspieler in der Schlange markiert werden können und wenn man nicht aufpasst, lassen die sich am Ende gegenseitig vor. Aber das ist nicht gewiss. Für Engländer ist das Stehen in Schlangen angeblich oft viel amüsanter als das eigentliche Ziel. Das haben sie sich immerhin über Jahrzehnte beim Fußball antrainiert. In dieser Wartezeit findet man neue Freunde und lädt sich gegenseitig zu heißem braunen Wasser ein. Dieses Konzept klingt eigentlich nicht schlecht und vielleicht sollte man auch in diesem Fall darauf setzen, dass die Engländer ein weiteres mal unser Vorbild für eine auf den ersten Blick eigenartige Freizeitbeschäftigung werden. Ich starte schon jetzt die Schlange für Kopfgrätsche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Nach dem frühen Sonnenuntergang am Mittwochabend kann man das auch noch problemlos ohne Tageslicht fortsetzen.
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There is no Planet DFB
Es wird schon wieder gewählt. Das wäre fast durchgerutscht und irgendwie hängt auch wenig Hoffnung an dieser Wahl. Früher konnte man die DFB-Präsidenten namentlich problemlos aufsagen. Z.B. Egidius Braun, der nette rheinische Opi in den Neunzigern. Gerhard Mayer-Vorfelder oder kurz MV (wie sympathisch), der baden-württembergische Pate mit dem großen Durst, der das Sommermärchen 2006 „erfand“. Oder Theo Zwanziger, der auch schon nicht mehr so seriös mit dem Geld umgegangen ist, aber immerhin Frauenfußballfan war. Und seit dem zerfasert es arg. Der Laden ist heillos zerstritten und unführbar. In Zeiten, wo Konzepte sehr fragwürdig erscheinen, wenn sie von nur einem starken Mann bestimmt werden, ist dieser Ansatz, dass man wegen fehlender Quittungen oder eines Nazivergleichs abgesägt werden kann, fast vorbildhaft. Seit Jahren rätselt vor allem der Vizepräsident, wer denn nun eigentlich Koch und Kell(n)er ist. Nun wird also eine neue arme Sau gesucht, die denkt DFB-Präsident wäre ein toller Titel auf seiner Visitenkarte. In Wirklichkeit schaut man jede Woche bedröppelt aus dem Bürofenster in der Otto-Fleck-Schneise, wenn mal wieder die Staatsanwaltschaft zur Razzia anrückt. In diesem gemeinnützigen Verein geht es auch nicht professioneller zu als in jedem Kleingartenverein. Irgendjemand verfeuert immer ohne Genehmigung Blätter und mäht den Rasen in den Ruhezeiten und die Wühlmäuse finden ihren Weg. Dennoch möchte man also im sich ankündigenden Frühling einen neuen Obergärtner gönnen. Wir gucken nur übern den Zaun auf das Unkraut und sind ganz froh, dass wir nicht eines der 1,7 Mio. Mitglieder im größten Sportverband der Welt sein müssen und stattdessen einfach nur Samstag 10:30 unseren Acker mit Kopfgrätschen zerfurchen dürfen.
Eintrag ins Muttiheft
So, letzte Warnung. Noch ein Hassplakat und das Wort Hurensohn wird zum Weltkulturerbe. Und was das für die Deutschrapszene bedeutet, kann sich wohl jeder denken. Da müssten ganze Lebensläufe von Mitmusiker-Müttern neu geschrieben werden. Geschrieben wurde in der letzten Woche eine ganze Menge. Teilweise gab es so viel auf den Tribünen zu lesen, da reichten 90 Minuten kaum aus. In der ganzen Textwüste, dann die Beleidigung zu finden, hat so manchen Schiedsrichter überfordert. Also lieber mal kurz das Spiel unterbrechen und erst einmal in Ruhe schmökern. Sicher nur ein Zufall, dass der DFB seine Schiedsrichterteams gerade um Germanistikstudenten und Poetry-Slammer erweitern möchte. Da muss man ja doch dankbar sein, wenn das eine oder andere Bild im Block dabei ist und die Ultras noch einen Rahmen drumherum malen. Noch schöner wäre es natürlich, wenn die Motive gestickt wären. Im Fadenkreuz-Stich lassen sich erstaunliche Ergebnisse erzielen. Das Literarische Quartett am Sonntag Morgen aus dem Hotel Hilton am Münchner Flughafen lieferte dann auch erwartungsgemäß schlimme Fehlinterpretationen des Buchstabensalats. Selbst der Weinkönig vom DFB war überfordert von so viel analogem Getwitter auf Bettlaken. Kein Wunder, tagelang waren Farbeimer und Lakierermasken in sämtlichen Baumärkten rund um Bundesligastadien und in Meppen ausverkauft. Das hat die deutsche Bevölkerung extrem verunsichert. Der Beef zwischen Schickhardt und Schickaria hat aber immerhin bisher nicht zu einer peinlichen RTL-Gameshow geführt. Sportschau, Sportstudio und Sport in Baden-Württemberg waren dann doch vom Niveau her nicht zu unterbieten. Das überschaubare Niveau beim Kopfgrätschen Samstag 10:30 möchten wir an dieser Stelle mit einem Disclaimer versehen. Die Qualität würde wahrscheinlich diverse Hassplakate rechtfertigen, ist aber absolut unverdächtig auch nur im Entferntesten mit modernem Fußball zu tun zu haben. Und wir versprechen immerhin, über die Berufe eurer Eltern hinwegzusehen.
Eine kurze Geschichte der Zeit
Natürlich wollte ich gerade mit dem Reinhard einen Uhrenvergleich machen. Das ist ja wohl auch nicht verwerflich, man muss doch wissen wie spät das ist, damit man Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 pünktlich ist. Gerade nach der Zeitumstellung vertut man sich leicht dabei. Er wollte mir seine Uhr aber nicht zeigen. Wahrscheinlich so ein Klassiker mit Mickey-Maus-Ziffernblatt. Uns bleibt bei guter Sicht aber immer noch der Blick auf den Marienkirchturm, um zu erkennen, ob es an der Zeit ist den zweiten Frühling, die dritte Halbzeit oder das letzte Tor auszurufen. Für die durchschnittliche Amtszeit der letzten DFB-Präsidenten reicht allerdings ein Kurzzeitwecker. Was macht eigentlich die Uhr im Stadion des HSV, also der Tagesschau-Arena? Wird die schon langsam hochgefahren? Hoffentlich finden sie beim HSV genug Zeit dafür, zwischen den stressigen Tagen mit Relegation und DFB-Pokalfinale. Vor dem Berliner Olympiastadion steht aber zum Glück auch eine Uhr. Die ist allerdings schon etwas älter und hängt ziemlich hoch neben den olympischen Ringen beim Marathontor. Ist aber nicht digital wie die Uhr am Backofen. Da muss man schon wie Reinhard die Zeiger lesen können. Als ehemaliger ZDF-Mann kennt er auch die Sportstudio-Uhr und bei der fehlen sogar die Ziffern. Viele sehen in ihm zwar schon einen unverzichtbaren Experten bei Bares für Rares. Aber wahrscheinlicher ist doch, dass er nächstes Jahr bei Wetten, dass..? wie Flavor Flav über die Verspätung für das Sportstudio informiert: Thommy ist noch nicht so weit, er braucht noch zweimal 15 Minuten und ein Elfmeterschießen mit blickdichten Brillen Zeit.
21. Mai 2016 – Kunst nach DFB-Pokal-Finale
Da sitzt man nun also mit schlechtem Gewissen während einer Geburtstagsfeier bei einem schlechten DFB-Pokal-Finale. Eine liebe Freundin lädt zum Geburtstag auf ein edles Gehöft und die gemeinen Kopfgrätscher verziehen sich ins Abseits, weil das Spiel #FCBBVB wichtiger scheint. Trugschluss: Ein mieses Spiel mit noch mieserem Ergebnis hinterlässt die Frage, warum man das nur geguckt hat.
Trotzdem: Gebe den zwei Alt-#Kopfgrätschern einen Ball(on) und sie spielen weiter. Ehrenpräsi Swen hat diesen Moment kunstvoll festgehalten. Ein Bild für die Galerie. Schöner als diese elendige Finale des DFB-Pokals 2015/16.
Katzenwäsche im Entmüdungsbecken
Als ob dieses Spiel mit diesem runden Ding nicht schon schwer genug wäre, zeigen die Diskussionen der letzten Tage, dass es noch komplizierter geht. Vor allem, wenn man anständig jubeln will. Und zwar, wenn man so jubeln will, dass der Gegner nicht sauer wird und man sich zudem auch noch ernst- und glaubhaft freut. Ein unterlegener Gegner ist durch unbedachtes Jubeln schneller beleidigt als der türkische Staatspräsident. Aber auch die eigenen Fans sind oft dünnhäutiger als Obelix („Ich bin nicht dick!“). Da reicht schon ein Trikot des Erzrivalen, um die Feierstimmung zu versauen. In Kombination mit taurinhaltigen Energydrinks ist da ruckzuck Schluss mit guter Kinderstube. Aber wer nun denkt, dass Gerstensaft die bessere Lösung ist, sollte mal beim DFB-Präsidenten nachfragen. Diese unschönen Bilder von kindischen Bierduschen schon vor der Siegerehrung passen nicht zum neuen skandalfreien DFB und lassen die Sieger unangenehm nach Bitburg drive müffeln, wenn der Präsident ihnen die Medaillen überreicht. Beim Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Dienstag 18:00 können wir letztlich nur dafür sorgen, dass wir den wilden Trikotmix mit Leibchen kaschieren und dass die Mitspieler am Ende so durstig sind, dass garantiert kein Tropfen aus dem Glas vergeudet wird. Und falls es wirklich etwas zu feiern gibt, fahren wir maximal noch ’ne Runde mit ’nem kleinen LKW zügig um den Marktplatz. Und wenn es niemanden stört, schalten wir dabei leise das Autoradio an. Hoffentlich läuft nicht Silly.
Aktivist Schwarze Kasse
Aufgrund meiner ungerechtfertigten Sperre für das morgige Match (10:30) muss die aktuelle Spieltags-PK mein Kollege und Männerfreund Wolfgang übernehmen. Leider sind seine Karteikarten durcheinander geraten. Bringe Sie in die richtige Reihenfolge und formuliere eine glaubhafte Rechtfertigung, die alle Zweifel zerstreut, allen Zynikern den Glauben an den ehrlichen Fußball zurück gibt und sie in Scharen am Samstag auf den Bolzplatz treibt. Danke im Voraus.
https://twitter.com/fums_magazin/status/657164561401950208/photo/1?ref_src=twsrc%5Etfw
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