Die Alten am Halten

42 Länderspiele hat Marc-André ter Stegen tatsächlich schon gemacht. Das ist doch ganz solide, oder? Irgendwie überraschend, da man ihn gefühlt nur auf der Bank bei der Nationalmannschaft kennt. Mit 42 Länderspielen liegt er auf Platz 8 bei den deutschen Torhütern und Bodo Illgner (54), Andy Köpke (59) und Jens Lehmann (61) sind zumindest in Schlagdistanz. Naja, und Jens Lehmann ist durch die Eskapaden der letzten Jahre sicher jemand, den man ganz gerne von Platz 5 verdrängen würde. Allerdings in Sachen Nationalmannschaftskarriere vielleicht doch ein Vorbild für Marc-André. Schließlich hat Crazy Jens auch erst in hohem Alter das Vertrauen des Nationaltrainers bekommen und ist mit 38 Jahren der bis jetzt älteste DFB-Torhüter gewesen. Da hat sogar Manuel Neuer früher abgedankt, obwohl der schon gefühlt Mitte 40 ist. Also in den sechs guten kommenden Jahren kann Marc-André doch noch einige Länderspiele sammeln. Torhüter bleiben aber meist nur im Fußballgedächtnis, wenn sie auch die Nr.1 bei großen Turnieren waren. Und da wird es langsam eng für Marc-André. Wenn man dann außerdem dauernd vom eigenen Körper sabotiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass bei der kommenden WM wieder ter Stegen zuschauen muss wie im Tor der zwei Jahre ältere Oliver Baumann (Länderspiele aktuell: 0) sein Glück kaum fassen kann und an seiner statt in die Fußstapfen Jens Lehmanns tritt. Bei Barca wird ter Stegen nun wohl erst einmal von Wojciech Szczęsny vertreten. Aber ob der polnische Rekordtorhüter wirklich nur als Vertretung kommt, muss man mal abwarten. Lewandowski findet seinen Landsmann schon einmal besser als ter Stegen. Ob Szczęsny ein leidenschaftlicher Skifahrer ist, ist nicht bekannt. Da möchte man nicht tauschen und freut sich, wenn man Samstag 10:30 auch als älterer Mitspieler jederzeit ins Tor gehen kann, wenn man mal ein Päuschen braucht. Und dort quasi einen Stammplatz erhält, den einem niemand streitig macht. Es sei denn es kommt ein noch müderer und noch älterer Mitspieler vorbei.

EuroPa aufs Maul

Die letzte Champions-League-Saison endete ja mit dem sehr häufigen Absingen der Europahymne. Also die mit der ersten Zeile „Erste Runde Krankenschein…“. Bevor der BVB nun also in den ersten Spieltag dieses aktuellen Wettbewerbs startete, wärmten die Social-Media-Kanäle des Clubs den alten Gassenhauer wieder auf. Ob die reformierte Königsklasse dazu einlädt dieses Liedgut wieder zu intonieren, muss sich zeigen. Es gibt schon einmal ein Auswärtsspiel mehr in der Vorrunde, für das der gemeine Lohnarbeitende also noch eine weitere halbgare Entschuldigung beim Arbeitgebenden einreichen muss. Für ein Spiel am Donnerstagabend könnte ja wenigstens die Einführung der 4-Tage-Woche im Betrieb gerade noch rechtzeitig kommen. Die Spieler, die sich dann aber wie dahergelaufenes Europa-League-Vieh fühlen, das am Freitagmorgen noch auf einem Provinzflughafen darauf wartet, dass das Nachtflugverbot abläuft, fangen schon an Streikschilder zu malen. Hochdekorierte Ballon-D’Or-Kandidaten holen die Trillerpfeifen raus und ziehen sich eine hässliche Mülltüte über den Oberkörper. Ach nein, das ist ja nur das diesjährige Wiesn-Trikot. Die Botschaft dürfte trotzdem klar sein. Der Donnerstag muss eine Ausnahme bleiben. Solange es allerdings noch Tageszeiten ohne Spitzenfußball gibt, kann es bei der UEFA keine Denkverbote geben. Samstag 10:30 scheint bis auf weiteres noch ein ungeliebter Slot für die Champions League zu sein. Was für ein Glück für uns. Aber Mittwochs 18:00 lässt es die UEFA jetzt extra früher dunkler werden, damit wir demnächst brav um diese Uhrzeit vor den Fernseher wandern. Oder noch die eine oder andere Überstunde erarbeiten, um die Serenaden von der Auswärtsfahrerromatik zu erweitern. Nächste Woche können wir aber getrost Mittwochs noch spielen, da sind nur die Europa-League-Reisenden aus der Holzklasse an der Reihe.   

Auf der Kniehöhe der Zeit

Fußballexperten hassen Ahnungslosigkeit. Dauernd werden sie von Leuten zu Dingen gefragt, die eigentlich nur sie wissen können. Na gut, in der Wahrnehmung der Experten ist das vielleicht so. Das Gegenüber versucht eigentlich nur die komische Stille in der Kaffeeküche zu überbrücken. Da fragt man halt mal naiv nach dem umstrittenen Handelfmeter vom Wochenende. Weil der nun mal knapp unter dem Boxkampf Halmich vs. Raab in den Trends war. Aber man kann ja nicht ahnen, dass daraus ein stundenlanger Vortrag über die Handspielregel bis zu den Anfängen des Rugbysports folgen wird. Hätte man doch lieber nicht gefragt. Fußballexperten können keine kurzen Antworten. Wenn sie zusammensitzen, reicht die Nachspielzeit gerade so, um alles überflüssige Nerdwissen von den Turnieren ’88 bis ’96 mit in die Gesamtbetrachtung von Rasenmähtechniken einzubringen. Deshalb ist es auch so gemein, wenn sich doch einmal Dinge ändern, die schwer zu verstehen sind. Es wird wohl dazu führen, dass an den ersten Champions-League-Spieltagen viele Experten in den Sportsbars rumsitzen und wortkarg grübeln, was es denn nun bedeutet, dass da gerade ein Tor in Brest gefallen ist. Auf die Fünfjahreswertung hat es bestimmt irgendeinen Einfluss. Das geht immer, wenn man sonst nichts kapiert hat. Oder man quatscht zur Ablenkung über die Nations League. Auch die ist gemeinhin ein Mysterium, aber das lag bisher vielleicht auch daran, weil Deutschland in dem Wettbewerb sich sowieso keine Mühe gegeben hat. Jetzt wo wir kurz vor dem Gewinn stehen, wird der Spielmodus bald von jedem Kaffeeküchengammler als Allgemeinbildung angesehen. So kann es also passieren, dass die einzigen, die schon wieder streberhaft die neue Champions League auswendig herbeten können, Bayernfans sind, weil sie auf ein Finale Dahoam spekulieren. Diese sollte man also unbedingt als Mitzuschauer meiden, wenn man nicht als der Ahnungsloseste in der Sportsbar enttarnt werden möchte. Dann doch lieber Brest gegen Graz als Einzelspiel. Oder Kopfgrätsche vs. Kopfgrätsche (Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00). Da gelten auch gefühlt seit 20 Jahren die gleichen Regeln. Auch wenn das mit der Kniehöhe ähnlich schwer zu verstehen scheint, wie die aktuelle Handspielregel. 

Mailand oder Madrid – Hauptsache Handgeld

Fast ohne Warnung
Irgendwie haben sie es geschafft
Das Ende des Transferfensters, das wir kannten
Ein kurzes Rauschen nur
Das ganze Geld der Scheichs verzockt
Erst fielen die Börsen und dann fielen die Staatsfonds

Dortmund hofft, dass es nicht stimmt
Mailand kämpft und London trinkt
Auch in Paris ist jemand reich
Der Deadlineday macht alle gleich
Transfermarkt hört einfach auf
Du weißt es und du siehst es auch
Dass Hamburg heute Nacht Angst hat
Vor den letzten Faxgeräten dieser Stadt

Es war wie ein Kartenhaus
Und Fabrizio fragte sich
Pletti, wie haben sie das bezahlt?
Und sie hören die Roma singen
Für unsere Fahnen spielt jetzt Mats
Für deine Fahne niemals mehr

Dortmund hofft, dass es nicht stimmt
Mailand kämpft und London trinkt
Auch in Paris ist jemand reich
Der Deadlineday macht alle gleich
Transfermarkt hört einfach auf
Du weißt es und du liebst es auch
Dass Hamburg heute Nacht Angst hat
Vor den letzten Faxgeräten dieser Stadt

Für alle, die für Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 schon auf dem Spielberichtsbogen stehen, kann man nur hoffen, dass nicht noch ein spontanes Angebot aus Belgien oder Polen reinkommt. Dort schließt erst heute das Sommer-Transferfenster. Es ist aber in ziemlich vielen Ländern noch recht lange geöffnet. Also keine Eile. Oh wie schön, nach Panama kann man sogar noch in den nächsten 85 Tagen wechseln, kleiner Bär.

04. September 2024 – Seltene Dokumentation von zwei scheuen Kopfgrätschern

Schnell noch ein Ussie vor Einbruch der Dunkelheit: Da kamen die scheuen Tim und André nicht so schnell aus dem Bild. Und ja: Disclaimer: Es gab mehrere Ussies. André habe ich aus einem anderen Bild noch eingefügt. Auf den anderen guckten immer irgendjemand anders blöd. Ach! Und hier ein bisschen Zeitraffer-Gerbrimmsel, da ich aufgrund von Altersbeschwerden viel Zeit am Spielfeldrand verbracht habe: