
Archiv für den Monat: April 2024
Rollkragen am Sondertrikot
Die lange Unterbuchse und die Handschuhe sind noch nicht ganz weggelegt. Und bis zu dieser Woche hat man sogar ganz gerne noch die Mütze über die Birne gezogen. Spätestens ab dem kommenden Wochenende (Samstag 10:30) muss man sie aber weglassen. Das gibt sonst komische Bräunungskanten im Gesicht. Denn, Obacht, höherer Geldeingang im Phrasenschwein: die Sonne hat schon Kraft. Bei einigen Vereinen die Gelegenheit den Ausflug auf den Rasen zu nutzen, um etwas Vitamin B zu tanken. Kurz vor dem Anpfiff noch mal in den Tabellenrechner geschaut. Ah okay, Zwölfter können wir eventuell werden. Nee, dafür muss man sich nicht tot machen. Die Meisterschaft kann man auch niemandem mehr versauen. Dann steht einer gemütlichen Rasenlatscherei am Wochenende nichts mehr Wege. Quasi die längstmögliche Ehrenrunde, um den Eintrittzahlern noch mal im Sondertrikot für 150€ zuzuwinken. Guckt mal wie geil das aussehen kann, wenn man nicht in jeder Halbzeit 2 Bratwürste frisst. Am Fankörper bringt die gewagte Linienführung den Designer verlässlich zum Weinen. Aber egal, die Trottel auf der Tribüne holen sich eh zwei aus der Kollektion, wenn sie in Kürze erfahren, dass der Abschied am Saisonende zum Erzrivalen schon längst eingetütet ist. In dieser Saisonphase bekommt in den Ligen der Transferticker wieder mehr Aufmerksamkeit, während beim Live-Ticker Paderborn gegen Elversberg die KI unter Ausschluss der Öffentlichkeit üben kann. Es gibt Ecke. Die bringt nichts ein. Dann doch lieber neue heiße Trainergerüchte vom FC Bayern im Minutentakt. Oder Pokalspiele unter der Woche (Mittwoch 18:00). Da ist noch richtig Feuer drin, wenn Ulf Kirsten und Heiko Scholz den von Markus Anfang verdaddelten Zweitligaaufstieg mit dem Sachsenpokal retten müssen. Und das in gefütterten Thermojacken, die auch die eine oder andere Bratwurst kaschieren. Beim Gegner Zwickau turnt hingegen Rico Schmitt in jeder Jahreszeit in körperbetonter Funktionskleidung herum. Aber immer mit Rollkragen oder Loopschal am Hals. Solche hässlichen Bräunungskanten sind dann am Ende natürlich niemals finalwürdig.
20. April 2024 – Das Feld ist bestellt
The Grätsch Rock’n Roll Swindle
If the Kids Mistakes are United
Wie motiviert man sich jetzt noch ausreichend für Samstag, wenn man Mittwoch auch ein wichtiges Spiel vor der Brust hat? Da können wir doch mal ausnahmsweise vom FC Bayern lernen, obwohl wir Samstag (10:30) und Mittwoch (18:00) vor ihnen spielen. Mal gucken wie sehr sie sich Samstag gegen den Tabellenvorletzten zu Hause Mühe geben können, obwohl es nicht mehr für ganz oben reicht. Vielleicht eine trügerisch willkommene Gelegenheit die A-Truppe für Mittwoch zu schonen und auch Busfahrer und Zeugwart noch mal ein paar Minuten in dieser Saison zu schenken. Quasi die alte Pep-Schule, die aber früher regelmäßig dafür gesorgt hat, dass die mentale Spannung am Ende auch nicht mehr für die Champions League gereicht hat. Natürlich mit anderen Vorzeichen, weil der Balkon am Marienplatz sowieso schon gebucht war. Muss man sich also Samstag doch ein wenig anstrengen, um Bayer 04 nicht gleich kampflos den Meistertitel auf der Couch zu überreichen? Für die Leverkusener auch irgendwie blöd, weil die sicher lieber im Stadion feiern wollen. Man kann das Dilemma eigentlich nur lösen, indem man in München einfach ein lahmes Unentschieden fabriziert, über das maximal eine halbe Minute in der Sportschau berichtet wird. Damit ist vielleicht sogar der Gegner halbwegs zufrieden. Beim Kopfgrätschen ist schließlich das harmlose Unentschieden auch das perfekte Ergebnis, um alle gleich zufrieden oder unzufrieden ins Wochenende starten zu lassen. Damit wird Leverkusen rechnerisch nicht sofort ohne eigenen Schweiß Meister und kann die Saison am Sonntag selbst über die Linie drücken. Und die Spieler sind schön ausgeruht für Mittwoch. So, jetzt weiß Tuchel wie wir es lösen würden, kann den Ball mit der Hand aufnehmen und sich über diesen Kids Mistake lustig machen.
06. April 2024 – So sehen Lieger aus
Virage am Arsch
Oh, la la, wir haben es versucht wie Saarbrücken. Vielleicht waren es aber am Ende ein paar Regentänze zu viel. Dass an einem Mittwochabend noch ordentlich Luftfeuchtigkeit herrscht, freut sicher die Vegetation um den Platz herum, die bereitwillig unsere Bälle frisst. Aber für Tartan brauchen wir nicht unbedingt Nässe von oben, um unsere Talentfreiheit auszugleichen. Das bisschen Getröpfel reicht dann leider auch nicht aus, um die Glasscherben vom Platz zu spülen, die seit Silvester dort rumliegen. Auf Glasscherben und Reißzwecken haben sie im Saarland verzichtet. Aber sonst waren ihnen alle Mittel recht, um die Gäste auf ein möglichst ungewohntes Terrain (wie der frankophile Virage-Steher zu sagen pflegt) zu locken. Auf dem war dann der Kaderwert oft kein Faktor mehr. Als halbe Franzosen reihten sich ihre Matschpläne gegen überlegene Gegner in die Reihe großer Feldtaktiken kleiner Feldherren ein, die aber kurz vor der Herrschaft über ganz Europa enden sollten. Ausgerechnet die Nachbarn aus der gleichen Wetterzelle kamen dann mit den herrschenden Klimabedingungen am besten zurecht und dürfen nun stattdessen nach Berlin reisen. Da wird der Rasen natürlich á la bonheur sein. Und wenn nicht kurz vor dem Finale ein riesiges Aquarium ausläuft, höchstwahrscheinlich knochentrocken. Das Banner »Virage, Bagage – Drainage, Blamage«, das alle bekannten Französisch-Vokabeln des pfälzer Bergvolkes zusammenfasst, wird wahrscheinlich nicht gebraucht. Da muss beim Finale schon etwas Kreativeres kommen. Am besten etwas, dass den Finalgegner und haushohen Sieger davon abhält, nach dem Abpfiff Aspirin in den Pokal zu schütten. Wir versuchen wieder Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 den Elementen jeglicher Art zu trotzen und kommen trotz möglicher Verbannungen durch das Wetter immer wieder. Aux Armes!


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