Arschbombe ins Bällebad

Inzwischen haben es wirklich alle mitbekommen, dass der Bolzplatz wieder offen ist. Also erzählen wir es besser nicht mehr überall herum. All die Basketballer, Handballer, Footballer, Tennisspieler und Rhönradfahrer nutzen eine der wenigen Sportstätten, die etwas Bewegung verspricht. Da sieht es schnell aus wie in einem Freibad in Wuhan. Seit dieser Woche pilgern sogar wieder Bundeslandfremde herbei und alle haben Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 ordentlich aufzuholen. Manch einer wurde sogar schon mit Jadon Sancho verwechselt und das liegt nicht daran, dass das Trikot zu heiß gewaschen wurde. Plötzlich muss man sich erinnern. Wie war das noch mal als mehr als 3 Leute auf dem Platz standen. Was spielt man da? Lässt sich Fußballtennis auch als Mannschaftssport betreiben? Warum will dieser andere Mensch in meiner Spielhälfte meinen Ball? Ungewöhnliche Umstände, die zur Kreativität zwingen. Diese Markierungsdinger, die man sonst maximal als Pfosten auf dem Halbfeld benutzt werden, werden umfunktioniert um Teams auseinanderzuhalten. Weshalb man sie sogar ab und zu waschen muss. Aber was sollen die Leute auch zu Hause? Die Bundesliga ist längst entschieden und Sky will für den Rest der Saison tatsächlich auch noch Geld sehen. Zum Glück müssen Engländer und Italiener nur noch ein paar Tage ihr neu adoptiertes Lieblingsteam aus Sandhausen und ihren Goalgetter Dennis Diekmeier verfolgen bis wieder der echte spannende Fußball startet. Liverpool wird wohl doch noch Meister, allerdings erst nach dem FC Bayern im Juni. Wer hätte darauf gewettet?

Drei Ecken, ein Pythagoras

Es brauchte wohl erst einen Virus, um Fußball in Wismar in die internationale Fachpresse zu mogeln. Weil in den letzten Wochen recht wenig aktiver Fußball außerhalb von Weißrussland stattfand, holte 11Freunde für die jüngst erschienene Juni-Ausgabe zur großen Deutschlandreise zu magischen Fußballorten aus. Obwohl MV erst ab Montag wieder Ostwestfalen ins Land lässt, hat es die Autoren auch nach HWI verschlagen. Natürlich nicht bis in die Wismarena, aber das Kurt-Bürger-Stadion ist für den Anfang ja auch ganz okay. Vor allem weil dort der 60 Jahre alte Kinderfilmklassiker „Der neue Fimmel“ spielt, der die Fußball-Cineasten glatt „Flucht oder Sieg“ und „Potato Fritz“ vergessen lässt. Kuddel Moll und das weiße Schiff im Stadion haben die Redakteure offensichtlich hochgradig beeindruckt. Dabei haben die Spielszenen maximal unser Niveau. Die Hoffnung der Erwachsenen im Film, dass die Begeisterung der Kinder für den neuen Fimmel namens Fußball eine Modeerscheinung ist, habe unsere Angehörigen und Karl Lauterbach schon längst aufgegeben. Gerade in der fußballfreien Zeit wurde von uns gerne alles Ballähnliche mitgenommen und auch bereitwillig noch mal ein Vorrundenspiel vom Audi-Cup in der Wiederholung angeguckt. Hätte die Bundesliga also nicht den Neustart gewagt, hätten wir recht bald überprüfen können, ob wir uns wirklich so nah am Fußball der Sechziger bewegen. Die nächsten Gelegenheiten uns fußballerisch Richtung 70er Jahre zu bewegen besteht Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Aber nur, wenn ihr eure Mathe-Hausaufgaben fertig habt.

http://212.201.36.177/~kopfgraetsche/?p=875

https://www.facebook.com/JensundOtto/videos/2544690795799399/

Lost in the Supermarket

Nachdem sich die Bundesliga beim Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ ganz eindeutig für „Pflicht“ entschieden hat, kommen nun doch ungewollt ein paar Wahrheiten ans Licht. Nicht alle eignen sich für einen Hollywood-Blockbuster oder ein Facebook-Live-Video, aber im Kuriositätenkabinett der Menschheit findet sich immer noch ein Platz dafür. So wie die etwas zähe Einkaufsstory von Heiko Herrlich, die dazu geführt hat, dass der Augsburg-Coach, der seit zwei Monaten auf sein Pflichtspieldebüt warten muss, sein erstes Spiel nicht im Stadion betreuen kann. Quasi der erste Trainer, der gefühlt dauerhaft ins Home Office wechselt. Und das nur, weil er das erste mal nach 1999, als er ein Mundwasser für Oli Kahn suchte, wieder zu Schlecker gehen wollte und merken musste, dass Quarantäne keine Hautcreme ist.

»Wir sind im Hotel in Quarantäne und sollen da eigentlich auch nicht rausgehen, aber es gibt halt Situationen, die es einfach erfordern. Ich habe keine Zahnpasta mehr oder die ist am ausgehen und habe keine Hautcreme mehr gehabt und dann bin ich mit meinem Trainingsanzug in der Nähe zu einem Supermarkt, den ich nicht nennen möchte, gegangen. Auf dem Weg dahin habe ich gemerkt, dass ich meine Schutzmaske vergessen habe, bin nochmal hoch aufs Zimmer, habe die geholt. Ich bin dann da rein und da war zufällig eine Verkäuferin, die mich direkt darauf hingewiesen hat, dass man hier nur mit Wagen reinkommt. Ich hatte 20 Euro in der Tasche mitgenommen und habe ihr dann gesagt, dass ich nur Zahnpasta und Hautcreme mitnehmen möchte und zwei Hände habe und das auch ohne Wagen schaffe. Dann sagt sie: ‚Nein, das sind Vorgaben. Da halten sich alle dran, da muss sich jeder dran halten und wir müssen drauf achten.‘ Dann habe ich sie nochmal versucht zu überreden, habe ihr gesagt, dass ich nur einen 20-Euro-Schein habe und kein Kleingeld und mir gar keinen Wagen holen kann. Dann hat sie gesagt, dann wechsele ich Ihnen das an der Kasse. Dann bin ich mitgegangen zur Kasse und dann hat sie mir das gegeben. Dann habe ich das 1-Euro-Stück gehabt und bin rausgegangen, musste dann durch den Ausgang wieder raus und während dem Rausgehen war ich dann wieder mit anderen Dingen beschäftigt im Kopf – auf das Spiel – und bin rausgegangen und in Gedanken bin ich wieder reingegangen und stand dann plötzlich wieder vor der Hautcreme und Zahnpasta und habe mir das in die Hand genommen und habe gemerkt, irgendwas passt nicht, irgendwas fehlt. Und dann ist mir aufgefallen, ich muss ja eigentlich den Wagen holen. Dann bin ich wieder rausgegangen, an der Kasse vorbei. Die Frau hat mich komisch angeschaut. Ich habe den Wagen draußen geholt und bin dann reingefahren mit dem Wagen und habe die Zahnpasta und die Hautcreme in den Wagen gelegt, bin an die Kasse gegangen und war in dem Moment froh, dass ich die Schutzmaske aufhatte, in der Hoffnung, dass sie mich nicht erkennt. Die hätte sich auch gedacht, was haben wir da für einen Trainer geholt, wenn sie mich erkannt hätte.«

Gut, wenn man jetzt Supermarkt durch Transfermarkt ersetzt und Zahnpasta durch Jadon Sancho sowie Hautcreme durch Timo Werner dann könnte da doch noch eine aufregende Story draus werden. Aus den 20 Euro werden dabei fix 200 Mio und schon kann das mit der Kalou-Story von letzter Woche mithalten. So oder so wird es leider wohl das Spannendste an dem Spiel Augsburg gegen Wolfsburg bleiben. Nun ja, wir werden es bestimmt trotzdem angucken, um zu sehen wie die Profis mit den Kopfgrätsche-Bedingungen klarkommen. Das Original ohne Zuschauer aber mit frisch geputzten Zähnen gibt es wieder Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Nach den Erfahrungen der letzten Woche empfehlen wir vorher Sonnencreme aufzutragen. Wo es welche für unter 20 Euro gibt, entnehmt ihr bitte den Angebotsprospekten der Tagespresse. 

Are they f**king with us?

Ab nächster Woche sind sie wieder in den Arenen. Die German Gladiators machen dann auf dem internationalen Fernsehmarkt den Weißrussen ordentlich Konkurrenz. Dabei können sie die Hygiene- und Abstandsregeln wahrscheinlich genauso gut einhalten wie die Guys vom World Wrestling Entertainment. Und sie können ähnlich konspirative Videos hinter den Kulissen machen. Das Script liest sich dann tatsächlich auch so als ob sich Hulk Hogan mit Kevin Nash und Scott Hall zur nWo zusammenschließt: „They are making a lot of money with us“, „They are Crazy. I don’t fucking understand, why do they do that?“ „I will ask them, are they fucking with us?“, „We already signed the fucking paper.“ Danach wird laut Drehbuch einem der vermeintlichen Buddys ein Klappstuhl über den Kopf gezogen und ein Weiterer per Chokeslam in die Absperrgitter geschleudert. Dann folgen ein paar Fistbumps für die neuen Verbündeten. Kurzer Beef mit dem Undertaker, der gerade per Closeline einen Abstrich macht und schon geht’s raus in den Ring. Der Erfolg auf dem amerikanischen Markt sollte der Bundesliga also gewiss sein. Im klassischen Tagteam-Fight bleibt jeder in seiner Laienschauspiel-Gruppe und klatscht wenn möglich nur mit der Leiter ab, die zufällig neben dem Spielfeld aufgestellt wurde, um nach dem Spektakel noch gründlich die Decke zu weißen. Jeder Zweikampf tut allerdings nur weh, wenn man nicht weiß, wann man fallen und über den Boden rollen muss. Insofern sollten Bundesligaspieler sehr gut vorbereitet sein. Nur wir müssen uns noch etwas weiterbilden und üben Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 noch ein paar Backbreaker, Brainbuster und Pildedriver.

Das Nerdderby: Wer bin ich? (Folge 3)

Der Wandervogel der letzten Woche war nicht ganz so einfach zu bestimmen. Vor allem weil der sich im Rheinland in jedes mögliche Nest gesetzt hat. Andrej Woronin war über Jahre gefühlt die Brechstange, die man gut noch mal in der zweiten Halbzeit einwechseln konnte, um ein Tor zu erzwingen. Er spielte für ganze 6 Bundesliga-Vereine, sowie in Liverpool und Moskau. Die EM 2012 im eigenen Land war mit dem Vorrundenaus der Ukraine für ihn eine Enttäuschung. Erraten musste ihn natürlich ein Herthaner. Zwar spielte er nur eine Saison für die alte Dame. Aber in dieser Spielzeit bildete er mit Marko Pantelic ein krasses Duo und erzielte 11 Tore. Unter Lucien Favre stand die Hertha sogar ein paar Spieltage auf Platz 1 und verpasste mit Platz 4 am Ende die Champions League nur knapp. Meister wurde tatsächlich der VfL Wolfsburg.   

Nun gut, auch diesmal gibt es wieder einen Spieler zu erraten, der gut rumgekommen ist. Wer bin ich? Ich spielte in Vereinen mit:

Dirk Schuster
Olaf Marschall
René Schneider
Heiko Scholz
Jens Melzig
Michael Ballack
Andreas Köpke
Eike Immel
André Breitenreiter
Manni Schwabl
Michael Frontzeck
Miroslav Stevic
Francisco Copado
Ansgar Brinkmann
Wayne Bridge

Geboren bin ich in einer Stadt, die für ein anderes Spiel weltberühmt geworden ist. Meinem Opa wurde unterstellt ein Fußballstadion kaputt gemacht zu haben. Dennoch darf ich, falls die Bundesliga demnächst wieder mit Geisterspielen startet, als einer der Ersten wieder ins Stadion. Und eigentlich hätte ich in diesem Musikvideo die Hauptrolle spielen müssen: