Nachdem sich die Bundesliga beim Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ ganz eindeutig für „Pflicht“ entschieden hat, kommen nun doch ungewollt ein paar Wahrheiten ans Licht. Nicht alle eignen sich für einen Hollywood-Blockbuster oder ein Facebook-Live-Video, aber im Kuriositätenkabinett der Menschheit findet sich immer noch ein Platz dafür. So wie die etwas zähe Einkaufsstory von Heiko Herrlich, die dazu geführt hat, dass der Augsburg-Coach, der seit zwei Monaten auf sein Pflichtspieldebüt warten muss, sein erstes Spiel nicht im Stadion betreuen kann. Quasi der erste Trainer, der gefühlt dauerhaft ins Home Office wechselt. Und das nur, weil er das erste mal nach 1999, als er ein Mundwasser für Oli Kahn suchte, wieder zu Schlecker gehen wollte und merken musste, dass Quarantäne keine Hautcreme ist.
»Wir sind im Hotel in Quarantäne und sollen da eigentlich auch nicht rausgehen, aber es gibt halt Situationen, die es einfach erfordern. Ich habe keine Zahnpasta mehr oder die ist am ausgehen und habe keine Hautcreme mehr gehabt und dann bin ich mit meinem Trainingsanzug in der Nähe zu einem Supermarkt, den ich nicht nennen möchte, gegangen. Auf dem Weg dahin habe ich gemerkt, dass ich meine Schutzmaske vergessen habe, bin nochmal hoch aufs Zimmer, habe die geholt. Ich bin dann da rein und da war zufällig eine Verkäuferin, die mich direkt darauf hingewiesen hat, dass man hier nur mit Wagen reinkommt. Ich hatte 20 Euro in der Tasche mitgenommen und habe ihr dann gesagt, dass ich nur Zahnpasta und Hautcreme mitnehmen möchte und zwei Hände habe und das auch ohne Wagen schaffe. Dann sagt sie: ‚Nein, das sind Vorgaben. Da halten sich alle dran, da muss sich jeder dran halten und wir müssen drauf achten.‘ Dann habe ich sie nochmal versucht zu überreden, habe ihr gesagt, dass ich nur einen 20-Euro-Schein habe und kein Kleingeld und mir gar keinen Wagen holen kann. Dann hat sie gesagt, dann wechsele ich Ihnen das an der Kasse. Dann bin ich mitgegangen zur Kasse und dann hat sie mir das gegeben. Dann habe ich das 1-Euro-Stück gehabt und bin rausgegangen, musste dann durch den Ausgang wieder raus und während dem Rausgehen war ich dann wieder mit anderen Dingen beschäftigt im Kopf – auf das Spiel – und bin rausgegangen und in Gedanken bin ich wieder reingegangen und stand dann plötzlich wieder vor der Hautcreme und Zahnpasta und habe mir das in die Hand genommen und habe gemerkt, irgendwas passt nicht, irgendwas fehlt. Und dann ist mir aufgefallen, ich muss ja eigentlich den Wagen holen. Dann bin ich wieder rausgegangen, an der Kasse vorbei. Die Frau hat mich komisch angeschaut. Ich habe den Wagen draußen geholt und bin dann reingefahren mit dem Wagen und habe die Zahnpasta und die Hautcreme in den Wagen gelegt, bin an die Kasse gegangen und war in dem Moment froh, dass ich die Schutzmaske aufhatte, in der Hoffnung, dass sie mich nicht erkennt. Die hätte sich auch gedacht, was haben wir da für einen Trainer geholt, wenn sie mich erkannt hätte.«
Gut, wenn man jetzt Supermarkt durch Transfermarkt ersetzt und Zahnpasta durch Jadon Sancho sowie Hautcreme durch Timo Werner dann könnte da doch noch eine aufregende Story draus werden. Aus den 20 Euro werden dabei fix 200 Mio und schon kann das mit der Kalou-Story von letzter Woche mithalten. So oder so wird es leider wohl das Spannendste an dem Spiel Augsburg gegen Wolfsburg bleiben. Nun ja, wir werden es bestimmt trotzdem angucken, um zu sehen wie die Profis mit den Kopfgrätsche-Bedingungen klarkommen. Das Original ohne Zuschauer aber mit frisch geputzten Zähnen gibt es wieder Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00. Nach den Erfahrungen der letzten Woche empfehlen wir vorher Sonnencreme aufzutragen. Wo es welche für unter 20 Euro gibt, entnehmt ihr bitte den Angebotsprospekten der Tagespresse.