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Na, braucht ihr auch noch so ’nen blauen Hoodie? Ist ja quasi das Must-Have für jeden, der sich einen überzeugten Kopfgrätscher nennt. Wo die Sterne geblieben sind? Äh, nun ja… wer schon einmal eine ordentliche Kopfgrätsche ausgeführt hat, sieht die mit hoher Wahrscheinlichkeit. Okay, in der nachgemachten Version, die gerade in ganz Europa im Umlauf ist, bekommt man tatsächlich ein paar mehr Sterne fürs Geld. Aber nur, weil keiner dieser Salonrebellen, die Kapuze aufsetzen will, die ja das eigentliche Highlight ist. Mal gucken, ob sich einer von denen für die europäische Sache oder weil gerade Wahlkampf ist, am Samstag 10:30 oder Mittwoch 18:00 auf dem Platz sehen lässt. Ansonsten ist Europa natürlich eine feine Sache. Wer träumt nicht vom Eurobbabogaaal? Und wer sich in diesem Wettbewerb richtig doll anstrengt und vielleicht noch eine Menge Geld ausgibt, kann es am Ende sogar bis Baku schaffen. Eventuell muss man ein paar Fans und Spieler zuhause lassen, aber der Exotikfaktor ist auf jeden Fall hoch. Auf jeden Fall höher als in Europa sonst. Da tragen wir doch alle inzwischen von Lissabon bis Nikosia und von Helsinki bis Valetta die gleichen Barça-Trikots unter dem Europa-Pulli. Barça, Juve und die Bayern haben dieses Jahr allerdings den Engländern das Abenteuer europäisches Finale komplett überlassen. Das könnte aber am Ende doch das falsche Zeichen sein, um die Briten doch noch von Europa zu überzeugen. Da kann man gleich Arsenal- und Liverpoolfans ein paar blaue Hoodies schenken.
Puh, das war knapp. Bis Dienstag sind wir noch fest von einem Ausscheiden ausgegangen. Es sprach ja auch wenig für ein Weiterkommen. Was war schon groß auf der Habenseite? Die Quoten der Wettbüros waren jedenfalls ein guter Indikator für die Unmöglichkeit. Aber seit Dienstag ist alles anders. Das Undenkbare wurde zum Möglichen und dann zum Wahrscheinlichen. Auch wenn niemand den Effekt für die Zukunft voraussagen kann, es scheint klar, dass der Trend gestoppt wurde. Warum auch nicht? Dass heute tatsächlich Kinder geboren werden, die Jürgen heißen, muss irgendwie mit Dienstag zusammenhängen. Klar der Effekt beschränkt sich wahrscheinlich noch auf Liverpool und Umgebung. In London setzt man derzeit noch auf andere Trendnamen und fremdelt ein wenig. Aber schon das nächste royale Baby könnte Jürgen heißen. Die Quote der Wettanbieter hat sich garantiert dafür verbessert. Wenn jetzt noch ein Schauspieler oder Musiker mit diesem Vornamen auftaucht , bröselt der Widerstand junger Eltern nur so dahin und vom Tabellenplatz 323 können wir vorsichtig nach oben schielen. Der Name hat zwar immer noch den selben komischen Klang, aber seit Dienstag eine andere Bedeutung. Früher hieß er übersetzt der Landmann oder Bauer, nun bedeutet er Comebacker. Und eigentlich hätte man das schon immer ahnen können. Denn wer kehrt Woche für Woche Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 immer zum Bolzplatz zurück? Richtig.
Als wir hier vor wenigen Wochen Ralf Rangnick zitiert haben, wie er gegen die dicken Kinder von Landau und ihre Playstation wetterte, kam kurz danach die Reue. Nicht weil ich eine Playstation geschenkt bekommen habe, sondern weil Christian Streich kurz darauf die viel bessere Pressekonferenz abgehalten hat. Die Sätze zum Niederknien waren zwar in seinem typischen Idiom, aber gingen direkt ins Herz. Natürlich besteht die Gefahr, dass man in Zukunft Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 nicht nur Nachholspiele der dritten Liga, sondern auch Champions League, Euro League oder Super League-Spiele verpasst. Aber solange jemand den Fußball trotzdem in seinem Inneren so liebt wie Christian Streich, gibt es noch Hoffnung. Er würde wahrscheinlich sogar am Kopfgrätsche-Fußball noch Liebenswertes entdecken und könnte sogar die Krater im Platz romantisch umschreiben. Also statt wie in den letzten 20 Jahren darauf zu hoffen, dass plötzlich ein Scout aus der Premier League auftaucht und unsere verkannten Talente entdeckt, hoffen wir lieber darauf, dass eines Tages Christian Streich kurz am Bolzplatz vorbeiradelt und uns den Ball zurück über den Zaun schießt. Mehr geht nicht. Dass letztes Wochenende Ralf Rangnick mit seiner Brause-Marketingabteilung gegen Streichs Freiburger gewonnen hat, soll am Ende nicht verschwiegen werden. Aber die Laufwege des Fußballgotts sind nun mal unergründlich.
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