Ronaldo und die Entdeckung der Gemütlichkeit

„Liebe Portugiesen, der Tag ist gekommen, das Trikot mit der Nummer 7 unserer Nationalmannschaft zurückzugeben. Ich habe es nie als ausschließlich mein eigenes empfunden, aber 23 Jahre lang hatte ich das Privileg und die Verantwortung, es zu tragen, es zu verteidigen und es mit mir in die Stadien auf der ganzen Welt zu nehmen. Heute ist der Moment gekommen, es der Zukunft zu übergeben. Es war keine leichte Entscheidung, denn es gibt Entscheidungen, die man nicht nur mit dem Kopf trifft, sondern auch mit dem Herzen.“ Da sieht man es mal wieder: man sieht nur mit dem Herzen gut. Ronaldo ist nach 23 Jahren in der Seleção nicht mehr der kleine Prinz, der die Sehnsüchte der Portugiesen tragen kann, sondern eher die Rose. Schön, eitel, launisch und fordernd – und am Ende trotzdem von der Geschichte verschluckt. Statt dieses mit KI zusammengeprompteten seelenlosen Standardtextes, hätte Ronaldo natürlich auch den Schlingensief machen können. Der Titel seiner aktuellen Ausstellung in Berlin „Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine“ wäre doch viel ehrlicher und passender gewesen, oder? Oder er hätte auch Janosch zitieren können: „Wer fast nichts braucht, hat alles“ oder „Man braucht im Leben nicht mehr als eine Hängematte und eine Kiste Bier – den Rest kann man weglassen.“ Und aus der Hängematte kann man natürlich auch bei Bedarf ein Tornetz machen, wenn man doch Lust hat mal wieder einen Ball in selbiges zu lupfen. Ronaldo in der Hängematte kann man sich aber nun wirklich nicht vorstellen. Auch Samstag 10:30 müssen wir wieder ohne Netz den Ball in Metallmaschen dreschen. Das klingt nicht ganz so poetisch, aber eine pathetische Frühverrentung wie Ronaldo mit 41 käme uns auch nicht in den Sinn.