Mein Freund der Turnierbaum

Da ist die EM-Gruppenphase schon wieder vorüber und damit auch schon das Gros der Spiele. Viele Punkte gibt es also in den Tippspielen nicht mehr zu holen. Und dabei ist man gerade jetzt einigermaßen wieder im Mathematikstoff der dritten Klasse angekommen. Was ist das am Ende der Vorrunde aber auch für eine wilde Rechnerei. Erinnerungen an schlimme Textaufgaben werden wach, die man am Ende dennoch falsch hatte, weil man den UEFA-Koeffizienten nicht durch die gelben Karten bei den letzten drei Turnieren geteilt hatte. Dabei ist das die Stunde der Fußballnerds, die als Einzige auf der Fanmeile darum wissen, dass das nächste Tor überhaupt nicht gut für den Turnierbaum ist. Während alle anderen bierselig und naiv sich einfach über Tore freuen, rechnet der Kenner sorgenvoll durch, dass uns jede weitere Bude irgendwann auf die Füße fällt. Selbst wenn man die cleverste Berechnung seit Oppenheimer mit allen Dummköpfen auf der Fanmeile teilt, was nützt es, wenn diese Mindblow-Info nicht bei Niclas Füllkrug ankommt? Für die kurzfristige Stimmung mag so ein Tor ja wichtig sein, aber man muss doch auch mal an unsere Position im nächsten Lostopf für die Nations League denken. Am Ende landen wir in einer Todesgruppe und man ist ja nicht Österreich, das solche Gruppen einfach und unbeschwert gewinnt. Die Alpenkicker konnten sich aber auch jahrelang in den Redbull-Akademien und Leipzig gemeinsam einspielen. Da sieht man mal wie man mit dem nötigen Weitblick langfristig ans Ziel kommt. In der KO-Phase des Turniers ist die Rechnerei allerdings fast wieder vorbei. Wer unter Entzug leidet, kann natürlich die Elfmeterstatistiken aller potentiellen Schützen auswendig lernen und mit dem Insiderwissen, dass Ronaldo von seinen letzten 192 Elfmetern 163 verwandelt hat, alle Umstehenden ins Koma nerven. Hauptsache man wendet dieses „Fachwissen“ nicht bei den Tippspielen an. Der letzte Platz ist sonst gewiss. Beim Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 kann man erstklassig den Entzug vom sinnlosen Statistikporn üben. Jedes Tor ist nur ein Tor. Manchmal werden sie gezählt, manchmal aber auch vergessen und am Ende entscheidet das Letzte.    

Zwischen vierundzwanzig Check24-Schörts

Jetzt haben wir schon eine Woche Sommermärchen und ich habe immer noch ’ne lange Hose an. Allerdings immerhin keine Wathose wie man sie an manchen Spielorten gebraucht hätte. Aber auch Nachts ist es bisher nicht ganz so lauschig, dass man gern noch eine Extrarunde Autokorso fährt oder seinen Rausch selig in der Turnhalle auf Schalke ausschlafen kann. Die deutsche Nationalmannschaft liegt auch nicht den ganzen Tag am Pool, sondern spielt lieber stundenlang für den viralen Content um ihn herum. Scheint also immer noch nötig zu sein den Pool zu beheizen, damit man sich nicht wie Per Mertesacker in der Eistonne fühlt. Aber spätestens zum Ende der Vorrunde sollte es doch langsam etwas werden mit dem Sommer. Die Trikots der Ausrüster Adidas und Puma kleben jedenfalls schon recht ordentlich an den Oberkörpern der Athleten. Kann aber auch daran liegen, dass es gar keine Weltraumtechnologie ist, die dort vernäht wurde, sondern der übliche Plastemüll, der garantiert, dass von den 100 Euro im Fanshop, wenigstens 98 als Gewinn übrig bleiben. An manch einem Spieler sehen sie schon kurz nach dem leidenschaftlichen Brüllen der Hymne aus, als ob sie reif für die Kleidertonne sind. Bis zur Halbzeit sollten sie allerdings schon halten. Aber ob man das Stöffchen noch nach 90 Minuten tauschen möchte? Nun ja, diese Bälger mit den von Vati selbstgekrakelten Schildern nehmen jeden Dreck. Vati könnte die Beute aber immerhin noch zum Kopfgrätschen Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 anziehen. Wenn es nur das Check24-Trikot ist… auch egal. Aber jeder sollte dreimal schnell hintereinander  sagen können: zwischen vierundzwanzig Check24-Schörts sitzen zwei tschechische Schick-Shirt-Träger.