Frühsport bei Monsieur Mbappé

Der normale Ligaalltag steht kurz bevor und ein wichtiger Indikator ist, dass wochenlange Transferspekulationen das Sommerloch füllen müssen. Natürlich wird aus vielen Gerüchten nichts, aber auch bei Transfers, die passieren, vergehen gefühlt vier Wochen vom Gerücht bis zum halblustigen Social-Media-Video des aufnehmenden Clubs. Da muss wohl im Hintergrund meist noch ganz viel im Vertrag von den Anwälten dazugekritzelt und wieder wegradiert werden. Ausstiegsklausel, Auflaufprämie, Weiterverkaufsbeteiligung, Karnevalsklausel, betriebliche Altersvorsorge, Tankgutscheine, Telefonverträge – das Duell der juristischen Parteien hätte eigentlich einen eigenen Ticker verdient. Damit könnte man auch den Sportteil vollschreiben, aber stattdessen steht dort meistens nur: Wechsel von xy zu yx droht zu platzen. Und das nur, weil noch geklärt werden muss, ob der Spieler in 3 Jahren Vertragslaufzeit mehr kurzen oder weniger langen Content für den vereinseigenen TikTok-Kanal posten soll. Nun ja, muss halt alles geklärt sein. Auch der Wechsel von Kilian Mbappé zu Real Madrid hat sich gefühlt 3 Jahre gezogen. Lustiger Move, dass Mbappé dann seinerseits gefühlt spontan einen ganzen Club gekauft hat. Auch hier werden natürlich die Anwälte einiges zu tun gehabt haben, denn unter der Schlagzeile steht, dass seine Firma Interconnected Ventures für 20 Mio. €  80% vom US-Investor Oaktree übernimmt. Ganz ehrlich, das ist jetzt nicht wirklich die romantische Meldung von einem Jungen, der sich seinen Kindheitstraum von einem eignen Fußballclub erfüllt. Und was haben Meldung über die Steuersparmodelle von Superreichen überhaupt im Sportteil verloren? Während die olympischen Spiele in Frankreich laufen, bei denen Mbappé eigentlich mal als wichtiger Sportbotschafter antreten sollte. Aber wer weiß, vielleicht schließt Kilian parallel noch einen Vertrag mit einem Streamingdienst, um eine Kultserie über sein Leben als entnervter Clubbesitzer des SM Caen zu drehen. Darin sieht man ihn dann im Stile kultiger französischer Komödien in der schroffen Normandie wie er regelmäßig seine ungleich weniger talentierten Spieler daran erinnert, dass Samstag 10:30 und Mittwoch 18:00 nicht in die Dorfkneipe gegangen sondern gespielt wird. Unterdessen versuchen die bauernschlauen Einheimischen sich auf amüsante Weise ständig vor der Arbeit zu drücken und tricksen den wohlhabenden Chef eins ums andere mal kreativ aus. Das wird natürlich geguckt.